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Ante Gotovina: Uno-Tribunal hebt Urteil gegen kroatischen General auf
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Der kroatische Ex-General Ante Gotovina muss doch nicht für 24 Jahre ins Gefängnis. Das Uno-Tribunal in Den Haag hat die Strafe gegen ihn aufgehoben. 2011 war er wegen der Ermordung von mehr als 300 serbischen Zivilisten verurteilt worden. Ante Gotovina: Uno-Tribunal hebt Urteil gegen kroatischen General auf - SPIEGEL ONLINE

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franks meinung 16.11.2012, 12:20
70. Eindeutig

Zitat von Barath
Und die 300 serbischen Zivillisten (um die ging es in dem Urteil) sind alle von alleine tot umgefallen? Das Serbien unbestritten der Aggressor war, hat nichts damit zu tun, daß es auch Kriegsverbrechen von Seiten Kroatiens gab. Ich kann nicht beurteilen, ob Gotovina unschuldig ist, aber wenn er es ist, muss doch wohl jemand anders für den tot dieser Menschen verantwortlich sein. Wird da jetzt gefahndet? Oder ist die Sache damit jetzt "erledigt"?
Mal abgesehen davon, dass Serbien Kroatien überfallen hat und nicht umgekehrt, ist auch die sehr traurige Geschichte mit den 300 Zivilisten geklärt. In dem Urteil ging es darum ob Gotovina hierfür verantwortlich zu machen ist, weil er den Befehl dazu erteilte. Wie man eindeutig bewiesen hat, war Gotovina für diese Tat weder direkt noch indirekt der Befehlshaber. Er war zu dieser Zeit auch nicht selbst in der Region.

Letztlich wäre aber all das nicht passiert, wenn Die Serben nicht ihr Großserbisches Reich ausgerufen hätten und weder Slowenien, noch Kroatien oder Bosnien überfallen hätten. Da dürfen sich die Serben nur und ausschließlich bei ihren verantwortlichen Politikern bedanken. Aber dazu sind viele noch zu feige. Zum Glück sieht die Jugend das dort heute etwas anders, als die alten teilweise selbst am Morden beteiligten Serben.

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spon-facebook-10000381307 16.11.2012, 12:23
71.

Zitat von katzkatz
Dass bei der Befreiung der eigenen Staatsgebietes auch Zivilisten umkommen ist bedauerlich aber Kriegsrealität!! Man lässt leicht außer Acht, dass die krajina 1991 von den Serben besetzt wurde und viele kroatische Zivilisten damals getötet und vertrieben wurden. 1995 erobert Kroatien dieses Gebiet wieder zurück und soll dann dafür verurteilt werden?
Um objektiv zu bleiben, muss man alle Seiten und Ereignisse berücksichtigen:
"Die ersten Massaker in Bosnien wurden Ende März - also kurz vor dem offiziellen Beginn des Krieges - verübt. Und zwar am 25. März 1992 in Bosanski Brod und am 26/27 März 1992 in Sijekovac. Die Opfer: serbische Zivilisten. Die Namenslisten und Fotografien der Opfer befinden sich im Besitz des Autors. Ein wahrlich seltsamer „serbischer Aggressionskrieg“, während dem die ersten Opfer Serben gewesen sind."
Aber am einfachsten ist es, vor solchen Sachen die Augen zu schließen und den Kopf in den Sand zu stecken. Jahrzehntelang zu behaupten, man hätte keinen Fuß auf fremdes Territorium gesetzt (Kroaten). Hey, Hallo! Die Menschen, die Zeugen davon waren, sind immer noch am Leben! Wir leben hier und wissen besser, was geschah, als ihr!

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nuvolanuvola 16.11.2012, 12:23
72. Eu = uno?

Es ist schon undifferenziert, wenn nicht sogar ein wenig boshaft, dass die EU hier gleich zum Verantwortlichen gemacht wird. Die EU hat ihren eigenen Gerichtshof, der allerdings keine kroatischen Kriegsverbrecher verurteilt (oder freispricht). Wie bereits im Artikel erwähnt handelt es sich hier um ein UNO-Tribunal. Überraschenderweise ist dies ein Organ der UNO, nicht der EU. Und ja, das ist ein erheblicher Unterschied.

