Forum: Auto
Bizarre Oldtimer-Ausstellung: Rostige Schätze aus der Gruft
Heinz W. Jordan

Die Oldtimer-Sammlung der Gebrüder Schlumpf ist so sagenhaft wie umstritten. Jetzt hat ein Sammler im Keller eines Museums zahlreiche Modelle aufgespürt. Schon im kommenden Jahr will er sie ausstellen. Einige der Fahrzeuge wurden noch nie der Öffentlichkeit gezeigt - aus gutem Grund.

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Oberleerer 19.10.2012, 17:18
10.

Zitat von Vorausspiegeln
Das passt vieleicht zu dem Thema:vor 30 min habe ich das Fahrgestell eines 1957-er DKW Monza per Schweißbrenner in Stücke geschnitten und einem bulgarischen Schrotthändler gegeben. Schade- wieder ein Stück technisches Kulturgut beim Schrott, dank kein Interssse für ein Unikat von Audi Tradition!
Ich hätte es für den doppelten Preis genommen :)

Wo kommen wir denn hin, wenn jeder Hersteller seine eigenen Autos zurückkauft. Im Moment gibt es so viele reiche Leute, die ihr Geld nirgends loswerden.
Das vergammelte Original-Fahrgestell eines Monza ist aber womöglich wirklich nichts wert, wenn das Auto z.B. für Oldtimerrennen eingesetzt werden soll. Diese Rennwagen sind per se sehr verbastelt, diese Rennen sind ja kein Kinderkarussell. Da geht immer mal was Originales kaputt und muß ersetzt werden.

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schmid007 19.10.2012, 19:01
11. 30 Mio

Die Zahl "30 Mio" findet sich bei den Bildunterschriften.

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achras 19.10.2012, 19:58
12. Fragliches Ausstellungskonzept

Zitat von sysop
Ein Sammler [hat] im Keller eines Museums zahlreiche [Fahrzeuge] aufgespürt, [die er] im kommenden Jahr ausstellen [will].
Witzig, dass der Spiegel-Artikel sich trotz der Erwähnung der in Kassel stattfindenden Ausstellung sich weit überwiegend nur der Sammlung Schlumpf (Mulhouse) widmet, von der nun 40 nie gezeigte Stücke als Leihgabe im unrestaurierten Zustand (und mithin den Mythos" des Scheunenfundes beflügelnd) zahlungskräftige Besucher anlocken sollen...

Witzig auch, dass eine wirtschaftlich halb brachliegende Stadt mitten in Deutschland zur Feier von 1.100 Jahren Stadtgeschichte in einem relativ dezentral gelegenen Gewerbeareal, das eben auch nur zum Teil genutzt wird, nun also den Schrott ästhetisiert, zu dessen Wiederaufarbeitung bislang jahrzehntelang das Geld fehlte - die Exponate wären doch eigentlich eher ein Fall für die Veterama.

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beteigueze 19.10.2012, 20:01
13. Mobile Tradition

Zitat von spargel_tarzan
(...)mit einer isetta, einem bmw 600 oder 700 ist kein statt zu machen, da schmückt man sich gern mit den noblen dieser welt. ich halte solch ein verhalten für ein ausgewiesenes armutszeugnis. aber sie wollen sich nicht mit ihren armen verwandten zeigen...
Wie es sich mit Audi verhält, weiß ich nicht, aber bei BMW wird sehr viel Wert auf Tradition gelegt. Es gibt neben dem Museum beim Werk auch Halle in der Nähe vom FIZ, da stehen zehn mal so viele Veteranen drin, wie im Museum. Die werden auch (fast) alle gefahren. Wie BMW zu seiner "Knutschkugel" steht, können Sie an diesem Spot ablesen: [klick].

Und wenn Sie sich die Seiten von BMW Classic ansehen [klick], werden Sie feststellen, daß man sich nicht nur mit den noblen dieser Welt schmückt.

