Forum: Auto
Ifo-Studie zur Klimabilanz: Wie das Elektroauto schlecht gerechnet wird
Frederic J. BROWN / AFP

Laut dem Ifo-Institut hat ein Elektroauto in Deutschland eine miesere CO2-Bilanz als ein Diesel. Doch wer ein paar fragwürdige Annahmen in der Kalkulation ändert, bekommt ein ganz anderes Ergebnis.

Seite 32 von 83
sven.kex 24.04.2019, 07:56
310. So richtig falsch ist die Sinn-Studie ja wohl nicht.

Da raunt der Autor, die Studie zum CO2-Gehalt der Tesla-Batterie sei "zweifelfaft". Ohne einen Link zu den Zweifeln ist das eine Nebelkerze.
Und plötzlich holt der Autor die Batterie eines Kleinwagens aus dem Regal.
tsss.
Warum nur bieten viele Autohersteller die Batterie im Leasing an? Ganz einfach, sie halten nicht besonders lange. Je nach Ladezyklus 100 bis 300 Ladungen (Aussage von VW-Pressestelle).
Mein Tank hält ewig und wiegt 2,5kg.
Mein Tank wird beim Fahren leichter (Sinn hat diesen Faktor glaube ich gar nicht berücksichtigt), die Batterie behält ihr Gewicht von 400kg (VW Golf). Das entspricht der Zuladung eines Diesel-Golfs.

Netter Versuch der E-Auto-Fanboys

Beitrag melden
ostseekuestenbewohner 24.04.2019, 07:58
311. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Bei Ökobilanzen muß man Annahmen treffen, z.B. was man berücksichtigt und was nicht und welche Werte man ansetzt. Darüber hat man in gewissen Grenzen die Möglichkeit, das Ergebnis in die gewünscht Richtung zu drücken. So wäre es sinnvoll, wie im Artikel beschrieben, Autos mit vergleichbarer Leistung zu vergleichen. Richtig ist aber, den aktuellen deutschen Strommix für das tanken anzunehmen. Da in der Presse propagiert wird, Batterieproduktion im großen Stil auch in Deutschland zu etablieren, um den technologischen Fortschritt nicht zu verpassen, ist der Ansatz des Ifo-Instituts nicht ganz von der Hand zu weisen. Andersherum ist die Frage, wieviel CO2 emittiert wird, um eine mit Solarstrom in den USA produzierte Batterie nach Deutschland zu schaffen.
Der Vorschlag des Autors, mit einer kleinere Batterie zu rechnen, halte ich für nicht realistisch. Wenn Elon Musk zehnmal eine Garantie auf die Laufleistung seiner Akkus gibt, muß das in der Realität nicht zwangsweise so sein (Hauptsache die Leute kaufen erstmal). Und da die Lebensdauer einer Batterie u.a. durch die Zahl der Ladezyklen begrenzt ist, hat eine kleinere Batterie bei gleicher km-Laufleistung eine geringere Lebensdauer und ein Austausch wird entweder wahrscheinlich oder notwendig (mit den damit verbundenen Emissionen). Ein Diesel läuft dagegen 300.000 km und mehr mit dem gleichen Motor und dem gleichen Tank.
Lange Rede, kurzer Sinn: solange nicht eine realistische Auswahl und Berechnung der Werte getrennt nach aktuellem Stand und ggf. einem in der Zukunft zu erwartenden Stand durchgeführt wird, muß man die Ergebnisse beider Seiten nehmen und daraus einen Mittelwert bilden.

Beitrag melden
descartes 24.04.2019, 07:59
312. Aha ...

