Forum: Auto
Schwerer Unfall in den USA: Wie sicher sind Stretchlimousinen?
Tom Grünweg

Bei einem Unfall mit einer Stretchlimousine starben in den USA 20 Menschen. Die Länge solcher Autos stellt die Fahrer vor besondere Schwierigkeiten, erklärt Unfallforscher Siegfried Brockmann.

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Frietjoff 08.10.2018, 20:59
20.

Der (unqualifizierte, er hatte keinen Führerschein zur Personenbeförderung) Fahrer hat schlicht nicht bemerkt, dass er auf eine Einmündung zuraste, an der er zwingend rechts oder links abbiegen musste.

Ausschilderung und Ausbau von Straße und Kreuzung hatten daran leider einen Anteil. Bisher wissen wir folgendes:

1. Die Straße war stark abschüssig, rechts und links bewaldet und zumindest leicht kurvig.
2. Anwohner haben ausgesagt, dass Ortsunkundige regelmäßig vom Enden der Landstraße an der Einmündung überrascht werden.
3. Dass die Landstraße bald enden wird, wird durch kein Schild angekündigt.
4. Dass bald ein Stoppschild kommt, wird zum ersten und einzigen Mal 61 Meter (200 Fuß) vor der Einmündung angekündigt.
5. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug dort 55 mph (89 km/h), das ist dort die normale Landstraßenhöchstgeschwindigkeit. Da i.a.R. Geschwindigkeitsübertretungen von bis zu 10 mph nicht geahndet werden, fahren die meisten auf solchen Straßen 65 mph (105 km/h).

So, und nun mal all das kombiniert: Berg runter; mit (mindestens) 105 und schlechter Sicht; keiner Ahnung, dass die Landstraße bald enden wird; hinter dem Fahrer (ohne Führerschein für solch Gerät) 17 Leute, die Party machen. All das in einem extrem schwierig zu beherrschenden Fahrzeug (das auch noch durch die letzte Inspektion gerauscht ist).

Sieht der Fahrer jetzt das Schild 60 Meter vor der Kreuzung und tritt er gleich ORDENTLICH auf die Bremse, hat er wohl noch eine Chance, den Unfall abzuwenden (solange die Straße trocken ist und der Bremsweg also nicht länger als ohnehin schon für solch ein Fahrzeug). Aber wenn er einen Bruchteil einer Sekunde abgelenkt ist und es übersieht, musste genau das geschehen, was geschehen ist.

Solche Fahrzeuge gehören nicht auf die Straße, keine Frage. Der Vergleich zu Bussen hinkt, weil sie eben ganz anders (und mit ganz anderen Geschwindigkeiten) gefahren werden als Busse.

Aber die Kreuzung (an der es schon etliche Unfälle und Beinaheunfälle gegeben hat) hätte eben auch nie zu unvollkommen gesichert werden dürfen.

Oft gibt es an solchen Einmündungen in den USA folgende Sicherheitsmerkmale. Hier fehlten sie ALLE.

1. Geschwindigkeitsreduzierung. (Hier gibt es nur einen Hinweis darauf, dass die Geschwindigkeit in einiger Entfernung von 55 auf 50 mph reduziert würde. Dass das erst nach einer Einmündung mit zwingendem Abbiegen der Fall sein würde, wird nicht erwähnt.)

2. Ein Hinweisschild T-Intersection.

3. Irgendein beleuchtetes/blinkendes Signal (besonders an einem bekannten Unfallschwerpunkt).

4. Ein Hinweis auf ein kommendes Stoppschild schon eher als die üblichen 60 m (die in diesem Fall eben viel zu spät sind).

5. »Rumble Strips«, also solche eingefrästen oder aufgeklebten Querstreifen, die ordentlich Lärm machen, wenn man drüber rast. (Besonders an einem bekannten Unfallschwerpunkt gibt es die oft, wenn es bergab geht).

