Forum: Auto
Stadtbild-Ausstellung: Wohin mit dem Blech?
Museum der Arbeit Hamburg

Wie verändern Autos eine Stadt? Was passiert, wenn in einem Ballungsraum das Dogma von der freien Fahrt gilt? Und wie gehen die Menschen damit um? Antworten darauf versucht die Ausstellung "Die Stadt und das Auto" zu geben, die jetzt in Hamburg eröffnet wurde.

MS_FFM 05.06.2012, 15:05
1. Es hätte nicht so kommen müssen

Der Autoverkehr ist in der Lage, eine Stadt zu zerstören -- aber nur, wenn man das zulässt. Die Niederländer haben nach dem Krieg gegen die Interessen der Autolobby gekämpft. Es war ein unerbittlicher Kampf, der aber -- im Gegensatz zur Situation in so vielen anderen Ländern -- von den Fußgängern und Radfahrern gewonnen wurde. Das Ergebnis kann man heute sehen: während unsere Städte nur langsam und zaghaft menschenfreundlicher werden, kommt man seit jeher in NL auch ohne Auto gut aus.

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Sleeper_in_Metropolis 05.06.2012, 16:29
2.

Zitat von
Es war nicht zuletzt diese Vision vom allzeit fließenden Autoverkehr, die zu städtischen Missbildungen führte. In Hamburg gehört dazu beispielsweise die Ost-West-Straße, eine sechsspurige Schneise durch die Innenstadt...
Nicht die Ost-West-straße ist die Missbildung, sondern die dort ca. alle fünf Meter stehenden Ampeln (die meistens selbstverständlich auf Rot stehen). Soetwas wie grüne Welle ist in Hamburg auf den meisten Straßen immernoch ein Fremdwort. Ist aber auch wenig verwunderlich, da in dieser Stadt ja jahrzehntelang von Autohassern oder zumindest Autoignoranten Politik gemacht wurde.

Zitat von
Dass es nicht noch viel mehr verheerende Beispiele für eine einseitige Verkehrsplanung in Hamburg gibt, hat vor allem mit dem Widerstand der Bürger gegen diverse Straßenbauvorhaben zu tun. Als in den fünfziger Jahren ein autobahnähnlicher Innenstadtring geplant wurde, sollte dafür unter anderem auch der Isebekkanal zugeschüttet werden, um Platz fürs Asphaltband zu schaffen. Das Projekt wurde nach heftigen Protesten der dortigen Geschäftsinhaber und Anwohner gestoppt. Ebenso der 1960 projektierte "Knoten Sternschanze" oder der Autobahnzubringer quer durch Ottensen. Heute gehören das Schanzenviertel und Ottensen zu den beliebtesten Wohn- und Ausgehvierteln der Stadt. Nicht zuletzt deshalb, weil es dort keinen oder nur im begrenztem Maße Durchgangsverkehr gibt.
Ja, super, das diese Engagierten Bürger das damals erfolgreich blockiert haben. Bei denen darf man sich dann wohl auch bedanken, das Hamburg tagsüber einer einzigen, großen Stop-and-Go-Area gleicht. Hätte man beizeiten einen vernünftigen Autobahnring um die Stadt gebaut, könnte man heute vieleicht in realistischer Zeit von Nord nach Süd bzw. von Ost nach West kommen. Aber nun stehen auf allen Straßen die Blechlawinen, und die Bürger schimpfen noch mehr auf's Auto. Der Zug für Möglichkeiten, einen fließenden Autoverkehr in Hamburg zu bewerkstelligen dürfte leider schon lange abgefahren sein, auch weil es bei überlegungen zum Thema PKW-Verkehr in der Hansestadt meist nur darum geht, wie man diesen noch mehr gängeln kann um so die Fahrer in Bus und Bahn zu zwingen.

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MathiasF 05.06.2012, 16:55
3. Hallo Sleeper_in_Metropolis

