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Intelligente Verkehrskonzepte: Wie deutsche Städte die Blechlawine aufhalten

Designer, Werbestrategen und Verkehrsplaner wollen die Mobilität in Deutschlands Städten revolutionieren. Jedes Fahrzeug soll zum Zuge kommen - egal ob Straßenbahn, Auto oder Fahrrad: Es kommt nur auf eine intelligente Kombination an.

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Scheidungskind 17.04.2011, 22:17
160. ...

Zitat von albert schulz
Wir machen alle Fehler, die uns Amerika vormacht, egal ob Einbauküchen oder Privatfernsehen, nur verspätet. Die anderen machen es genauso. Die gleichen Fehler werden immer .....
Die Prioritäten der Jugend ändern sich bereits: I-Phone, I-Pad, etc. stehen auf der Wunschliste weiter oben als ein Auto und es machen anteilig weniger mit 18 ihren Führerschein als noch vor ein paar Jahren. Im Auto ist halt schlecht chatten - im Zug dafür umso besser.

Ein Grund mehr, warum ich die Querelen um Stuttgart 21 bedaure. Wenn man sich das ansieht, versteht man, warum sich der Modal Split in den Städten entgegen allen Lippenbekenntnissen noch immer zu Gunsten des Autos verschiebt.

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I'm a Substitute 17.04.2011, 22:32
161. Ach Sie waren das!

Zitat von albert schulz
Aber dummerweise habe ich die idealisierte Städteplanung studiert, und war jahrelang in einem Büro für diese Disziplin beschäftigt.
Gerade die Amerikaner, die 1945 oder kurz danach mal deutsche Städte besichtigen durften, sollen ziemlich schockiert über die flächendeckenden Trümmerhaufen nach Amerika zurückgekehrt sein... die "Zersiedelung" amerikanischer Städte gilt eigentlich dieser Erfahrung geschuldet - innerhalb Europas sind die Ursachen vielleicht ein wenig vielfältiger...

Zur historischen Dimension der hiermit verbundenen Fragen gesellen sich Bedürfnisse, die vielleicht in der um Jahrhunderte länger währenden Geschichte Europas so NICHT akut waren, als die Europäischen Städte wuchsen...

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Andreasic 18.04.2011, 09:20
162. Pkw Maut und Einengung der Straßen von 2 auf 1

Zitat von dunham
Ich denke, es gibt kaum eine Lösung für das Problem. Man könnte höchstens Geschwindigkeit und Abstand stärker kontrollieren, weil das die größten Stauerzeuger sind, wie man täglich beobachten kann. Allerdings kann man auch beobachten, dass die Polizei im Regelfall nicht zu sehen ist. Letztlich bleibt nur der demografische Wandel. Je älter wir werden, desto seltener müssen und können wir (selbst) fahren.
Berlin ist made in Germany, mit neuen Konzepten werden die Umwelt geschont, Hauptstraßen mit 30 km/h und auf eine Fahrspur eingeengt, dafür breite Fahrradwege in alle Richtungen. Warum die Fahrstraße nicht gleich in NICHTS auflösen, wor kein Verkehr ist auch kein Gestank! Die irrwitzige Auffassung mit eine Fahrspur weniger vermindert sich der Verkehrsfluß geht nicht auf, Autofahrer weichen bei Staus auf Nebenstraßen aus und sorgen rundum für Chaos. B-Charlottenburg-Wilmersdorf kämpft um Lösungen.

Nach der LKW-MAut jetzt noch die Pkw-Maut, hohe Treibstoffkosten und flächendeckende gebührenpflichtige Parkzonen, verteufeln die Nutzer eigener kraftsoffbetriebener Mobilität. Die Regierungsmitglieder lachen sich eins ins Fäustchen, wenn staatliche Abzocke immer höher qualitdiziert werde, sie trifft doch nicht.

JEder Verkehrsteilnehmer ist Aggressiv, der Fahrradfahrer schrei "DU ARSCHLOCH", die fast überfahrene Polizist brüllt "HALLOooooooooooooo" und der Autofahrer provoziert "Effenbergs Fingerzeig". Vor Rostock sind nur zwei Berliner betroffen gewesen, weil Berliner gute Autofahrer und vorausschauend fahren, mit nötwendigen Abstand zum Vordermann und riskanten Manövern ausweichen.