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mistermoe 16.11.2012, 12:24
73. Schwierig ja, richtig nein

Zitat von Torcidas
Es ist ein schwieriges Thema, gerade weil es so lange zurückliegt. Man hat sich vor 20 Jahren das Leben einfach gemacht, indem man hier im Westen ein Bild in den Medien verkauft hat, dass jeder mit jedem Krieg führt, Kroaten, Serben, Bosnier, Albaner, usw... Somit ist auch jeder Schuld und hat Kriegsverbrecher in seinen eigenen Reihen. Die Wahrheit liegt aber etwas tiefer und bedarf einiges an Hintergrundwissen und Kenntnisse über die Kriegsmotive und Geschehen in der Zeit. Hier ging es nicht um die Kroaten im Allgemeinen, sondern lediglich um die Operation Oluja. Diese war, und endlich wurde sie auch vom Tribunal also solche bestätigt, kein verbrecherischer Akt, weder in der Motivation noch in der Ausführung. Dass vorher alle Kroaten aus diesem von der Operation Oluja befreiten Gebiet, welches rechtstaatlich zu Kroatien gehört, vertrieben wurden, gerät somit leicht in Vergessenheit. Und dass "nur" 300 Zivilisten bei dieser Operation ums Leben gekommen sind, halte ich bei der Größe der Operation für einen Erfolg der Humanität, so leid es mir für die Opfer tut. Zumal in einem Bürgerkrieg nicht so einfach zwischen Soldat und Bürger zu unterscheiden ist, aber das blenden die Gutmenschen, die noch nie wirklich mit einem Krieg in Berührung gekommen sind, gerne aus. Für all die, die einfach nur Kroaten, Serben und Bosnier in einen Topf wwerfen, der Hinweis: Informiert euch, bildet euch, bekommt ein echtes Gefühl über diese Konflikt und meldet euch dann. Diese blinde Pauschalisierung ist ignorant, selbstgerecht, falsch und dumm. Wie ein Komiker mal sagte: "Wenn man keine Ahnung, ...."
Die Operation Oluja ansich war vielleicht kein verbrecherischer Akt, allerdings kann man das von den einigen während und nach der Operation vorgefallenen Übergriffen nicht sagen.
Wie durch Amnesty International, durch UNO-Untersuchungsteams sowie dem kroatischen Helsinki-Komitee festgestellt wurde, kann es sowohl während als auch nach der Operation Oluja zu Übergriffen regulärer kroatischer Soldaten gegen die serbische Zivilbevölkerung, unter anderem Misshandlung, außergesetzliche Hinrichtungen und Brandschatzung. Demzufolge sind die befehlshabenden Generäle schuldig, da sie weder versucht haben diese Übergriffe zu verhindern noch diejenigen, welche die Verbrechen begangen haben nach dem Militärstrafrecht zu belangen. Weiterhin entspricht die Vertreibung von ca. 200.000 serbischen Kroaten durchaus einer ethnischen Säuberung.
Insgesamt wirft die Aufhebung des Urteils ein schlechtes Licht auf den intern. Strafgerichtshofs, da entweder das damalige Urteil politisch motiviert war oder das jetzige. Entweder es gab Beweise, oder es gab keine! Es zeigt aber klar, das der Strafgerichthof mitnichten unabhängig ist, sondern sich nach den momentanen politischen Strömungen zu richten hat.

Es ist außerdem abzusehen, das die Aufhebung des Urteils nicht unbedingt dazu führen wird die Länder auf dem Balkan einander näher zu bringen, eher wird es bestehende Gräben wieder aufreissen.

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einheureka 16.11.2012, 12:25
74.

Zitat von rainer_unsinn
Europa wird mir wirklich immer symphatischer: Bürger ausbeuten, Banken das Geld vorne und hinten zuschieben, Kriegstreiber und Kriegsverbrecher vorschonen. Ist schon faszinierend wie sich die Beweise ganz merkwürdig in Luft aufgelöst haben. Anscheinend ist man in der EU automatisch kein Kriegsverbrecher, egal was man tut, solange man vorher nur seine Waffen mit denen man es tut in den USA und Deutschland gekauft hat.

Es handelt sich um ein Tribunal der UN und nicht der EU.

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Koda 16.11.2012, 12:29
75. Ist seine Schuld bewiesen? Anscheinend nicht!

Und nur das zählt!!!

