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Kuriose Infrastruktur: Radwege zum Verzweifeln
Carsten Vitt

Viele Städte bauen Fahrradwege, die kaum zu befahren sind: zu schmal, mit scharfen Kurven oder Hindernissen darauf. SPIEGEL ONLINE hat mithilfe von Lesern besonders ungewöhnliche Beispiele gesammelt.

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charlybird 19.11.2018, 13:27
110. Keiner der Kommentatoren

hat hier einmal darauf hingewiesen, dass das Rad und das Auto eigentlich keine gleichberechtigten ''Teilnehmer'' im Straßenverkehr sein können und auch niemals werden.
Um das zu erkennen braucht man weder einen Führerschein, noch eine diesbezügliche Nachschulung, man sieht es auf den ersten Blick, ob der Körper der sinnvollere Karambolagenschutz ist, oder eine Blechwand mit fetten Stoßabsorbern.
Dann müssen die Radfahrer eben defensiver fahren, ist hier die landläufige Meinung.
Ja, das sollten sie durchaus und die klugen machen das auch, selbst wenn es ihnen, wie hier in einigen Schildbürgerplanungen gezeigt, immer wieder außerordentlich schwer gemacht wird.
Auf die Idee, dass die Autofahrer die Defensive sinnvoller einsetzen könnten, kommt hier offensichtlich keiner.
Die Niederländer machen es da ziemlich richtig, das Privileg des Schwächeren gehört dem Radler und somit oft auch die eingebaute Vorfahrt.
Das sollte man hier auch in den Städten einführen, leider liegt sie hier noch bei den geländewagenähnlichen, überdimensionierten Brotdosen mit Parkplatzproblemen.

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Pickle__Rick 19.11.2018, 13:27
111.

Zitat von wombie
Ein Radweg hat gewisse Mindestanforderungen zu erfüllen. Solange dieser mindestens 1,50 Meter breit, geräumt und als verpflichtend zu benutzen ausgeschildert ist. In der Praxis scheitern die meisten Radwege schon an der ersten Voraussetzung. Das sagt einem aber auch schon der gesunde Menschenverstand, der häufig nicht mit dem ungesunden Empfinden konform ist.
Wenn der Radweg nicht korrekt angelegt ist, stellt sich die Frage ja gar nicht. Dann gibt es im Prinzip keinen Radweg sondern nur irgendein merkwürdiges Verkehrskonstrukt, für das die Regeln eines Radweges nicht angewendet werden müssen. Daher müsste man sich auch mit niemandem streiten ob ein Ausweichen auf Gehweg oder Straße jetzt angemessen war oder nicht.

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saschad 19.11.2018, 13:43
112.

Zitat von konopka1978
Da hier nahezu alle Radfahrer in verkehrsarmer Umgebung auch den Gehweg benutzen, spricht eine gewisse Wahrscheinlichkeit für diese Annahme. Ob der ein oder andere dabei ein Brett - schmal oder breit - benutzt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Das hilft natürlich nicht wirklich weiter, wenn Sie nicht näher spezifizieren, wo "hier" ist. Ich jedenfalls habe an meinen bisherigen Wohnorten noch nicht feststellen können, dass irgendwo "nahezu alle Radfahrer" den Gehweg benutzen, schon gar nicht in verkehrsarmer Umgebung.

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saschad 19.11.2018, 13:46
113.

Zitat von Pickle__Rick
Wann ist der Weg denn wirklich blockiert? Das ist je nach Situation Auslegungssache.
Blockiert ist ein Weg dann, wenn ich auf ihm das Hindernis nicht passieren kann, sondern den Weg dafür ganz oder teilweise verlassen muss. Das ist bei allen in der zum Artikel gehörigen Fotostrecke abgebildeten Hindernissen der Fall.

Eine Auslegungssache kann ich nicht erkennen.

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De Leeuw 19.11.2018, 13:56
114. Eigene Erfahrungen...

Vor einigen Jahren fuhr ich mit dem Rad über einen Saarbrücker Radweg, der halb durch einen Pkw zugeparkt war. Um an dem Wagen ungefährdet vorbeizukommen, und nicht auf die Ausfallstrasse ausweichen zu müssen, klappte ich den linken Seitenspiegel des Wagens an. An der nächsten Ecke wurde ich prompt von zwei Beamten gestoppt, die mich, ohne den Zustand des Fahrzeugs erst mal zu prüfen, der Sachbeschädigung bezichtigten. Nachdem einer der Herren sich dann von der Unversehrtheit des Wagens versichert hatte, musste ich sie noch daran erinnern, doch dem Wagenlenker ein Strafmandat wegen Parkens auf dem Radweg auszustellen. Ach, joh...

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wombie 19.11.2018, 13:57
115.

Zitat von Pickle__Rick
Wenn der Radweg nicht korrekt angelegt ist, stellt sich die Frage ja gar nicht. Dann gibt es im Prinzip keinen Radweg sondern nur irgendein merkwürdiges Verkehrskonstrukt, für das die Regeln eines Radweges nicht angewendet werden müssen. Daher müsste man sich auch mit niemandem streiten ob ein Ausweichen auf Gehweg oder Straße jetzt angemessen war oder nicht.
Ich habe noch weitere Umstände aufgeführt die eindeutig dazu führen, dass ein Radweg nicht -mehr- benutzungspflichtig ist. Nicht geräumt, zugeparkt, Mülltonnen etc., dann gibt es nur noch die Möglichkeit die Strasse zu benutzen, da der Gehweg natürlich tabu ist.
Kein Polizist hat hier irgendeinen Ermessungsspielraum und in dreissig Jahren Rad fahren, konnte ich unter diesen "Umständen" immer problemlos die Strasse nutzen. Manchmal waren die einzigen mit Ermessungsspielraum hupende Autofahrer.