was Ihnen widerfährt ist das typische Mißverständnis des deutschen Autofahrers. Der glaubt nämlich, daß alle nur gegen ihn agieren und ihn abzocken. Aber das ist falsch. Gegen den Autoverkehr agieren die Autofahrer, nicht die Stadt. Der Verkehr in Hamburg hat eine Größe erreicht, die schlicht nicht mehr auf die Straßen passt. Und da der Bau von Straßen immer nur dazu führt, daß noch mehr Verkehr auf die Straße kommt, gibt es auch keinen Ausweg aus dieser Sackgasse. Die Hamburger Politik hat alles versucht, um dem Autoverkehr mehr und mehr Platz einzuräumen, bis über die Schmerzgrenze hinaus - das Ergebnis sind mehr Staus.
Es gibt nur eins, was den Autoverkehr wieder flüssiger machen kann - weniger Autos. Das kann aber nur erreicht werden, wenn Alternativen zur Verfügung stehen - die Leute fahren ja nicht zum Spaß mit dem Auto, sondern weil sie von A nach B wollen.
Was wir brauchen, ist mehr ÖPNV, und zwar schienengebundener ÖPNV, dann fließt auch der Autoverkehr wieder. Denn man muß sich immer vor Augen halten, wieviel Platz so ein Auto verschwendet: Wenn wir statt einer U-Bahn-Linie eine Straße bauen, brauchen wir 16 Fahrspuren, um die gleiche Kapazität wie in einem 5-Minuten-Takt zu bekommen! Selbst bei der Buslinie 5 ersetzt die eine Busspur immer noch 3 KFZ-Spuren pro Richtung!
Wenn man den Autos Platz wegnimmt, um dafür einen attraktiven ÖPNV anzubieten - z.B. mit einer Stadtbahn, damit das ganze auch bezahlbar bleibt, ist das das Beste, was man für den Autoverkehr in Hamburg tun kann.

Noch ein kurzes Wort zur "Melkkuh der Nation": Autofahren wird in D jedes Jahr mit zweistelligen Milliardenbeträgen durch den Steuerzahler gesponsort. Der Staat finanziert Autofahrer, nicht umgekehrt. Nur werden die meisten Kosten des Autoverkehrs in anderen Etats versteckt und nicht direkt dem Autofahren zugeordnet, deswegen kommt immer dieses Melkkuh-Gequatsche. Autofahren kostet aber mehr als Straßen bauen.

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frankwo01 05.06.2012, 19:03
4. Anfrage aus einer großen Kleinstadt namens 'Mannheim'

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 08.05.2012 habe ich Ihnen über EDV-Leitung einen Funkbrief gesandt, welcher bisher unbeantwortet blieb - deshalb auf dieser Netzanschrift ein weiterer Versuch:
Sehr geehrte Damen und Herren,

gibt es zur nächstmonatigen/mittlerweile aktuellen Ausstellung einen (hoffentlich möglichst bilderlastigen) Begleitkatalog, welche sich weit auswärtig wohnende Mitmenschen als Besuchsersatz schicken lassen/kaufen können und haben Sie weitere Buch-Empfehlungen mit möglichst vielen Auto-Straßenszenen-Fotos der Zielregion bzw dessen Umlandes aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts?

Mit einem Voraus-Danke für Ihre Antwort grüßt von MA nach HH

Frank Wollenberg

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schibulski 06.06.2012, 00:21
5. Füttert doch mal 'nen Routenplaner mit

oder ähnliche gelegene Orte, oder die Gegenrichtung. Alle Routen gehen durchs Stadtzentrum. Weil eine Umgehung im Norden seit Jahrzehnten wegdiskutiert wird. Wie heute bekannt wurde, wird auch die A20 erstmal nicht weiter gebaut. Der Vorschlag, den ÖPNV in Hamburg auszubauen, ist natürlich gut. Aber wirklich freuen werden sich darüber alle, die von Ost nach West oder West nach Ost wollen, den tollen Blick auf die Alster lieben, aber eigentlich da garnicht lang wollen.

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baghira1 06.06.2012, 09:13
6.

Zitat von MS_FFM
Der Autoverkehr ist in der Lage, eine Stadt zu zerstören -- aber nur, wenn man das zulässt. Die Niederländer haben nach dem Krieg gegen die Interessen der Autolobby gekämpft. Es war ein unerbittlicher Kampf, der aber -- im Gegensatz zur Situation in so vielen anderen Ländern -- von den Fußgängern und Radfahrern gewonnen wurde. Das Ergebnis kann man heute sehen: während unsere Städte nur langsam und zaghaft menschenfreundlicher werden, kommt man seit jeher in NL auch ohne Auto gut aus.
Die Niederländer hatten auch eine prominente Vorkämpferin: Königin Juliana

Die Stadt Hamburg hat 10 Jahre nach dem Krieg beschlossen, die 300km!!! Straßenbahnen unter die Erde zu legen. Leider blieb dieses Vorhaben bis auf den Ctiytunnel, die Strecke nach Wandsbek und nach Billstedt auf der Strecke.

Die damals geplante U4 von Lurup nach Steilshoop ist gestrichen worden. Anstatt dessen gibts Busse :(
Deswegen nutzen in Hamburg mit 40% recht wenige den teurersten ÖPNV .Trotzdem präsentiert die Verkehrsgesellschaft jedes Jahr Rekordfahrgastzahlen und überquellende Busse.
Was damals vergessen wurde. Jedes Auto parkt auch und müllt so die Stadt voll. Viele Plätze waren Parkplätze, die für Menschen nicht zu nutzen waren und jetzt langwierig zurückgebaut werden, wie auch der Domplatz.Der Ursprung der Stadt.
Weshalb muss man überhaupt ein Auto in der Stadt benutzen oder besitzen? Es steht die meiste Zeit herum und kostet mehr, als eine Monatskarte der Bahn, wenn man den Wertverlust hinzurechnet.
Die Londoner und, Stockholmer machen meiner Meinung das Richtige, weil sie dem Autofahrer die Fahrt in die Stadt etwas kosten lassen.

