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Straßenverkehr: Zahl der getöteten Radfahrer steigt deutlich
Arnulf Stoffel/ DPA

Im ersten Halbjahr des Jahres 2019 starben weniger Menschen im Straßenverkehr - die Zahl der getöteten Radfahrer stieg dagegen um elf Prozent.

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okav 22.08.2019, 10:49
130. Hallo Partner Danke schön

In den 70er gab es von der deutschen Verkehrswacht eine Kampagne unter dem Motto Hallo Partner Danke schön, das hatte großen Erfolg. Heutzutage ist das gesellschaftliche Klima deutlich aggressiver und der Zusammenhalt geht deutlich zurück. Das merkt man auch im Verkehr. Die Leute verstehen sich nicht mehr als Gemeinschaft und sind vermehrt auf Konfrontation, von der Handynutzung und den Kopfhörern mal ganz abgesehen. Fehlverhalten anderer wird auch kaum mehr angesprochen, man lässt die Leute machen, um sich keinen Ärger einzuhandeln, so gehen auch die gesellschaftlichen Selbstheilungskräfte verloren. Bei Fahrradfahrern kann ich manches Fehlverhalten verstehen, wie z.B. Vorsichtiges Fahren auf leeren Bürgersteigen, insbesondere Nachts, um das Unfallrisiko zu minimieren oder um zusätzliche Querrungen zu vermeiden. Es stellt sich immer mehr heraus das man auskommendes gesellschaftliches Zusammenleben nicht mit Gesetzen verordnen kann, viel wichtiger ist Erziehung und gemeinsame Werte und Normen, die zur Rücksichtnahme und Gemeinsinn und Verständnis für den anderen führen sollten.

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Kleinunternehmer 22.08.2019, 10:49
131.

Zitat von mwroer
Vorweg: Ich absolviere mehr Fahrten mit dem Fahrrad als mit dem Auto. Wesentlich mehr. Ich bin Niederländer und mache das nun seit grob geschätzt 45 Jahren (ich zähle mal ab Alter 5 Jahre). Was mir, speziell an den Wochenenden, auffällt ist die Zahl der Menschen die ihr Fahrrad in keinster Weise unter Kontrolle haben und die, so bedauerlich das ist, Verkehrsregeln für etwas halten das anderen zustößt. Zu 90% sind das deutsche Radfahrer die am Wochenende in der Gegend um Rothenbach und dem Gebiet Vlodrop, Herkenbosch .. also praktisch dem Naturpark Elfenmeer rumgondeln. Das hier nicht wesentlich mehr deutsche Radfahrer umgefahren werden liegt einzig daran das niederländische Autofahrer gelernt haben mit diesen Pfeifen zu leben. Meine individuelle Beobachtung, nur in diesem Gebiet und rein persönliche Erfahrung in keiner Weise gestützt durch irgendwelche tollen Statistiken. Nichtsdestotrotz leider eine Tatsache: Deutsche Fahrradfahrer benehmen sich wie die Axt im Walde und nehmen keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer (besonders nicht auf Fußgänger bzw. Spaziergänger. Da ich des öfteren auch in Hamburg und Berlin bin, wochenweise, sehe ich das selbe Verhalten bei Fahrradfahrern zwischen Wilmersdorf, Rehberge, Eimsbüttel und Wandsbeck (Wantsbeck?) - von Mönchen-Gladbach wo ich eine Zweigstelle der Firma habe und auch öfter mit dem Rad fahre rede ich erst gar nicht. Sorry aber ich sehe mich gezwungen zu sagen: So Unrecht haben viele Autofahrer nicht wenn sie sich als 'Opfer' sehen. Das es genau so zig tausend Autofahrer gibt die sich nicht an die StVO in Deutschland halten, die unkonzentriert fahren und die im Grunde zur Nachschulung müssten streite ich keinesfalls ab. Auch das sehe ich jeden Tag! Ändert aber nichts am Fehlverhalten der meisten Radfahrer - und da kann man jetzt die Opfertheorie ganz außen vor lassen. Es ist simple Physik das wenn ein Radfahrer und ein Autofahrer mit ihren jeweiligen Verkehrsmitteln zusammenstoßen der Radfahrer 'verliert' wenn beide pennen. Sie werden in Deutschland nicht umhinkommen gegenseitige Rücksichtnahme zu lernen. Die gilt für Autofahrer in erhöhtem Maße - rein aufgrund der Gefährlichkeit des Verkehrsmittels - aber die gilt genau so für Radfahrer und Fußgänger. Und da gilt vor allem: Ich muss lernen mein Fahrrad zu beherrschen.
Vielen Dank für die Einschätzung eines "Außenstehenden" :-)

