Forum: Auto
Schönes Ding - RGW-Auto: Maserati hinter der Mauer
Skoda Auto

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Diesmal: Das RGW-Auto - ein in Italien designter Ostblock-Flitzer.

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motorholer 09.11.2019, 12:29
10. SED hatte andere Prioritäten...

man muss nicht lange drumrumreden....technik und knowhow waren zweifelsohne da, aber das politbüro hatte andere prioritäten..man denke nur an die aufwendungen zur grenzsicherung...

die bilder 3 erinnern an einen später gebauten alfa, andere bilder an citroen ami 8 und talbot horizon...

tja...hätte man das seiten der ddr und cssr durchgezogen, hätte man vielleicht auf dem weltmarkt autos verkaufen können...hättehättefahradkette...

ironie der geschichte:die deutsche autoindustrie verschläft gerade wieder, wenn sie nicht aufpasst den anschluss..siehe tesla...??!!

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Erika.Mustermann@spon.de 09.11.2019, 12:55
11.

Zitat von tpro
Ja, sie hätten gekonnt und durften wirklich nicht. Nur zur Erinnerung: Zwickau war vor dem Krieg das Zentrum des Automobilbaus in Deutschland und Fachleute verschwinden nicht so einfach. Und die Ausbildung war in der DDR genauso wie in der BRD. Ja, die ehemaligen DDR-Betriebe wurden mit Billigung der Bundesregierung geplündert und deindustrialisiert. Und nein, ich komme nicht aus dem Osten, war aber nach der Wende dort, um Maschinen und Anlagen in Betrieb zu nehmen. Ein bischen Mitgefühl und weniger Arroganz würde so manchem Foristen hier gut tun.
Nett von Ihnen, dass Sie mir Arroganz unterstellen.
Trotzdem bleiben alle Fragen unbeantwortet.

Zusätzlich stellt sich natürlich nach Ihrer "Argumentation" noch mehr die Frage, warum dann in den letzten drei Jahrzehnten keinerlei Initiative kam? Selbst das vergleichsweise überschaubare "Projekt" MZ [MuZ] wurde nicht mit Eigenentwicklungen weiter betrieben, sondern mit Einkäufen in Asien.

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tpro 09.11.2019, 15:04
12.

Zitat von Erika.Mustermann@spon.de
Nett von Ihnen, dass Sie mir Arroganz unterstellen. Trotzdem bleiben alle Fragen unbeantwortet. Zusätzlich stellt sich natürlich nach Ihrer "Argumentation" noch mehr die Frage, warum dann in den letzten drei Jahrzehnten keinerlei Initiative kam? Selbst das vergleichsweise überschaubare "Projekt" MZ [MuZ] wurde nicht mit Eigenentwicklungen weiter betrieben, sondern mit Einkäufen in Asien.
".... Politbüro unterbindet Weiterentwicklung Ausgebremst - Die Automobil-Industrie der DDR ......................Sie konnten nach dem Wartburg 353, der 1966 in Serie gegangen war, bei der Regierung und dem SED-Politbüro keine Neuentwicklung mehr durchsetzen......"

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/artikel106580.html

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mazzmazz 09.11.2019, 16:52
13. Man hätte können mögen aber dürfen hat man sich nicht getraut...