Zitat von ice2go
Ich verstehe nicht weshalb ein das UNO-Tribunal Kriegsverbrechertribunal einen so hohen Wert verdient hat. Erst dauert es ewig bis die Kerle geschnappt werden dann ewig fuer den Prozess und am Ende kommen sie doch wieder raus, weil keiner ueberlebt hat der gesehen hat dass ER es war der alle erschossen hat??? Wenn die Generale nicht fuer die Taten ihrer Soldaten und ihre eigenen Befehle verandtwortlich gemacht werden können, ...
Es gibt immer Soldaten, die als Einzelne Verbrechen im Rahmen von Kriegseinsätzen begehen. Solange dies ohne Weisung oder Kenntnis der Oberen geschehen oder gar gegen ausdrücklichen Befehl ist, sollte man auch keinen General dafür verknacken.
Soldaten sind in der Regel über 18 Jahre und damit selbst verantwortlich.


Zitat von rainer_unsinn
Europa wird mir wirklich immer symphatischer: Bürger ausbeuten, Banken das Geld vorne und hinten zuschieben, Kriegstreiber und Kriegsverbrecher vorschonen.
Zitat von rainer_unsinn
Ist schon faszinierend wie sich die Beweise ganz merkwürdig in Luft aufgelöst haben. Anscheinend ist man in der EU automatisch kein Kriegsverbrecher, egal was man tut, solange man vorher nur seine Waffen mit denen man es tut in den USA und Deutschland gekauft hat.
Rainer Spekulationsunsinn; nicht bewiesen. Es ist leicht, immer die große Verschwörungstüte aufzublasen.

Zitat von spon-facebook-1603551442
während man erbarmungslos gegen serbisch kriegsverbrecher vorgeht, werde kroatische dagegen freigelassen. Gibt es hier etwa Kriegsverbrecher in zwei klassen...die einen die man mehr mag und die anderen die man weniger mag ?
Nein, die Beweislage zählt. Wenn die dürftig ist, sollte niemand verknackt werden. Weder kein General, der während der Operation vielleicht im warmen Bunker saß und von "hinten" aus seiner befehlsstelle aus leitete und auch nicht der arme Gefreite, der sein Leben direkt riskiert.


Zitat von Emil Peisker
Uups, wie konnte das passieren?
Bereits erwähnt. Dürftige Beweislage.

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nardis 16.11.2012, 12:31
76. Na endlich!

Dies war eine historische Entscheidung.
Alle diejenigen die sich jetzt auf den Schlips getreten fühlen möchten bitte einsehen dass dies die einzig korrekte Entscheidung gewesen sein muss.
Natürlich muss man jeden Verbrecher, egal welchen nationalen, religiösen oder sozialen Hintergrundes bestrafen- darin besteht hoffentlich ein Konsensus- jedoch muss man bedenken, dass die kroatischen Generäle im Krieg nie den Hass gepredigt hatten.
Im Gegensatz zu den noch zu verurteilenden serbischen Befehlshabern Mladic und Karadzic, haben diese nicht das menschenverachtende Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung gefordert, sondern sich damals schon (und nicht nur vor Gericht) scharf dagegen gestellt.
Die heutige Entscheidung ist für die Kroaten von immenser Bedeutung. Diese hatten über diese Jahre immer den internationalen Vorwurf im Nacken, dass der Staat Kroatien keine Daseinsberechtigung hat, das dieses Gebilde eine kriminelle Organisation ist. Heute hat die Gerechtigkeit gesiegt, der Freispruch war das einzig nachvollziehbare.
Ich glaube kaum, dass die Richter den Kroaten gerne diesen Gefallen getan haben. Es geht leider vielmehr um die eigene Haut der westlichen Mächte.
Eine Aufrechterhaltung der Entscheidung von 2011 hätte für sämtliche Generäle und Staatsoberhäupter aller Nationen eine schwere Konsequenz.
Dies hätte bedeutet, dass Jeder der sich im Krieg gegen einen Agressor verteidigt, damit rechnen muss, dass er für dieses Verhalten vor Gericht bestraft und gedemütigt wird.

Man überlege sich nur mal die deutschen Generäle die nicht einmal im Sinne einere territorialen Verteidigung in Afghanistan im Krieg sind. Man überlege sich mal die zivilen Opfer der NATO-Bomben, und die Befehlshaber der NATO in einem Kriegsverbrechertribunal- dies wäre heutzutage leider sicher unvorstellbar.

Ich begrüße die heutige Entscheidung primär wegen der Entlastung des sich verteidigenden Kroatiens, wegen der Schutzwirkung auf kommende sich verteidigende Nationen,
nicht aber auf Grund des Schutzes von Befehlshabern die nicht einmal auf eigenem Territorium, sondern in weiter Ferne (z.B. Afhganistan, Irak...) das eigene Land "verteidigen".