Ich denke, so etwas muss auch kulturell wachsen. Dass das auch in Deutschland funktioniert, zeigt Ostfriesland. Dadurch, dass dort einfach sehr viele per Rad unterwegs sind, sind auch die Autofahrer viel aufmerksamer: es könnte nicht ein Radfahrer auf dem radweg kommen, es kommt mit SIcherheit einer.

Dort läuft es auch sehr entspannt (und fast ohne Helme) - einfach weil jeder Autofahrer dort vermutlich in 30 Minuten selber auf dem Rad sitzt.

Entsprechend ist dort auch die Infrastruktur.
Das muss sich hier in den Großstädten auch ändern.

Und: natürlich müssen sich auch Radfahrer an die Regeln halten. Mit einer entsprechenden Infrastruktur fällt das aber vermutlich leichter.

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jenzer 22.08.2019, 10:49
132.

Zitat von S-zu-dem-Oh
Und das meine ich durchaus ernst. Was nur in solchen Schlagzeilen nicht steht und was sich auch durch 5km Seitenabstand beim Überholen nicht ändern wird: Straßenverkehr setzt *gegenseitige* Rücksichtnahme voraus. Ich selbst fahre ebensogern Rad wie Auto und beides mache ich einigermaßen zügig. Ich stelle also die These auf, die Risiken beider Verkehrsmittel zu kennen und hatte selbst schon das Vergnügen, über eine Motorhaube abzusteigen. Ein umständlicher Prozess, den ich anderen nicht zumuten möchte. Allerdings: Wenn einem auf einer kurvigen Bergstraße hinter einer Kurve dann ein Radfahrer begegnet, der auf der Straße langsam Zickzack fährt, um auf irgendwen zu warten, jemand betrunken von der Studentenparty nach Hause eiert oder bei >3s Rotlicht noch schnell über die Kreuzung macht: Mein Beileid schon im Voraus an die Hinterbliebenen - Ein tragischer Verlust und er wäre so leicht zu vermeiden gewesen... Das diese Kritik schließt nicht die wenigen und uns dafür sehr präsenten Fälle mit ein, in denen Radfahrer in Industriegebieten von halbstarken Idioten in zu starken Autos regelrecht zerlegt werden und auch nicht die schon deutlich zahlreicheren, die von einem rechtsabbiegenden LKW erfasst werden oder von einem Auto, dass sie übersehen hat. Auch in diesen Fällen wäre es dennoch erstaunlich oft dem Radfahrer möglich, das drohende Duell Stahl gegen Jeansstoff zu vermeiden und erstaunlich oft verlieren Menschen ihr Leben, weil sie auf Prinzipien vertraut haben, statt sich bewusst zu machen, wer das Duell verliert, wenn die gute alte Formel Masse*Geschwindigkeit in der Praxis bedeutsam wird. Ich habe es ausprobiert, mehrfach. Lohnt sich nicht, wirklich nicht.
Genau so sehe ich das auch, vielen Dank für ihren Beitrag. Habe da sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und letztlich geht es nur über gegenseitige Rücksichtnahme und eben auch mal nachgeben, selbst wenn man evtl im Recht ist. Dieses Konzept scheint aber nicht für jeden schlüssig...

