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Arbeitsmarkt: Enthusiasmus für 3,56 Euro

In der Branche der Gebäudereiniger gilt ein gesetzlicher Mindestlohn. Viele Zimmermädchen verdienen weit weniger - mit dubiosen Begründungen.

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smarty79 17.06.2009, 10:47
130. Extremfall?

Zitat von mmueller60
7 Stunden, 7 Zimmer. Realistisch erscheint mir das nicht. Rätselhaft.
Also ich kenne beruflich bedingt viele Hotelzimmer und würde davon ausgehen, dass ein von Geschäftsreisenden nur zum Nächtigen benutztes Zimmer mit ein wenig Routine in deutlich weniger als einer halben Stunde zu reinigen ist. Das würde den Stundenlohn schonmal verdoppeln. Der hier erwähnte Fall ist sicherlich ein Extremfall von Langsamkeit.

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robiflyer 17.06.2009, 10:49
131. das ist noch garnichts

ich würde eher sagen 95% der Bevölkerung

man konnte 2007 - also Hochkonjunktur - eine
Stellenanzeige lesen von einem großen KMU

- Suchen Projektleiter für anspruchvollen Bereich,
- Dipl.-Ing ( also keine FH etc)
- mit der evtl Aussicht auf Übernahme
- in Stuttgart
- für 600 brutto ( im Monat )


also ein Bruttostundenlohn von ca 3 Euro - "man"
erwartet vo dieser Klientel eher mind ne 45 h Woche

Soviel zum Thema Fachkräftemangel und Sinn einer
Topausbildung hierzulande.....

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exHotelmanager 17.06.2009, 10:50
132. aus der Praxis

Zunächst konstatiere ich, dass diese Entlohnung ein Skandal ist - sie entspricht einer Entlohnung eines im Hotel angestellten Zimmermädchens aus 1970.

Man muss aber auch die Ursache für dieses Outsourcing betrachten. Ohne jetzt die Arbeitsbedingungen im Hotel grundsätzlich diskutieren zu wollen - wozu sicher Anlass besteht - gehörten angestellte Zimmermädchen in Großstädten zum unzuverlässigsten Personal. Da das Hotelgeschäft nicht stetig ist und oft von Tag zu Tag vorhersehbar extremen Schwankungen ausgesetzt ist, besonders das einfachere Personal erheblicher Agitation durch Gewerkschaftsfunktionäre und auch Ehepartner ausgetzt war, konnte in den 1980er Jahren eine Reinigung der Hotelzimmer durch Eigenpersonal nicht mehr gewährleistet werden. Ich war einer ersten Abteilungsleiter eines großen *****-Hotels in Deutschland, die versuchsweise über einen Zeitraum die Reinigung an einen Krankenhausreiniger outsourcten. Ein Kostenvorteil ergab sich dadurch nicht. Für die übernommenen Reinigungskräfte änderte sich das Eimkommen nicht. Die Zuverlässigkeit der Dienstleistung stieg aber erfreulich an, wenn auch die Umgangsformen des Objektleiters kaum in unser Hotel passten...

Zum Betriebsablauf:
In einem 8-Stunden-Tag sind 15 Standardzimmer zu reinigen - ich habe diese Arbeit in großem Umfang selbst gemacht und weiss darum, dass das machbar ist. Für Superior-Zimmer und Suiten werden andere Quoten gerechnet.

Natürlich kostet in dem Dresdnener Hotel wie überall auf der Welt das Zimmer nur zu Spitzenzeiten 349 EUR. Darin enthalten ist ja auch die Mehrwertsteuer. Tatsächlich erlöst werden im Jahresdurchschnitt vermutlich püro Nacht und Zimmer weniger als 100 EUR. Das bedeutet Reinigungskosten von 8-10% - ein typischer Wert.

Die Wegnahme der Pfandflaschen durch Personale ist übrigens Diebstahl.

In anderen Ländern ist es Sitte, den Zimmerreinigungskräften ein angemessenes tägliches Trinkgeld zu geben, etwa 5-10 EUR. Das ist in Deutschland von Deutschen kaum praktiziert. Trinkgeld ist aber ein wesentlicher Teil des Lohnes in der Gastronomie und wird auch, wenn es nicht entsteht, gerne vom Finanzamt geschätzt und nachbesteuert.

Der Dresdener Kollegin empfehle ich, zukünftig überlegter zu handeln und erst nach Beratung mit der tatsächlichen Unternehmensleitung Äusserungen gegenüber der Presse abzugeben.