Sicherlich gab es in der DDR in den frühen 70ern noch gute Ingenieure, die ein ordentliches Auto nach damaligem Verständnis zustande hätten bringen können.
Aber es passierte eben nicht. Punkt.
Was dann an Ingenieuren aus der DDR ab 1989 in den Westen kam, waren sehr häufig Menschen mit einer schwierigen Arbeitseinstellung und einer altbackenen Ausbildung. Das kenne ich nun gut genug aus eigener Erfahrung.
Unsere damalige Maschinenbaufirma (in München ansässig) heuerte über die Jahre viele Ostdeutsche an. Meist tolle Leute mit Anstand, Moral und Fleiß. Aber gerade die Ingenieure musste man leider oft erst mal auf den Stand bringen.
Ich unterstelle daher, dass man in der DDR so ab 1980 nicht mehr in der Lage war, ein international wettbewerbsfähiges Produkt zu entwickeln. Weder PC, noch Auto, noch Produktionsmaschinen. Allein schon weil die Ausbildung der Ings sich kaum entwickeln konnte. Außerdem war kein Geld da.
Ich meine es macht aus diesen Gründen keinen Sinn, die DDR-Wirtschaft zu überhöhen und zu behaupten, der Westen hätte eine florierende DDR-Wirtschaft ausgeplündert.
Fakt ist, die DDR war pleite und nicht wettbewerbsfähig. Sonst hätten wir sie niemals von den Russen zurück kaufen können.
Die Autoindustrie war schon Ende der 70er völlig abgehängt. Vergleichen Sie Golf 1, Renault 16, BMW 323/528, Mercedes W123, Ford Escort, Fiat Ritmo, Alfa Sud mit Tarbant, Wartburg und auch dem hier vorgestellten Projekt. Das waren schon Welten.
Dennoch danke für die nette Anekdote. Ich kannte dieses Projekt bislang nicht.

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gumbofroehn 09.11.2019, 17:43
14. Dass es brillante Ingenieure in der DDR gab ...

... kann niemand bestreiten. Allerdings ist es eine Sache, einen Prototypen zu bauen und eine völlig andere, eine Großserienfertigung mit mehreren hunderttausend Fahrzeugen im Jahr aufzuziehen. Das gilt insbesondere für den erforderlichen Ressourceneinsatz. Dass die beteiligten RGW-Staaten das nicht konnten, ist (angesichts der geringen Wirtschaftsleistung) nicht weiter verwunderlich. In der DDR der frühen Honecker-Ära wurden erhebliche volkswirtschaftliche Ressourcen in den Wohnungsbau investiert. In anderen Bereichen fehlte es dafür dann eben. Die Aussage "wir hätten ja gekonnt, wir durften bloß nicht" müsste daher zutreffend lauten "technisch hätten wir gekonnt, wirtschaftlich aber nicht".

Der in der Fotostrecke gezeigte Skoda-Prototyp kam mir seltsam bekannt vor, die Seitenlinie ähnelt verdächtig dem Audi 80 B1. Beide Autos sind von Giugiaro gezeichnet, das sieht man. Einmal entworfen, (mit kleineren Änderungen) doppelt verkauft. So kommt man zu was ... ;-)

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baghira1 09.11.2019, 17:51
15.

Zitat von Erika.Mustermann@spon.de
Nett von Ihnen, dass Sie mir Arroganz unterstellen. Trotzdem bleiben alle Fragen unbeantwortet. Zusätzlich stellt sich natürlich nach Ihrer "Argumentation" noch mehr die Frage, warum dann in den letzten drei Jahrzehnten keinerlei Initiative kam? Selbst das vergleichsweise überschaubare "Projekt" MZ [MuZ] wurde nicht mit Eigenentwicklungen weiter betrieben, sondern mit Einkäufen in Asien.
Das die sächsische und thüringische Kraftfahrzeugindustrie untergegangen ist, hatte auch einen Grund des schlechten Rufes in Westdeutschland.
Das RGW Projekt und die vielen anderen der IFA Leute war teilweise sehr zukunftsweisend. Die DDR wollte den Wankelmotor in alle Fahrzeuge einbauen, haben viel daran verbessert, bis das ZK der SED dem, wie allen anderem gestrichen hat.
Es gibt ein sehr interessantes Buch über die Kraftfahrzeugindustrie in der DDR, das PLaste, Bech und Planwirtschaft heißt.

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gg0815 10.11.2019, 08:15
16. Beispiel

Hab da nen schönes Beispiel. Das Messgeräre Werk stellte ein künstliche Niere her, Ferschreibttechnick und Radiorecorder. Letzteres musste auf RGW Beschluss eingestellt werden obwohl die Nachfrage über dem Angebot lag. Dieses existierte vortan einfach nicht mehr. Die Betriebe wurde wegen des Mangels zur sogenannten Konsumgüterproduktion in % Produktionsvolumen verpflichtet. Im Hiightec Messgerätewerk stellten nun zwei Roboter Massen von einfachen mechanischen Eierschneidern her. Diese virtelren Hühnereier. Vorgabe und Plan erfüllt einen Markt dafür gab es allerdings nicht. Die Führungsetage in den Betrieben wurden durch Parteikader oft hohe Ex Militärs besetzt Kompetenz in Wirtschaft und Technologie etc war da kaum ein Kriterium.