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suplesse 22.08.2019, 10:50
133. Kein Wunder

Gleich mehrere Gründe kann ich mir vorstellen: Der momentane Hype wegen des Klimawandels erzeugt bei Vielen ein Gefühl etwas falsch zu machen und das führt dazu sich ein Rad zu kaufen. Pedelec natürlich, weil sonst ist es ja anstrengend. Dazu kommt der Sinneswandel in der Verkehrspolitik und diese Vorbildstädte, wie Amsterdam und Kopenhagen. Da will man dazu gehören. Nur ist die Infrastruktur nicht wie in Kopenhagen und in Amsterdam. Was in der Verkehrspolitik in 100 Jahren bei uns nicht geschaffen wurde, weil ganz klar das Auto Prirorität hat (hatte?), wird man nicht kurzfristig ändern können. Da reichen eben keine aufgemalten weisse Linien mit einem Piktofahrrad drauf. Durch das Mehr an zum Teil recht unsicheren Fahrradfahrern, die sich zwischen Autos durchschlängeln und dazu die Autofahrer. Die schon vor dieser Zunahme überfordert waren. Gibt es mehr tote Radfahrer.

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chrissikaa 22.08.2019, 10:50
134. Wie gewohnt

Zitat von mwroer
Was mir, speziell an den Wochenenden, auffällt ist die Zahl der Menschen die ihr Fahrrad in keinster Weise unter Kontrolle haben und die, so bedauerlich das ist, Verkehrsregeln für etwas halten das anderen zustößt. Zu 90% sind das deutsche Radfahrer die am Wochenende in der Gegend um Rothenbach und dem Gebiet Vlodrop, Herkenbosch .. also praktisch dem Naturpark Elfenmeer rumgondeln. (...) Ich muss lernen mein Fahrrad zu beherrschen.
Na die werden am WE wohl so Rad fahren, wie sie es von Mo - FR gewohnt sind, Auto zu fahren: Rücksichtslos und/oder unvorsichtig.

Wer es - wie in D üblich - gewohnt ist, dass die nahezu komplette Verkehrsinfrastruktur auf das Auto und den motorisierten Individualverkehr zugeschnitten ist, der verhält sich halt im Urlaub und am WE auf dem E.Bike eben wie es gelernt wurde: Rücksichtslos und/oder unvorsichtig.

Die Rücksichtslosigkeit ist auch in vielen Fällen gar nicht die Absicht, man besteht halt nur auf "seinem guten Recht als Autofahrer" und setzt das zur Not auch gegen Schwächere durch.

Meiner Meinung nach hilft da nur eine Roßkur: Man sollte den Autoverkehr an die Kandare nehmen, innerstädtisch nur noch

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mwroer 22.08.2019, 10:51
135.

Zitat von wizzard74
Da wollte ich ums Verrecken nicht leben, die reine Hölle für alle außer Fahrradfahrer, insb. Amsterdam.
Ich frage mich immer wieder woher Ihr diese Märchen über unser wunderbares Land habt ... wenn Sie mir jetzt ernsthaft erzählen wollen dass sich Amsterdam, Hamburg, Paris, Warschau irgendwas in Punkto 'Komfort im Verkehr' nehmen - unabhängig vom Verkehrsmittel - dann bitte ich um Videobeweis :)

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c3rb3ru5 22.08.2019, 10:51
136. Kennzeichnungspflicht

