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Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason: "Wir brauchen das 1-Liter-Auto"
SPIEGEL ONLINE

Als Schlagzeuger von Pink Floyd wurde Nick Mason berühmt. Heute sammelt der Brite Oldtimer und nimmt damit an Rennen teil. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über das Auto, von dem er sich niemals trennen würde - und verrät, was seiner Meinung nach schief gelaufen ist in der Automobilgeschichte.

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Holzroller 07.05.2012, 10:26
1. Das 1-Liter-Fahrzeug

wird aber kein "Auto" sein, wie wir es kennen. Die chemische Energie von einem Liter Sprit reicht nicht aus, um mehr als eine Neuauflage des Messerschmidt Kabinenrollers voranzutreiben. Werden wir uns mit allen Nachteilen abfinden? Die Sitzposition wäre hintereinander, der Gewichtsersparnis fallen elektrische Helferlein, ein komfortables Fahrwerk und wirksame Geräuschdämmung zum Opfer. Die Fahrleistungen wären äußerst bescheiden. Und vor allem die passive Sicherheit wäre auf einem Niveau, das dem ADAC wohl keinen Stern im Crashtest wert wäre.

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JaguarCat 07.05.2012, 11:01
2. Akkutechnik

Zitat Mason: "Die Akkutechnik hat sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert."

In diesen letzten 50 Jahren hat sich die Akkutechnik von 40 Wattstunden pro Kilogramm (Blei-Akku, NiCd-Akku) auf über 200 Wattstunden pro Kilogramm (LiIon) hochgearbeitet. 300 Wattstunden pro Kilogramm werden in den nächsten Jahren in die Serienproduktion gehen. Möglich wird diese Steigerung durch bessere Anodenmaterialen wie Zinn oder Silizium, die mehr Lithium aufnehmen können als die gängigen Kohlenstoff-Anoden. Und auch an der Kathode tut sich was: Prototypen von Lithium-Schwefel-Akkus erreichen 1000 Wattstunden pro Kilogramm. Klar ist heute unklar, ob diese die Serienreife erlangen werden und auch sicher genug sein werden. Wenn sie es tun, dann speichert künftig ein Li-S-Akku, der kaum schwerer ist, als die Starterbatterie eines herkömmlichen Autos, genug Strom für 100 Kilometer.


Jag

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dr.u. 07.05.2012, 11:17
3. Warum nicht?

Zitat von Holzroller
wird aber kein "Auto" sein, wie wir es kennen. Die chemische Energie von einem Liter Sprit reicht nicht aus, um mehr als eine Neuauflage des Messerschmidt Kabinenrollers voranzutreiben. Werden wir uns mit allen Nachteilen abfinden? Die Sitzposition wäre hintereinander, der Gewichtsersparnis fallen elektrische Helferlein, ein komfortables Fahrwerk und wirksame Geräuschdämmung zum Opfer. Die Fahrleistungen wären äußerst bescheiden. Und vor allem die passive Sicherheit wäre auf einem Niveau, das dem ADAC wohl keinen Stern im Crashtest wert wäre.
Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren.
Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW <1000kg zu Bauen und ein Tempolimit von vielleicht 140km/h einzuführen, werden die abzubauenden kinetischen Energien schon mal deutlich kleiner. Ein Aktuelles DTM Fahrzeug wiegt um die 1100kg und hat eine passive Sicherheit, die Ihresgleichen sucht. Da sollte auch bei "normalen" PKW mit den dieversen Assistenzsystemen noch einigen gehen.
Der Energiegehelt von 1l Kraftstoff beträgt übrigens ~8,8kWh. Wenn man die Energie nicht mit geringem Wirkungsgrad verbrennt / verheizt, sonder z.B. in einer effizienten Brennstoffzelle umsetzt, Energie zurückgewinnt (Rekuperation, elektromechanische Dämpfer, etc.), kann man wahrscheinlich schon >90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen.

Schon vor 10 Jahren war das technisch möglich:
Ein-Liter-Auto von VW
Forschung und Entwicklung sind seit damals nicht stehen geblieben.