In Deutschland werden eher Starßen gebaut als Schienen, von denen seit dem Krieg 1/3 abgerissen wurde. Unwiederbringlich.
Viele müssen nach den Stillegungen ein KFZ nutzen oder dorthinziehen, wo es noch einen Schienenanschluß gibt.

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Sleeper_in_Metropolis 06.06.2012, 09:35
7. Hallo Mathias F.

ganz so einfach ist es ja nicht.

- man hat in HH bei weitem nicht alles mögliche versucht, um den Verkehr flüssiger zu machen. Ein andere Teilnehmer beschrieb es schon, will man von Ost nach West oder Süd nach Nord (oder in entsprechende Gegenrichtung) führt der einzige Weg durch's Zentrum. Und der wird auch noch oft genug künstlich gegängelt. Da fällt mir spontan die Stresemann-straße ein : Eines dieser Nadelöhre durch die Stadt, ursprünglich zweispurig wurde sie jahreklang künstlich durch eine Busspur auf eine Spur verengt und auch noch als Tempo-30-Zone ausgewiesen. Da kann mir keiner erzählen, das da keine Anti-Auto-Ideologie dahinterstand.
Des weiteren hätte man einen Autobahnring um die Stadt oder zwei entsprechende, mehrspurige Schnellstraßen durch die Stadt bauen können. Das wäre in den 60'ern/70er, wo das Motto "freie fahrt für freie Bürger" noch weitesgehend unterstützt wurde sicherlich bei weitem einfacher gewesen als heutzutage. West-Berlin hat es doch auf weitaus beengterem Raum auch geschafft.

- auch die Aussage einiger meist selbsternanntere Verkehrsexperten, das mehr Straßen automatisch auch immer mehr Verkehr produzieren stimmt so nicht, da es für den Anstieg des Verkehrs einen Scheitelpunkt gibt. Für viele ist der ÖPNV schlicht die einfachste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen, die steigen ja nicht plötzlich alle auf's Auto um. Diejenigen, die längere, schlecht angebundene Strecken zurückzulegen haben und/oder von außerhalb kommen, werden sowieso zum größten Teil beim Auto als Transportmittel bleiben, weil der ÖPNV nie auch nur Ansatzweise die gleiche Bequemlichkeit erreicht. Gleiches gilt für Leute, die nicht nur sich, sondern auch Matrerial zu transportieren haben oder im Aussendienst tätig sind.
Und dann gibt es natürlich noch die Fanatiker (für Auto und ÖPNV), die auf Gedeih und Verderb bei ihrem jeweiligen Transportmittel bleiben. All' die genannten Gruppen sind relativ statisch, sprich eine Änderung in den Rahmenbedingungen wie mehr Straßen oder mehr ÖPNV wird da keine großen Wanderungsbewegungen zwischen den Nutzern von PKK und ÖPNV auslösen. Es gibt lediglich eine bestimmten Gruppe, die immer nah an der Schwelle zum Wechsel des Verkehrmittels steht, nur in dieser Gruppe könnte es zu größeren Änderungennim Nutzverhalten kommen. Fragt sich nur, wie große diese Gruppe im Vergleich zu allen Verkehrsteilnehmern ist.

- zu guter letzt müssen sich Ausbau des ÖPNV und Ausbau der Straßen ja nicht ausschließen. Ein ÖPNV-Ausbau ist nie verkehrt, nur sollte der nicht immer mit einer Gängelung des Autoverkehrs einhergehen.

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baghira1 06.06.2012, 09:51
8.

Die Busspur und die Einrichtung der 30er Straße hat einen traurigen Hintergrund. 1990 starb dort ein Mädchen, nachdem es schon einige Tote gegeben hat. Schauen Sie sich mal die Fußwege an, die auch von Radfahrer genutzt werden sollen. Teilweise ist das zu eng, als das ein Radfahrer und ein Fußgänger sich begegnen könnten.

Hamburg ist eigentlich eine Autofreundliche Stadt. Schauen Sie sich die viel zu engen Gehwege und Radwege an.
Es sind zu viele Radwege, die größtenteils nach 1998 benutzungspflichtig wurden und mühsam entschildert werden mussten.


Der ÖPNV und der Ausbau weiterer Straßen wiedersprechen sich, da der Platz zwischen den Häusern häufig beengt ist und der Platz für Busspuren,viele Fahrbahnen,regelkonforme Radwege und Fußwege nicht reicht.

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