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Probleme bei Daimler: Motordefekt verursacht Millionenschaden
Daimler

300.000 Werkstattbesuche und über eine halbe Milliarde Euro Schaden: Defekte Motorenteile haben Kunden von Daimler entnervt, den Autobauer selbst sind sie teuer zu stehen gekommen. Laut einem Bericht der "FAZ" machen die Stuttgarter einen Zulieferer für das Debakel verantwortlich.

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keinvernünftigespseudony 31.08.2012, 18:19
10. Ich bedaure nur den Zulieferer

Dort geht jetzt der Punk ab.

Ich gönne es Daimler mal so richtig auf die Schnauze zu fliegen (alle anderen sind aber kein Deut besser). Das kommt davon wenn man nur auf den 'Shareholder value' guckt.
Daimler hatte seinen Schrempp, VW den Lopez.....

Ich arbeite auch bei einem Zulieferer für die Automobilindustrie und kenne das Gebaren, vor allem der 'Premium'-Hersteller.
Meine Firma hatte mal alle Verträge mit einem solchen gekündigt weil die Rohstoffpreise stark ansteigen und der Kunde das nicht akzeptieren wollte.
Nach einem halben Jahr 'global sourcing' sind sie dann doch wieder angekommen und wollten mit uns weitermachen.
Die Anderen waren eben auch nicht billiger (bei entsprechnder Qualität).

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huettenfreak 31.08.2012, 18:20
11. Autsch!

Zitat von Agent_ohne_Namen
Freut mich als Boschler diesen Beitrag zu lesen...und eine Bestätigung für unsere Qualität zu sehen, mit der auch übrigens deutsche Arbeitsplätze (davon 3000 neue Stellen dieses Jahr in D) gesichert werden!
Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.
Dass bei Bosch alles Sahne ist wage ich zu beweifeln, ein Vorredner hat das ja schon aufgegriffen. Und Delphi ist auch nicht gerade eine Klitsche. So etwas kann immer passieren, was für die Besitzer der Fahrzeuge natürlich am ärgerlichsten ist. Dann vielleicht doch lieber einen Gebrauchten der 1. viel billiger und 2. auch frei von solchen Kinderkrankheiten ist?

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earl grey 31.08.2012, 18:33
12. Nein...

Zitat von colouredwolf
waren das nicht die, die zum debakel der 2002/2003 generation der e-klasse geführt haben? damals das größte debakel, das mercedes jemals erlebt hatte? waren sie deswegen nicht zu einem anderen lieferanten gewechselt???
Nein, die Injektoren waren so ziemlich das einzige Bauteil bei meiner damaligen E-Klasse von 2002, dass nicht kaputt war...schon bei der Überführungsfahrt von Sindelfingen waren ein paar Dinge nicht so, wie sie sein sollten...
Die Fehlerliste umfasste letztendlich 26 Punkte, 2 DIN A4-Seiten eng bedruckt. Leider hat MB es nicht geschafft, auch nur einen Bruchteil davon dauerhaft zu raparieren, so haben sie den Wagen dann recht schnell wieder bekommen.

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whazzup 31.08.2012, 18:35
13.

Zitat von sysop
300.000 Werkstattbesuche und über eine halbe Milliarde Euro Schaden: Defekte Motorenteile haben Kunden von Daimler entnervt, den Autobauer selbst sind sie teuer zu stehen gekommen. Laut einem Bericht der "FAZ" machen die Stuttgarter einen Zulieferer für das Debakel verantwortlich.
So dachte ich mir das. Habe meine Kiste 2010 nach dem dritten Liegenbleiber zurückgegeben und die Marke gewechselt. Das Handling dieses Fiaskos durch Mercedes-Benz war eine einzige Lächerlichkeit. Noch heute bauen sie wie wild alte Injektorengenerationen aus und tauschen sie gegen Neuteile.

