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Schönes Ding - RGW-Auto: Maserati hinter der Mauer
Skoda Auto

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Diesmal: Das RGW-Auto - ein in Italien designter Ostblock-Flitzer.

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eunegin 09.11.2019, 08:20
1. Symbol der Unfähigkeit

Wäre man in der DDR weniger von Trabant und (wenn man Glück hatte) Wartburg genervt worden, wäre die Zufriedenheit mit dem System etwas höher ausgefallen. Man wusste ja, was im Westen gefahren wurde. Der Trabi war spätestens ab Mitte der 70er ein Symbol für den DDR-Schrott und die Unfähigkeit zur Weiterentwicklung. Wie gerne hätte Ingenieure an der Basis ein gutes Auto gebaut.

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Erika.Mustermann@spon.de 09.11.2019, 08:26
2. Der Mythos

Alle Jahre wieder wird der Mythos wiederbelebt. "Wir hätten ja gekonnt, durften aber nicht".
In der Realität scheiterte es wohl nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an Rohstoffen, ausnahmslos allen Bauteilen (von der Lichtmaschine bis zu den Reifen), geeigneten Produktionsanlagen und qualifiziertem Personal.
Ganz abgesehen vom Service nach dem Verkauf.

"Fahrzeuge, die mit West-Fabrikaten konkurrieren können - und vor allem auch in ausreichender Zahl am Markt verfügbar sein sollten." war dann sowieso ein unrealistischer Tagtraum. Aber zum Mythos passt es heute und wird sicher gern von Pedigasten und Afdlern aufgenommen: Der "deindustrialisierte Staat" nach dem Staatsbankrott.

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bibabuzelmann 09.11.2019, 08:49
3. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ...

.. die Genossen hätten um ein Haar den Plattformgedanken vorweg genommen, mit dem VW seit ~20 Jahren den Markt beherrscht.
Gescheitert ist es wohl nur am fehlenden Kapital bzw. Mut. Tja im Bestfall hätte man die Autos gegen gute Devisen auch in Westeuropa verkaufen können. Das hatte wohl niemand auf den Zettel, bzw. keiner wollte den Kopf im Falle eines Misserfolges hinhalten.
Allemal ein interessanter Abschnitt der Geschichte, danke für den Artikel.

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kenterziege 09.11.2019, 10:43
4. Danke, für diesen Beitrag!

Er zeigt deutlich, daß die westdeutschen Ingenieure keine Grund hatten von oben herab zu schauen. In den ostdeutschen Ingenieurbüros der Hersteller gab es eine überschaubare Anzahl von Ingenieuren, die vieles selbst entwarfen, ohne für jeden Pups Zulieferer zu beauftragen. Von der Historie her war der damals (mitteldeutsche) Automobilbau ja auf Augenhöhe mit dem Westdeutschen (Horch, Wanderer, Audi, BMW, DKW).
Es muss frustrierend für die Ingenieure gewesen sein, wie die Betonköpfe des Politbüros jede Neuentwicklung abgeschossen haben. Ich empfehle einen Besuch in Automobilmuseum in Eisenach, wo man neben vielen anderen Entwicklungen auch eine 3-Zyl.-Viertakter sehen kann, der genau - und damit viel besser als der VW-Motor des Polo - in den Wartburg gepasst hätte. Aber die RGW-Vorgaben sahen keine Produktion von 4-Takt-Motoren in der DDR vor.
Wie leistungsfähig der DDR Motorenbau war, konnte man an den Lastwagen und Traktoren erkennen.

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tpro 09.11.2019, 10:51
5.

Zitat von Erika.Mustermann@spon.de
Alle Jahre wieder wird der Mythos wiederbelebt. "Wir hätten ja gekonnt, durften aber nicht". In der Realität scheiterte es wohl nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an Rohstoffen, ausnahmslos allen Bauteilen (von der Lichtmaschine bis zu den Reifen), geeigneten Produktionsanlagen und qualifiziertem Personal. Ganz abgesehen vom Service nach dem Verkauf. "Fahrzeuge, die mit West-Fabrikaten konkurrieren können - und vor allem auch in ausreichender Zahl am Markt verfügbar sein sollten." war dann sowieso ein unrealistischer Tagtraum. Aber zum Mythos passt es heute und wird sicher gern von Pedigasten und Afdlern aufgenommen: Der "deindustrialisierte Staat" nach dem Staatsbankrott.
Ja, sie hätten gekonnt und durften wirklich nicht. Nur zur Erinnerung: Zwickau war vor dem Krieg das Zentrum des Automobilbaus in Deutschland und Fachleute verschwinden nicht so einfach. Und die Ausbildung war in der DDR genauso wie in der BRD. Ja, die ehemaligen DDR-Betriebe wurden mit Billigung der Bundesregierung geplündert und deindustrialisiert. Und nein, ich komme nicht aus dem Osten, war aber nach der Wende dort, um Maschinen und Anlagen in Betrieb zu nehmen. Ein bischen Mitgefühl und weniger Arroganz würde so manchem Foristen hier gut tun.

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mikaiser 09.11.2019, 10:55
6. Bild 6 - kein Dreitürer

Die Karosserieform des hellblauen Viertürers hat man damals auch als Fünftürer bezeichnet. Kein Dreitürer auf dem Bild. Aber sehr moderne Formen für die Zeit

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oberbrausnitzer 09.11.2019, 11:58
7. Abfällige Ausdrucksweise

"Sozensprech" das ist Format "Bild" aber dahin entwickeln Sie sich seit geraumer Zeit sowieso. Ansonsten reden hier einige Kommentatoren wie Blinde von der Farbe.

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TheK79 09.11.2019, 12:11
8.

Ein Problem, dass so viele Ost-Betriebe hatten: Man hat durchaus neue Produkte entwickelt, nur durfte man sie nicht verkaufen – da blieb es bei Dingen, die in den 1960ern gerade noch gut waren. Und auf immer weiter verschleißenden Produktionsanlagen…

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spontanistin 09.11.2019, 12:29
9. Neuer Mensch!

Dafür hatte der als Kommunismus getarnte Staatskapitalismus ja das Entwicklungsziel des „Neuen Menschen“, der nach der Übergangsphase des sogen. Sozialismus dann im Kommunismus seine perfekte Ausformung (Design) erhalten sollte. Jammer-Ossi war wohl hoffentlich nur eine Fehlentwicklung!

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