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7eggert 19.11.2018, 14:04
116.

Bild 2 von 8 ist, was die Sicherheit angeht, sogar sinnvoll ... außer daß man bei 80 cm Fahrzeugbreite, 30 cm Bewegungsraum zu jeder Seite plus jeweils 30 cm Sicherheitsraum (mehrspurigen Fahrzeugen sind 25 cm jeweils zuzugestehen) schon bei 2 m Mindestbreite, um auf geraden Strecken sicher zu fahren.

Ist ein Radweg schmaler, so ist der Fußgänger im dem Bereich, in dem Radfahrer sich auch mal aufhalten; ist er schmaler, als 1,5 m, so muß der Radfahrer den Gehweg _regelmäßig_ mitbenutzen. (Legal ist dann nur die Fahrbahnnutzung).

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striver 19.11.2018, 14:06
117. Wie kommt es

Die Frage, wieso manche Dinge so sind wie sie sind, stellt sich einem oft. Wieso opfert die Politik die Lebensqualität in den Städten dem motorisierten Individualverkehr? Warum zieht niemand überlaute Autos oder Motorräder aus dem Verkehr? Warum führen die Öffis, nebst den Mieten, so erfolgreich die Inflation an?
Ist das vielleicht so, weil sich Stellen, die davon profitieren, "an geeigneter Stelle" dafür stark machen? Ich kann das ja leider nicht beweisen - aber oft wäre es die einzig plausible Erklärung dafür, dass etwas so ist wie es ist.

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az150 19.11.2018, 14:08
118. Radfahrer müssen hinter Fußgängern zurückstehen

Tatsächlich ist die sehr oft abenteuerliche Ausbildung und Führung von Radwegen für die Radfahrer ein Riesenproblem. Solche Probleme entstehen aus unterschiedlichen Gründen, hauptsächlich wohl aus schlechter Planung und nachträglichem Inplantieren bisher nicht vorgesehener Radwege in engen Straßenräumen oder in vorhandene Straßenprofile, die hierfür eigentlich neu gebaut und verändert werden müssten, was dann oft aus Kostengründen ausscheidet. Der Radweg ist in diesem Fall bestenfalls eine Kompromisslösung. In solchen Fällen wäre es dann oft besser, ihn komplett auf die Straße zu verlegen oder ehrlicherweise ganz drauf zu verzichten. Bei allen Gründen, die für den Ausbau der Radwegenetze sprechen, sollten Radfahrer und ihre Interessenverbände hier von ihrer Anspruchshaltung abrücken. Vorrang vor dem Radverkehr sollte gerade im innerstädtischen Bereich auch immer der Fußgängerverkehr haben. Dass Bürgersteige - auch wegen mangelnder Grünpflege - durch Anlage von Radwegen auf ein Restmaß reduziert werden, bei dem jeder Radfahrer sofort in lautes Protestgeheul verfallen würde, ist jedenfalls völlig inakzeptabel. Hier hat im Zweifel der Rad- oder Autoverkehr zurückzustehen, denn: Fußgänger ist jeder und kann jeder sein, Radfahrer oder Autofahrer aber immer nur ein Teil aller Verkehrsteilnehmer.

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Max Dralle 19.11.2018, 14:09
119.

Es gibt natürlich reihenweise kafkaeske Radwege. In der Fotostrecke finden sich m.E. aber auch Beispiele, die eine andere Seite des Problems aufzeigen. Ich habe nämlich des Öfteren den Eindruck, dass es nicht wenigen Radfahrern einfach auch an Vertrauen in sich selbst und die anderen Verkehrsteilnehmer fehlt.

Bild 2 zeigt z.B. eine Radspur, die, soweit ich sehen kann, genau so verläuft, wie ich auf dieser Kreuzung mit dem Rad auch ohne Radspur fahren würde. Eine solche Linie erwarte ich, wenn ich im Auto sitze, eigentlich auch von anderen Radfahrern. Leider sind aber viele in solchen Situationen zu zögerlich. Statt Lücken abzupassen, um sich rechtzeitig nach links einzuordnen, bleiben sie bis zuletzt am rechten Rand der rechten Fahrspur, wo sie dann häufig festhängen.

Ein bisschen mehr Zuversicht würde hier nicht nur die eigene Fahrt, sondern auch den Verkehr insgesamt beschleunigen, da man als Autofahrer ja, will man einen solchen Radfahrer nicht verhungern lassen, meist bis zum Stillstand abbremsen muss, während man bei einem rechtzeitigen Spurwechsel die Geschwindigkeit, wenn überhaupt, nur etwas reduzieren muss.

Dass man beim Linksabbiegen den Gegenverkehr abwarten muss, ist eine Selbstverständlichkeit. Das muss der motorisierte Verkehr ebenso und ist eine der grundlegenden Regeln des Straßenverkehrs. Wer daran rütteln will, hat m.E. mehr die eigenen Interessen als den Verkehr in seiner Gesamtheit im Auge.

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