Forum: Blogs
2020 - Die Zeitungsdebatte

Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus? Diskutieren Sie hier auf SPIEGEL ONLINE. Wir sammeln die besten Vorschläge, werten sie aus – und entwickeln daraus das Konzept für eine digitale Tageszeitung.

Seite 1 von 16
W. Robert 02.08.2013, 15:12
1. Oh Pardon...

Nun, es gibt im Netz eben die „Allrounder“-Seiten wie Spon, Welt, Süddeutsche, Zeit, Frankfurter Allgemeine etc., die sich inhaltlich kaum noch wesentlich unterscheiden. Das hat mit Sicherheit auch mit der Verwechselbarkeit der Parteien zu tun, deren Inhalte sich zunehmend angleichen. Eine Lücke sehe ich da eigentlich nur für eine Kultur-Website, die tatsächlichen Qualitätsjournalismus bringt, und sich aus dem Spiel der Indoktrination mit fragwürdigen globliistischen Thesen heraushält.

Man braucht also mehr Essays, mehr Humor und und mehr Einbeziehung der Kulturschaffenden, die sich längst aus dem Medienbetrieb zurückgezogen haben. Wie das in etwa aussehen könnte: Man lese mal ältere Pardon-Ausgaben, wo der Spagat zwischen ernsten Inhalten und Humor durchaus den Zeitgeist getroffen hat. Wahrscheinlich ist es aber gerade die Agenda der Medienkonzerne, die eher anti-aufklärerisch agiert, und genau daran wird es scheitern.

Beitrag melden
espressoli 02.08.2013, 16:47
2. 2020?....

2020 wird es nur noch eine einzige Zeitung geben... angepasst an die immer dümmer werdene Bevölkerung, eine Art "Leselektüre für den deutschen Bildungsstand"...

Ein Witzchen zur Einleitung... ein echter Mord - für Krimifans... ein Verkehrsunglück in der Sahara - für alle "Ach-Gott-Sager-und-Gaffer"... fünzig Seiten Fussball - und natürlich ein Bildchen von der - inzwischen auf Lebenszeit in Berlin festgetackerten Kanzlerin - gut retuschiert versteht sich - dazu der Text ihrer Neujahrsansprache von 2011... auf der letzten Seite dann noch das Wort zum Sonntag von der Kanzlerin: "Alles wird gut, ich bin und bleibe bei Euch"... Könnte es je eine grössere - ausgesprochene - Drohung für die Bürger geben?..

Wie die Zeitung heissen wird?... Da gibt es kein Entrinnen... so wie Kanzlerin, wird auch sie ewig unser sein....

"BILD" wird sie heissen... das "Generationenblatt", das in Kindergärten und als Lehrmittel in den Hörsälen der Universitäten benutzt werden wird und deren Herstellungs-Kosten vom Bildungsministerium voll übernommen werden...

Und wer nach "alten Büchern" sucht, wird im Jahre 2020 dann sicherlich noch alte Bild-Exemplare bei eBay finden, die doch tatsächlich noch "die Nackerte" auf der Titelseite hatten... und zwischenzeitlich auch von weiblichen u. männlichen Emanzen gelesen wird - mangels "Alternativen"...

Irgendwie keine schönen Aussichten für das Jahr 2020... Könnte man das "Vierbuchstabenblatt" nicht einmotten ehe wir das Jahr Zweitausendundzwanzig schreiben? - und bitte die Propaganda-Kanzlerin dabei nicht vergessen - beim einmotten meine ich...

Beitrag melden
Amadeus Mannheim 04.08.2013, 15:01
3. @ W. Robert: Nein im Gegenteil

