Forum: Blogs
Arbeitsmarkt: Enthusiasmus für 3,56 Euro

In der Branche der Gebäudereiniger gilt ein gesetzlicher Mindestlohn. Viele Zimmermädchen verdienen weit weniger - mit dubiosen Begründungen.

Seite 34 von 37
mmueller60 18.06.2009, 21:28
330. x

Zitat von catalina67
... für die Erhebung dieser Statistik. Hat (mit prüfendem Blick) sicher weniger als 90 Sekunden gedauert. Und genau das ist das Problem in diesem Land: Haarspalterei ohne Aussicht auf Abstellung des eigentlichen Übels.
Kein Problem. Es wäre natürlich viel schöner, wenn ich einfach in den Chor der Empörten mit einstimmen würden, ohne einen Schuß kritisches Nachdenken einzubringen! :-)
Denn jeder weiß: Das "Übel" kann nur "abgestellt werden", wenn man pauschal draufloskreischt.

Beitrag melden
achim68 18.06.2009, 22:53
331. ....

Zitat von chevy57
Denke ich auch. Die Unternehmens- und Wirtschaftsverbände haben Jahrzehnte gebraucht um aus D in vielen Sparten ein Dumpinglohnland zu machen. Und die haben ihre politischen Pappkameraden und Entscheidungsverkünder mittlerweile SO fest im Griff, dass da wohl keine Hoffnung besteht.
Wenn wir ehrlich sind haben diese Verbände ja nur die Möglichkeiten genutzt die die Politik ihnen geschaffen hat.
Im Gegensatz zu vielen Anderen hier glaube ich nicht das Schröder und co. diese Mißstände damals gewollt haben, aber die Gesetzlage hat sie ohne Zweifel gefördert.
Und unter einer zu erwartenden Konserativ-neoLiberalen Regierung wird sich daran auch nichts ändern. Selbst wenn Merkel das wollte... nach gutem alten Schema wird der FDP Schwanz mit dem CDU Hund wackeln.
Also bleibt es eine Verantwortung des Einzelnen, soweit Ihm möglich. Wenn mein Chef enscheidet das niemand eingestellt wird, sondern zu Spitzenzeiten für unser Lager (mittelständische Spedition) Leiharbeiter geholt werden, ist mein Einfluß darauf begrenzt. Allerdings habe ich doch folgende Wahl:
Wenn bei Dienstleister A + B der Lagerarbeiter (der zugegebenermaßen wirklich keine besondere Qualifikation braucht) 22-25 € die Stunde kostet und ein diffuser Anbieter C mir die selbe Leistung für 15!!!! € bietet (tats. schon da gewesen), muß ich anfangen zu denken. Denn dieser Leiharbeiter kann unmöglich mehr als 5-6 € für teilw. echte Knochenarbeit verdienen. Und das sollte der Punkt sein an dem Geiz eben nicht mehr geil ist... sondern krank. Und ausserdem kontraproduktiv. Denn der entsendete Arbeiter wird zwangsläufig nicht wirklich Lust haben zu arbeiten.

Zitat von chevy57
Ja, das wäre ein Anfang. Aber ich fürchte, selbst DAFÜR fehlt der politische Wille. Ließe sich wohl nur über (relativ) unabhängige Verbände wie z.B. die Verbraucherzentralen organisieren.
Es müßte schon eine weitgehend spendenfinanzierte Stiftung sein die keinem Verband, Gewerkschaft oder politischen Richtung verpflichtet ist.

Beitrag melden
yogiakarta 19.06.2009, 09:09
332. Enthusiasmus für 3,56 Euro

Zitat von mmueller60
Das halte ich für völlig verrückt. Kann so etwas in einem Arbeitsvertrag stehen?
Nein, sowas steht natürlich nicht im Arbeitsvertrag, wird aber stillschweigend vorausgesetzt und geduldet. Es gibt nicht überall einen Betriebsrat, und insb. im Osten ist die Drohung "Dann suchen Sie sich was anderes" kein Spaß. Die Suche nach einem neuen Job auch nicht. Und ich gebe zu, dass ich nicht jeden Mensch kategorisch als unflexibel hinstellen will, nur weil er keinen Bock auf Fernfamilie, Fernbeziehung und Fernfreundeskreis hat.