Klar, der extrem fahrlässige Limoverleih und sein Besitzer sind (völlig zu recht) ruiniert. Aber der Staat New York wird auch einiges an Schadensersatz leisten müssen.

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Frietjoff 08.10.2018, 21:00
21.

Der (unqualifizierte, er hatte keinen Führerschein zur Personenbeförderung) Fahrer hat schlicht nicht bemerkt, dass er auf eine Einmündung zuraste, an der er zwingend rechts oder links abbiegen musste.

Ausschilderung und Ausbau von Straße und Kreuzung hatten daran leider einen Anteil. Bisher wissen wir folgendes:

1. Die Straße war stark abschüssig, rechts und links bewaldet und zumindest leicht kurvig.
2. Anwohner haben ausgesagt, dass Ortsunkundige regelmäßig vom Enden der Landstraße an der Einmündung überrascht werden.
3. Dass die Landstraße bald enden wird, wird durch kein Schild angekündigt.
4. Dass bald ein Stoppschild kommt, wird zum ersten und einzigen Mal 61 Meter (200 Fuß) vor der Einmündung angekündigt.
5. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug dort 55 mph (89 km/h), das ist dort die normale Landstraßenhöchstgeschwindigkeit. Da i.a.R. Geschwindigkeitsübertretungen von bis zu 10 mph nicht geahndet werden, fahren die meisten auf solchen Straßen 65 mph (105 km/h).

So, und nun mal all das kombiniert: Berg runter; mit (mindestens) 105 und schlechter Sicht; keiner Ahnung, dass die Landstraße bald enden wird; hinter dem Fahrer (ohne Führerschein für solch Gerät) 17 Leute, die Party machen. All das in einem extrem schwierig zu beherrschenden Fahrzeug (das auch noch durch die letzte Inspektion gerauscht ist).

Sieht der Fahrer jetzt das Schild 60 Meter vor der Kreuzung und tritt er gleich ORDENTLICH auf die Bremse, hat er wohl noch eine Chance, den Unfall abzuwenden (solange die Straße trocken ist und der Bremsweg also nicht länger als ohnehin schon für solch ein Fahrzeug). Aber wenn er einen Bruchteil einer Sekunde abgelenkt ist und es übersieht, musste genau das geschehen, was geschehen ist.

Solche Fahrzeuge gehören nicht auf die Straße, keine Frage. Der Vergleich zu Bussen hinkt, weil sie eben ganz anders (und mit ganz anderen Geschwindigkeiten) gefahren werden als Busse.

Aber die Kreuzung (an der es schon etliche Unfälle und Beinaheunfälle gegeben hat) hätte eben auch nie zu unvollkommen gesichert werden dürfen.

Oft gibt es an solchen Einmündungen in den USA folgende Sicherheitsmerkmale. Hier fehlten sie ALLE.

1. Geschwindigkeitsreduzierung. (Hier gibt es nur einen Hinweis darauf, dass die Geschwindigkeit in einiger Entfernung von 55 auf 50 mph reduziert würde. Dass das erst nach einer Einmündung mit zwingendem Abbiegen der Fall sein würde, wird nicht erwähnt.)

2. Ein Hinweisschild T-Intersection.

3. Irgendein beleuchtetes/blinkendes Signal (besonders an einem bekannten Unfallschwerpunkt).

4. Ein Hinweis auf ein kommendes Stoppschild schon eher als die üblichen 60 m (die in diesem Fall eben viel zu spät sind).

5. »Rumble Strips«, also solche eingefrästen oder aufgeklebten Querstreifen, die ordentlich Lärm machen, wenn man drüber rast. (Besonders an einem bekannten Unfallschwerpunkt gibt es die oft, wenn es bergab geht).

Klar, der extrem fahrlässige Limoverleih und sein Besitzer sind (völlig zu recht) ruiniert. Aber der Staat New York wird auch einiges an Schadensersatz leisten müssen.