ADAC Verkehrsschulungen klären auf, aber helfen nur denjenigen, die sich einer Maßnahme unterziehen und LERNEN wollen.

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Sysiphos110 18.04.2011, 10:38
163. Rechenexempel

Zitat von bolonch
Hmmmm... Also, die Schweiz hat eine gigantische Autodichte (besonders SUVs und Luxuslimousinen), bei mir vor dem Haus staut sich der Verkehr jeden Tag zwei mal für je ca. zwei Stunden - die Lärmbelästigung ist trotzdem nur gering.
Gute Schalldämmung und eine (vermeintliche) Gewöhnung. Schlimm.

Zitat von
Ich nehme mich da selber nicht aus, obwohl ich mit Fahrrad zur Arbeit fahre und mindestens zehn mal pro Monat Bahn fahre: trotz Monsterstau und horrenden Parkhausgebühren ist man oft schneller und günstiger unterwegs.
Haben Sie auch die kompletten Kosten eingerechnet? Abschreibung, Verschleiß - nicht nur Kraftstoffverbrauch und Versicherung, Steuer.
Da sieht die Bilanz oftmals ganz anders aus.

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albert schulz 18.04.2011, 18:12
164. Zersiedelung

Zitat von Scheidungskind
Ein Grund mehr, warum ich die Querelen um Stuttgart 21 bedaure. Wenn man sich das ansieht, versteht man, warum sich der Modal Split in den Städten entgegen allen Lippenbekenntnissen noch immer zu Gunsten des Autos verschiebt.
Im Mittelalter waren es die Stadtmauern, die ein enges Bauen erforderten, heute sind es die Kosten für die Infrastruktur. Die besteht nicht nur aus Leitungen und Straßen, sondern auch aus Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Eigentlich ist Zersiedelung streng verboten, aber das sehen Dorfbürgermeister ganz anders, weil sie und ihre Kumpel erst mal verdienen an der Umlegung und später an den Steuern. Seit langem ziehen Familien in die Umgebung der Städte, weil dort die Grundstückspreise viel niedriger sind. Daß sie dort zwei Autos brauchen und ihre Kinder kaum in die Schule kommen bedenken sie meist nicht. Oder daß sie alt werden.

Die Bahnpolitik treibt tatsächlich die Menschen auf die Straße. Es wird nur in Fernstrecken und nicht sonderlich ökonomisch investiert, auch der S – Bahnverkehr in Ballungsräumen bietet passable Leistungen an (außer in Berlin, ein Witz), weil es sonst nicht funktioniert. Ein großer Teil der Nutzer fährt allerdings erst mal mit dem Auto zum P+R- Platz. Der Regionalverkehr hingegen wird planmäßig vernachlässigt. Viele Strecken werden tagsüber nur alle zwei Stunden bedient, so daß die Leute ebenfalls aufs Auto umsteigen (müssen). (Ganz nebenbei: bei einem weiteren Ausdünnen der Regionalstrecken würde S21 reichen, allerdings wäre das Umsteigen dann nur noch bedingt möglich.)

Tatsächlich haben wir seit Jahren eine massive Landflucht, wie es sie in Italien und Frankreich längst gibt. Nicht nur aus dem Osten, sondern aus allen entlegenen Gebieten, Ruhrgebiet inclusive. Im Schwarzwald beobachtete ich beim Skilauf in der Dämmerung, daß nicht einmal in der Hälfte aller Bauernhöfe Licht brannte. Alle diese Flüchtlinge ziehen in die Nähe der Ballungsräume, und zwar regelmäßig dahin, wo es keine Bahnlinien gibt, weil dort kein Platz mehr ist.

Die Anzahl der Autos betrachtet, hat übrigens jeder Erwachsene eins, Rentner, Kinder, Arme ausgenommen. Kosten ab 300 Euronen im Monat, meine Büromiete mit siebzig Quadratmetern ist preiswerter. Der Stellplatz auf dem Hof kostet allerdings auch 100 €, also 10 €/m². Übrigens einer der Gründe für Firmen, nach außerhalb zu ziehen. Die Parkplätze sind heute ausgedehnter als die Produktionsanlagen und Bürogebäude.

