Forum: Auto
Entscheidung des KBA: Mercedes feiert Etappensieg im Kältemittelstreit
Delphi

Mit einem Kniff hat Mercedes einen Teilerfolg im Kältemittelstreit mit der EU errungen. Der Autohersteller erhielt vom Kraftfahrtbundesamt nachträglich eine geänderte Fahrzeugzulassung für drei Modelle und darf damit weiterhin die Substanz R134a in die Klimaanlagen füllen. Brüssel reagiert empört.

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maga80 29.06.2013, 11:11
40. Das neue Mittel sei sicher! Jetzt wird das Gegenteil behauptet:

Antwort vom BMVBS:
23.06.2011
vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider hat die Beantwortung Ihrer Anfrage überdurchschnittlich lang gedauert. Bitte entschuldigen Sie dies.
Sie bringen Ihre Sicherheitsbedenken bzgl. Kältemittel zum Ausdruck.

Ihre Sorge, dass nach Ihrer Auffassung ein für die Zukunft ausgewähltes Kältemittel für Klimaanlagen in Pkw und leichten Nutzfahrzeugen Gefahren in sich birgt, wird seitens der Bundesregierung sehr ernst genommen.

Die EG-Vorschriften zu Autoklimaanlagen haben das Ziel, in Zukunft nur noch Kältemittel einzusetzen, die ein vergleichsweise geringes Treibhauspotential (GWP von höchstens 150) aufweisen. Die Vorschriften sind bewusst technologieneutral ausgestaltet. Insofern unterliegt es der unternehmerischen Entscheidung, welches der möglichen Kältemittel der Autohersteller zur Erfüllung der EG-Vorschriften wählt. Die Autoindustrie gedenkt zur Zeit, weltweit aus Wettbewerbs- und Kostengründen nur ein Kältemittel einzusetzen.

Die Bundesregierung hat die Diskussion zu den Vorschriften seit 2003 begleitet. Zur Zeit der Vorschriftenentwicklung war davon ausgegangen worden, dass CO2 (R 744) das Kältemittel für Autoklimaanlagen der Zukunft sei. Ein anderes, ebenfalls zulässiges Kältemittel mit einem GWP von 150 wurde wegen seiner potentiellen Brennbarkeit damals in Europa nicht ernsthaft als Alternative verfolgt.
Erst nach Abschluss der Beratungen zur Richtlinie 2006/40/EG wurden verschiedene neue synthetische Kältemittel(-mischungen) mit niedrigem GWP (low-GWP refrigerants) vorgestellt, von denen der Stoff R 1234yf mit einem GWP-Wert von 4 ein konkretes Stadium als Alternative erreicht hat. Der Hersteller hat den Stoff R 1234yf unter der europäischen Chemikalienverordnung REACH registrieren lassen und die erforderlichen Prüfungsunterlagen bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht.

Das Risiko der Bildung von Flusssäure und das sich daraus ergebende Risiko für die Verkehrsteilnehmer wurde einerseits im Auftrag des UBA untersucht und für bedenklich erachtet. Andererseits wurden ähnliche Studien auch weltweit von der Automobilindustrie durchgeführt, die ein hohes Eigeninteresse an der Beherrschung der in Frage stehenden Risiken hat. Nach diesen Studien ist ein Einsatz von R 1234yf in Klimaanlagen als unbedenklich anzusehen und vergleichbar sicher im Einsatz wie das heutige Kältemittel R 134a. Zudem hat das von der renommierten Society of Automobile Engineers (SAE) international aufgesetzte gemeinschaftliche Forschungsprogramm CRP 3, in dessen Rahmen die Sicherheit und Umweltverträglichkeit eines neuen Kältemittels für mobile Klimatisierungssysteme untersucht wurden, ergeben, dass R 1234yf ein umfassendes Ersatzkältemittel für mobile Klimatisierungssysteme der Zukunft sei. Ausgehend von dieser Überprüfung sowie den Testergebnissen wurde vom SAE gefolgert, dass R 1234yf sicher in etablierte Industriestandards und -verfahren im Fahrzeugbau, Ingenieurwesen sowie bei Herstellung und Instandsetzungen integriert werden kann.

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maga80 29.06.2013, 11:11
41. Das neue Mittel sei sicher! Jetzt wird das Gegenteil behauptet:

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die Bundesregierung am 20. Mai 2010 offiziell über die Absicht der deutschen Automobilhersteller informiert, sich aus Wettbewerbsgründen der Entscheidung der anderen internationalen Autohersteller, den Stoff R 1234yf künftig weltweit als Kältemittel bei Pkw-Klimaanlagen einzusetzen, anzuschließen. Der VDA hat dabei hervorgehoben, dass die im Hinblick auf die potentielle Brennbarkeit des Stoffes und die mögliche Bildung von Flusssäure als Umwandlungsprodukt diskutierten Sicherheitsprobleme von der Automobilindustrie sorgfältig geprüft worden seien. Aufgrund dieser Prüfungen kommt der VDA zu der Einschätzung, dass diese Problematik beherrschbar sei, einer Verwendung unter den zu betrachtenden praktischen Einsatzbedingungen nicht entgegenstehe und „ein Einsatz von R 1234yf in Klimaanlagen von Fahrzeugen unbedenklich ist.

Bevor ein neues Fahrzeug eines neuen Fahrzeugtyps mit einer neuen Klimaanlage auf den Markt kommt und zum Straßenverkehr zugelassen wird, muss der Fahrzeugtyp amtlich genehmigt sein. Bislang ist jedoch noch kein neuer Fahrzeugtyp mit einer Klimaanlage mit dem Kältemittel R 744 (CO2) oder mit R 1234yf vorgestellt bzw. von einer Genehmigungsbehörde genehmigt worden.