Zitat von W. Robert
Nun, es gibt im Netz eben die „Allrounder“-Seiten wie Spon, Welt, Süddeutsche, Zeit, Frankfurter Allgemeine etc., die sich inhaltlich kaum noch wesentlich unterscheiden. Das hat mit Sicherheit auch mit der Verwechselbarkeit der Parteien zu tun, deren Inhalte sich zunehmend angleichen. Eine Lücke sehe ich da eigentlich nur für eine Kultur-Website, die tatsächlichen Qualitätsjournalismus bringt, und sich aus dem Spiel der Indoktrination mit fragwürdigen globliistischen Thesen heraushält. Man braucht also mehr Essays, mehr Humor und und mehr Einbeziehung der Kulturschaffenden, die sich längst aus dem Medienbetrieb zurückgezogen haben. Wie das in etwa aussehen könnte: Man lese mal ältere Pardon-Ausgaben, wo der Spagat zwischen ernsten Inhalten und Humor durchaus den Zeitgeist getroffen hat. Wahrscheinlich ist es aber gerade die Agenda der Medienkonzerne, die eher anti-aufklärerisch agiert, und genau daran wird es scheitern.
Stimmt nicht!
Was wir brauchen, ist Strukturierung der Information und Erklärung, Analyse. Die Meinungsgetriebenheit der Foren und Kolumnen ist natürlich interessant, macht es aber unmöglich, eine strukturierte Debatte über komplexe Themen zu führen oder zu verfolgen. Das ist der journalistische Job der Zukunft.
Eben nicht mehr freie Themenwahl und eben nicht mehr das rigorose Beharren auf der Redaktionsfreiheit, sei darunter jetzt einmal die Freiheit zur politischen Meinung bzw. der Meinung in einer konkreten Sachfrage verstanden, die vom Verleger oder Herausgeber nicht beeinflusst werden darf.
Nein, die Journalisten müssen uns, den Lesern, helfen, durchzublicken. Das ist auch der Grund, warum die TV-Talkshows gut laufen, so schlimm sie manchmal anzusehen und -zuhören sind. Sie lassen uns Testfahrten von Meinungen und Argumenten erleben, als wären es unsere. Und in guten Momenten sichern wir unsere Meinungen ab oder geben sie auf und verstehen, auf welcher argumentativen Basis wir dies vor uns selbst verantworten können. Dies ist in einer gut besetzten und gut moderierten Talkshow wirklich ein Gewinn, den ich bei Jauch und Will regelmäßig habe. Auch bei Illner. Wenn die Zeitungen es schaffen, diesen Gewinn zu bieten, werden sie leben. Egal ob digital oder gedruckt.
Hierfür ist die eigene Meinung der Reakteure aber unwichtig. Sie ist einfach nicht mehr gefragt. Denn wir ertrinken in Meinungen. Die Journalisten müssen Moderatoren werden, Projektleiter des Projektes "Verständis", "Lösen von Komplexität" oder "Diskutieren alternativer Blickwinkel".
Helfen lassen können Sie sich von Philosophen, etwa von Peter Sloterdijk, der in faszinierend einfachen Bildern komplexe Sacherverhalte darstelle, zB die politischen Parteien als Banken für Zorn- und Wutkapital darstellt, was einen sehr leicht verstehen lässt, was ein Grund für Politikverdrossenheit sein könnte.
Hilfestellungen wie diese finden im Zeitungsjournalismus kaum noch statt.
Die Branche muss komplett umdenken. Aktualität kann sie vergessen, dieses Rennen ist nicht mehr zu gewinnen. Meinung ist von gestern, s.o.
Was zählt für die Zukunft ist Meinungskompetenz und echte Hilfe.

Beitrag melden
wol54 04.08.2013, 15:07
4. Mutig voran

Zitat von sysop
Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus? Diskutieren Sie hier auf SPIEGEL ONLINE. Wir sammeln die besten Vorschläge, werten sie aus – und entwickeln daraus das Konzept für eine digitale Tageszeitung.
Bei Zeitungen ist es ähnlich wie bei CDs: oft wollte ich nur einen Titel, musste aber früher die ganze CD kaufen. Heute kaufe ich mir nur noch diesen einen Titel bei Apple bzw. zahle ich monatlich 9,99 € bei Spotify und habe damit Zugriff auf fast alle CD´s.

Was kann die Zeitungsbranche daraus lernen ? Einführung von Micropayment für einzelne Artikel, ich denke da an Beträge von 1-5 Cent.

Mehrere Verlage (z.B. FAZ, Süddeutsche, Welt, Zürcher...) geben für 10 € im Monat ein Gemeinschaftsabo heraus. Der Abbonnent kann dann alle diese Zeitungen im Netz ohne weitere Mehrkosten lesen.

