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Furchtsam im Verkehr: Ich hab Angst, ich geb Gas
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Rund eine Million Menschen in Deutschland verbinden Autofahren nicht mit Freiheit, sondern Furcht. Doch statt den Wagen stehen zu lassen, soll man seiner Angst begegnen, sagen Experten. Selbstversuch einer ängstlichen Autofahrerin.

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großwolke 25.12.2015, 08:54
1.

Ganz ehrlich: ich kann jeden verstehen, der vorm Autobahnfahren über die Zeit Panik entwickelt. Da sieht man Laster offensichtlich im Sekundenschlafmodus fröhlich abdriften, andere dieser Sorte meinen, den Blinker zu setzen reicht völlig aus, um Sekundenbruchtele danach ohne Rücksicht auf Verluste nach links zu ziehen. Fehlendem Temoplimit sei dank wird man oft genug Zeuge, wie selbst bei relativen hohen Geshwindigkeiten von hinten Leute angeraucht kommen, als würde man selber stehen, und wenn man sich, modernes Auto machts möglich, zu sehr dazu verleiten lässt auf der dritten (oder ggf. vierten) Spur einfach mitzuschwimmen fällt einem kaum noch auf, dass die Geschwindigkeit bei der kleinsten Unregelmäßigkeit ausreichen würde, ein Massaker anzurichten. Die Entscheidung, kein Auto zu besitzen, ist bei mir eine rein ökonomische. Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen ich dann doch nicht drumrumkomme ums Autofahren ist das jedesmal Stress pur. Der, interessanterweise, relativ schnell schwindet, sobald ich in irgendeine Richtung die deutsche Landesgrenze überquere und von den Segnungen des Tempolimits beglückt werde.

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Emderfriese 25.12.2015, 09:01
2. Vorstellung

"...'Sie achten viel zu sehr auf andere', sagt sie.Dabei könne ich den Verkehr in meinem Rücken doch sowieso nicht steuern, schon gar nicht mit Blicken. ..."

Doch, kann und muss man sogar. Den Rat, den Rückspiegel für nicht so wichtig zu nehmen, halte ich geradezu für lebensgefährlich - vor allem auf der Autobahn. Denn man kann zwar nicht die fremden Autos steuern, aber sehr wohl mit seinem eigenen so reagieren, dass auch Fehler der anderen Fahrer möglichst ausgeschlossen werden. Auch auf "Andere" zu achten ist beinahe überlebenswichtig...

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noalk 25.12.2015, 09:07
3. §3 StVO: Vertrauen?

Von wegen! §3 regelt die Fahrgeschwindigkeit. Nix Vertrauen! Was schreibt Frau Ullrich da?

Außerdem ist folgendes gängige Rechtsprechung: "Als Verkehrsteilnehmer müssen Sie jederzeit damit rechnen, dass ein anderer einen Fehler macht. Dementsprechend müssen Sie Ihr Verhalten anpassen."

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Amadablam 25.12.2015, 09:14
4. Soso, Vertrauensgrundsatz

Und der soll also in § 3 StVO stehen. Mag sein, aber in Deutschland bestimmt nicht.

Ich verliere zunehmend das Vertrauen in die Recherchefähigkeit von Journalisten und in die Fahrtauglichkeit von Verkehrsteilnehmern vor mir auf der Straße. Das eine mag mit dem Bildungsnotstand zu tun haben, das andere mit der Vergreisung der Gesellschaft.

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heldvomfeld 25.12.2015, 09:54
5. ganz tolle Tipps

Schauen Sie nicht zu oft in den Rückspiegel, kümmern Sie sich nicht um andere Verkehrsteilnehmer, aber vertrauen Sie darauf, dass andere alles richtig machen. Hoffentlich sehe nicht nur ich den Widerspruch.
Lasst das Auto doch einfach stehen, wenn ihr Angst davor habt. Das hilft auch den anderen Verkehrsteilnehmern.

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sawn1979 25.12.2015, 09:54
6.

