Forum: Auto
Auto-Schrauber: Hilf dir selbst, dann hilft dir Etzold
Tina Demetriades

Generationen von Autobesitzern haben seine Werke verschlungen. Rüdiger Etzolds "So wird's gemacht"-Bücher gelten als die Bibel der Schrauber. Das Problem: Wer liest heute noch die Bibel?

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Hupert 24.06.2014, 12:22
20. Ich überlege...

Zitat von sads
Da treffen Sie mich wirklich sehr hart. Ich kann Ihre Sorge um Menschen wie mich jedoch etwas dämpfen: Sollte die Netzabdeckung tatsächlich mal fehlen, fahre ich mit meinem 2014er 911er Cabrio einfach dorthin, wo ich wieder telefonieren und surfen kann. Sollte das Problem damit nicht zu lösen sein, werde ich mit meiner Partnerin einfach zwischenzeitlich in ein gutes Restaurant gehen. Sie können die Zeit ja für die Jagd nutzen oder ihr Auto zum x-ten mal reparieren. In den klassischen iPhone-Generationsbranchen wie z.B Enterprise Solutions hat man leider keine Zeit mehr für sowas und verbringt die wenige Freizeit daher lieber mit Entspannung um einem Burnout vorzubeugen. Anders als "ehrlich arbeitende Leute" wie Sie, verbringen wir iPhone-Generationsnasenbohrer unsere Zeit nämlich größtenteils in der Arbeit - auch noch dann, wenn Sie gerade ihr Feierabendbier trinken um kurz darauf am frühen Nachmittag nach Hause zu gehen.
...echt gerade ob ihr Beitrag ironisch gemeint war aber wenn nicht haben sie Vorurteile mit Vorurteilen gekontert. Auch nicht so prickelnd. Nachlassende Praxisnähe und miesere motorische Fähig- und Fertigkeiten muss ich meiner Nachfolgegeneration aber leider auch unterstellen. Naja, die Interessen verschieben sich irgendwann auch wieder...

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Wellen-Reiterin 24.06.2014, 12:28
21. Selbst ist die Schrauberin!

Insbesondere Frauen kann ich die Bücher wärmstens empfehlen, nicht nur zum Selberschrauben, sondern auch vor dem Gang in die Werkstatt. Selbst ist die Frau, auch bei Diagnose und Einschätzung des Reparaturaufwands. Bei einer gewissen deutschen Werkstattkette gehe ich inzwischen als "Dame vom Fach" durch, und sage denen, was gemacht werden soll, und nicht umbekehrt, ach wie fein das ist! Selbstverständlich repariere ich auch selbst, was besonders beim Austausch von Karosserieteilen sehr gut machbar ist: eine neuer Kotflügel vom Schrottplatz, gleiches Modell, gleicher Jahrgang, gleiche Lackierung, mit Teilekosten bei 10 % der Werkstattrechnung , plus ein paar Stunden Arbeit, natürlich. Yipppeee!

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tpro 24.06.2014, 12:32
22.

Zitat von Hupert
...echt gerade ob ihr Beitrag ironisch gemeint war aber wenn nicht haben sie Vorurteile mit Vorurteilen gekontert. Auch nicht so prickelnd. Nachlassende Praxisnähe und miesere motorische Fähig- und Fertigkeiten muss ich meiner Nachfolgegeneration aber leider auch unterstellen. Naja, die Interessen verschieben sich irgendwann auch wieder...
Das hat nicht nur mit dem Verschieben von Interessen zu tun.


Früher: erstes Auto für 500,- Mark. Oft kaputt, wenig Geld. Also zwangsläufig selbst schrauben. Schrottplätze gab es auch genug, wo man für kleines Geld z.B. einen Vergaser bekam.

Heute: Oma oder Papa kaufen für den Sprößling ein fast neues Auto. Ist was dran kaputt, greifen die Käufer nochmals in die Tache um die Mühle in der Werkstatt reparieren zu lassen.

