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Diskussion um Tempolimits: Mein Name ist Raser, ich kann sonst nix
DPA

In der Debatte um Tempolimits sind die Sachargumente ausgetauscht. Ein Aspekt fehlt noch: Viele Sympathisanten des Schnellfahrens denken, sie wären Könner hinter dem Steuer. Ein großes Missverständnis.

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Crom 23.01.2019, 16:54
280.

Um 150 oder 160 zu fahren, braucht man nicht viel mehr Können als bei 130. Warum also das Tempolimit auf so einen geringen Wert setzen? Ich fahre meist gemütlich 140 - 150 und wenn dann mal eine Kolonne vor mir auftaucht, fahre ich kurz und zügig (160 - 180) daran vorbei. Wo überschätze ich mich da? Wem das zu schnell ist, der kann gern auf Bundes- und Landstraßen ausweichen.

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Meconopsis 23.01.2019, 16:55
281. Warum nicht 150 oder 160 als Tempolimit ?

Man könnte doch auch mal über Tempo 160 als Limit diskutieren, warum immer 130 oder gar 120 ? Das wär doch eine pragmatische Lösung. Warum soll man auf einer leeren Autobahn, z.B. nachts, oder am Sonntag nicht ein bischen schneller fahren dürfen ? Warum wird bei uns immer so radikal und ideologisch an die Themen rangegangen ? Auf eine Diskussion lasse ich mich allerdings nicht, dass man auch bei Tempo 200 und mehr noch sicher unterwegs sei. Ich weiß, dass es diese irre Fraktion gibt, die die Meinung vertritt, sie hätten das alles im Griff, und es wäre gefahrlos... aber das ist wirklich Nonsens. Bei solchen Geschwindigkeiten kann eine Kleinigkeit genügen, eine kurze Unaufmerksamkeit wie Sekundenschlaf, ein Gegenstand auf der Strecke... und schon kanns einen gewaltigen Unfall geben, bei dem auch Unbeteiligte zu Schaden kommen können. So reaktionsfähig ist nämlich niemand.

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www.yzx.de 23.01.2019, 16:55
282. Statistik

Bislang belegen Statistiken vor allem, dass niedrige Geschwindigkeiten um die 100 km/h dazu führen, dass wesentlich mehr Unfälle passieren. Genau deswegen haben die Holländer mittlerweile wieder auf 130 km/h erhöht. In Österreich das Gleiche. Und viel schneller wird an etwa 18 Stunden pro Tag auch auf deutschen Autobahnen nicht gefahren. Mithin kann es sich bei den Forderungen nach Tempolimits nur um Überzeugungstäter handeln: Ideologie statt Fakten! Ähnlich bei der Forderung nach Tempo 30 innerorts: Zutreffend ist, dass das Verletzungsrisiko von Fußgängern und Radfahrern bei dieser Geschwindigkeit deutlich niedriger ist. Ökologisch ist das aber, ähnlich wie Holperschwellen etc., bestenfalls grober Unfug. Die Fahrzeuge fahren in kleinerem Gang mit höherer Drehzahl. Also mehr Dreck und (!) mehr Lärm und den auch noch für einen längeren Zeitraum. Im Übrigen stirbt jedes Jahr in D eine höhere fünfstellige Zahl von Menschen an multiresistenten Keimen. Hier könnte man z. B. die seit Jahren niedrige vierstellige Zahl an Verkehrstoten doppelt und dreifach "einsparen", einfach indem man ein paar Euro mehr für Reinigungsdienstleistungen aufwendet. Noch ein Beleg dafür, dass es nicht um Sicherheit sondern vor allem um Ideologie geht. Wenn ich das als (überwiegend) Bahn- und Radfahrer (der gerne mal alternativ zur langwierigen Bahnumsteigerei und -zuckelei auf "Nebenstrecken" das Auto nimmt, und bei 190 den Tempomat zuschaltet) mal so anmerken darf.

