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Arbeit und Familie: Schreie, die keiner hört

Leistungsdruck, Familienkonflikte, Mobbing: Depression ist eine Krankheit, die auch Kinder und Jugendliche trifft. Häufig wird sie zu spät erkannt.

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Arion's Voice 18.04.2011, 12:24
1. Depression ist schlimm

Zitat von sysop
Leistungsdruck, Familienkonflikte, Mobbing: Depression ist eine Krankheit, die auch Kinder und Jugendliche trifft. Häufig wird sie zu spät erkannt.
Meistens hören Betroffene blöde Sprüche wie "da muss man sich halt zusammenreißen" oder "jeder ist mal schlecht drauf".
Wir brauchen mehr Geisteswissenschaften, sonst geht die Gesellschaft vor die Hunde.
Depression ist eine schlimmer Krankheit, wird aber oft als Einbildung/Schwäche/Drückebergerei abgetan.

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tz88ww 18.04.2011, 12:27
2. Thema des Monats ?

Scheint ja so eine Art Thema des Monats zu sein mit Recycling-Artikeln vom Februar.
Alle haben plötzlich „Depressionen“ , Hysterische (Zeta-Jones) „manische-depressive“ Schübe.
Werbewochen für „Antidepressiva“?
Was kommt als nächstes?
Ich denke, man müsste diesen Cholesterin-Humbug mal wieder ein bisschen pushen.
Einen schönen Tag noch.

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fußgeher 18.04.2011, 12:46
3. Depression als Rückzug um Frustration grundlegender Bedürfnisse zu vermeiden

Die Depression kann als Rückzug verstanden werden, der dazu dient, die weitere Frustration grundlegender Bedürfnisse zu vermeiden.
Dieser Ansatz ist von Klaus Grawe in seinem Buch "Neuropsychotherapie" (Hogrefe, 2004) sehr detailliert dargestellt worden.
Grawe nennt folgende vier grundlegenden Bedürfnisse:
1. Bindung
2. Lust
3. Selbstwerterhöhung
4. Kontrolle/Orientierung

Er sieht, wie z.B. auch Jeffrey Young mit seiner Schematherapie oder Rainer Sachse mit der Klärungsorientierten Psychotherapie Schemata als zentrale Einheiten der psychischen Organisation.

Wichtig ist für das Verständnis der Depression die Unterscheidung zwischen Annäherungs- und Vermeidungszielen. Annäherungsziele führen zur Befriedigung der Bedürfnisse, Vermeidungsziele sollen die Frustration der Bedürfnisse (z.B. Unlust oder Zurückweisung) vermeiden. Andauernde Frustration führt zur Ausbildung von Vermeidungszielen als Teil fest verankerter Schemata. Depressives Verhalten ist also durchaus angepasst (auch wenn die Situation nicht mehr bestehen mag in der es entstanden ist). Wenn die Vermeidungsziele die Oberhand in vielen Bereichen gewonnen haben, dann ergibt sich fast zwangsläufig der im Bericht geschilderte Rückzug. Außerdem führt dieser (und die durch die Schemata strukturierte Wahrnehmung) zu weiteren Mißerfolgserlebnissen und ggf. zu einer durch diese gefilterten und gefärbten Wahrnehmung der Umwelt.

Das heißt in der Folge auch, dass weder durch Psychopharmaka noch durch Veränderung der Kognition eine Heilung der Depression möglich ist. Depression scheint zuvorderst eine Beeinträchtigung des motivationalen Systems zu sein. Wenngleich z.B. kognitive Therapien gut wirken, so tun sie das vermutlich vor allem auf der Ebene der Beziehung zwischen Therapeutin und Klientin. Psychopharmaka als alleinige Therapie einer Depression reduzieren diese auf eine Fehlfunktion des Gehirns und beruhen an dieser Stelle auf einem zu einseitigen Bild der Seele.

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Michael Giertz 18.04.2011, 12:46
4. Depressionen

Zitat von sysop
Leistungsdruck, Familienkonflikte, Mobbing: Depression ist eine Krankheit, die auch Kinder und Jugendliche trifft. Häufig wird sie zu spät erkannt.
Niemand wird "einfach so" depressiv. Der ohnehin knappe Artikel gibt zu spärliche Informationen her, WIE jemand depressiv wird lässt sich zu sehr über das Einzelschicksal aus.

