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2020 - Die Zeitungsdebatte

Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus? Diskutieren Sie hier auf SPIEGEL ONLINE. Wir sammeln die besten Vorschläge, werten sie aus – und entwickeln daraus das Konzept für eine digitale Tageszeitung.

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Dschey 07.08.2013, 14:48
80. Erstmal

Zitat von sysop
Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus?
wird es ein großes Sterben bei den Zeitungen und auch bei den Magazinen geben.
Halten werden sich die Zeitungen die engagiert lokal berichten und die ein eigenes Profil haben.
Wer kostenlos Meldungen ins Internet stellt wird am Ende dabei nur verlieren.

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nagash 07.08.2013, 15:06
81.

SPON ist bereits nahe dran am zukünftigen Zeitungs-Modell.
Meiner Meinung nach fehlt noch:
-ein Zeitgemäßes Forum mit gängigen Interaktionsmöglichkeiten (hier sind die Möglichkeiten bisher noch lange nicht ausgeschöpft)
-Regionalteil mit Regionalnachrichten (bei denen der User seinen Regionalteil auswählen kann, evt. per Cookie abgespreichert)
-Mehr Sparten-Artikel und Infos. (Ich sehe die Anfänge mit Game-Tests und Heavy Metal Albumkritiken durchaus positiv auch wenn das sicher nichts für jedermann ist)

Das entscheidende ist ein Überangebot an Themen und Sparten, aus dem der User die für ihn seine Themenbereiche als Abos auswählen und abonnieren kann damit er zum Schluss eine personalisierte Nachrichtenseite mit den Nationalen wichtigen Infos+eine Seite mit nur von ihm ausgewählten Themenbereichen hat.
Wenn sie das hinbekommen müssen sie sich um SPON zukünftig keine Sorgen machen.

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davornestehtneampel 07.08.2013, 16:04
82.

Mein größtes persönliches Ärgernis beim Online-Journalismus: ungeprüftes Copy & Paste von Agenturmeldungen. Ich zahle gern für richtige Informationen und fundierte Einordung - aber nicht für Tips, nachzugooglen (oder -yahooen, - bingen etc.), wie sich Sachverhalte tatsächlich darstellen.

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pariah_aflame 07.08.2013, 16:10
83. kleiner hinweis an den autor

... keine hundert meter vom ehemaligen kiosk bei karstadt gibt's in der ubahnstation seit etwa 18 monaten (huch!) einen stets gut besuchten zeitungshändler, der auch ganz gut sortiert ist. soviel zu diesem urbanen mythos.

der journalismus (und die zeitungen) gehen nicht an der digitalisierung krank, sondern an ihrer eigenen korrumpierbarkeit: PR-gefälliges schreiben, abhängigkeit von den anzeigenkunden, stumpfe, ungeprüfte weiterverbreitung von agenturmeldungen etc. pp. ende.

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Statler-Waldorf 07.08.2013, 16:21
84. Die Zeitungsdebatte ist die falsche Debatte

Wenn ich mir die Antworten in diesem Thread ansehe, bekomme ich den Eindruck, dass es gar nicht klar ist, was überhaupt die Frage ist. Die Beiträge behandeln völlig unterschiedliche Themen:

1. Gibt es künftig noch einen Bedarf für Printmedien, und wenn ja, wie werden sie aussehen?
2. Was müssen die heutigen Zeitungsverlage tun, um als Firmen zu überleben (egal womit)?
3. Wie wird sich der Beruf des Journalisten verändern?

Usw. usw. Die einen wollen die gedruckte Zeitung erhalten und überlegen, welche Inhalte dafür geeignet wären, während andere die gedruckte Zeitung gar nicht mehr für erwähnenswert halten und darüber nachdenken, wie sich die Online-Medien entwickeln werden.

Ich hätte es besser gefunden, die Frage gleich viel allgemeiner zu stellen. Statt über die "Zeitung von morgen" zu sprechen - was auch immer das sein soll (was ist die Definition von "Zeitung") sollte man lieber über die Entwicklung der Medienlandschaft als Ganzes nachdenken, was dann auch die Zukunft des Fernsehens mit einschließt. Die Konvergenz der verschiedenen Medien im Digitalzeitalter schreitet ja schon heute schnell voran.

