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Fünfsitzer Lilium Jet: Deutsches Elektro-Flugtaxi schafft Erstflug
Lilium

Senkrecht starten und schweben geht schon: Das Flugtaxi Lilium Jet hat in Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug absolviert. Bis 2025 soll der Fünfsitzer im Dienst sein - und Passagiere nicht mehr als ein Taxi kosten.

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mr.pixel 16.05.2019, 13:19
80. Na ihr Optimisten?

Vorneweg: Ich bin weder arbeitslos, noch habe ich Langeweile, noch bin ich ein "alter Herr". Schön das das jetzt geklärt ist, denn offenbar muss man das sein, wenn man das Lufttaxi kritisch betrachtet. Soviel zur Diskussionskultur hier, Glückwunsch! Zum Thema: Nachdem es der Menschheit in den Industrieländern gelungen ist, fast sämtlichen Platz für Blechlawinem zu reservieren, fangen wir jetzt auch mit dem Luftraum an. Ist doch ne tolle Idee, es sieht toll aus, hat einen hohen Coolnessfaktor und ist unglaublich energieeffizient. Schließlich sind es nur anderthalb Tonnen Systemgewicht plus die Passagiere die man in die Luft hieven muss. Lärm? Kein Problem, die Dinger sind bald flüsterleise, das sieht man an den im Vergleich winzigen Hobbydrohnen, die sind ja auch kaum zu hören (ha!). Unfälle wird es sicher auch nicht geben, Navigation in der Luftfahrt ist ja ein Klacks gegenüber dem normalen Strassenverkehr, deswegen fahren hier ja auch schon längst alle Karren autonom, vor allem die Busse und Taxis. Also fliegen die Dinger dann 2025 ebenfalls autonom! Und das ganze kostet dann vom Bahnhof in die Innenstadt 15 Euro, keinen Cent mehr! Mal im ernst, ich bin ein großer Science Fiction Fan, ich liebe Visionen von Flugautos. Ob Star Wars oder das fünfte Element, absolut klasse! Ich bin von neuen Technologien sehr angetan und ärgere mich sehr über unsere Regierung, die sich vor allem im Bezug zur Internettechnologie im Tiefschlaf zu befinden scheint. Ich bin auch ein großer Freund des "lasst uns das Sonnensystem besiedeln" - Themas. Aber Flugautos und Flugtaxis sind in meinen Augen einfach nur eine aus Faulheit und Ideenlosigkeit geborene Idee. Mit viel Hype wird hier etwas angepriesen, das niemals das halten wird, was da oben im Artikel versprochen wird. Ich wünsche mir das ich mich irre, aber das glaube ich nicht. Spätestens wenn eins von diesen Dingern auf den ersten Spielplatz oder durchs Dach in den ersten Kindergarten rast, wird das Geschrei groß sein. Selbst langerprobte Technik inklusive Pilot und Copilot produziert regelmäßig Unfälle. Und hier wird mir erzählt 2025 soll das dann evtl. schon autonom funktionieren. Sorry, fällt mir schwer das zu glauben. Ein simpler, leider aufwendiger Vorschlag um das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen? Baut Tunnel! Große, breite Tunnel! Ab mit dem ganzen Verkehr in den Untergrund! Teuer und wartungsintensiv, aber dann beste Lebensqualität in der Stadt! Noch ein simpler und einfach auszuführender Vorschlag: Lasst eure Karren stehen wenn ihr ins Fitnessstudio fahrt, oder eure Tageseinkäufe erledigt oder euch Kippen holt oder ins Kino wollt. Fahrt gefälligst (E)-Bike! Und wenn ihr Angst vor ein wenig Regen habt: Kauft euch anständige Klamotten! Kauft euch nicht die dicksten SUV um dann alleine darin zu sitzen, sondern supportet Velo-Schmieden die an elektrischen Kleinstfahrzeugen arbeiten, mit denen ihr trotzdem einen ganzen Wocheneinkauf tätigen, oder eure Kids in die Schule bringen könnt. Ah, die Dinger sind für eure luxuriösen Vorlieben nicht ausreichend, richtig? Aber Flugtaxis sind ja viel cooler und ich bin ein fortschrittsfeindlicher Pessimist, schon klar :D

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syracusa 16.05.2019, 13:19
81.