Es ist nur leider so, dass im Bereich Automobilität immer noch Größe, Leistung und max. Geschwindigkeit zu den Hauptauswahlparametern gehören; in letzter Zeit sogar wieder mit steigender Tendenz.
Rein Rational wäre viel mehr (sprich: viel weniger Verbrauch) möglich. Aber leider/zum Glück ist der PKW Betrieb nicht nur eine Rationale Angelegenheit...

Noch ein kleines Beispiel zum Schluß:
Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft.

Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.

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franko_potente 07.05.2012, 12:08
4.

Zitat von dr.u.
Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW <1000kg zu Bauen und ein Tempolimit von vielleicht 140km/h einzuführen, werden die abzubauenden kinetischen Energien schon mal deutlich kleiner. Ein Aktuelles DTM Fahrzeug wiegt um die 1100kg und hat eine passive Sicherheit, die Ihresgleichen sucht. Da sollte auch bei "normalen" PKW mit den dieversen Assistenzsystemen noch einigen gehen. Der Energiegehelt von 1l Kraftstoff beträgt übrigens ~8,8kWh. Wenn man die Energie nicht mit geringem Wirkungsgrad verbrennt / verheizt, sonder z.B. in einer effizienten Brennstoffzelle umsetzt, Energie zurückgewinnt (Rekuperation, elektromechanische Dämpfer, etc.), kann man wahrscheinlich schon >90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen. Schon vor 10 Jahren war das technisch möglich: Forschung und Entwicklung sind seit damals nicht stehen geblieben. Es ist nur leider so, dass im Bereich Automobilität immer noch Größe, Leistung und max. Geschwindigkeit zu den Hauptauswahlparametern gehören; in letzter Zeit sogar wieder mit steigender Tendenz. Rein Rational wäre viel mehr (sprich: viel weniger Verbrauch) möglich. Aber leider/zum Glück ist der PKW Betrieb nicht nur eine Rationale Angelegenheit... Noch ein kleines Beispiel zum Schluß: Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft. Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.
Dafür brauchen wir aber kein Tempolimit. Allein die Technik limitiert doch dann die Vmax. Aber wer will, soll doch bitte weiter dürfen :-)

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Holzroller 07.05.2012, 12:18
5.

Zitat von dr.u.
Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW <1000kg zu Bauen und ein Tempolimit von vielleicht 140km/h einzuführen, werden die abzubauenden kinetischen Energien schon mal deutlich kleiner. Ein Aktuelles DTM Fahrzeug wiegt um die 1100kg und hat eine passive Sicherheit, die Ihresgleichen sucht.
Allein bringt es nichts, einfach die abzubauenden kinetischen Energien zu verringern. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Kabinenroller von 10kg Gewicht und rasseln mit 100 km/h gegen eine Mauer. Ihre eigene kinetische energie wird Ihnen zum Verhängnis. Die guten Materialien eines Rennfahrzeuges sind nicht nur teuer, sondern verlangen auch recht viel Bauraum.

Zitat von dr.u.
Der Energiegehelt von 1l Kraftstoff beträgt übrigens ~8,8kWh. Wenn man die Energie nicht mit geringem Wirkungsgrad verbrennt / verheizt, sonder z.B. in einer effizienten Brennstoffzelle umsetzt, Energie zurückgewinnt (Rekuperation, elektromechanische Dämpfer, etc.), kann man wahrscheinlich schon >90% der Ein-Personen-Transporte mit ~1l/100km schaffen.
Effiziente Energienutzung geht aber immer mit mehr Gewicht z.B. für Speichertechnik einher. Für elektrische Rekuperation braucht es effiziente Generatoren, die groß und schwer sind. Man könnte soweit gehen wollen, auch die Abwärme des Antriebs nutzbar zu machen. Aber ein Blockheizkraftwerk auf Rädern ist trotzdem kein sparsames Verkehrsmittel.

Weiterhin ist das 1-Liter-Auto als 1-Personen-Auto doch keine ernsthafte Option, wenn ein vollausgestatteter Golf mit 5 Litern 5 Personen nebst Gepäck sicher und komfortabel befördern kann.