So begrüßenswert also diese Debatte auch ist: "Zeitungsdebatte" ist das falsche Thema angesichts der Tatsache, dass sich der Zeitungsbegriff gerade auflöst.

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May 07.08.2013, 16:36
85.

Die Frage nach der Zeitung von morgen geht bereits am Ziel vorbei, denn morgen wird es keine Zeitung mehr geben. Es geht wohl eher um den Journalismus von morgen. Die Zeitung ist ein Medium, mehr nicht, sie transportiert Informationen.

In vergangenen Jahrhunderten waren tote Bäume der billigste und praktischste Informationsträger um eine breite Masse zu erreichen. Verlage waren dabei im Grunde nur Dienstleister, sie stellten den Journalisten ihre Infrastruktur zur Verfügung damit diese ihre Texte den interessierten Lesern zukommen lassen können.

Diese Zeiten sind vorbei. Papier ist nicht mehr der Informationsträger der Wahl, diese kommen heute Schon digital daher, brauchen also keine toten Bäume mehr um gelesen zu werden und sind nicht mehr durch die Endlichkeit des Zeitungsumfangs begrenzt.

Das Problem von heute ist also nicht mehr, die Informationen zum Leser zu bringen, er hat mit PC oder mobilen Endgeräten überall zugriff darauf. Vielmehr besteht die Herausforderung darin unter all dem Rauschen die interessanten Informationen herauszufiltern.

Ich selbst beziehe meine Informationen inzwischen aus einer Mischung von RSS Feeds, Twitter, und einigen Internetseiten wie SPON die ich regelmäßig besuche. Das ist nicht sonderlich komfortabel, aber immer noch deutlich besser als die klassische Zeitung.

Ich stelle mir den Journalismus von morgen jedenfalls so vor, dass ich mir meine "Zeitung" selbst zusammenstelle, aus Angeboten weltweit und diese dann bequem von einem Ort (einer App) aus durchlesen kann. Ich denke dabei an ein den RSS Readern ähnliches Prinzip vor. Darin läge dann auch eine Chance für die Verlage um nicht überflüssig zu werden, sie können Broker werden zwischen Journalisten und Lesern. Ich könnte dann z.B. von der SZ das Feuilleton und den Sport Teil abonnieren, von der FAZ den Wirtschaftsteil, Nachrichten zur Eurokrise vom Handelsblatt, oder auch einzelne Journalisten von Spiegel oder Welt welche ich schätze. Daraus würde mir die entsprechende App dann eine Art Zeitung aufbauen welche ich an Smartphone, Tablet oder PC durchstöbern kann. Für den Kunden wäre es natürlich am einfachsten, wenn er nur einen Preis bezahlen müsste und nicht pro Artikel, da dies schnell unübersichtlich werden würde. Sagen wir z.B., man bezahlt 50c am Tag und bekommt dafür X Tokens mit denen er beliebige Nachrichten Streams abonnieren kann. Der Stream von einem Autor würde dann z.B. nur 1 Token pro Tag kosten, der einer ganzen Sportredaktion dementsprechend mehr, also 3, 4 oder 5.
Im Gegenzug muss dann aber natürlich auch ein echter Mehrwert an Informationen geboten werden, denn ansonsten kann ich einfach bei meinem bisherigen RSS Reader bleiben.

Ein anderes Geschäftsmodell wäre die Auswahl der interessanten Artikel für den Leser. Ich kann dann z.B. sagen, dass ich mich für Europapolitik, Automobilwirtschaft, Kino und die Bundesliga interessiere und zwar auf Deutsch sowie auf Englisch und bekomme dann die besten und lesenswertesten Artikel aus der Welt des Internets für einen günstigen Preis zusammengestellt und zwar so, dass sich inhaltlich möglichst wenig Redundanzen ergeben.