Fazit: durch Selbstschrauben lernte man was und sparte Geld; durch nicht Selbstschrauben wird man arroganter 2014er 911er Porschefahrer mit iPhoneeingedrücktem Ohr.

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Petersbächel 24.06.2014, 12:35
23.

Zitat von rennflosse
Ich meine das Konkurrenzprodukt, geschrieben vom Ingenieur Dieter Korp und unter dem Buchtitel "Jetzt helfe ich mir selbst" vom Motorbuch - Verlag vertrieben.......Erinnert sich noch jemand daran?
In der Tat dachte ich erst, es ginge um diese Bücher. Aber irgendwie war doch der Name anders :)

Ja, Korp. Vom Käfer über den R4 bis hin zum T3 hat der mich begleitet.

Vom Peugeot 104 gabs nur das von Etzold. Und in der Tat: Eine der größten Schwächen dessen Bücher war die Tatsache, daß zwar das Zerlegen usw bis ins kleinste beschrieben war, daß aber meist fehlte, WAS man für WELCHE Arbeit zerlegen bzw. ausbauen muß. Was aber für den Hobbyschrauber meiner Generation, der alle Wartungsarbeiten, Unfallschäden und Normalreparaturen, aber keinen Zylinderkopfwechsel ausführen wollte, eigentlich sinnvoll gewesen wäre.

Hobbyschrauben wegen kleinem Geldbeutel hat eben am meisten mit Abwägen zu tun, ob das Wissen und das Equipement reicht oder ob man eben in den teuren Apfel "Werkstatt" beissen muss.

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Hupert 24.06.2014, 12:38
24. Ironischerweise...

Zitat von tpro
Das hat nicht nur mit dem Verschieben von Interessen zu tun. Früher: erstes Auto für 500,- Mark. Oft kaputt, wenig Geld. Also zwangsläufig selbst schrauben. Schrottplätze gab es auch genug, wo man für kleines.....
...ist es zu 90% exakt das Hipsterklientel das mich bewundernd immerwieder mit Kaufabsichten auf meinen mittlerweile 21 Jahre alten Volvo 940 Kombi anspricht. TÜV vor 3 Monaten mängelfrei... okay, die Karre säuft wie ein Loch aber gleicht das locker durch realen Nutzwert und seinen unschlagbaren Symphatiefaktor wieder aus.

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david-39 24.06.2014, 12:41
25. ^^

Zitat von sads
Da treffen Sie mich wirklich sehr hart. Ich kann Ihre Sorge um Menschen wie mich jedoch etwas dämpfen: Sollte die Netzabdeckung tatsächlich mal fehlen, fahre ich mit meinem 2014er 911er Cabrio einfach dorthin, wo ich wieder telefonieren und surfen kann.
Da bestätigen Sie eigentlich nur, was behauptet wurde. Es ging auch nicht darum, dass jemand viel oder wenig Geld verdient, sondern nur um mangelnde handwerkliche Fähigkeiten.
Ohne Coder, Admins und Ingenieure wäre die Netz-Infrastruktur nutzlos. Erfinder und Problemlöser aus anderen Bereichen sind ebenfalls unverzichtbar.
Sie waren wahrscheinlich auch nicht gemeint, sondern eher die breite Masse an Gebückten, deren Persönlichkeit sich zu über 50% im Netz befindet.

Auf der anderen Seite ist die virtuelle Welt nur eine weiterer künstlicher Teil unserer Gesellschaft, die die Komplexität erhöht und uns angreifbar macht. Man verlässt sich blind auf die Technik; es wird schon alles gutgehen.

Auch wenn man € 200k im Jahr verdient, sollte man wenigstens den Wert (nicht den Preis!) handwerklicher Arbeit kennen. Die Ausbildung von Schülern und Studenten ist, bis hin zum Abschluß, abstrakt und theoretisch. Viele Kulturtechniken, die über tausende von Jahren entwickelt und verbessert wurden, geraten in Vergessenheit.

Technik und Fortschritt sind nicht per se schlecht, man sollte aber immer einen Plan B haben und grundsätzlich ohne die Hochtechnik zurechtkommen können.