Zitat von BassErstaunt
Okay, dann hätte ich hier mal ein paar kritische Fragen. Auf die ich bisher nicht nur nie eine Antwort gehört habe, sondern die von den betreffenden Startups auch nicht einmal erwähnt werden. Ich kann damit leben, dass man heute nicht alle Fragen beantworten kann. Aber das Motto "Irgendwas fällt uns schon ein", greift bei Physik und sozialen Aspekten nicht so sehr, wie bei Technik. A) Das Akkuproblem lassen wir mal weg. Nehmen wir an, der Wunderakku für 10h Flugzeit kommt schon irgendwie. Und der Strommix wird 100% Wind und Sonne sein. Irgendwie.
Und schon bei der ersten These werden Sie unsachlich. Von 10 h Akkulaufzeit war nie die Rede. Das Flugtaxi im Artikel verspricht gerade mal eine Stunde, und die reicht für den geplanten Zweck vollkommen aus. Und warum muss der Strommix aus 100% EE bestehen? Es reicht vollkommen, wenn die Umweltbelastung durch das Flugtaxi nicht schlechter ist als für die anderen Verkehrsmittel, die heute diesen Markt besetzen.

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syracusa 16.05.2019, 13:24
82.

Zitat von BassErstaunt
B) Die Physik: Fliegen braucht mehr Energie als Fahren. Man muss nämlich der Schwerkraft entgegen wirken. Senkrechtstarten verbraucht da sehr viel Energie, der Horizontalflug bei Flächenflüglern ist tatsächlich mit PKW vergleichbar (z.B. typische Ultraleichts mit 10 Liter/100km). Insgesamt also mehr Energie pro KM, gerade beim Verkehr in Städten. Sollten wir nicht versuchen, Energie zu sparen?
Erstens ist unser Ziel nicht, Energie zu sparen, sondern die Energie nachhaltiger zu nutzen.

Zweitens hat die Kombination aus Akku und E-Motor einen ca drei bis vier mal so hohen Wirkungsgrad wie ein Verbrennungsmotor. Alleine dieser höhere Wirkungsgrad reicht mehr als dicke aus, einen eventuell höheren Energiebedarf eines Flugtaxis zu decken. Aber dieser höhere Energiebedarf ist beim Flächenflugzeug definitiv nicht gegeben. Die Hubarbeit zum Anheben des Flugzeugs um einieg hundert Meter ist vernachlässigbar gering, im Vorwärtsflug sorgt der Auftrieb dafür, dass für das Halten der Höhe keine Energie benötigt wird. Auch ein Tisch muss keine Energie aufwenden, um Ihre Bierflasche einen Meter über dem Erdboden zu halten.

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olli0816 16.05.2019, 13:24
83. Ich bin selber nicht mehr jung

Zitat von spon_1980133
Die alten Leute führen aber einen gewaltigen Vorteil in die Waagschale: sie haben in der Schule rechnen gelernt, vielleicht sogar noch mit dem Rechenschieber. Und wenn man Ihre Prognose einmal durchrechnet, kommt man fix zu dem Schluss, dass es einfach so nicht funktionieren kann. Um auch nur 1% der derzeitigen Automobile durch Luftverkehr zu ersetzen, müsste der Luftraum bis in eine Höhe von 3000 Meter in mindestens 10 übereinander gestaffelten Schichten genutzt werden. Welche Probleme damit einhergingen, kann Ihnen jeder halbwegs Flugerfahrene schildern. Und bevor Ihre Vision der zurückgebauten Autobahn auch nur in Reichweite der Realität rückt, müssten wir das Wetter völlig unter Kontrolle haben. Jeder auch nur halbwegs vernünftige Sturm würde in Ihrer Zukunft den Verkehr gewaltig durcheinanderwirbeln. Luft hat keine Balken! Bei aller Zuversicht in die Zukunft: Physik bleibt Physik, Mathematik bleibt Mathematik. Und Wetterkapriolen werden wir auch in den kommenden 50 Jahren nicht verhindern. Ein Jeder ist daher gut beraten, in seinen hochfliegenden Zukunftsträumen nicht völlig die Bodenhaftung zu verlieren. Und das hat mit dem Alter nun überhaupt nichts zu tun ...
Die Technologie ist definitiv zu fortgeschritten für Sie, wenn Sie 5 mal das gleiche veröffentlichen. Oder war es Absicht? Das wäre dann nicht so sonderlich korrekt.