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Sacha Ercolani 07.08.2013, 16:52
86. Umdenken

Sämtliche Verlage (Deutschland, Österreich und Schweiz) sollten kooperieren mit geballter gemeinsamer Kraft eine Plattform im Vorbild von iTunes lancieren.

Dort können die Leser für eine Flatrate sämtliche Artikel konsumieren, oder man bietet die Artikel aber auch im Einzelverkauf an. Ab sofort könnten dann auch freie Journalisten ihre Artikel von zu Hause aus selber verkaufen – die Verlage kassieren auch da eine Kommission. Das Portal wäre absolut werbefrei – einzig Artikel würden beworben (so wie iTunes die CDs der Künstler bewirbt).

Wenn sämtliche Verlage zusammenarbeiten und die neue Plattform wirksam auf ihren Kanälen bewerben, hätte man sehr schnell sehr viele User. Zudem könnten die Verlage endlich die Google-News-Problematik in den Griff kriegen.

Die Verlags-Giganten müssen zusammenspannen, sonst entsteht wo möglich aus dem Nichts ein neuer Gigant – die Musikmultis können davon ein Lied singen.

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johannesmapro 07.08.2013, 17:09
87.

Die Zeitung von morgen zeichnet sich dadurch aus, das sie nicht mehr in Papierform ins haus kommt, sondern elektronsich entweder auf den Tablett PC oder aber zum ausdrucken auf einen spezialdrucker.

Im kiosk gibt es dann den Duck der Zeitung auf anforderung.

die wichtigste Vorteil des ganzen ist, das der Nachrichten und Meldungsteil mehrmals täglich angepasst wird.

Während der Meinungs und Hintergrundbericht den ganzen Tag steht.

Es erfolgt eine aktuelle Anpassung der Zeitung und somit die Wiedergeburt der Morgen, Mittags- und Abendzeitung, von denen nur noch die Namen da sind, aber die Herkunft verschwunden ist.

Die Menschen können dann aktuelle Nachrichten lesen, entsprechend ihres lebens und Zeitbudgets.

Die Finanzierung erfolgt, wie heute per Einzelkauf oder ABO. Auch die Papierzeitung kann weiter gegeben werden, das sollte niemand vergessen.

Zeitungen werden wieder billiger weil die Druckkosten entfallen.

Die Druckmaschinenbauer können den Bereich Zeitungsdruckmaschinen schliessen.

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thorsten65 07.08.2013, 17:16
88. Transformationsphase

Nach meiner Auffassung geschah folgendes: Zu einer Zeit als die Krise der Zeitungsmacher noch nicht ausgebrochen war und das Internet noch in den Kinderschuhe steckte, wurde Geld mit der Papierform verdient und das internet-basierte Zeitungslesen war nur eine Spielerei, die als kostenloses Zusatzangebot verstanden worden ist. Das Internet hat sich entwickelt, war es früher nur wenigen vorbehalten, nutzen es heute die Allgemeinheit für alles: Vom Online-Banking bis zum Zeitungslesen.

Da aber anfangs das internetbasierte Zeitungslesen ausreichte, um sich zu informieren, auch wenn ich nicht vollen Umfang, veränderten sich die Lesegewohnheiten. Immer mehr wird im Internet gelesen, immer weniger die Papierausgaben. Begünstigt wurde diese Entwicklung dadurch, dass das zeitungslesen im Internet weitgehend kostenlos ist und die Qualität auch stimmte.

Und eben daran haben wir uns gewöhnt. Kostenlos gut informiert zu werden. Weil wir so erzogen worden sind, murren wir, wenn wir zahlen sollen. So nach dem Motto: Geht doch auch so!

Wir befinden uns also in einer Transformationsphase. Das alte System sind wir gewöhnt, runiert aber weitgehend die Zeitungsmacher. Das neue System hat sich noch nicht vollständig etabliert. Leser bezahlen im Internet.

Konsequenz wäre, alle online Zeitungsausgaben sind konsequent kostenpflichtig. Vielleicht könnte es so sein. Die ersten 10 Zeilen lesen, dann die Aufforderung: Wenn sie weiterlesen wollen, bezahlen sie.