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Petersbächel 24.06.2014, 12:45
26.

Zitat von tpro
Früher: erstes Auto für 500,- Mark. Oft kaputt, wenig Geld. Also zwangsläufig selbst schrauben. Schrottplätze gab es auch genug, wo man für kleines Geld z.B. einen Vergaser bekam. Heute: Oma oder Papa kaufen für den Sprößling ein fast neues Auto. Ist was dran kaputt, greifen die Käufer nochmals in die Tache um die Mühle in der Werkstatt reparieren zu lassen.....
Die Frage sei gestattet, ob wir uns das damals nicht auch lieber gewesen wäre.

Die Antwort ist : Nein.
Warum? Weil man Respekt und Ansehen unter seinesgleichen nicht dadurch erreichte, daß man ein Auto oder Motorrad gekauft bekam. Sondern dadurch, daß man sich das selbst kaufte und mit Reparaturen usw so umging wie es dem eigenen Geldbeutel entsprach. Sonst war man ein Loser.

Weil nicht zählte, was man besaß, sondern wie man sich das erschafft hat.
Das ist heute anders. Heute ist Fassade Trumpf.
Mal abgesehen davon, daß die Eltern sowas auch garnicht finanziell leisten hätten können - und auch das selbst Umgehen können mit Geld und den eigenen Bedürfnissen schon mit 14 verlangten.

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dontstop 24.06.2014, 12:49
27.

Zitat von keksguru
ich bin ebenfalls ein sehr erfahrener Autobastler, und der gute Mann schreibt allzuoft nur das was in den Servicebüchern der Autohersteller drinsteht und die sind eher auf Maximierung des Werkstattaufwandes und nicht auf Minimierung des Reparaturaufwandes.....
Super, ich komme das nächste Mal mit meinem V8 zu Ihnen und spendiere Ihnen einen Kasten Bier für die verlorene halbe Stunde... Anfahrtsweg ist nebensächlich, denn meine Werkstatt behauptet dreisterweise für den Wechsel der ZKD 2 Manntage zu benötigen.

Und an die gestrigen Nörgler hier: Ihr werdet euch noch umschauen, wenn ihr euch mangels technischen Verständnisses in Zukunft nicht mal mehr euer Essen auf Rädern bestellen könnt. Schlichtweg, weil ihr die App nicht finden oder bedienen könnt. Und dann werdet ihr wieder sagen: Früher war alles besser.

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notbehelf 24.06.2014, 12:54
28. Eben

Zitat von david-39
Auch wenn man € 200k im Jahr verdient, sollte man wenigstens den Wert (nicht den Preis!) handwerklicher Arbeit kennen.
So ist es. Und darüber hinaus sollte man seine Grenzen kennen. Deswegen schraube ich nicht selber am Auto herum, schneide meine Haare selber oder gärtnere großartig im Garten herum sondern lasse es Fachleute tun. So habe ich Zeit für Dinge die ich kann und sichere gleichzeitig Arbeitsplätze. Geiz ist nicht immer geil.

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rennflosse 24.06.2014, 13:00
29. Klebt fest

Zitat von Stefan_G
... wenn Etzold das Beispiel Kotflügel bringt, gerade solche Fälle "Kotflügel verbeult, alter ab, neuer dran" wird in seinen Büchern immer sehr stiefmütterlich behandelt. Dafür wird seitenweise das Zerlegen des Kurbeltriebs, Wechsel der Nockenwelle, Einschleifen neuer Ventile, und und und beschrieben. Alles, was der Besitzer eines Großserienfahrzeugs (nicht Liebhaberstück oder Oldtimer) sowie nicht macht. Und wenn doch braucht er keine bebilderte Anleitung dazu.
Ich hatte das Problem, dass bei meinem Volkswagen Santana ('82) der vordere Kotflügel gar nicht mit Bordmitteln auszubauen war. Selbst nach dem Lösen sämtlicher Schrauben war das ganze so dermaßen mit Antidröhnmasse oder einem anderen klebrigen Zeug vermatscht, das klebte bombenfest.

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