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150 Jahre "Das Kapital": Karl Marx hatte recht
Christian Thiel

150 Jahre nach dem Erscheinen des "Kapitals" erklärt der Publizist Mathias Greffrath, warum sich die Marx-Lektüre lohnt - selbst wenn es heute die Rechten sind, die den Aufstand proben.

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Listkaefer 16.06.2017, 07:26
1. Dieses Interview regt zum ...

... Denken an. Beim ersten Lesen denkt man, es springt thematisch planlos hin und her. Beim zweiten Lesen wird der Denker Greffrath sichtbar, der beeindruckt. Seine Aussagen zu den enttäuschten Erwartungen der gewesenen Lohnsenkungen, zu Sozialdemokraten, Grünen und Rechten, zur empfohlenen internationalen Denkweise, zu fehlgeleiteten Konsumwünschen, zur innovativen Kraft des Kapitalismus, zu fehlgeschlagenen Politikversuchen hin zur fairen und gerechten Gesellschaft, den leider nur im Kartoffelsack der Nation zusammen gehaltenen französischen Arbeitern, ... das zeugt von lebenslanger Denkarbeit und Suche nach Weisheit. Man möchte mehr von dem Mann lesen. Dank an Herrn Fleischhauervfür die richtigen Fragdn, die zu diesen interessanten Antworten führten.

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OhMyGosh 16.06.2017, 08:48
2. Völker, hört die Signale?

"Entscheidend ist die Frage: Genügt diese Gesellschaft, die so reich ist, den eigenen Kriterien, was Fairness, Gleichheit, Gerechtigkeit angeht? Und da, würde ich sagen, leben wir nicht über, sondern weit, weit unter unseren Verhältnissen." Oh ja, das tun wir. Und warum ist das so? Weil die Stellschrauben durch die Politik seit vielen Jahren falsch justiert werden. Lobbyismus und Filzokratie fingern an allem herum. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit wird doch im Grunde gar nicht mehr ernsthaft gestellt. Sie ist zur schönen Hülse geworden. Die Bewegungsgesetze des Kapitalismus haben eine andere Wendung genommen, als Marx sie voraussehen konnte. Ablesbar am Ideologietransfer- der ganze technische Quark der "smarten" Gesellschaft hat die Hirne versiegelt. Nicht der soziale Fortschritt interessiert mehr, sondern das neue Eieiei-Phone. Damit Pokemons gejagt werden können.

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OhMyGosh 16.06.2017, 08:49
3. Völker, hört die Signale?

"Entscheidend ist die Frage: Genügt diese Gesellschaft, die so reich ist, den eigenen Kriterien, was Fairness, Gleichheit, Gerechtigkeit angeht? Und da, würde ich sagen, leben wir nicht über, sondern weit, weit unter unseren Verhältnissen." Oh ja, das tun wir. Und warum ist das so? Weil die Stellschrauben durch die Politik seit vielen Jahren falsch justiert werden. Lobbyismus und Filzokratie fingern an allem herum. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit wird doch im Grunde gar nicht mehr ernsthaft gestellt. Sie ist zur schönen Hülse geworden. Die Bewegungsgesetze des Kapitalismus haben eine andere Wendung genommen, als Marx sie voraussehen konnte. Ablesbar am Ideologietransfer- der ganze technische Quark der "smarten" Gesellschaft hat die Hirne versiegelt. Nicht der soziale Fortschritt interessiert mehr, sondern das neue Eieiei-Phone. Damit Pokemons gejagt werden können.

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de_populist 16.06.2017, 08:50
4. Karl Marx hatte unrecht

Der Greffgrath ist kein Ökonom und kann daher die Hauptgründe warum Marx falsch liegt ignorieren (besonders seine Arbeitswerttheorie). Die Wachstumsschwäche der 70er lag zum großen Teil an verschwenderischen Regierungen die bis dahin glaubten den Wachstum immer wieder ankurbeln zu können indem sie Inflation erzeugten (durch ein Missverständnis von Keynes), das hat nichts mit "Klassenkampfkompromiss" zu tun.