Es ist völlig richtig, dass häufiges Fahren das einzige ist, was wirklich wirksam gegen diese Ängste ist. Nicht nur wegen der Konfrontation, sondern auch, weil man mehr Fehler macht, je weniger man fährt, was diese Ängste sogar rechtfertigen würde.
Ein Grund, der hier nicht erwähnt wird, sind Menschen, die nach einem Unfall mit dem Autofahren aufhören. Von den Menschen, die ich kenne, und die nicht mehr fahren wollen, ist das bei den meisten der Grund, obwohl es sicherlich einfacher ist, das zuzugeben, als nur den Mangel an Fahrpraxis. Denn eins muss klar sein: Angst vor der Fahrt ist nicht völlig ungerechtfertigt, im Gegensatz zu Angst vor Spinnen oder anderem. Zum Beispiel scheren LKWs auf den Autobahnen durchaus kurz vor mir aus Kolonnen aus, so dass ich bremsen muss, und wenn man einen Unfall hat, ist eine Autobahn natürlich der schlimmste Ort dafür. Vielleicht ist die Angst auch eine Warnung für einige Leute, die einfach schlechte Fahrer sind, beispielsweise wenn sie nicht über die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit verfügen. Man muss sich doch sowieso wundern, dass scheinbar alle Autofahren können, ob jung oder alt, sportlich oder nicht, Abitur oder Förderschulabschluss. Nachdem der Unfalltod aber immer noch eine der häufigsten Todesursachen für junge Menschen darstellt, könnte der Verzicht auf den Autobesitz gerade bei draufgängerischen jungen Leuten sogar einen evolutionären Vorteil bedeuten.

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Indigo76 25.12.2015, 09:56
7.

Das Problem mit Paragraf 3 StVO ist, dass es ein Gegengesetz gibt. Das ist zwar nicht niedergeschrieben, dafür gilt es aber universell innerhalb und außerhalb des Straßenverkehrs:

"Rechne immer mit der Dummheit der anderen!"

Der beste Autofahrer der Welt kann einen Unfall haben, denn es gibt Verkehrsteilnehmer, die nicht so gut sind, wie er. Eine Fahrlererin die sagt, dass der Verkehr hinter einem erstmal unwichtig ist, kann ich nicht ernstnehmen. Es ist richtig, dass ich ihn nicht kontrollieren kann (das kann ich mit dem Verkehr vor mir übrigens auch nicht - ich muss aber dennoch hinschauen), aber ich muss darauf achten. Wenn jemand mit großer Geschwindigkeit von hinten auf mich zugerast kommt, muss ich darauf reagieren - und wenn es nur das Anheben der eigenen Geschwindigkeit ist. Das bemerke ich aber nicht, wenn ich die Spiegel nicht benutze. (das ist übrigens kein konstruiertes unwarscheinliches Szenario, sondern kommt sehr häufig vor)

Konfrontationstherapie hat nichts damit zu tun, Ängste zu ignorieren. Das ist das genaue Gegenteil. Tausend Klienten will die Frau geholfen haben? Ich hoffe sehr, dass sie nicht tausend Tunnelblickfahrer erschaffen hat. Dann wäre das Fahren auf der Autobahn durch sie um einiges gefährlicher geworden.

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icke0816 25.12.2015, 09:58
8. Davon gibts genug

auf den Strassen. Links fahren, Spur nicht wechseln und nur nicht in den Rückspiegel schauen. Super, jetzt weiss ich wieso 70% der Autofahrer so rücksichtslos sind. Sie können ja den Verkehr hinter sich nicht beeinflussen und vor ihnen ist die Strasse ja frei, also alles bestens. Da wird mir direkt angst und bange. Solche Leute sollten zur MPU, denn sie müssen beweisen das sie tauglich sind und nicht jemand, der nach einem Glas Wein 3km nach Hause fährt.

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SixFo64 25.12.2015, 10:09
9. Konfrontation?

Bitte aus dem Verkehr ziehen. Ernsthaft. Ich will nicht draufgehen, weil plötzlich jemand beim geradeaus fahren Panik bekommt und das Steuer rüber reisst um auf den Seitenstreifen zu kommen. Und wenn man diese Leute therapieren möchte, dann bitte auf abgesperrten Strecken und nicht da wo man Menschen gefährdet. Lässt man Piloten mit Flugangst auch fliegen? Wobei es da zumindest noch ein zweites Steuer und eine Autopiloten gibt...

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