Nehmen Sie es gelassen: Über uns ist mit Sicherheit sehr viel mehr Platz als auf dem Boden. Oder haben Sie hier in Deutschland schonmal zehnstöckige Straßen gesehen? Wenn ja, pilger ich da gerne mal hin. Wissen Sie, wenn die Dinger kommen und man sie per App bestellen kann (die brauchen nicht viel Platz zum landen, sind Senkrechtstarter), dann ist vielleicht auch mal der Unsinn vorbei, dass die Reisenden nicht wie heute 3/4 aller Autofahrer alleine in einem Gerät sitzen, das für 4 Personen ausgerichtet ist.

Was Sie auch nicht beachten: Sie nehmen die heute verwendete Technik (die sogar zumeist veraltet ist, weil die Sachen länger im Gebrauch sind) und lassen zukünftige Entwicklungen komplett außen vor. Ein normales Flugzeug heute ist z.B. auch wesentlich wetterunabhängiger als die armen Piloten um 1910, die im Doppeldecker im freien durch Regenwetter kurven mußten.

Ich arbeite für eine große IT-Firma, die neben sehr vielen anderen Sensoren entwickelt. Die Sprünge, was die Dinger von Generation zu Generation mehr können, sind enorm. Und seien wir doch mal ehrlich: bei einem Blizzard oder Wirbelsturm steigen Sie doch auch nicht freiwillig ins Auto. Da sind sie genauso immobil, außer Sie sind etwas lebensmüde. Und ich bin nicht dafür bekannt, die Bodenhaftung zu verlieren. Das ist einfach nur eine bösartige Unterstellung ihrerseits. Mehr sag ich dazu nicht.

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mgrevenstein 16.05.2019, 13:27
84. Die

einzig sinnvolle Aktion zu zukunftsorientierter Mobilität ist die der autofreien Innenstadt . Keine Fahrverbote, keine Umweltbelastung. Die Bürger könnten in windeseile zu ihren Zielen mittels emmissionsfreien öffentlichen Verkehrsmitteln gebracht werden da es keine Rushhour mehr gibt. Gebührenfrei, oder? Aber lasst se´mal alle weiter entwickeln und forschen und Speicherkapazitäten für nicht vorhandenen ökonomen Strom bauen den es gar nicht gibt.

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syracusa 16.05.2019, 13:27
85.

Zitat von BassErstaunt
C) Sozial: Können Sie sich vorstellen, an einer Autobahn zu wohnen? Nein? Wollen Sie in der Stadt wohnen, wenn morgens tausende Flugaxis über Sie hinwegziehen? Wie lösen wir das?
Die meisten Leute wohnen an Straßen, über die morgens tausende von Autos hinwegziehen. Wie viele davon sind Taxis? Warum sollten leise Flugtaxis, die zudem in größerer Entfernung zum Wohnhaus dahin ziehen, ein größeres Problem darstellen?

Und falls das ein Problem würde, weil jeder Pendler mit dem privaten Flugauto durch die Luft schwebt, dann regelt man das einfach durch die üblichen Regeln.

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syracusa 16.05.2019, 13:30
86.

Zitat von BassErstaunt
D) Physik: Was ist mit dem Lärm? E-Motoren sind leiser - Rotoren summen aber selbst bei Mini-Drohnen sehr laut und wenn Sie schon einmal an einem Segelflugplatz waren, wissen Sie, dass man selbst damit schön Lärm machen kann, wenn man mal mit 150-200km/h anfliegt. Und die Dinger sind seit Jahrzehnten luftwiderstandsoptimiert...
Dafür sind die Flugtaxis weiter weg von Wohnhäusern als Autos. Falls sie zu laut sind, dann richtet man spezielle Start- und Landeplätze und Flugkorridore ein, bei denen das nicht stört. Falls sowas nicht machbar ist, und der Lärm die Grenzwerte überschreitet, dann wird es keine Flugtaxis geben,

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rosengregor 16.05.2019, 13:32
87. Wir opfern den Himmel für unsere Verdichtungsphantasien