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pronwan 23.01.2019, 16:55
283. Jetzt mal ehrlich... (2/2)

Warum man Deutschen diesen gesunden menschenverstand immer streitig machen will, verstehe ich nicht. Um GOTTES WILLEN, der ist über rot gefahren!! Dass weit und breit kein einziges Autoo war und es schlichtweg hirnverbrannt ist, wie so ein Äffchen an der Ampel zu warten, scheint hier niemanden zu interessieren. Also muss auch beim Fahren ein striktes Limit her, denn sonst ist das ja am Ende noch den Leuten überlassen, wie sie fahren wollen... Das geht natürlich nicht...
So mal die Ironie wieder ausschalten und zu den weitere Vorteilen: Der Verkehr verteilt sich deutlich besser, wenn einige schneller fahren als andere und - ich gebe zu - es ist schlichtweg spannender, als umher zu schleichen und sorgt dafür, dass ich nicht so schnell müde werde.

Was gibt's für eine Lösung? Ganz einfach!
Warum findet man nicht einen sinnvollen Kompromiss, wie sonst immer? Ich höre immer nur - Tempo 130 oder frei... Letztendlich geht es aber doch um die kranken Raser, die mit 260 über volle Autobahnen brettern und andere gefährden. Wie wär's denn zur Abwechslung mal mit Tempolimit 180 oder 200? Je nach Strecke, je nach Verkehrslage. Stehen doch größtenteils die Display-Anlagen. Man kann doch ma flexibel sein. Wieso zu Hölle mit 130 umherschleichen, wenn ich auf einer VIERSPURIGEN Autobahn unterwegs bin über 400 Kilometer und keine Menschenseele weit und breit ist? Mit 180 oder 200 lässt sich immernoch flott fahren, wenn es die Situation zulässt und wer mit 250 über die Autobahn fährt, kassiert fleißig Punkte. Denn grundsätzlich kann ich schlichtweg nichts schlimmes daran finden, in einem modernen Auto 180 zu fahren, sofern die Situation es zulässt. Im Gegenteil. Für mich überwiegen hier klar die Vorteile.

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barrakuda64 23.01.2019, 16:55
284.

Wer schon einmal in Ländern wie den USA z. B. längere Zeit und längere Strecken gefahren ist, der wird feststellen, wie angenehm und entspannend es ist, wenn alle, ja, auch LKW, im annähernd selben Tempo fahren. Man muss nicht permanent in den Rückspiegel schauen, um sich abzusichern, dass nicht irgendein Dödel, der meint, selbst bei dichtem Verkehr und zufällig gerade mal freier linker Spur, mit 250 km/h angebrettert kommt und ein unter normalen Umständen völlig normales Überholmanöver unmöglich oder zumindest lebensgefährlich macht. Das hat nichts mit Mut und Können, sondern viel mehr mit grenzenloser Selbstüberschätzung und Rücksichtslosigkeit zu tun, denn der echte Könner erkennt kritische Situationen BEVOR sie entstehen und stellt sich entsprechend darauf ein. Ich fahre seit fast 40 Jahren Motorrad und teilweise auch auf Rennstrecken, bin also bestimmt kein Kostverächter, aber mir würde nie im Traum einfallen an einer Reihe parkender Autos mit 50 km/h oder sogar noch schneller vorbeizufahren, so wie es viele Autofahrer und sogar unerfahrene Motorradfahrer machen, obwohl die ihre eigenen Knochen "hinhalten". Ich muss mir nur mal die Typen von den diversen MotorSportClubs ansehen, die des Abends oder am Wochenende an den Tankstellen herumlungern und davon fabulieren, dass sie sämtliche Rennfahrer in Grund und Boden fahren würden, wenn sie nur deren Autos hätten. Interessanterweise sind selbst Manager und Führungskräfte, denen man etwas mehr Verantwortungsbewußtsein zutrauen würde, nicht vor dem Bazillus RASEN gefeit - gerade hier im Münchner Umland sind unverhältnismäßig viele Führungskräfte eines Münchner Autokonzerns unterwegs, die, sobald sie hinter dem Steuer ihres Dienstboliden sitzen, völlig enthemmt sind und sich gebärden wie man es von jemanden aus bildungsfernen Schichten erwarten würde. Nicht nur, aber auch deswegen befürworte ich ein Tempolimit, denn ansonsten sind wir in unserer Gesellschaft derart empfindlich, wenn Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden, aber hier würde man alles dulden. Der Mensch ist eiinfach undiszipliniert und fehleranfällig, wenn man seine Triebe nicht einbremst und das Beste wäre das autonome Fahren, denn dann ist die Fortbewegung dass, was sie eigentlich ist: emotionsloser Transport von A nach B! Und das autonome Automobil erkennt Ortsschilder und Geschwindigkeitsbeschränkungen - sowohl am Tag als auch in der Nacht.