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multilateral 31.08.2012, 18:38
14. Siechtum seit den Neunzigern

Das Problem, das dahinter steckt, greift meiner Erfahrung nach seit den Neunzigern um sich. Große Konzerne haben sich intern so feingranular in einzelne Abteilungsstückchen und Zuständigkeiten zerteilt, dass niemand mehr für "das große Ganze" zuständig ist, wie z.B. der Abschluss eines Projektes, sondern jeder nur noch bis zu seinem Tellerrand schaut. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass in den neunziger Jahren in dem großen Elektronikkonzern, in dem ich gearbeitet habe, angefangen wurde Waren und Dienstleistungen zwischen Abteilungen zu handeln, die in derselben Werkshalle tätig waren. Ein Arbeiter aus Abteilung A, der mit einem Werkstück von Abteilung B etwas für Abteilung C hergestellt hat, war damit in demselben Verwaltungsverfahren gefangen, als hätte er das Werkstück von einer völlig anderen Firma X aus Köln z.B. gekauft, um es im Auftrag einer wiederum völlig anderen Firma Y aus Hamburg herzustellen. Die Abteilungsleiter hatten stets immer nur ihre Vorgaben im Kopf und haben diese im "gesunden Konkurrenzdenken zur Steigerung der Effektivität" umgesetzt - so zumindest war das wohl von irgendwelchen achso schlauen Geistern erdacht worden. Die Realität ist, dass jeder nur bis zu seinem Tellerrand - seinen Vorgaben - gedacht hat und nur darauf bedacht war, Probleme irgendwie an andere Abteilungen weiterzureichen anstatt das diese gemeinsam gelöst wurden. Das Projekt an sich wurde völlig egal, denn das hatte keiner mehr auf dem Schirm. Dazu passte es dann auch, dass Einkauf und Produktion völlig voneinander separiert wurden. Ein Beispiel: Bei uns wurden unter anderem Hochspannungsschalter gebaut. Die dazu notwendigen Keramikisolatoren wurden jahrelang (vielleicht sogar jahrzehntelang) von derselben deutschen Firma produziert und zugeliefert. Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, dass man die Dinger auch in Indien herstellen und liefern lassen kann. Trotz des langen Lieferweges waren fünf von den indischen Isolatoren immernoch billiger als zwei aus deutsche Produktion. Der Haken? 50% der gelieferten Isolatoren waren Ausschuss. Da dachte sich der Einkauf: "Na, dann kriegen wir unterm Strich halt nicht 5 statt 2 sondern nur 2,5 statt 2 - immernoch ein Gewinn!". Was der Einkauf nicht sah, oder nicht sehen wollte, weil es auch überhaupt nicht sein Problem bzw. nicht innerhalb seines Tellerrandes war, waren die verlorenen Arbeitsstunden von deutschen Arbeitern (die nach deutschen Gehaltsstandards bezahlt werden!). Diese hatte nämlich die Abteilung der Produktion auf der Liste. Die Produktion hat diesen schwarzen Peter dann intern rumgereicht und irgendwann zum Teil dem Vertrieb auf's Auge gedrückt. O tempora, o mores.

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mborevi 31.08.2012, 18:38
15. Ein Zulieferer ...

Zitat von sysop
300.000 Werkstattbesuche und über eine halbe Milliarde Euro Schaden: Defekte Motorenteile haben Kunden von Daimler entnervt, den Autobauer selbst sind sie teuer zu stehen gekommen. Laut einem Bericht der "FAZ" machen die Stuttgarter einen Zulieferer für das Debakel verantwortlich.
... ist schuld? Das sind ja ganz neue Töne bei Daimler-Benz! Bis jetzt waren es immer wir, die Kunden!

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distel61 31.08.2012, 18:48
16.

Zitat von huettenfreak
Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall. Dass bei Bosch alles Sahne ist wage ich zu beweifeln, ein Vorredner hat das ja schon aufgegriffen. Und Delphi ist auch nicht gerade eine Klitsche. So etwas kann immer passieren, was für die Besitzer der Fahrzeuge natürlich am ärgerlichsten ist. Dann vielleicht doch lieber einen Gebrauchten der 1. viel billiger und 2. auch frei von solchen Kinderkrankheiten ist?
Fakt ist:

Delphi hat das fehlerhafte Teil geliefert und Bosch liefert nun das Teil, das funktioniert. Man kann viel am Daimler herumkritisieren, aber wenn der Zulieferer es für einen bestimmten Preis nicht kann, dann soll er halt kein Angebot unterbreiten. Nun ist der Schaden da und kostet ein Schweinegeld für alle Beteiligten und eine Menge Ärger für die Kunden, sowie einen massiven Renommeeverlust für Daimler. Insbesondere in den USA ist man da sehr empfindlich und Daimler hat mittlerweile dort ruftechnisch schweren Schaden genommen! Und zwar schon lange vor dem Injektorendebakel. Einfach mal US Autoforen querlesen!