Ich bin nun kein Psychologe. Aber da ich selbst depressive Störungen hinter mir habe, kann ich zumindest auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

1. Es ist fast NIE nur ein Einzelerlebnis, sondern es sind IMMER eine Kombination verschiedener Ereignisse, die einen Menschen dazu bringen, depressiv zu werden.

2. Leistungsdruck bei gleichzeitiger Perspektivlosigkeit sind zwei solche Faktoren, die für sich allein nicht unbedingt gleich in Depressionen führen, im Kombination, insbesondere bei Vernachlässigung oder fehlendem Rückhalt bei Freunen und Familie die perfekte Mischung darstellen.

Also grob gesagt: wer vor nichtbewältigbaren Problemen steht und nirgendwo eine helfende Hand erwarten kann, wird totsicher depressiv, wenn der Zustand längere Zeit anhält.

3. Fehlende Emanzipation kann ebenfalls ein Depressionsgrund sein: junge Männer und Frauen, die bis 25 und länger im "Hotel Mama" wohnen, können u.U. depressiv werden, weil sie nicht die Möglichkeit haben, sich zu entfalten. Ist man einmal drin in den Depressionen ist es eigentlich unmöglich, aus eigener Kraft noch den Absprung zu schaffen, ergo auszuziehen und ein eigenes Leben zu beginnen.
Notfalls müssen halt die Eltern den "Tritt" geben, sprich: mit Tochter oder Sohn auf Wohnungssuche geben und einfach "nachhelfen".

4. In Punkt 2 erwähnte ich die "Perspektivlosigkeit" im allgemeinen. Hier soll sie nochmal speziell daherkommen: Arbeitslosigkeit bzw die Furcht vorm sozialen Abstieg und die eigene Ohnmacht, etwas daran zu ändern, sei es aus finanziellen oder familiären Gründen sind auch Depressionsgründe.
Auf Jugendliche umgelegt bedeutet das auch bei schlechten schulischen Leistungen und den damit verbundenen Leistungsdruck von Seiten der Eltern, dass sie schon in frühen Jahren befürchten müssen, ein Leben in Hartz-IV zu verbringen und ganz am Anfang des Lebens einen sozialen Abstieg hinnehmen zu müssen, wenn die Eltern z.B. Mittelschichtler waren.

Usw usf.

Ich kann's auch auf einen einfachen Satz bringen: das persönliche/soziale Umfeld, die gesellschaftliche und persönliche Entwicklung sind mächtige Einflussfaktoren auf die geistige Gesundheit eines jeden Menschen. Und unsere Gesellschaft macht krank, weil sie keinen Platz mehr hat für Leute, die nur knapp an der Norm scheitern ...

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Forumkommentatorin 18.04.2011, 12:52
5. ....

Der Grund für Depressionen (Niedergeschlagenheit) ist, wenn die äußeren Lebensumstände nicht mit den persönlichen Bedürfnissen übereinstimmen.
Es gibt keine unerklärlichen Gründe.
Die genetische Vererbbarkeit wird deshalb falsch vermutet, weil es von den Elterngenerationen nicht vermittelt wird, für seine Bedürfnisse und Sehnsüchte einzutreten und sie sich zu erfüllen.

Ganz einfache Geschichte.

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patricka1 18.04.2011, 12:59
6. Wohlstandskrankheit

Zitat von sysop
Leistungsdruck, Familienkonflikte, Mobbing: Depression ist eine Krankheit, die auch Kinder und Jugendliche trifft. Häufig wird sie zu spät erkannt.
Mich würde mal interessieren, ob es in anderen Kontinenten (Asien = sehr hoher Leistungsdruck) oder Afrika (= sehr geringer Leistungsdruck)zu gleichen Phänomen kommt (prozentual und absolut).

Für mich ist Depression ein Wohlstandsphänomen. Wenn der Mensch sich um nichts mehr kümmern muss, da Grundbedürfnisse abgesättigt (Essensbeschaffung, Dach überm Kopf), geht diese "Uraufgabe" des Menschen oder Instinkt) verloren bzw. wird nicht mehr gebraucht. an diese Stelle treten dann "Ersatzaufgaben", die viele Leute icht mehr bewältigen können. Letztenendes ist die Depression das Eingeständnis des Körpers der Überforderung (welche Prioritäten muss ich setzen, was ist wirklich wichtig) und in Folge dessen: Depression (oder das andere Phänomen: Aggressivität)

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Michael Giertz 18.04.2011, 13:08
7. Kurz und knapp!