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erwin dunn 08.10.2018, 21:19
22. @8

Im ÖPNV gilt zwar keine Anschnallpflicht, aber bei uns in Kaiserslautern fahren seit neuestem Busse von Solaris herum, die haben Gurte. Ich nutze sie auch, wenn sie schon da sind...bei Vollbremsungen kam
EA schon ein paar Male vor, dass die Kids
oder auch wir Älteren mal vom Sitz geschossen sind. generell sollte dies auch Verpflichtend eingeführt werden. allerdings würden dann auch die Stehplätze wegfallen... ergo mehr Busse einsetzen? Diese Erlaubnis ist rein wirtschaftlich.

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7eggert 09.10.2018, 00:48
23.

Zitat von bluebill
Ich wundere mich schon immer, warum man im PKW keine zehn Meter fahren darf, ohne den Gurt anzulegen, im gleich schnellen Linienbus aber nichts dergleichen verfügbar ist. Da werden Leute sogar im Stehen befördert. Der Bus ist im selben Verkehr unterwegs wie der PKW. Bei Vollbremsungen oder beim schnittigen Anfahren fallen die Passagiere hin und purzeln manchmal sogar vom Sitz, oft gibt es Verletzungen oder Schäden. Aber das wird als Pech hingenommen. Da fragt niemand nach Entschädigung oder Befindlichkeiten. - Stretchlimousinen sind eigentlich PKW, also müssen die Passagiere auch angeschnallt sein, wenn mich nicht alles täuscht. Oder gibt es dafür Sonderregeln wie für Busse?
Beispielzahlen von Schulwegunfällen: 46 tote bei PKW, einer in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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aranos 09.10.2018, 00:49
24. Neiddebatte

Grosses Kino, wie hier versucht wird, ein Skandal um Limos aufzubauen. Wenn man die Umstände des Unfalls in Betracht zieht, liegt das Problem nicht an der Limo. Mal ganz abgesehen davon, dass sie wohl ohnehin in einem schlechten Zustand war. In den USA wird gerne an der Wartung gespart, und es fahren auch genügend ungeschulte Fahrer ohne Zulassung solche Limos. Die Kunden, die möglichst wenig Geld ausgeben wollen, landen dann bei solch unseriösen anbietern. Schlechte Wartung und inkompetente Fahrer sind nicht dem Fahrzeug anzukreiden. Ich habe noch nie eine Limo ohne Gurte gesehen. In Deutschland sowieso nicht, die würde gar nicht zugelassen. Selbst wenn Limos noch unsicherer als hmm... zum Beispiel Quads, Motorrädern oder Bussen wären, würden sie immer noch bloss einen ganz winzigen Anteil an der Masse der Fahrzeuge im deutschen Straßenverkehr ausmachen, und somit ein absolut vernachlässigbares Risiko darstellen. Die übermotorisierten Gefährte deutscher Hersteller, mit denen ständig mit Jenseitsgeschwindigkeiten über die Autobahn, bzw. auch gern mal durch Innenstädte gerast wird, sind jedenfalls ein wesentlich grösseres Sicherheitsrisiko und gehörten als erstes verboten. Mir ist jedenfalls in Deutschland noch kein einziger tödlicher Unfall mit Limos bekannt.

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aranos 09.10.2018, 00:58
25. ...

Und die ganzen heruntergewirtschafteten Lkw aus Osteuropa mit ihren übermüdeten Fahrern schätze ich auch als ein dringenderes Problem ein...
Ein durchschnitttliche TÜV-geprüfte Limo, die in Deutschland ja immer von einem geschulten Fahrer gelenkt wird und immer mit niedriger Geschwindigkeit fährt, hat garantiert wesentlich weniger Unfälle als ein durchschnittlicher PKW.

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indepen 09.10.2018, 02:11
26. Oh weh, was...