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Fragende_Leere 10.11.2019, 16:11
17. @ Beitrag 3: Plattformgrdanke

Gibt es den 60er Jahren in Britain, USA und bestimmt auch sonst noch. 80er Jahre Eurodiesel wäre auch ein Beispiel. Nee: das war keine Innovation der DDR

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rosinenzuechterin 10.11.2019, 21:54
18.

Zitat von Erika.Mustermann@spon.de
Alle Jahre wieder wird der Mythos wiederbelebt. "Wir hätten ja gekonnt, durften aber nicht". In der Realität scheiterte es wohl nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an Rohstoffen, ausnahmslos allen Bauteilen (von der Lichtmaschine bis zu den Reifen), geeigneten Produktionsanlagen und qualifiziertem Personal. Ganz abgesehen vom Service nach dem Verkauf. "Fahrzeuge, die mit West-Fabrikaten konkurrieren können - und vor allem auch in ausreichender Zahl am Markt verfügbar sein sollten." war dann sowieso ein unrealistischer Tagtraum. Aber zum Mythos passt es heute und wird sicher gern von Pedigasten und Afdlern aufgenommen: Der "deindustrialisierte Staat" nach dem Staatsbankrott.
Ein Trabant 601 oder ein Wartburg 353 ist auch nicht ohne Lichtmaschine und Reifen unterwegs gewesen. Die Rohstoffe und Bauteile hätten natürlich für ein neues Produkt genauso gereicht wie für die alten, auch das Personal. Allein der Invest in neue Produktionslinien hat die politisch Verantwortlichen so verschreckt, dass die Projekte abgeblasen wurden. Und so wurden Fahrzeuge, die bei ihrer Vorstellung hochmodern waren (Was hatte VW 1964 im Angebot? Na?) langsam zum Symbol des Stillstands. Dass das nicht so hätte sein müssen, ist eben kein Mythos, sondern wird im Artikel nachvollziehbar aufgezeigt, und ist zudem sicher nicht der Grund, der Pegida oder die AfD auf die Straße treibt.

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Freund_Fettsack 11.11.2019, 12:58
19. Wieso Mythos? Da ist Ihnen etwas entgangen!

Zitat von Erika.Mustermann@spon.de
Alle Jahre wieder wird der Mythos wiederbelebt. "Wir hätten ja gekonnt, durften aber nicht". In der Realität scheiterte es wohl nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an Rohstoffen, ausnahmslos allen Bauteilen (von der Lichtmaschine bis zu den Reifen), geeigneten Produktionsanlagen und qualifiziertem Personal. Ganz abgesehen vom Service nach dem Verkauf. "Fahrzeuge, die mit West-Fabrikaten konkurrieren können - und vor allem auch in ausreichender Zahl am Markt verfügbar sein sollten." war dann sowieso ein unrealistischer Tagtraum. Aber zum Mythos passt es heute und wird sicher gern von Pedigasten und Afdlern aufgenommen: Der "deindustrialisierte Staat" nach dem Staatsbankrott.
Erstens: Die Antwort auf die Frage, welches Auto das meistgebaute der Welt sei (in relativ gleicher Form) wird bei Ihnen wohl lauten: VW Käfer. Ist aber falsch! Vielmehr ist das der Lada Schiguli, Fiat 124, Tofas etc... Außerdem gibt es da noch einen Lada namens Niva, der Ende der 70er einen weltweiten Marktanteil von 40 Prozent, bezogen auf sein Marktsegment, erzielt hatte. Entwickelt wo? SU! Sie haben's also schon gekonnt, die Genossen!
Zweitens: Bauteile waren sehr wohl vorhanden, wurden damals sogar für den Export in den Westen produziert. Auch Lichtmaschinen etc...
Drittens: Sagt Ihnen das Reifenwerk Heidenau etwas?
Ergo: Wenn man keine Ahnung hat... sie ahnen es sicher!

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