Zitat von DaveyD
Beim Elektroauto wird die Stromherstellung berechnet, was ja klar ist. Nur was ich nicht verstehe, warum wird beim Diesel der CO2 Verbrauch für die Förderung des Rohöls, die Herstellung des Diesel und dessen Transport an die Zapfsäule nicht mitberechnet? Wenn wir beim Elektroauto die Herrstellung der Batterie in die Rechnung mit einfliessen lassen, warum beim Diesel nicht die des sehr viel aufwändiger herzustellenden Motors mit allem was an Mechanik dazugehört? Diese Milchmädchenrechnungen der Elektroautogegner sind der helle Wahnsinn.
Das Äquivalent beim Stromer wäre dann ja logischerweise den Bau der zusätzlichen Windräder, Wasserkraftwerke, Stromtrassen, Kabelherstellung, Ladestationen, ... zu berücksichtigen, was ich noch in keiner Ökobilanz gefunden habe.
Generell ist mir noch keine Ökobilanz zum Thema Verbrenner/Stromer untergekommen, die wirklich umfangreich die meisten Einflüsse berücksichtigt hätte.

So viel zum Thema "Milchmädchen" und "Wahnsinnn". Da unterscheiden sich BEIDE Fraktionen wirklich nicht grundsätzlich.
Objektivität und technisches Verständnis gegen Meinung und Ideologie ...

Beitrag melden
anders_denker 24.04.2019, 07:59
313. So gesehen ist die Sache hier schön gerechnet

und setzt auf noch nicht existierende Ökostromanteile in der Zukunft
etc.
Auch die Große Batterie bzw. genauer der Akku in Tesla ist schon der korrekte vergleich. Denn ein Diesel ist nun mal für lange strecken, permanent in der Stadt hat der nichts zu suchen (fängt schon mit Rusfilterreinigung an, die auf Kurzstrecken teils versagt und zu Schäden führen kann). Hier ist der leaf das korrekte Stadtauto und vergleichbar mit einem Up oder Opel Adam etc. Allerdings haben die im allgemeinen auch größere Reichweiten - keiner baut da einen 10l Tank ein.
Die höhere Leistung von Elektrofahrzeugen beruht oft auf der Tatsache das diese über den gesamten Geschwindigkeitsbereich linear ohne Getriebe gestreckt wird. Geht bei Benzinern und Diesel so leider nicht.
Wo bitte kann man nur Ökostrom "tanken". Im Europäische Verbundnetz fließt der Strom von Ost nach West, von Nord nach Süd. Da ist sogar der Nationale Strommix nur ein statistischer Faktor. Ist es gerade nicht windig genug und zudem Nacht schlägt die Stunde tschechichen Atom- und polnische Kohlestroms. Haben wir wind und Sonne dann wenn der Wagen meist im Einsatz ist oder unterwegs geparkt wird (Ladeplatz nicht unbedingt vorhanden) exportieren wir den Strom gerne mal zu Spottpreisen. War auch schon Thema im Spiegel, aber das unterschlägt man jetzt gerne mal um die "schlechtgerechnete" Studie die nur unter bestimmten Bedingungen zutrifft mit eben solchen idealisierten Annahmen "schönzurechnen".
Kann man leichtgläubig machen, aber nicht vergessen: Das Böse ist immer und überall!

Beitrag melden
rheinett 24.04.2019, 08:03
314. Vergleich einseitig

Irgendwie scheint mir bei diesem Vergleich etwas nicht zu stimmen bzw. etwas scheint zu fehlen. Beim Elektroauto wird intensiv hinterfragt und analysiert, wieviel CO2 durch den Produktionsprozess in der Batterie steckt, wieviel CO2 bei der Herstellung der Batterie entsteht. Nun ist die Batterie als Energiequelle für den Elektromotor ja das Äquivalent zum Dieseltreibstoff beim Verbrennungsmotor. Fairerweise müsste dann zumindest aber auch die CO2-Bilanz aus der Herstellung des fossilen Treibstoffs berücksichtigt werden und im Prinizp auch die relativen CO2-Bilanzen von Elektromotor und Verbrennungsmotor.

Beitrag melden
5412 24.04.2019, 08:04
315.

Zitat von Faktomat
Tesla produziert nicht mit Solarstrom, sondern in Nevada mit Strom aus dem Nevada Netz. Nevada gewinnt den Strom zu 70% aus fossilen Quellen. Aber auch das ist irrelevant, wegen des Stromverbunds. Die USA produzieren zu 67% aus fossilen Quellen und 27% aus Kohle. Es gibt Entwurfsbilder der Gigafactory mit Solardach. Es gibt aktuelle Luftaufnahmen der Minifactory (nur 1/3 der Planung ist bebaut) ohne Solardach.
Tesla bestückt aktuell das Dach. Ende diesen Jahres wird die Arbeit abgeschlossen sein und Tesla wird eine Leistin von 70MW zur Verfügung haben. Das wäre dann nach Angaben von Tesla eine 100%ige Versorgung der Giga Factory. Das ist keine Zukunfstmusik.