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Architectus 23.01.2019, 16:56
285.

Zitat von derschrauber
Auf der Bahn geradeaus schnell zu fahren erfordert wirklich fast nur eine sorgfältige Verkehrsteilnehmerbeobachtung, wg. dem 120 km/h-Kleinwagen... Aber ich will nicht darauf verzichten die Kasseler Berge auf der A7 mit hoher Geschwindigkeit fahren zu können - da gibt es nämlich Kurven! Hardcoreraser wie ich sehen das so: Es erfordert schon sehr viel Fahrkönnen bei, sagen wir mal, 220 km/h eine Autobahnkurve nahe an der Haftgrenze zu fahren und gleichzeitig gewappnet zu sein, falls der Kleinwagen doch rüberzieht.... Das ist es was mir Spass macht, also macht die Kasseler Berge nicht zu einer Langweilerstrecke !
Unnötige Gefährdung von Menschenleben aus niedrigen Beweggründen nennt man sowas glaube ich......wenn es denn dann eines Tages mal schief geht.
Sie bestätigen den Inhalt des Artikels zu 100%

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bambata 23.01.2019, 16:57
286.

Zitat von bambata
Das Argument, das Tempolimit auf BAB sei die heilige Kuh der Deutschen, wie das Waffenrecht den US-Bürgern ist so falsch wie zynisch: Tote durch Schusswaffengebrauch in den USA 2017: 39.773. Das ergibt rechnerisch 121 Tote je 1.000.000 Einwohner. Tote auf BAB in D 2017: 409. Das ergibt rechnerisch 4,98 Tote je 1.000.000 Einwohner. Rechnet man nur diejenigen, die aufgrund von Überschreitung der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auftraten - wohlgemerkt nicht all diejenigen, die aufgrund von "nicht angepasster" Geschwindigkeit ums Leben kamen - wird man irgendwo bei der Größenordnung 1-2 Toten je 1.000.000 Einwohner rauskommen. Wenn Ihnen die Reduzierung der Verkehrstoten auf Deutschlands Strassen am Herzen liegt, dann sollten Sie zunächst ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstrassen 2. Ordnung und ein Tempolimit von 60 km/h auf Landstrassen 3. Ordnung fordern. Das wäre tatsächlich zielfördernd. Danach unterhalten wir uns dann wieder über ein Tempolimit auf der BAB.
Ich möchte meinen Beitrag von 16:08 Uhr kurz noch ein wenig präzisieren, da ich den hier ständig angeführten Vergleich des liberalen Waffenrechts in den USA und dem Tempolimit auf BAB in D für absolut unerträglich halte. Damit wird versucht, deutsche Autofahrer in die Nähe von unbelehrbaren US-Hillbillies zu rücken.

Nochmal zu den Zahlen:
Tote durch Schusswaffengebrauch in den USA 2017: 39.773. Das ergibt rechnerisch 121 Tote je 1.000.000 Einwohner.

Tote auf BAB in D 2017: 409. Das ergibt rechnerisch 4,98 Tote je 1.000.000 Einwohner.

Tote auf BAB in D 2017 aufgrund von nicht angepasster Geschwindigkeit: 181. Das ergibt rechnerisch 2,20 Tote je 1.000.000 Einwohner.

Tote auf BAB in D 2017 aufgrund der Überschreitung der Richtgeschwindigkeit: schätzungsweise 100. Das ergibt rechnerisch 1,20 Tote je 1.000.000 Einwohner.

USA: 121 Tote je 1.000.000 Einwohner
D: 1,2 Tote je 1.000.000 Einwohner (1/100)

Also lasst den Unfug mit diesem hanebüchenen und zynischen Vergleich. Der hinkt nicht nur sondern ist einfach vollkommen unzulässig.

Quelle: Statistisches Bundesamt ( https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2018/verkehrsunfaelle_2017/Pressebroschuere_unfallentwicklung.pdf )

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Nania 23.01.2019, 16:58
287.