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hman2 31.08.2012, 18:51
17. Qm

Zitat von sysop
Laut einem Bericht der "FAZ" machen die Stuttgarter einen Zulieferer für das Debakel verantwortlich.
Huch, hat der Daimler in der neoliberalen "Optimierwut" sein QM wegrationalisiert?

Wie kann ein Zuliefererteil solche Probleme machen, ohne dass es der Eingangskontrolle auffällt?

Ach so, die Zulieferer qualitätssichern sich heutzutage ja selbst, so kann man Gewinne optimieren. Verluste offenbar auch...

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hman2 31.08.2012, 18:55
18. Qm

Zitat von huettenfreak
So etwas kann immer passieren,
Nein, in der heutigen QM-, TQM- und EFQM-Welt kann sowas eigentlich nicht passieren. Es sei denn, Qualität wäre nur noch ein Schlagwort fürs Bullshit Bingo, und man kauft mit 70% Gewichtung für den Preis ein, sprich: Die Einkaufsabteilung hält alles für geeignet, wenn es nur billig genug ist...

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Pinin 31.08.2012, 18:58
19. Stimmt völlig ...

Zitat von multilateral
Das Problem, das dahinter steckt, greift meiner Erfahrung nach seit den Neunzigern um sich. Große Konzerne haben sich intern so feingranular in einzelne Abteilungsstückchen und Zuständigkeiten zerteilt, dass niemand mehr für "das große Ganze" zuständig ist, wie z.B. der Abschluss eines Projektes, sondern jeder nur noch bis zu seinem Tellerrand schaut. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass in den neunziger Jahren in dem großen Elektronikkonzern, in dem ich gearbeitet habe, angefangen wurde Waren und Dienstleistungen zwischen Abteilungen zu handeln, die in derselben Werkshalle tätig waren. Ein Arbeiter aus Abteilung A, der mit einem Werkstück von Abteilung B etwas für Abteilung C hergestellt hat, war damit in demselben Verwaltungsverfahren gefangen, als hätte er das Werkstück von einer völlig anderen Firma X aus Köln z.B. gekauft, um es im Auftrag einer wiederum völlig anderen Firma Y aus Hamburg herzustellen. Die Abteilungsleiter hatten stets immer nur ihre Vorgaben im Kopf und haben diese im "gesunden Konkurrenzdenken zur Steigerung der Effektivität" umgesetzt - so zumindest war das wohl von irgendwelchen achso schlauen Geistern erdacht worden. Die Realität ist, dass jeder nur bis zu seinem Tellerrand - seinen Vorgaben - gedacht hat und nur darauf bedacht war, Probleme irgendwie an andere Abteilungen weiterzureichen anstatt das diese gemeinsam gelöst wurden. Das Projekt an sich wurde völlig egal, denn das hatte keiner mehr auf dem Schirm. Dazu passte es dann auch, dass Einkauf und Produktion völlig voneinander separiert wurden. Ein Beispiel: Bei uns wurden unter anderem Hochspannungsschalter gebaut. Die dazu notwendigen Keramikisolatoren wurden jahrelang (vielleicht sogar jahrzehntelang) von derselben deutschen Firma produziert und zugeliefert. Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, dass man die Dinger auch in Indien herstellen und liefern lassen kann. Trotz des langen Lieferweges waren fünf von den indischen Isolatoren immernoch billiger als zwei aus deutsche Produktion. Der Haken? 50% der gelieferten Isolatoren waren Ausschuss. Da dachte sich der Einkauf: "Na, dann kriegen wir unterm Strich halt nicht 5 statt 2 sondern nur 2,5 statt 2 - immernoch ein Gewinn!". Was der Einkauf nicht sah, oder nicht sehen wollte, weil es auch überhaupt nicht sein Problem bzw. nicht innerhalb seines Tellerrandes war, waren die verlorenen Arbeitsstunden von deutschen Arbeitern (die nach deutschen Gehaltsstandards bezahlt werden!). Diese hatte nämlich die Abteilung der Produktion auf der Liste. Die Produktion hat diesen schwarzen Peter dann intern rumgereicht und irgendwann zum Teil dem Vertrieb auf's Auge gedrückt. O tempora, o mores.
... aber das darf man intern niemals kritisieren: der Überbringer der Nachricht = des Problems wird geköpft!

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