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achras 19.10.2012, 20:15
14. technische Sammlungen dienen auch der "Arterhaltung"

Zitat von FatherMacKenzie
Was haben denn perfekt restaurierte Fahrzeuge in einem Museum zu suchen? Alter, Zerfall und jetziger Zustand sind interessant - ansonsten können Sie sich doch eins a Repliken in die Halle stellen - Hauptsache piccobello, bunt und ohne Kratzer.
Ich würde behaupten, die Entscheidung darüber, ob patinierte und mithin auch optisch alte Gebrauchsgegenstände gezeigt werden, oder in den scheinbaren Neuzustand zurückversetzte Objekte, sei der Museumsleitung zu überlassen - BEIDES kann lehrreich sein.
Das in Hamburg-Barmbek ansässige Museum der Arbeit beispielsweise hat sogar einen Teil seiner Museumswerkstatt geöffnet, um dem zahlenden und staunenden Laien zu zeigen, wie die ehrenamtlichen Helfer instandsetzen, was das Museum künftig stolz präsentieren wird.

Das einstige Museum "Rosso-Bianco" in Aschaffenburg war seinerzeit die größte Sportwagensammlung der Welt, und ich muss ehrlich sagen, bei meinem ersten Besuch war ich ein wenig enttäuscht, die legendären Rennboliden der 60er und 70er Jahre in derart üblem Zustand gezeigt zu bekommen, obwohl mir bereits damals bewusst war, welchen finanziellen und zeitlichen Aufwand es bedeutet hätte, die Stück auch nur "oberflächlich" aufzufrischen.
Die Sammlung Schlumpf ist zu einer Zeit gewachsen, als ausgediente Fahrzeuge noch relativ preisgünstig zu bekommen waren, und die damalige Mentalität privater Museumsgründer favorisierten noch große "Vorratskäufe" gegenüber einer mit den Ankäufen mithaltenden Restaurationstätigkeit. In den Hallen/Lagerräumen stehen die im Dornröschenschlaf befindlichen Oldtimer ja immerhin wettergeschützt.

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achras 19.10.2012, 20:17
15. 30 Millionen

Zitat von dasGyros
Bin ich blind? Ich kann die Zahl 30 Millionen nirgendwo finden..
Andere Foristen haben Ihnen bereits geantwortet, wo der Betrag genannt wurde, ich biete Ihnen den Direktlink dorthin. (Faszinierend, welche Möglichkeiten die moderne Computertechnik bietet, wa?)

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achras 19.10.2012, 20:26
16. Vom Wandel des musealen

Zitat von dell-e
Ich bin mir nicht sicher, aber 30 Mio werden nicht reichen, um alle Fahrzeuge, die da im Keller stehen, wieder herzurichten und auszustellen ...
Nicht alle, da haben Sie recht - aber immerhin wäre ein Teil der Arbeitszeit zur Wiederaufarbeitung eines Teils der Fahrzeuge zu bezahlen.

Die Frage ist eben: Will man die Sammlung zusammenhalten? Oder Teile von ihr an kaufwillige Sammler verhökern? Im Zweifel gilt ja nicht mehr uneingeschränkt, was Krzysztof Pomian einst postulierte: Dass als Museumsexponat Verwendung findet, was der Warenzirkulation entnommen wurde. Selbst das Museum ist längst kein Hort zeitlich unbegrenzter Bewahrung des ungebräuchlich gewordenen mehr.