Hier habe wir aber das Problem, dass die Zeitungsverlage, die damit anfangen würden, riskieren ins Hintertreffen zu geraten. Denn eine Logik der Zeitungsmacher ist. Wir verbreiten weiterhin kostenlose Artikel und hoffen darauf, dass die Leser a) bereit sind, für andere Artikel zu zahlen, oder b) die Zeitung auch in Papierform kaufen, weil sie dort weitergehende Details erhalten.

Was aber, wenn es keine vollständigen Artikel mehr gäbe?

Welcher Verlag also geht konsquent den Weg. Informationen nur für Geld? Es wird sich zeigen, wer diese Gratwanderung hinbekommt. Ein schwieriger Weg.

Denn für mich ist es völlig egal, woher ich meine Infos bekomme. Ich brauche kein Papier. Ich brauche aber auch nicht nur das Digitale. Ich will Informationen.

Und eben daher müssen wir Leser erzogen werden. Zahlt und lest.
Da wir es aber nicht gewohnt sind, weil es früher so kuschelig war, stört es uns, nun zahlen zu müssen.

Nur, welcher Verlag fängt konsequent an. Und ich kann sagen, bislang kann ich alle notwendigen Infos aus dem Internet ziehen, auch wenn die Informationsdichte nicht ganz so tief ist, wie noch in gedruckter oder digital bezahlter Form.

Erzieht uns!

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markenware 07.08.2013, 17:26
89.

Was mir zu Herrn Gutjahr einfiel:

Vor ca. zwei Jahren stieß ich auf einen knappen Artikel über den Gesundheitszustand von Robin Gibb. Der Bericht beinhaltete ein Zitat, dass im Gesamtzusammenhang keinen Sinn ergab. Drei oder vier weitere Artikel zum Thema enthielten ebenfalls das hirnrissige Zitat. Google Maps bot weitere 100 Quellen an: das A bis Z deutscher Tageszeitungen plus einiger Celebrity-Organe. Die Berichte unterschieden sich, wenn überhaupt, nur minimal, alle mit dem gleichlautenden Zitat, dass dem sonstigen Inhalt diametral entgegen stand. Später fand ich eine englische Quelle, die meine Vermutung der falschen Übersetzung bestätigte.

Nun sind die Befindlichkeiten von Poplegenden eher selten systemrelevant. Nachrichtenagenturen wie Redaktionen sollten allerdings Willens und in der Lage sein, korrekt zu übersetzen. Egal ob es sich um Gesellschaftsnachrichten oder große Politik handelt. Einkaufende Redaktionen sollten in der Lage sein, (Fremd)-Inhalte kritisch zu überprüfen. Wenn das schon bei simplen Klatschgeschichten nicht funktioniert, möchte ich nicht wissen, welchen Unfug ich bei komplexen Politik- und Wirtschaftsthemen vorgesetzt kriege.

Es gäbe noch mehr solcher Beispiele zu berichten, die den Wert der Informationsvielfalt und Verifikation durch das Netz verdeutlichen. Z.B. die, wie die SZ tendenziösen Journalismus betreibt, indem sie ein aktuelles netzrelevantes Thema am Samstag auf die Seite 3 setzt, dass online nur mit größter Mühe zu finden und gegen Entgelt von 2,50 € zu lesen ist. Von der Propaganda aller Verlage bezgl. LSR ganz zu schweigen.

Es sind auch Geschichten wie die obigen, die mein Misstrauen in den sog. "Qualitätsjournalismus" vertiefen. In dem Wissen, für teures Geld für einige wenige Print-Abos zweifelhafte Wahrheiten zu erwerben, verzichte ich lieber auf Papier und lese bei interessanten Themen mehrere Quellen im Netz. Bei einem funktionierenden System, wie es Herr Gutjahr beschreibt, würde ich dafür auch durchaus mehr bezahlen als ich für meine Abos je ausgegeben habe.

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