Zeitungen wie die Stuttgarter Zeitung, Münchner Merkur... sollten Ihren Lokalteil deutlich ausbauen und dann z.B. für alle Nachrichten aus Ludwigburg 3 Cent pro Tag verlangen.

Schlechte Nachricht: Es gibt kein Copyright auf News

Gute Nachricht: seit ich mein Ipad habe sehe ich weniger fern, sondern lese auch mal den Lokalteil meiner heimatzeitung im Internet.

Beitrag melden
koem 04.08.2013, 15:09
5. Tageszeitung vs. Online - 2020

Habe ich eine Tageszeitung in der Hand, umschleicht mich immer das unsichere Gefühl, nicht wirklich aktuelle Informationen geliefert zu bekommen. Das wird auch 2020 nicht anders sein! Aktuell ist eben nur online.
Online wiederum habe ich keine Muße für längere Texte, für gut recherchierten Journalismus, für Hintergrundinformationen. Diese möchte ich aber nicht missen und sehe hier die Zukunft für das Printmodell. Erwähnt werden muss jedoch, dass dies wohl eher nicht auf eine Tageszeitung zutrifft, sondern auf ein Wochenmagazin.
Für die Tageszeitung sehe ich schwarz.

Beste Grüße aus Berlin
Konstantin Thumm

Beitrag melden
franks meinung 04.08.2013, 15:15
6. Heute sind diese Zeiten vorbei

Eine lokale Tageszeitung, die über Weltpolitik etc. berichtet, wird keine Chance haben, sich weiterhin erfolgreich zu vermarkten. Das was ich morgens in einer gedruckten Lokalzeitung lese, habe ich meist schon ein bis zwei Tage vorher im Internet gelesen. Wozu also noch eine Lokalzeitung mit alten Meldungen? Die braucht nur noch jemand, der kein Internet nutzt. Diese Menschen gibt es aber immer weniger und bald gar nicht mehr.

Die Entwicklung verläuft ziemlich kongruent zu den sinkenden Zahlen der Zeitschriftenabos.

Was kann eine Lokalzeitung also noch tun, um am Leben zu bleiben. Sie kann sich nur durch eine Professionalisierung ihres Kerngeschäfts beim Leser beliebt machen.

Was erwartet ein Leser? Er will auf dem neusten Stand sein, spannende Dinge lesen und sich unterhalten lassen. Schaue ich mir z.B. den Kulturteil unserer Zeitung an, frage ich mich schon, wer diesen Blödsinn lesen soll. Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntenkreis niemanden, der die Kritik über ein Theaterstück des Theaters aus der Kreisstadt liest. Dieser Kreis der mir bekannten Leser umfasst alle Altersgruppen und geht quer durch die Gesellschaft. Vom Hartz IV-Empfänger über den Maurer, die Lehrerin bis zum Prof. Da pflegt also bei der Zeitung jemand eher seine persönlichen Interessen.

Der Lokalsport interessiert viele (mich nicht), lokale Annoncen aus dem Kleinanzeigenbereich interessieren (noch - ebay rückt auch hier vor). Spannend würde es eigentlich nur werden, wenn die Journalisten endlich mal investigativ arbeiten würden. Das können die wenigsten und tut fast keiner. Man liest nur den normalen Infobrei, meist eins zu eins aus der jeweiligen Pressemitteilung übernommen. Wer soll dafür Geld ausgeben?

Hier in unserer Region sind die Verbandelungen zwischen Wirtschaft, Politik und Presse so tief gewachsen, dass die Zeitung auch kaum noch in der Lage sein wird, unabhängig zu berichten. Man ist verwandt und verschwägert, geht in den gleichen Sportverein usw. usf.

Also wird es über kurz oder lang keine Lokalzeitung mehr geben. So wie es heute keine Nachtwächter mehr gibt, keine Gasriecher, keine Maulwurffänger oder Telefonistinnen. Es gab Zeiten, da wurden Sie gebraucht. Heute sind diese Zeiten vorbei. Dagegen stemmen tun sich nur Menschen, die dabei etwas zu verlieren haben. Journalisten, Gesellschafter und Drucker.