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franneck 07.05.2012, 12:21
6.

Zitat von dr.u.
Das Konzept des Kabinenrollers war so schlecht nicht. Auf jeden Fall deutlich Nachhaltiger, als >1,6t Stahl, Alu, Kunststoff durch die Landschaft zu bewegen, um 70-100kg Mensch zu transportieren. Sollte man es irgend wann einmal in absehbarer Zeit schaffen, PKW <1000kg zu Bauen und ein Tempolimit von vielleicht 140km/h einzuführen, werden die abzubauenden kinetischen Energien schon mal deutlich kleiner. Ein Aktuelles DTM Fahrzeug wiegt um die 1100kg und hat eine passive Sicherheit, die Ihresgleichen sucht. Da sollte auch bei "normalen" PKW mit den dieversen Assistenzsystemen noch einigen gehen. .
Die passive Sicherheit wird doch sowieso nicht für solch hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Zumindest was die Karosseriestruktur angeht, kann man ein Auto nicht für Aufprallgeschwindigkeiten weit im dreistelligen Bereich konstruieren.
Ein DTM-Auto ist zu einem gewissen Teil auch auf SIcherheitsvorkehrungen an der Strecke (Reifenstapel) angewiesen, damit sein Konzept aufgeht

Zitat von dr.u.
Noch ein kleines Beispiel zum Schluß: Ein überarbeiteter 3l Lupo hat es schon vor mehr als 8 Jahren auf der A39 (Wolfsburg - Königlutter) bei einer gefahrenenGeschwindigkeit von 200km/h, mit drei erwachsenen Männern (~260 Kg] auf einen Verbrauch von 4,8-4,9 l/100km geschafft. Die Technik bietet da noch viel Potential. Es braucht nur den nötigen Willen, Rahmenbedingungen, Kundenwunsch, um das Mögliche auch zu realisieren.
Wo haben Sie das Beispiel her? 4,8l bei 200km/h halte ich schon echt für optimistisch, vor allem bei einem Lupo

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Abbuzze 07.05.2012, 13:47
7.

Zitat von Holzroller
Allein bringt es nichts, einfach die abzubauenden kinetischen Energien zu verringern. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Kabinenroller von 10kg Gewicht und rasseln mit 100 km/h gegen eine Mauer. Ihre eigene kinetische energie wird Ihnen zum Verhängnis. Die guten Materialien eines Rennfahrzeuges sind nicht nur teuer, sondern verlangen auch recht viel Bauraum. [...] Weiterhin ist das 1-Liter-Auto als 1-Personen-Auto doch keine ernsthafte Option, wenn ein vollausgestatteter Golf mit 5 Litern 5 Personen nebst Gepäck sicher und komfortabel befördern kann.
Vor ein paar Jahren verlangte die F1-Crash Norm, dass die Nase bei einem Frontalaufprall bei 200km/h sich max. 10cm staucht. Mit entsprechendem Aufwand lässt sich da einiges machen, auch auf geringer Fläche.

Das Golf Beispiel hat leider ein Problem, die Fahrt mit 5 Personen stellt die absolute Ausnahme dar. In dieser Nische natürlich ökologisch wirklich gut, besser als ein Linienbus um 23:30 mit Fahrer und zwei Passagieren.

Mir würde ein auf Effizienz getrimmter Mild-Hybrid in Kabinenrollerauslegung als Pendlerfahrzeug vollkommen ausreichen, der 2. Sitz als erweiterter Stauraum für Einkäufe. Die geringe Stirnfläche (wird bei der cw-Wert Diskussion gerne vernachlässigt) macht es möglich geringe Verbräuche sehr einfach zu erreichen.

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felisconcolor 07.05.2012, 14:31
8. Wenn es in der

Automobilentwicklung so rasant her gegangen wäre wie in der Computertechnik.
Dann dürfte ein Fahrzeug heute bereits keine 1 Liter verbrauchen
und ein Rolls wäre für 50 cent zu bekommen.

Ach ja das stammt nicht von mir, sondern von einem Automobilhersteller.
oder war es doch ein Computerproduzent.
Egal

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dr.u. 07.05.2012, 14:32
9. Aber ja.