Übrigens war Internationalismus nie eine soziale Forderung sondern bloßes Kalkül, da Marx einen Sieg seines Systems nur sah wenn es den global agierenden Kapitalismus verdrängte und er die Globalisierung nützlich fand als Katalysator für die Negativentwicklungen des Kapitalismus und um die Proletarisierung (Verarmung und Spaltung der Gesellschaft) voranzutreiben.
George Orwell hatte richtig erkannt, dass Nationalismus immer populärer ist als Internationalismus, insbesondere in der Unterschicht die die Kommunisten für sich gewinnen wollten.

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Fresse 16.06.2017, 08:56
5. Etwas Wirr aber im Ansazt interessant. Vor allem dem Kritikpunkt an Journalisten, oder besser, die Resümee, die er nicht gezogen hat:

"SPIEGEL: Sie würden also nicht sagen, dass die rechten Provokateure illegitime Verwandte der Aufrührer von 1968 sind?

Greffrath: Das sind Gegner, die sich unsere Fahne geklaut haben, so wie auch die Textilindustrie irgendwann die Fahnen und Symbole der Hippies geklaut hat. Wie das bei Symbolklau so ist, bleibt die Aneignung allerdings meist an der Oberfläche."

Für den Transport dieser Information zu den Menschen sind dann wiederum die Journalisten verantwortlich, ABER wie wir besonders gut bei SPON lesen, wird eher nochmal in AfD Manier auf die Beklauten gehauen anstatt zu unterstützen = WEIL wie auch von Spiegel erkannt der "KONZERNPRESSE"nichts besseres einfällt als selbst in den Untergang zu posaunen.

Das Lesen dieses Artikels sollte jedem Journalisten in SPON/Spiegel Pflicht werden!

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spon-facebook-10000400446 16.06.2017, 09:04
6.

Schon die Antwort auf die zweite Frage demaskiert die Ideologie. "Die Anderen" haben keine Lösungen, keine Moral und keine Ahnung von Wirtschaft.
Weiterhin ist es leider nicht so eindeutig das Europa durch ausländische Reichtumsquellen auf dem heutigen Stand ist, da es dazu verschiedene Lehrmeinungen in der Wirtschaftsgeschichte und Soziologie gibt.

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paula_f 16.06.2017, 10:34
7. falsche Thesen - unsere Gesellschaft leidet unter Korruption und Lobbyisten

überall auf der Welt und in der Geschichte sieht man die Auswirkungen von Machtkonzentration und Lobbyismus der in der Folge Staaten und Gesellschaften zerstört. Ein soziale Marktwirtschaft mit klaren Grenzen und durchsetzungsfähigen Parlamenten ist die beste aller Gesellschaftsformen. Grundgesetzänderungen wie durch die Groko - nur um die Gewinne von Konzernen wie der Allianz zu garantieren ist der Anfang vom Ende. Mitschuld ist die Presse, denn solche Themen gehen unter und die Bevölkerung wird mit dümmlicher Unterhaltung vor allem aus privaten Quellen beschäftigt. Nur so konnte schon damals die Katastrophen in Europa entstehen und genauso entstehen künftige Katastrophen im nahen Osten der Türkei und Russland.