Zitat von Forumkommentatorin
Der Grund für Depressionen (Niedergeschlagenheit) ist, wenn die äußeren Lebensumstände nicht mit den persönlichen Bedürfnissen übereinstimmen. Es gibt keine unerklärlichen Gründe. Die genetische Vererbbarkeit wird deshalb falsch vermutet, weil es von den Elterngenerationen nicht vermittelt wird, für seine Bedürfnisse und Sehnsüchte einzutreten und sie sich zu erfüllen. Ganz einfache Geschichte.
Gefällt mir, kurz und knapp.
Damit wäre der Ball für mich trotzdem irgendwie bei der Gesellschaft, denn die kann immer weniger die persönlichen Grundbedürfnisse ihrer Mitglieder bedienen.

Ich meine, wie soll ein Hartz-IV-Empfänger sein Bedürfnis, wieder arbeiten und selbst Geld zu verdienen erfüllen können, wenn er aufgrund der niedrigen Vermögensgrenze kein Geld hat, um sich ein Auto für die Fahrt auf Arbeit zu leisten? Welche Bank gibt dem Hartz-IV-Empfänger einen Kredit für den Autokauf?
Auch die Mittel für einen Umzug sind nicht drin.

Ergo: wer ganz unten angelangt ist, keine Rücklagen hat oder diese aufzehren musste, kommt aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Loch, wenn er in der falschen Region lebt. Die Fähigkeit, aus eigener Kraft was zu verändern, ist ebenfalls ein Grundbedürfnis. Wird das nicht erfüllt, kann es zu Depressionen führen.

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JSubat 18.04.2011, 13:09
8. Wer Hilfe sucht findet keine

Etwas das in dem Bericht leider keine Erwähnung findet ist die unglaubliche Wartezeit die man selbst in dringenden Fällen in Kauf nehmen muss.
In Deutschland gibt es definitiv viel zu wenig Psychologen, die Jugendliche oder Kinder therapieren. In meinem Freundeskreis gab es den Fall, dass ein Mädchen stark unter Depressionen litt. Einen Termin bekam man jedoch erst nach vier Monaten Wartezeit! Da ich selbst schon wegen Burnout therapiert wurde und als Privatpatient sehr schnell Hilfe erhielt weiß ich, dass sehr schnell geholfen werden muss. Brennt sich die Depression erst mal in die Seele und den Alltag ein, ist es um ein vielfaches schwerer wieder heraus zukommen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn sich der "Kopf" erst mal an den Zustand gewöhnt hat, startet der natürliche Instinkt die Gewohnheit um jeden Preis aufrecht zu erhalten und bloß keine Veränderung zuzulassen. Dann wird es hart sich durch den Panzer, der sich aufgebaut hat hindurch zu bohren...
Daher ist es eine Sache, eine Depression frühzeitig zu erkennen. Eine andere Sache ist es, kompetente Hilfe und zwar SCHNELL zu erhalten. Daran krankt unser Gesundheitssystem.

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viversemtoxinas 18.04.2011, 13:11
9. Einlagerung von Alltagsgiften im Gehirn

Depression ist eine Krankheit, die verursacht wird, durch die Einlagerung von Alltagsgiften im Gehirn. Das Gehirn arbeitet daraufhin schlecht und ist nicht mehr in der Lage Stress, Traurigkeit, usw. zu verarbeiten.
Es ist dieselbe schlechte Luft, die übrigens ein Klimawandel verursachen! Wieso sollte der Einzelne davon unbetroffen bleiben? In der Natur auch Quecksilber aus der Verbrennung von Kohle; in Räumen auch Flammschutzmittel und Formaldehyd; im Körper Amalgam und Rückstände aus Pestiziden, und alles zusammen, ergibt eine furchtbar giftige Kumulation Chemikalien, die untereinander agieren. Im hohen Alter heißt die Entwicklung dieser Tragödie: Demenz!

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