Zitat von PeterMüller
In Deutschland dürfen Sie den LKW auch mit 120 km/h überholen, allerdings nur dann, wenn Ihr Fahrzeug nicht schneller kann, es der Verkehr vor Ihnen nicht zulässt oder Sie damit niemanden behindern. Das Überholen auf der Autobahn ist nämlich straßenverkehrsrechtlich nichts anderes als das Überholen auf der Landstraße. In beiden Fällen haben Sie den Überholvorgang schnellstmöglich abzuschließen. Tun Sie das nicht, erhalten Sie zu Recht die Quittung in Form einer Ordnungswidrigkeit. Leider bekommen die Verkehrsgefährder "Langsamüberholer" nur viel zu selten eine Polizeikontrolle.
Damit haben Sie recht, ändert aber nichts daran, dass ich das trotzdem darf - erst recht, wenn ich schon im Überholvorgang bin. Auch dann, wenn jemand mit 250 angerast kommt, den ich zu Beginn meines Überholvorganges nicht einmal sehen konnte... Und ja, gerade, wenn es vielleicht mal etwas hügeliger ist, passiert das schon mal. Mir geht es nicht darum, jemanden, der schnell fährt, auszubremsen, das ist nicht die feine englische Art, aber trotzdem kann derjenige, der von hingen angefahren kommt, wenn ich BEREITS IM ÜBERHOLVORGANG BIN, schon mal auf die Bremse treten. Damit bricht er/sie sich keinen Zacken aus der Krone.

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rad666 23.01.2019, 16:58
288.

Zitat von Le Commissaire
Die Debatte ist überflüssig, weil es hier nicht um rational Argumente, sondern um ein nationales Heiligtum geht. So, wie die USA niemals das liberale Waffenrecht abschaffen oder die Japaner niemals den Walfang aufgeben werden, werden die Deutschen niemals ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen einführen. Auch wenn es der komplette Rest der Welt -- aus gutem Grunde -- anders macht, hier fühlt sich der Durchschnittsdeutsche in seiner Weltsicht einfach allen anderen überlegen.
Was ist der Grund? Fast nirgends gibt es weniger Tote pro gefahrenem Autobahnkilometer - die Unfälle würden sich nur verlagern, von den paar spektakulären Unfällen durch Raser pro Jahr hin zu mehr Unfällen durch Unachtsamkeit und Müdigkeit. Wobei 4 von 5 Toten auf Landstraßen oder in der Stadt ihr Leben lassen.
Selbst in Frankreich gibt es mehr Tote pro 100.000 Einwohnern, und dort gibt es ein Tempolimit. Welweit gibt es nur in wenigen Ländern weniger Opfer im Straßenverkehr.
Und die CO2 Ersparnis würde sich wohl im Bereich 0,x% bewegen - also auch eher im Bereich der Meßtoleranz.

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CyberDyne 23.01.2019, 16:59
289.

Zitat von derschrauber
Auf der Bahn geradeaus schnell zu fahren erfordert wirklich fast nur eine sorgfältige Verkehrsteilnehmerbeobachtung, wg. dem 120 km/h-Kleinwagen... Aber ich will nicht darauf verzichten die Kasseler Berge auf der A7 mit hoher Geschwindigkeit fahren zu können - da gibt es nämlich Kurven! Hardcoreraser wie ich sehen das so: Es erfordert schon sehr viel Fahrkönnen bei, sagen wir mal, 220 km/h eine Autobahnkurve nahe an der Haftgrenze zu fahren und gleichzeitig gewappnet zu sein, falls der Kleinwagen doch rüberzieht.... Das ist es was mir Spass macht, also macht die Kasseler Berge nicht zu einer Langweilerstrecke !
Deutlicher kann man das Tempolimit 130 nicht begründen. Ihnen gehört die Fahrerlaubnis entzogen. Die Autobahnen sind kein Abenteuerspielplatz. Gehen Sie mit Ihrem Auto auf den Nürburg Ring und setzen Sie Ihr Fahrzeug mit 220 km/h gegen die Leitplanke, wie so viele andere. Da gefährden Sie wenigstens keine unschuldigen Verkehrsteilnehmer!

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