Zitat von Holzroller
Allein bringt es nichts, einfach die abzubauenden kinetischen Energien zu verringern. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Kabinenroller von 10kg Gewicht und rasseln mit 100 km/h gegen eine Mauer. Ihre eigene kinetische energie wird Ihnen zum Verhängnis. Die guten Materialien eines Rennfahrzeuges sind nicht nur teuer, sondern verlangen auch recht viel Bauraum.
Sinn und Zweck passiver Sicherheitsstrukturen ist es, das Fahrzeug bei einem Anprall so zu verzögern, dass die Insassen keine gefährlichen Verzögerungswerte erleiden. Wenn weniger Energie abgebaut werden muss (aufgrund gerignerer Masse oder geringerer Geschwindigkeit) kann die Crash-Struktur deutlich leichter und fligraner ausgeführt werden; spart also weiteres Gewicht und bringt schon was.
Im Rennfahrzeug sind Verzögerungen aus ganz anderen Geschwindigkeitsberiechen gefordert. Die Crash-Funktionalität wird dann oftmals mit anderen Funktionen kombiniert (Flügelträger, Kühlerträger, etc.) und fällt deutlich kompakter aus, als der "normale" Fernsehzuschauer vielleicht annimmt.


Zitat von
Effiziente Energienutzung geht aber immer mit mehr Gewicht z.B. für Speichertechnik einher. Für elektrische Rekuperation braucht es effiziente Generatoren, die groß und schwer sind. Man könnte soweit gehen wollen, auch die Abwärme des Antriebs nutzbar zu machen. Aber ein Blockheizkraftwerk auf Rädern ist trotzdem kein sparsames Verkehrsmittel.
Und wenn das Fahrzeug leichter und windschlüpfriger ist, bzw. langsamer fährt, muss weniger Masse Beschleunigt oder Verzögert werden. Antrieb und Bremsen können also weniger massiv und damit leichter ausfallen. Und schon spart man wieder Gewicht und Antriebleitung und Verbrauch.
Da die Masse linear, die Geschwindigkeit aber quadratisch in die Energieberechnung eingehen, bringt eine Reduktion der Auslegungshöchstgeschwindigkeit mehr, als die Einsparung von einigen wenigen kg Gewicht.
Dazu kommt, dass der Leistungsbedarf mit der Fahrgeschwindigkeit kubisch ansteigt. Eine geringere Höchstgeschwindigkeit ermöglicht es, einen leistungsschwächeren Antrieb zu verbauen, der in aller Regel auch weiteres Gewicht einspart.
Durch ein moderat gewähltes, generelles Tempolimit ließe sich eine negative Gewichts- und Verbrauchsspirale in Gang setzen.
Rational bertachtet spricht mehr für ein Tempolimit als dagegen. Es müsste halt nur, wie unsere Knazlerin sagen würde, mit "Augenmaß" gewählt werden. Ich könnte mich für ein Tempolimit zwar nicht begeistern, aber eines in der Größenordnung 140km/h könnte ich akzeptieren.
Dann kann auf den technologischen Overkill zur Einsparung der letzten 2-3% Verbrauch vielleicht sogar verzichtet werden (spart auch wieder Gewicht und Verbrauch).


Zitat von
Weiterhin ist das 1-Liter-Auto als 1-Personen-Auto doch keine ernsthafte Option, wenn ein vollausgestatteter Golf mit 5 Litern 5 Personen nebst Gepäck sicher und komfortabel befördern kann.
Das Auto wird über Kurz oder Lang seine "Allround"-Qualitäten verlieren. Im Berufsverkehr sind >90% der Fahrzeuge meistens nur mit einer Person besetzt. Eigentlich ist es ein Unding dafür die fast 20fache Fahrzeugmasse zu bewegen.
In vielen Familien gibt es ja schon zwei Fahrzeuge. Dummerweise ist Nutzung genau falsch herum. Papa fähr mit dem großen Kombi zur Arbeit, Mama muss mit dem Kleinwagen die Kinder chauffieren und den Einkauf erledigen....

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