Ich selbst besitze 2 Autos (für die Radfahrer und Ökopolizisten hier: Schrottkisten, Umweltverschmutzer etc.), aber fahre auch Fahrrad. Allerdings ausschließlich mit meinen Kindern. D.h. ich benehme mich wie ein Vorbild im Straßenverkehr. Ich halte an roten Ampeln, steige an Zebrastreifen ab, poche nie auf meine Vorfahrt (mein Leben ist mir wichtig). Leider bin ich da die Ausnahme. Ich wohne in Karlsruhe, eine der "tollsten" Fahrradstädte in Deutschland, laut ADAC. Der Verkehr wurde so bescheuert umgebaut, Radfahrstraßen, Radwege wo früher 2 spurig Straßen waren. Das Ergebnis ist das der Autoverkehr (wir haben sehr viele Pendler, z. B. Pfalz, Frankreich, Pforzheim, Rastatt usw.) sich immer komplizierter durch unsere Stadt drücken muss. Trotz (überfüllter) Straßenbahnen und Busse, lässt sich auf den Individualverkehr auch nicht gezwungenermaßen verzichten. Witzigerweise sind die alten Radwege neben den umgebauten Straßen größtenteils noch vorhanden... Allerdings jetzt wieder als uberbreite Fußwege. Schlaue Radler mit Kindern nutzen diese trotzdem... Die Kamikaze Radler hingegen, nutzen alles. Kreuz und quer durch die Stadt. Fußwege, Radwege, Straßen, Gleisanlagen (die ganz schlauen). Leute werden ungefähren, teilweise mit todesfolge wegen der Kopfverletzungen, Autos zerkratzt, bespuckt. Polizei bepöbelt, Mittelfinger gezeigt. Mit einem Kennzeichen und einer Versicherungspflicht würde sich das Verhalten ganz sicher ganz schnell ändern.
Zu guter letzt noch das wichtigste : Achtet aufeinander... Egal wie ihr unterwegs seid. Natürlich macht man mal Fehler. Aber mit mehr Achtung voreinander und Freundlichkeit, würden wir alle viel schneller weiter kommen, als mit Egoismus und gegenseitigem Schuldzuweisen und Unverständnis

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umlungu 22.08.2019, 10:51
137. Ja, die schlimmen Radfahrer...

Laut Statistischem Bundesamt werden Unfälle zwischen Fahrrädern und PKW zu ca. 75% von den PKW-Fahrern verursacht. Unfälle zwischen Fahrrädern und LKW zu ca. 80% von den LKW-Fahrern (cave: nicht verwechseln mit der Statistik zu Unfällen "mit Fahrrad-Beteiligung"!).
Ich fahre jeden Tag 25 km mit dem Rad durch Berlin zur Arbeit und zurück. Bereits auf den ersten 200 m sehe ich mich mit 4 bis 5 Regelverstößen durch Autofahrer konfrontiert (Vorfahrt (teils sehenden Auges!) mißachtet, zu dicht überholt, direkt vor mir eingeschert und dann runtergebremst, Radstreifen ignoriert bzw. vollgeparkt etc). Die meisten Autofahrer kämen nie auf die Idee, da evtl. gerade was falsch gemacht zu haben... Fatal auch der Denkfehler fast aller Autofahrer "ich darf doch 50 km/h fahren!" [d. h. faktisch 70...] NEIN! 50 km/h ist die höchstzulässige (!!!) Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften; d. h.: Straße gerade und frei, Verkehrssituation eindeutig und übersichtlich, genug Abstand (in Fahrtrichtung und seitlich) zu anderen Verkehrsteilnehmern. Eine Idealsituation, die im Stadtgebiet NIE vorkommt. Also: Füße runter vom Gaspedal, die eigene Fahrweise kritisch hinterfragen!

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deus_ex_machina 22.08.2019, 10:51
138.

Zitat von jenzer
Sie wollen also ein vermeintlich dummes Argument mit einem noch viel dümmeren kontern? Herzlichen Glückwunsch zur "Goldenen Zitrone" des Jahres!
Da es ja bei ihnen mit dem Leseverständnis offensichtlich nicht so gut klappt, erkläre ich es ihnen einmal: ein dummes Scheinargument wurde mit Fakten gekontert. Fakten sind zwar heute irgendwie aus der Mode gekommen, aber ich halte sie für einen Dauerbrenner.

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tpro 22.08.2019, 10:53
139.

Zitat von Martuk
In Deutschland ist ja auch kein Platz für Fahrradfahrer sondern nur für Autos, die Fahrradfahrer wurschteln sich irgendwie durch. Ein Blick über die Grenze (in die Niederlande) zeigt wie man es richtig macht.
Wenn Sie sich den Fahrradverkehr in einer Unistadt mal ansehen, z.B. Heidelberg, werden Sie erkennen, welchen Stellenwert Verkehrszeichen und Regeln bei der zukünftigen "Elite" haben. Papas Liebling hält nämlich überhaupt nichts von Regeln.

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