Beitrag melden
Emmi 04.08.2013, 15:22
7. Zeitung von morgen = online

Zitat von sysop
Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus? Diskutieren Sie hier auf SPIEGEL ONLINE. Wir sammeln die besten Vorschläge, werten sie aus – und entwickeln daraus das Konzept für eine digitale Tageszeitung.
Wie auch immer die Zeitung von morgen aussieht, sie wird online sein. Kein Papier mehr, das den Briefkasten verstopft oder am Kiosk gekauft werden muss. Entweder lesen die Leser "Zeitung" am PC, am Tablett, am "Handy" und/oder es gibt bald e-Paper im Zeitungsformat (etwa taz-Größe). Natürlich nur 1 Bogen, zusammenrollbar und wasserfest, Inhalt wird elektronisch angezeigt, Bedienung wie bei einem e-Reader. Bei mehreren Abos kann man sich die verschiedenen Zeitungen auf dem gleichen e-Paper-Gerät anzeigen lassen (alternatuiv, nicht gleichzeitig)...

Inhaltlich wäre es ein Traum, wenn keine Werbung beim Lesen stören würde und wenn eine Zeitung nicht nur aus recycelten Agenturmeldungen bestünde, sondern wirklich eigene Inhalte generiert würden von Journalisten, die noch selbts recherchieren und dahin gehen, wo es vllt. auch mal schmutzig wird und weh tun kann...

Wie sich das finanzieren lässt, ist mir allerdings ein Rätsel - besonders ohne Werbung. Würde ich pro Tag z. B. 5 € für so eine Zeitung ausgeben? Ich weiß es nicht, zumal es ja nebenbei immer noch die anderen Kanäle gibt, sich zu informieren, die vllt. qualitativ nicht so hoch angesiedelt sind, dafür aber "kostenlos" (weil werbeverseucht)...

Dass es so etwas wie "Zeitungen" (und übrigens auch "Fernsehen") geben sollte, ist für mich klar, denn wenn man nur durch eigene Suche z. B. im Internet sich informieren will, läuft man Gefahr in seiner eigenen "Filterbubble" gefangen zu sein und immer nur denselben kleinen Ausschnitt der Welt zu betrachten...

Beitrag melden
Toe Jam 04.08.2013, 15:24
8. no title

Zitat von sysop
Wie sieht die Zeitung von morgen aus? Was macht für Sie guten Journalismus auch in Zukunft aus? Diskutieren Sie hier auf SPIEGEL ONLINE. Wir sammeln die besten Vorschläge, werten sie aus – und entwickeln daraus das Konzept für eine digitale Tageszeitung.
Gute Zeitung? Guter Journalsimus:
1) In der Summe neutral! Immer beide Seiten beleuchten. Ich kenne keine Zeitung, die nicht parteipolitisch geprägt ist.
2) Klare Trennung zwischen Meldung /Fakten und Meinung/Kommentar.
3) Mehr als Ticker-Meldungen ungeprüft verwursten.
4) Redakteure sollen ein Schnitt der Bevölkerung sein, keine rot/grüne Künstlergruppe. Also mal z.B. lieber Ingenieure mit Schreibtalent einstellen als Kunst-Praktikanten, die über was technisches schreiben sollen.
5) Die Journalisten sollen ihre politische Macht nicht missbrauchen.

Beitrag melden
chimm 04.08.2013, 15:55
9. Eine Event-Timeline wie bei Facebook

Meine Wünsche an eine moderne Internet-Zeitung:

1. Ich würde mir aus journalistischer Sicht zu wichtigen Ereignissen/Ländern/Personen eine Art "Facebook-Timeline" wünschen, die eine Klammer zu allen aus der Sicht dieser "Zeitung" wichtigen Beiträge bildet. Also eine zeitlich und optisch gut geordnete Link-Liste zu Themen und mit kurzem Anriß und Einordnung aus Sicht der Zeitung.

2. In erster Linie Kommentare und nicht das Nachbeten von Reuter Meldungen, sondern Einordnung. Da diese immer subjektiv ist wäre meine Wunschvorstellung ein journalistisches Team, welches verschiedene Blickrichtungen beleuchtet und nicht auf eine "Ideologie" festgelegt ist. Ein pragmatischer Blick auf die Welt in allen ihren Facetten eben und in Anerkennung der Realitäten.

Beitrag melden
Seite 1 von 16
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!