Die 7 Jahre welche Gotovina und Markac bereits absitzen mussten, und die enorme psychische Belastung, wird ihnen leider kein Gericht dieser Welt ausgleichen können.
Herzlichen Glückwunsch an das kroatische Volk!

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materialist 16.11.2012, 12:32
77. Weil es nicht ins Schema passt

Zitat von spon-facebook-10000381307
Was suchten dann die Kroaten 1991 in Sijekovac? Lesen Sie bitte nach. Von den hier von den Kroaten begangenen Massakern an Zivilisten wissen nur die Betroffenen hier. Die Welt jedoch nicht. Warum?
Weil die Verbrechen der Kroaten und auch der Kossovo-Albaner im Bürgerkrieg im ehemaligen Yugoslawien nicht in das von NATO u.EU vorgegebene Gut-Böse Schema passen.

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realbu 16.11.2012, 12:36
78. Objektivität

Mich erstaunen die vielen sehr pauschalen Aussagen, wobei dies ja immer so bei diesem Krieg war, pro-serbisch, pro-kroatisch etc. Ich selbst habe in der Verwandtschaft / Bekanntschaft kroatische und serbische Bekannte, ein Versuch die Objektivität zu bewahren ist daher wünschenswert.
Paar Anmerkungen meinerseits:
- Keiner kennt die genauen Fakten des Urteils, daher ist ein Urteil hier schwierig
- Während dokumentiert die Massaker und Vertreibung seitens der serbischen Führung befohlen wurden (und nicht nur von lokalen Truppen auf eigene Faust) durchgeführt wurden, ist dies auf kroatischer Seite seitens Ihrer Führung nicht oder kaum bekannt.
- Da Kroatien massiv darauf erpicht war, Hilfe vom Westen zu bekommen, war auch klar, dass man von der Leitung her nicht genau so operieren kann.
- Natürlich gab es auch Greul auf kroatischer Seite, dies wurde aber idr. auf eigene Faust und vielfach aus Rache durchgeführt worden sein. In Bosnien wurde hier eine Zeitlang aber auch massiv Terror gegen die muslimischen Teil von einigen Teilen der Paramilitärs durchgeführt.

- Interessant auch eine Aussagen eines Verwandten, der selbst während dieser Jahr beim Militär war zu den Vorführen:
Wer hat sich freiwillig für die vorderste oder härteste Front oder solche Einsätze gemeldet ? Häufig Leute ohne Job oder teils krimineller Vergangenheit (etwas Pauschal). Diese Leute hatten daher wenig Probleme aus Rache zu handeln. Zudem gab es wenig feste Strukturen wie Militär-Ränge die für Ordnung sorgten. Und Last but not Least: Wer ist wo einmarschiert ? Kein Kroate hat je einen Fuß auf serbisches Gebiet gesetzt, nur umgekehrt. Dass seitens der damaligen Kroatischen Führung unter Tudjman zu wenig auf die Rechte der serbische Minderheit geschaut wurde und auch politische Kriegsphasen gedroschen wurde ist ein anderes Thema.
Wie auf immer: Kroatien, Slowenien und Bosnien wollte diesen Krieg NICHT !

-> Ich denke dass die Generäle genug mit der Kriegführung und der Planung beschäftigt waren und man als Verwurf machen kann, nicht entschieden genug gegen Terror oder Mord an Zivilisten vorgegangen ist.
Oluja als Operation hat weitere Massaker in Bosnien verhindert und das Ende des Krieges eingeleitet.

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spiozo 16.11.2012, 12:37
79. Beweise

Zitat von sysop
Der kroatische Ex-General Ante Gotovina muss doch nicht für 24 Jahre ins Gefängnis. Das Uno-Tribunal in Den Haag hat die Strafe gegen ihn aufgehoben. 2011 war er wegen der Ermordung von mehr als 300 serbischen Zivilisten verurteilt worden.
Es wäre interessant zu erfahren warum die Beweise in diesem Fall NICHT für eine endgültige Verurteilung ausreichen. Bei anderen mutmaßlichen "Kriegsverbrechern" allerdings ausreichen.

Wenn einmal Zeugenaussagen ausreichen und das andere Mal nicht, frage ich mich wieso andere endgültig verurteilt werden können.

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