...
sicher sehen Sie an der Antwort, dass sich das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verantwortungsbewusst mit diesem Thema auseinandersetzt.
Ich möchte in diesem Zusammenhang nochmals auf die Zuständigkeit des Bundesumweltministeriums verweisen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Argumenten für's Erste weiterhelfen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

....

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Greyjoy 29.06.2013, 14:31
42.

[QUOTE=wakaba;13090872...Richtlinien?
Eigentlich nur 3:
Keine Schadstoffe
Lebensdauer 20 Jahre oder besser...[/QUOTE]

Lebensdauer 20 Jahre?!
Da müsste man ja auch unterm Blech mit Premium Ambitionen an die Sache gehen.
Wollen Sie etwa, dass die Herren Winterkorn und Zetsche eine Panikattacke erleiden?

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rieco 29.06.2013, 17:26
43. Sicherheit geht vor

Ich vertraue den Mercedes Ingenieuren wenn es um meine persönliche Sicherheit geht. Und die geht hier eindeutig vor !

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EchoRomeo 30.06.2013, 01:28
44. Der Einsatz von R1234yf würde jeden neuen Daimler

gerade mal um knapp sechs Euro verteuern. Und das lediglich für die Erstbefüllung, denn am Preis des techische Rests - immerhin ~ 300-600 € - ändert sich gar nichts. Ziemlich unwahrscheinlich, daß ein Premiumhersteller nur wegen der paar Kröten einen Nahkampf mit der EU riskiert. Die paar Cents verteuern einen Daimler nicht wirklich.

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maga80 30.06.2013, 14:16
45. 1234yf ist viel teurer, genau deshalb umgeht Daimler die 2006/40

Für HFO-1234yf muss der Kunde voraussichtlich 150 bis 200 Euro kalkulieren.
Ich meine, dass die Menge an R134a pro Befüllung nur 15 Eur kosten soll. Das wären also weit mehr als 6 Eur unterschied.


oder siehe hier:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/166961/index.html

Ein Kilogramm R134a kostet zwischen fünf und zehn Euro, ein Kilogramm des neuen R1234yf aber mindestens 150 Euro"

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MichaelundNilma 30.06.2013, 17:37
46. Was ist eine Richtlinie

Es bleibt den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen, wie sie die Richtlinien umsetzen. Sie haben also bei der Umsetzung der Richtlinie einen gewissen Spielraum. Wenn die Richtlinie allerdings die Einführung konkreter Berechtigungen oder Verpflichtungen verlangt, muss das nationalstaatliche Recht, das ihrer Umsetzung dient, entsprechend konkrete Berechtigungen oder Verpflichtungen begründen. Nach deutschem Recht ist deswegen zur Umsetzung in der Regel ein förmliches Gesetz oder eine Verordnung erforderlich. (Quelle Wikipedia). Sollte diese Richtlinie noch nicht als nationales Gesetz verabschiedet sein, ist ein solches Vorgehen nicht zu beanstanden.

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Sternundwinkelcruiser 01.07.2013, 11:16
47. Ähm, nö

Zitat von boingdil
Es kann nicht sein, das Brüssel die Hinweise von Mercedes so ignoriert. Wenn Mercedes gegen besseres Wissen das neue Klimamittel einfüllt können sie schon die Zeit stoppen wann die erste Millionenklage aus den USA oder England kommt, weil ein Auto nach einem Crash abgefackelt ist. Und die Sicherheit des Menschen geht nun mal vor. .....
Was haben in USA verkaufte Autos mit einer EU-Zulassung zu tun ?? NIX, denn die USA gehören nicht zur EU. Deshalb sehen US-Autos technisch gerne mal anders aus.

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zensorsliebling 01.07.2013, 11:39
48. Regelungswut anders nutzen....

R1234yf vorzuschreiben ist ein Kniefall vor den Herstellerfirmen dieses Mittels. Korrekt wäre es gewesen, mit ausreichendem Vorlauf, nur noch CO2 oder Ammoniak zu erlauben. Aber daran verdient Honeywell/Dupont ja nichts. Damit stellt sich für mich die Frage, wieviel Honeywell für diese EU-Verordnung gezahlt hat und wer das Geld eingesackt hat.

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sp66 01.07.2013, 19:09
49. Viele haben keine Ahnung

Wer sich informieren würde, bevor er auf die EU schimpft, wüsste, dass die EU die 2006/40 so geschrieben hat, dass kein bestimmtes neues Mittel vorgeschrieben wird.
Daimler und die gesamte Autoindustrie waren sich doch mit den Chemie-Amerikanern längst einig.
Die EU kann doch kein Kältemittel verbieten, wenn die Hersteller behaupten, es sicher verbauen zu können.
Wenn der Daimler weit nach Inkrafttreten der Vorschrift feststellt, dass die eigene Bauweise nicht sicher genug sei, dann muss Daimler die Bauweise verbessern oder auf andere Mittel ausweichen aber doch nicht rechtswidrig zurück auf das alte R134a. "Wer zu blöd ist, darf den alten Misst weitermachen oder wie?"
Oder lügen alle anderen Hersteller der Welt, wenn Sie behaupten, dass neue Mittel sei genauso sicher?
Jedenfalls kann rückwärtiges Erteilen von Zulassungen auch keine Lösung sein. Wenn hier so was ähnliches wie Rückdatieren gemacht wird, dann brauchen wir auch keine teure Oberzulassungsbehörde. Dann sollen die Hersteller sich selbst zertifizieren wie in Amerika.

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