Erst heißt es, dass die Städte verdichtet werden sollen, damit die (sowieso bereitgestellte und bezahlte) Infrastruktur effektiver genutzt wird. Dann stellt man fest, dass eben diese Infrastruktur bereits überlastet ist (Autos stehen im Stau) und dass sie noch mehr in Anspruch genommen wird durch weitere Mobilitätskonzepte (E-Roller, E-Mopeds, E-Fahrräder). Und also weichen wir mit den Taxis in den Luftraum aus. Natürlich brauchen auch die neuen Flugtaxis bodengestützte Infrastruktur, mindestens Landeplätze für die Passagier und Ladeplätze für die Batterien.

Am Ende haben wir alle keinen Platz am Boden und keinen freien Himmel mehr, sondern ein permanentes Geschwirre über uns.

Die Alternative bestünde in einer Absage zur weiteren Verdichtung von Innenstädten. Wo kein Raum für Zuzug ist, findet er auch nicht statt. Und wo genügend Platz ist, da kann man auch in einer Stadt mal über eine freie Wiese laufen oder auf einem guten alten Fußgängerweg einem Bachlauf folgen.

Der einzige erhebliche Flächenverbrauch in den Innenstädten, der noch zurückgefahren werden könnte, ist derjenige für den Autoverkehr und insbesondere derjenige für den ruhenden Verkehr. Aber an solche Themen wagt sich kein Politiker heran, Anwohnern das Parken im öffentlichen Raum zu verbieten oder es wenigstens erheblich teuer zu machen, gefährdet keine Wiederwahl, es verhindert sie.

Und also brauchen wir sie eben doch, die Flugtaxen, um auch noch den Raum über uns für weitere Verdichtungsphantasien zu opfern.

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syracusa 16.05.2019, 13:33
88.

Zitat von BassErstaunt
E) Sozial: Seit Jahrzehnten gilt: Schnellerer Verkehr führt zu mehr Verkehr, längeren Strecken und dann wieder Staus. Kann man an jeder neuen Einfallstraße oder den Frankfurter ICE-Vororten Montabauer und Limburg sehen.
Nun, Staus im Luftraum kann man sich nicht so recht vorstellen, aber falls die Flugtaxi-Dichte tatsähclich so hoch wird, dann erlässt man entsprechende Regeln. Ein Problem kann ich da nicht erkennen, sondern eher eine Lösung der bisherigen Probleme. Bei so vielen Flugtaxis muss ja ein wesetlicher Teil des Verkehrs damit abgewickelt werden, und das bedeutet, dass es auf den Straßen weniger Fahrzeuge und Staus gibt. Städte werden wieder lebenswerter.

Mehr Verkehr und längere Strecken? Ja und? Solange das nachhaltiger ist als die bisherige Mobilität, ist das uneingeschränkt begrüßenswert.

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syracusa 16.05.2019, 13:38
89.

Zitat von BassErstaunt
Das mal so als erste Fragen. Die Startups sind nicht dumm. Die kassieren Mittel und wären schön blöd, dabei die Schwächen herauszuarbeiten. Hier im Forum sieht man ja schon die Träumer, die sich freuen, statt in der S-Bahn im Flugtaxi zu fahren. Dass das in München dann noch 100.000 andere tun... ausgeblendet. Die Dinger werden sicher nett sein - aber eine Nische. Valide Entwicklungen- aber der Hype als "Mobilität der Zukunft"...?
Ja, das sehe ich so wie Sie: Flugtaxis werden bei uns eher nur eine kleine Nische der Mobilität besetzen. In Regionen mit schlechter Infrastruktur sehe ich einen größeren Markt.

Aber was haben Sie gegen die Besetzung von Nischenmärkten? Selbst der Hersteller spricht auf seiner Webseite nur von einem Markt von weltweit wenigen hunderttausend solcher Flugtaxis. Sorry, aber das ist absolut gar kein Argument dagegen. Entweder findet der Hersteller seinen Markt, oder er geht unter.

Ich wünsche den Machern alles Glück der Welt. Und ich finde, dass wir sehr viel mehr solcher Leute bräuchten, und auch ein wenig größere Freiräume für die Entwicklung neuer Technologien. Die Blockierer müssen in die Schranken verwiesen werden.

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