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witti 19.10.2012, 23:13
17. Autos sind zum fahren gebaut

Zitat von FatherMacKenzie
Was haben denn perfekt restaurierte Fahrzeuge in einem Museum zu suchen? Alter, Zerfall und jetziger Zustand sind interessant - ansonsten können Sie sich doch eins a Repliken in die Halle stellen - Hauptsache piccobello, bunt und ohne Kratzer.
Wirkliche Oldtimerfans wollen auch mit den Autos fahren oder sie zumindest fahren sehen. Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn diejenigen Autos, deren Zustand es noch zulässt, auch restauriert werden - zumindest soweit, dass sie auch fahrtüchtig und fahrsicher sind. Sie müssen nicht wie piccobello neu aussehen, nein im Gegenteil, unter echten Kennern sind Autos mit Patina sogar mehr gefragt und werden höher gehandelt als neuwertig restaurierte Fahrzeuge, vorausgesetzt die Technik ist einwandfrei.
Ich würde auch einige wertvolle Stücke wie den Mercedes Silberpfeil für 30 Millionen verkaufen und von dem Geld versuchen so viele Autos wie möglich wieder in einen Zustand zu versetzen, der sie fahrbereit macht und vor einem weiteren Verfall bewahrt.

Ich verstehe auch nicht, warum Mercedes kritisiert wird, weil sie bereit sind, so viel Geld für den Silberpfeil auszugeben. Mercedes ist die Autofirma, die am meisten Wert legt auf ihre Tradition und versucht, die alten Autos der Marke zu erhalten. Und alle Autos der Mercedes-Museumssammlung sind fahrbereit und werden regelmäßig bewegt und auch Oldtimer-Veranstaltungen gezeigt. Vorbildlich!

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Lexington67 20.10.2012, 10:32
18.

Zitat von Alternator
Was ist daran bizarr, den Menschen zu zeigen, was die Zeit aus der Technik macht? Was ist schlimm an einem von der Zeit und der Vernachlässigung gezeichneten alten Schatz wie dem Maserati? Und was hat das Thema Kunst mit einem Produkt des natürlichen Werdegangs eines Objektes zu tun, das von den Menschen als Wegwerfware behandelt wurde? Es ist weise, den Menschen vor Augen zu halten, wie in der Zwischenzeit mit dem, was heute die Augen von Geldsäcken zum rollen bringt, in Erwartung der potentiell erzielbaren Spekulationsobjekte. Dies Autos waren einmal Schätze, Träume, von ihren Erstbesitzern vom Mund angesparte Kleinodien, die irgendwann von den Geldsack-Ahnen der heutigen Geldsäcke zu Schrott, zu Müll, zu Beleidigung ihres guten Geschmackes erklärt wurden, und zu beseitigen waren. Es fanden sich andere Leute, mit Sinn für Schönheit der alten Technik und ästhetischem Empfinden für die teils unerreicht schönen Formen alter Autos, die diesen "Müll" wiederbelebt haben, und gezeigt haben, dass nichts von all dem Altmetall in die Presse gehören müsste. Und dann witterten die Geldsäcke wieder Geld durch Spekulation, Mercedes gäbe ja 30 Millionen.. Wer Oldtimer toll findet, und Verschrottungsprämien zustimmt, verdient sich an sich einen derben Tritt in den Allerwertesten für seine unreflektierte bis zynische Bigotterie. Bei einem England-Urlaub habe ich einmal eine junge Frau kennengelernt, die einen damals über 70 Jahre alten Frazer Nash fuhr. "Er verliert etwas Öl, aber läuft zuverlässig, um jeden tag die Kinder in den Kindergarten zu bringen.", sagte sie. geht das!
Bizarr finde ich wie sie eine alltäglichen Gebrauchsgegenstand übehöhen. Im Zusammenhang von Autos, Abwrackprämie und Oldtimern von Bigotterie zu sprechen sagt mir das sie doch in
einer merkwürdigen Welt mit kruden Wertvorstellungen leben.

Und der jungen Frau war wohl eher wichtig ihre Kinder durch die Gegend zu kutschieren. Angesichts heutiger Verkehrszahlen ist es ziemlich unvernünftig mit so einem Relikt durch den Alltag zu fahren, das vermutlich noch nicht mal Gurte hatte.

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immernachdenklicher 20.10.2012, 14:43
19. Ich gäb was dafür

24 Stunden in dem Keller stöbern zu dürfen. Mal anfassen, sich reinsetzen schnuppern. Mir wird ganz anders, wenn ich sowas sehe.

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