Forum: Auto
Preisverfall bei Modellfahrzeugen: Kleine Autos, große Depression
Roland Löwisch

Die Automania ist Deutschlands größte Börse für Spielzeugautos. Das Angebot auf den Treffen steigt seit Jahren, doch die Preise rauschen in den Keller. Ein Besuch bei gefrusteten Händlern und Sammlern.

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archback 01.10.2014, 10:11
1. Ohne Sammler keine Sammlerpreise

Altes Spielzeug wird von Leuten gesammelt, die als Kind damit gespielt haben; wenn die sterben, gibt es keine Sammlerpreise mehr. Ich merke das gerade an meinen Micky-Maus-Heften aus den Fünfzigern, die mal bis zu 1000 Euro wert waren.

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exHotelmanager 01.10.2014, 10:14
2. Das Modellhobby stirbt aus

Es ist zum teil die Schuld der Händler selbst, die durch unseriöse Preisforderung ein Wertgefühl geschaffen haben, dass so nicht vorhanden ist. Zudem pressen nun Wiking und Schuco aus alten Formen, die Jahrzehnte lang ungenutzt waren, zu recht hohen Verkaufspreisen Neuware auf den Markt.

Wie bei den Briefmarken schrumpft aber die Sachkenntnis der Sammler. So ist auch kaum noch jemand bereit, für einen WIKING Aral-Mercedes L3500 in Enzianblau eine größere Summe zu bezahlen, da kaum noch Sicherheit besteht, dass diese rare Modell nicht durch Zusammenbau aus verschiedenen LKW gefälscht ist. Das ist aber genau auch der Grund, warum das Internet hier keine Plattform für Raritäten sein kann.

Die "Einstandspreise" sind aber dennoch heute noch leicht zu erlösen, kostete doch ein WIKING-PKW um 1965 1,- DM und ein LP1620-Sattelzug 3,50 DM.

Für gewerbliche Händler ist der Markt aber nun schon eng - und das ist gut so.

Angesichts des besseren Preis/Leistungsverhältnisses und einer riesigen Auswahl ist der 1:43-Markt derzeit eine echte Wachstumsbranche, zumal gerade in dieser Größe viele Youngtimer aufgeleget werden. Auch kommt dieser Baugröße dem typischen Alter der Sammler entgegen.

Ob Sieper eines Tages die alten SIKU-Plastimodelle wieder auflegt?

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expendable 01.10.2014, 10:17
3. Sammlerschicksal...

...egal ob Plastikautochen, Briefmarken, Münzen, Fußballerbildchen, Bindfäden, Zuckerwürfeleinwickelpapierchen oder sonstwas: Der Moment der Wahrheit kommt, wenn man die ach so tolle Sammlung, für die man schubkarrenweise Geld verplempert hat, und die nach Meinung des stolzen Besitzers X Bazillionen wert ist, zu Geld machen will oder muß: Der Moment nämlich, in dem man entgeistert erkennen muß, das niemand auf dem Planeten auch nur einen Furz dafür gibt. Besonders Sammelgebiete, die langsam außer Mode geraten, Briefmarken z.B. Da sitzen manche auf riesigen Sammlungen bunter Papierchen, jedes mit einem irrwitzig hohen Preis gekennzeichnet...nur gibt es niemanden, den das irgendwie jucken würde. Das einzige Sammelgebiet, das sich lohnt, sind gültige Geldscheine.

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genugistgenug 01.10.2014, 10:25
4. vorher Münzen, Briefmarken, Telefonkarten.....

das war doch abzusehen - es gilt einfach Angebot und Nachfrage und wenn man kein Geld mehr zum Leben hat, dann wird sicher kein Hobby gepflegt.
Außerdem geht sammeln nur, wenn man noch einen größeren Deppen findet der noch mehr Geld dafür ausgeben möchte = GIER

Hier ist vor ein paar Jahren ein Briefmarken- Münzensammler gestorben - der Händler hat in derselben Straße gewohnt und als der Abends seinen Hund ausführte, sah er wie die Erben die Mülleimer füllten. Neugierig geworden schaute er nach und 'rettete' die ganze Sammlung die er über die Jahre an den Kunden TEUER verkauft hatte.