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Luscinia007 16.06.2017, 10:36
8. Mein Senf dazu (1 von 2)

Schön zu lesen, dass selbst ein renommierter Populist mit seinen Prvokanten Fragen gegene einen an Marx geschulten Theoretiker keinen Stich macht. Dafür lohnen sich die 39 ct ;-) Jedes gesellschaftliche Phänomen lässt sich im Rahmen einer an Marx orienterten Strukturanalyse erklären :-) Und ohne diese theoretischen Grundlagen gibt es auch keine Lösungen, und Lösungen gibt es nur, wenn man das grundlegende Problem, die „ökonomische Frage“ klärt.
Nur ist die grundlegende ökonomische Frage heute, 2 Jahrhunderte nach Marx, nicht mehr die Gegensatz Arbeiter – Ausbeuter im nationalen Ramen, evtl. europäisch-internationlen Rahmen lösen, denn unser Amutsproblem haben wir durch Rationalisierung und Globalisierung, in den Wachstumsjahren, schon längst in die 3. Welt exportiert (was heute die Ursache der aktuellen Wanderungsbewegungen ist) .
Und eine Regession in Nationalismus, sei es Trumpismus oder AfDismus, ist da nur kontraproduktiv und verschärft sogar mittelfristig nur die Krisen. Es wird sogar Baustellen eröffnen, die es heute noch gar nicht gibt. Letzlich ist der islamistische Nationalismus auch nur ein Nationalismus, der als destruktive Antwort auf die globalisierte ökonomische Frage geboren ist.
Eine Antwort auf die Soziale Frage aus der Zeit von Marx fand Bismarck. Mit der Sozialgesetzgebung entschärfte er die Krise. Ein sozialer Fortschritt, der heute in der Zeit des Ende des Wachstums von wirtschaftsliberaler Seite auf nationaler Ebene durch teilweise Rücknahme dieser Reformen zunichte gemacht wurde und weiter werden soll, um weiter die Zunahme der Profite für die oberen 1 Prozent zu ermöglichen.

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Luscinia007 16.06.2017, 10:37
9. Mein Senf (2 von 2)

Den Ansatz zur Antwort des 21. Jahrhunderts auf die ökonomische Frage fand – wohl eher zufällig – Angela Merkel mit ihrem „Wir schaffen das!“: Wenn nicht wir, wer dann?
Die Antwort auf die ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts ist zweigleisig – und sie gefällt uns gar gar nicht. So lange weniger als 100 Menschen auf dieser Welt mehr genausoviel Vermögen besitzen, wie 50 Prozent der Menschheit, hilft nur die doppelte Umverteilung von oben nach unten, einmal auf nationaler Ebene, durch eine Rückkehr zur gerechten, progressiven Verteilung der Kosten derr sozialen Sicherheit , durch die Rücknahme der Privatisierungen, zumindest einer starken Regulierung der gesellschaftlich notwendigen, aber leider privatisierten Wirtschaftszweige wie Grundversorgung und Pflege (alles Projekte der Linken, seien sie grün-links, LINKE oder linke Sozis).
Und einer Umverteilung auf internationalener Ebene (ja, auch an Schwarze, Braune oder gar Moslems!), die wir in einer kapitalistischen Wirtschaftsform ausbeuten. Das mögen wir nicht hören, wir halten uns lieber an Alibis wie FairTrade-Produkte oder Weltläden, in denen die hiesigen Reichen ihr schlechtes Gewissen beruhigen, in denen sie einen Teil ihres Gewinns aus der Dritten Welt wieder zurückfließen lassen (nichts anderes als Reaganomics für den Upperclass-Hausfrau mit der sozialen Ader) – und um gleichzeitig denjenigen, die sich „Weltläden“ nicht leisten können oder wollen, ein schlechtes Gewissen zu verpassen (was diese wiederum in die Hände der nationlistischen Populisten treibt). Auch hier braucht es strukturelle Reformen, um der globalisierten ökonomoschen Frage zu begegnen. Populistische Nationalismus ist hier keine Lösung, das schafft nur noch mehr und immer größere Probleme. Aber diese Lösungen werden uns treffen, werden uns wehtun, wie auch die Lösung im 19. Jh. zu finanziellen Belastungen bei den reichen Kapitalisten führte (was diese aber locker verkraften konnten). Und die reichen Kapitalisten des 21. Jahrunderts sind wir, die entwickelte Erste Welt.

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