Beitrag melden
tinnytim 24.04.2019, 08:05
316. Understatement

Viele schreiben hier, der Spon-Artikel würde exakt den selben Fehler, wie Sinn von der anderen Seite begehen.
In manchen Punkten mag das so sein. Wenn man allerdings den verlinkten Wirtschafts-Woche Artikel liest, die nun wirklich nicht im Verdacht steht, Herrn Sinn grundsätzlich abgeneigt zu sein, wird klar, dass Spon eigentlich noch ordentlich untertrieben hat, wie fern Sinn von der Realität ist.

Beitrag melden
neutron76 24.04.2019, 08:06
317. Annahmen ...

Die Grundlagen der Berechnung im Artikel sind an den Haaren herbeigezogen. Wer kauft sich freiwillig aus Vernunft ein Elektroauto mit kleiner Reichweite, wenn er sich ein großes leisten kann und auch hin- und wieder nutzen könnte.
Für die Herstellung sollte das hier und jetzt betrachtet werden. Man könnte beim Diesel auch genauso Sunfuel, E90 oder Rapsöl nehmen. Macht auch wenig Sinn.

Beitrag melden
Senekah 24.04.2019, 08:06
318. Wie das Elektroauto schön geredet wird

Zitat aus dem Artikel: "Die Studie rechnet das Elektroauto schlecht - vor allem, weil sie allein vom Status quo in Deutschland ausgeht und von einer relativ CO2-intensiven Herstellung der Batterien. Doch beides soll und wird sich ändern - und so die CO2-Bilanz von Elektroautos deutlich verbessern."
D.h. alles was die Studie annimmt, stimmt. Irgendwann soll sich mal was ändern - das wissen wir alle. Also nehmen wir nicht gleich für alles 0 CO2 für alles an - oder gleich einen negativen Wert, könnte ja sein, dass mal CO2 geschluckt wird, wenn man was baut!
Gerade der Vergleich mit Norwegen ist so absurd abwegig, das an der Kompetenz der Verfasser Zweifel entstehen lässt. Norwegen bezieht extrem viel Strom aus Wasserkraft. Das ist geologisch bedingt. Das schaffen wir in Deutschland niemals!
Also hören Sie auf alles schönzureden und stellen Sie sich den aktuellen Fakten.

Beitrag melden
mr.nett 24.04.2019, 08:11
319. Wird hier das Elektroauto schöngerechnet?

Variable 1: Bei Elektroautos hat die maximale Leistung der Elektromotoren einen geringen Einfluss auf den Energieverbrauch im normalen Straßenverkehr, oder in einem genormten Zyklus. Vergleichen Sie doch mal die genannte C-Klasse mit 194PS mit einem schwächer motorisiertem und kleineren BMW i3.
Variable 4: Alle in Deutschland betriebenen elektrischen Verbraucher nutzen den deutschen Strommix. 2018 lagen die Anteile der Braunkohle bei 24,7% und der Steinkohle bei 14,0%. Zusammen also sogar 38,7% (https://www.wiado.de/strommix-deutschland-2018/).
Wird ein Elektroauto tatsächlich mit regenerativem Strom geladen, wird dieser Anteil den anderen Verbrauchern entzogen und verschlechtert ihre Ökobilanz. Dazu kommt die Tatsache, dass der gesamte Stromverbrauch durch Verbreitung der Elektroautos steigt und zunächst durch Kapazitäten konservativer Kraftwerke gedeckt wird. Steigt auf die Dauer der Stromverbrauch schneller, als die Produktion von Ökostrom - kann sich die gesamte Ökobilanz der Energiegewinnung zeitweise verschlechtern.

Beitrag melden
Seite 32 von 83
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!