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R1181 01.10.2014, 10:30
5. Generationswechsel oder Ende der Fahnenstange?

Eine große Sammlergeneration tritt ab, die in den Siebzigern und Achtzigern riesige Kollektionen toller Dinge aus den Jahren vor und nach dem zweiten Weltkrieg angehäuft hat. Münzen, Briefmarken, Oldtimer, Modellautos, Militaria, etc. etc. Deren überlebende Kinder, Enkel und Ehefrauen (!) haben oft keine Kenntnis der Materie, kein Interesse oder sogar einen lange aufgestauten Groll gegen den vergötterten "Trödel". Es wachsen zwar Sammler nach, aber längst nicht soviele. Die wiederum sammeln vor allem die Dinge aus ihrer Jugend. Ein heute Dreißigjähriger träumt vom seltenen Golf II Sondermodell, nicht von einer Isetta. Und selbst, wenn Interesse an den alten Sammelgegenständen besteht: Wer kann und will schon fünfstellige Summen für komplette Sammlungen aufbringen? Und widerspricht es nicht gerade dem Geist dieses Hobbys, dem des Jagens und Aufsprürens, lediglich bereits bekannte, dokumentierte und katalogisierte Sammlungen zu übernehmen? Man kann nur alle echten Liebhaber, denen es zeitlebens nie auf Wertsteigerung ankam, raten, zeitig ein Konzept für die Weitergabe zu entwickeln, bevor ein eBay-Shop an der nächsten Ecke jedes Stück einzeln anbietet und alles zerstückelt wird.

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tearix 01.10.2014, 10:34
6.

Zitat von genugistgenug
das war doch abzusehen - es gilt einfach Angebot und Nachfrage und wenn man kein Geld mehr zum Leben hat, ...
Naja, die typischen Sammler sind jenseits der 50 und beziehen meist eine gute Rente. Die Rentner und Pensionäre waren noch nie so reich wie heute. Und es sei ihnen gegönnt.

Aber natürlich werden die auch immer aktiver. Hier in der Gegend fahren viele Senioren schwere Motorräder oder machen Kreuzfahrten und Weltreisen. Ihre Eltern waren in dem Alter viel zu gebrechlich dafür und haben lieber zu Hause Briefmarken gesammelt. So ändern sich die Hobbys.

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egoneiermann 01.10.2014, 10:34
7.

Seltsamerweise gehen bei Briefmarken die Spitzenmodelle immer noch zu höheren Preisen weg, obwohl die keiner mehr sammelt. In anderen Branchen würde man das Blase nennen, es wird spekuliert, dass der Preis immer weiter steigt. Geht aber nur solange gut, wie es noch Sammler bzw. Spekulanten hierfür gibt.

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Aus_die_Laus 01.10.2014, 10:35
8.

Sie treffen den Nagel auf den Kopf. So wie mit Ihren Micky-Maus-Heften ergeht es mir momentan mit meinen Briefmarken, auch schon uralte aus der Vorkriegszeit, nur noch ein Bruchteil dessen wert was mal vor 20 Jahren dafür gezahlt wurde.

Ebenso historische Wertpapiere, und meine Modellautos kosten heute auch nur noch die Hälfte dessen, was ich vor 10 Jahren dafür ausgegeben habe. Immerhin, bei mir stehen die Sachen noch rum, aber schon öfters habe ich mich gefragt, was wohl meine Erben damit anfangen werden. Ich glaube, die schmeißen den Ramsch in 30 Jahren weg.

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infoseek 01.10.2014, 10:35
9. Aus und vorbei.

Zitat von expendable
Das einzige Sammelgebiet, das sich lohnt, sind gültige Geldscheine.
Auch das ist in Zeiten von Null- bis Negativzinsen passé. Damit dabei was rüberkommt, braucht es heutzutage schon eine fette Deflation. Ohnehin geht es dabei ja eher um Masse statt Klasse. Nichts für echte Sammler.

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