Generell ziehen gute Verbindungen Verkehr an, egal ob eine Schnellstraße, Bahntakte unter einer halben Stunde oder ebene Fahrradwege in ausreichender Breite und das sind einspurig zwei Meter. Und schon sind wir bei den „intelligenten Verkehrskonzepten“. Die könnte es lange geben, aber der Wille ist nicht da. Das Grundprinzip heißt: es muß was passieren, je teurer desto besser. Die bestehenden Radwege sind fast überall reiner Schamlatz für verfehlte Planung und so sehen sie aus.

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FoxhoundBM 22.04.2011, 09:08
165. Auto vs. ÖPNV

Ein Tag mit ÖPNV
17:00 - zur Bushaltestelle latschen, auf den Bus warten
17:15 - Bus kommt 10 min zu spät (wie immer)

Ein 20 Jahre alter Setra kommt angerappelt, eine Rußsschleppe hinter sich herziehend und mit mehr Rost als Lack. Der Innenraum ist abgewohnt und schmutzig. Omi vor mir steigt ein und zittert einen 20-Euro-Schein aus der Tasche. Jetzt pack die Reichsmark aus, ich will heute noch zur Arbeit! Ich bin dran.
"Einmal zum Hauptbahnhof, bitte!"
"Drei Euro achtzsch!", mufft der Busfahrer. Ich leg's ihm passend hin, das hebt seine Laune zumindest ansatzweise.
Der Bus ist voll, kein Sitzplatz mehr. Zwei Typen mit 'nem Bier in der Pranke gröhlen lautstark herum. An der nächsten Haltestelle geht die Tür auf: "WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHH!!!" - Blowin in the wind, es ist die Mutter mit ihrem Kind. Super, eine Alarmanlage die scheißen kann - wo ist das nächste Patentamt? Und da werden Singles auch noch bestraft, weil sie keine solche Lärmbelästigung in die Welt setzen. Ich finde einen Stehplatz. Neben mir steht eine Mittvierzigerin im Trainingsanzug mit der Kippe im Mundwinkel. Das Rauchverbot kümmert sie nicht, ihr treudoof dreinblickender Bernhardiner sabbert auf meine Schuhe.
Ich frage meinen Nebenmann ob er BITTE ein Stück nach rechts rücken könnte.
Antwort: "Ey, wissu eine auf's Maul?!"
Ok, hab verstanden, denke ich mir und: Sei froh dass ich die guten Schuhe an hab, sonst hätte ich sie längst in deinem Arsch versenkt.
Und hinten in der letzten Reihe steht Omi und freut sich auf den Sarg: Endlich allein!

18:45 - Letzte Haltestelle mit 10 min Verspätung, 10 min Fußweg bis zur Arbeit
19:00 bis 07:00 Uhr - Arbeiten (im Vergleich zur Busfahrt die reinsten 12-Stunden-Ferien)
07:00 - Feierabend: Wieder 10 min Fußweg zur Haltestelle.
07:45 - Bus kommt mit 30 min (!) Verspätung (und hat genausoviele Idioten an Bord)
09:35 - Bus kommt in Zwenkau an
10:00 - Appetit auf Frühstück ist mir vergangen, ich falle hundemüde und schlecht gelaunt ins Bett

Weg zur Arbeit: 1 h 30 min (+ 10 min Wartezeit)
Weg nach Hause: 1 h 45 min (+ 45 min Wartezeit)
Gesamtaufwand: 3 h 15 min (+ 55 min Wartezeit)
Lärm und Belästigung auf der Fahrt: unentschuldbar!

*Anmerkung: Im Winter ist mit Verzögerungen zu rechnen ... Ähem!


Ein Tag mit dem Auto
18:15 - Tür auf, CD einlegen, Jeep anwerfen, losfahren
18:40 - entspannt auf Arbeit ankommen, mit Kollegen ein Schwätzchen halten
19:00 - 07:00 Uhr: Arbeiten
07:05 - Tür auf, CD einlegen, Jeep anwerfen, losfahren
07:30 - entspannt zu Hause ankommen, Frühstück einwerfen, duschen, schlafen

Weg zur Arbeit: 25 min
Weg nach Hause: 25 min
Gesamtaufwand: 50 min
218 PS, Lieblingsmusik im CD-Player, entspanntes Fahren: unbezahlbar

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