...für ein Experte! Wie schafft man es, so viel zu reden, ohne auch nur eine einzige sachliche Aussage zu treffen?
Grundsätzliche Probleme der Stretch-Limos sind hier schon aufgeführt. Was aber häufig unberücksichtigt bleibt, ist das enorm hohe Gewicht des Fahrzeugs. 18 Insassen, dass bedeutet, dass alleine rund 1,5 Tonnen "Zuladung" in diesem Fahrzeug gesessen haben. Bei einem Fahrzeugleergewicht von vermutlich mehr als vier Tonnen war da also eine Fuhre mit rund sechs Tonne Masse unterwegs. Bei den (wenigen) Stretch-Limos, die ich mir in den USA näher angesehen habe, waren z.B. die Original-Bremsen des ursprünglichen Fahrzeugs kaum oder gar nicht modifiziert. Und sechs Tonnen muss man erst mal zu stehen bekommen - wobei von hinten schon die Insassen in Richtung Windschutzscheibe fliegen...

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Nietzsche 09.10.2018, 06:27
27. Also ganz ehrlich

Zitat von Edgard
.. das Interview mit diesem angeblichen Spezialisten hätte man sich auch schenken können. In Deutschland gilt die Anschnallpflicht für alle Insassen; verantwortlich ist der Fahrer. Was Kollege Brockmann da von "Danebenbenehmen" faselt ist mir rätselhaft. Ob Insassen in einem Stadtbus quer zur Fahrsichtung sitzen oder in einem umgebauten PKW ist selbstverständlich ein Unterschied - schon da es scheinbar Unterschiede in der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und damit der möglicherweise einwirkenden Kräfte gibt! Und das weiß dieser "Experte" nicht? Auch nicht daß ein Busfahrer z.B. in einer völlig anderen Position sitzt? Lachhaft...! Fahrzeugtechnisch sind die Systeme wie Lenkung, Fahrgestell, Bremsen auf das Ursprungsfahrzeug ausgelegt. Ob sich aufgrund der Maße und der Masse damit Probleme ergeben; ob und wie diese Systeme angepasst werden müssen sucht man hier ebenfalls vergeblich. Last but not least: "Schließlich gibt es ja auch Fälle von betrunkenen Busfahrern." Ob Herr Brockmann bei dem Interview nüchtern war geht aus dem Artikel leider nicht hervor. Setzen - Sechs!
Diesen Kommentar hätten sie sich sparen können.
Was Herr "Brockmann von Danebenbenehmen faselt" ist nicht rätselhaft, sondern pragmatisch. Da es für sie rätselhaft ist, nehme ich an, sie hatten früher keine Freunde und haben sich aus Mangel an Gelegenheit nie "Danebenbenommen".
Da kann aber Herr Brockmann nichts für.
Lachhaft ist auch ihre Ausführung bezüglich der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Schon mal daran gedacht, das man in den USA nicht rasen darf, wie in Deutschland? Schon mal daran gedacht, dass die Dinger gemietet werden damit man gesehen wird und nicht um über die Autobahn zu rasen?
"Ob Herr Brockmann bei dem Interview nüchtern war geht aus dem Artikel leider nicht hervor."
Waren sie es denn, als sie diesen Kommentar verfasst haben?

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d´point 09.10.2018, 07:35
28. @3 Edgard

Genau das habe ich mich auch gefragt: was faselt der „Experte“??? Alle Antworten verfehlen die Intention dee Frage.

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stefan.albrecht@virgilio. 09.10.2018, 07:56
29. Sicherheits?technik?!?

Wenn Stretchlimousinen auf normalen Fahrzeugen bauen, in deren Mitte eine Verlängerung eingeschweißt wird, werde ich Fahrten in diesen in jedem Fall meiden. Denn das bedeutet, dass für die Bremsen und Fahrwerksteile eines zwei Tonnen schweren Autos plötzlich fünf Tonnen Gewicht und auch mehr als Belastung da sind. Ein Bus ist total anders ausgelegt. Das ist vom Fahrwerk her gesehen ein LKW mit groß dimensionierten Bremsen, dazu ist die Ausstattung eines PKW geradezu lächerlich.

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