Bevor man nun die tarifliche Situation diskutiert, lohnt ein Blick auf den Tarifsvertrag für Angestellte des Hotel- und Gaststättengewerbes als Vergleichsgröße.

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shine31 17.06.2009, 10:52
133. Re: arbeiten bis die probezeit

Zitat von Geldmaschine
oder aber man holt sich das geld wieder. arbeiten bis die probezeit um ist und 6 monate krank aus psychischen gründen.
Sie glauben doch nicht wirklich, daß die Firmen solche Mitarbeiter über die Probezeit hinaus beschäftigen? Und Vollzeitjobs sind das dann meistens auch nicht. In De gilt doch auch schon längt das amerikanische Motto: "hire and fire"...

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Le Commissaire 17.06.2009, 10:53
134. höhere Entlohnung kostet

Zitat von baur tc
......der Markt wird es regeln, der hotelsuchende Gast kann doch frei entscheiden, ob er im QF ("Quartier an der Frauenkirche") sein Haupt auf ein von ausgebeutenden Händen errichtetes Kopfkissen bettet oder er sich doch lieber ein anderes Quartier sucht. Vielleicht sollte man in den entsprechenden Portalen die Einführung eines "Fairtrade" Siegels anstreben....
In der Tat. Beim Kaffee scheint das ja zu funktionieren. Lateinamerikanische Kaffeebauern haben allerdings auch einen Hauch von Romantik und Revolucion, die Zimmermädchen in heimischen Hotels sicherlich nicht haben. Wetten, daß sich "Fair Deal"-Hotels, die etwas teurer sind, kaum halten können werden? An guter Entlohnung anderer Menschen ist eben kaum jemand interessiert (vermutlich sogar diejenigen am wenigsten, die sich laut darüber entrüsten). Jeder kann nämlich schon jetzt ganz unmittelbar einen durschlagenden Beitrag zu besserer Entlohnung von Billigkräften in Hotels, Supermärkten etc. leisten: ein fettes Trinkgeld. Tut aber keiner. Solidarität ist eben nicht gefragt - es sei denn, andere sind dafür zuständig.

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Dennis K. 17.06.2009, 10:54
135. Und...

..bei all diesen Ausbeuterjobs zahlen die Arbeitsagenturen noch kräftig Steuergelder oben drauf, weil die Leute sonst gar nicht überleben könnten. Und die Regierung duldet diese Geldverschwendung auch noch, statt diesen kriminellen Ausbeutern das Handwerk zu legen.

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Sackaboner 17.06.2009, 10:55
136. Auf Thema antworten

Dass die Geschichte dieser Frau fast einhellige Empörung auslöst, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, allerdings nicht für CDU oder SPD, die diese Geschichten schon oft genug gehört haben, aber sich dennoch weigern, dem abzuhelfen durch einen menschenwürdigen Mindestlohn, weil sie ihre Klientel bedienen müssen. Kann man damit nicht vor den Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg gehen?

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Mo2 17.06.2009, 10:55
137. Aufstand

Zitat von maradeur
Ich wunder mich eh immer mehr darüber, dass die 90% der Weltbevölkerung immernoch geduckt und mit eingezogenem Schwanz alles schlucken, was die 10% der Welt ihnen in ihrem Raffwahn diktieren.
Nun ja, im September wird der mündige Bürger es denen aber zeigen: indem er Schwarz-Gelb wählt.

Schließlich leben wir in einer Solidargemeinschaft...

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lalito 17.06.2009, 10:56
138. echt?

Zitat von Robert Hut
Da muss man auch in der Not eisern bleiben, und solche "Jobs" einfach nicht machen. Ende!
Hat man diese Wahl tatsächlich? Schließlich stehen Tausende Schlange bis zum Verteilerkreis und wenn davon nur einer zugreift nützt die Taktik nix . . .

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Hennes 17.06.2009, 10:56
139. Error! Überschriften mit Überlänge werden vom System nicht akzeptiert.

Zitat von mhampel
Aber nach der jetzigen Rezession wird es aber noch viel schlimmer aussehen, da dann wieder die Stellen besetzt werden müssen, die jetzt weggefallen sind. Die Menschen werden dann zu weit niedrigeren Löhnen wieder eingestellt, als sie heute noch erhalten.
Ein Bekannter von mir (Elektriker) hat bereits Erfahrung mit dieser Entwicklung. Vor ca. 5 Monaten entlassen, danach mehrere Bewerbungsgespräche geführt, sogar Zusagen bekommen.

Er hat sie alle abgelehnt, weil er seine zukünftige Armut nicht vertraglich festschreiben will.

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