Zitat von
Nun, wenn die Dame ganze 3 Tage in dem Hotel eingesetzt war, war sie ja kaum eingearbeitet, und wenn man ihre Geschwindigkeit und damit ihren Verdienst verdoppelt, klingt das zwar nicht rosig, aber doch recht unskandalös. Da erscheint es komisch, sich nach 3 Tagen medienwirksam zu beklagen.
Okay, Sie haben Recht, die Dame ist zu langsam und inkompetent. Und nach den Aussagen hier von suum.cuique Zitat von
... macht einen noch lange nicht zum Kleverle. Da liest man: Weil ihr Visum ablief.... Das zeigt, die Frau kriegt auch nichts geregelt kriegt. Hätte sie sich rechtzeitig um ihre Dinge gekümmert, dann wäre auch das US Visum nicht "abgelaufen". So stelle ich mir jemanden vor, der zu spät zum Vorstellungsgespräch kommt, weil man den Bus verpasst hat...
ist natürlich alles klar. Die ferndiagnostische Arroganz mancher Leute ist unglaublich. Aber wenn man selber immer alles sofort geregelt bekam, darf man das natürlich :)

Beitrag melden
mmueller60 19.06.2009, 09:16
333. x

Zitat von yogiakarta
Und ich gebe zu, dass ich nicht jeden Mensch kategorisch als unflexibel hinstellen will, nur weil er keinen Bock auf Fernfamilie, Fernbeziehung und Fernfreundeskreis hat.
Darauf hätte ich auch keine Lust.

Zitat von
Okay, Sie haben Recht, die Dame ist zu langsam und inkompetent. Und nach den Aussagen hier von suum.cuique ist natürlich alles klar. Die ferndiagnostische Arroganz mancher Leute ist unglaublich.
Achja, die Ferndiagnostik ist ja nur in "positiv unterstellende" Richtung erlaubt. Ich vergaß! ;) Ein Forum voller Leute, die Ihre Ideen, Interpretationen und Vermutungen anbringen -- aber nur die eine Richtung ist politisch korrekt, nämlich "Kapitalisten böse, Putzfrau edel und rein". :)

Beitrag melden
yogiakarta 19.06.2009, 09:59
334. Enthusiasmus für 3,56 Euro

Zitat von mmueller60
Ein Forum voller Leute, die Ihre Ideen, Interpretationen und Vermutungen anbringen -- aber nur die eine Richtung ist politisch korrekt, nämlich "Kapitalisten böse, Putzfrau edel und rein". :)
Mein letzter Satz bezog sich weniger auf Sie :)

Es gibt "gute wie böse Kapitalisten" und gute wie weniger gute Putzfrauen. Und noch ganz viel dazwischen, also mit pauschalen Werturteilen kommen wir nie auf einen grünen Zweig.

In diesem speziellen Falle hier halte ich die Darstellung für realistisch und sehe die Schuld nicht bei Frau Schwarz. Kann sein, dass das an meinen ureigenen Erfahrungen im Billiglohnsektor liegt. Mir ist der Enthusiasmus da sehr gründlich vergangen, und jetzt studiere ich so ziemlich das kapitalistischste Fach, dass es gibt. Aber dank meiner schönen Erfahrungen glaube ich längst nicht alles, was mir Professoren da erzählen.

Soviel zu meinen Gründen, um auf Seiten von Frau Schwarz zu stehen :)

Was bringt Sie dazu, eher die andere Seite zu vertreten?

Beitrag melden
exHotelmanager 19.06.2009, 10:24
335. An die eigene Nase fassen

Zitat von mmueller60
Und wenn pro Hotel alle drei Monate mal ein Verrückter die Shampoofläschchen quer über allen Möbeln ausleert, ist das schon sehr hoch gegriffen. Also z.B. ein Fall auf Tausenden von Hotelzimmerreinigungen. Falls Sie diese Art von "Saustall" meinten.
Sie haben keine Vorstellung, wie z.B. das weibliche fliegende Personal führender Luftverkehrslinien die Zimmer zurichten kann, vor allem an ihren "Tagen". Auch der Besuch von "Models", osteuropäischer klassischer Musikorchester mit unlimitiertem Vodka-Zugang oder einer hippen Band auf Speed hinterlässt Spuren, die nicht einmal in der dreifachen Regelarbeitszeit getilgt werden können.

Oder fragen Sie einmal nach, wie steinzeitliche Großfamilien der arabischen Halbinsel im Sommer ihren langen Aufenthalte in europäischen Hotels gestalten. Die benutzen kein WC, sondern eine Ecke im Bad oder auch mal gerne ausserhalb der Suite auf dem Hotelgang oder im Treppenhaus und kochen frisch geschlachteten Hammel auf offenem Feuer. Ansonsten machen sie gerne Jagd auf das Personal und schikanieren die Mitarbeiten mit absurden Forderungen.

Man macht es sich sehr einfach - ein wirkliches Zimmermädchen ist keine einfache Putzfrau, sie wird aber heute dazu degradiert. Und diese Degradierung erfolgt in erster Linie durch den Gast, der mangels eigenen Hauspersonals die Bedeutung der Zuarbeit in der Privatspähre nicht mehr zu schätzen weis und keine Achtung vor der Arbeit und der Persönlichkeit anderer hat.

Über das Verhalten Deutscher in Ferienhotels am Mittelmeer und in Asien ist schon viel geschrieben worden. Mögen die Sozialkritiker hier mal ihr eigenes Hotelverhalten in den Billigsthotels "all inclusive" reflektieren und überlegen, welche Einkommen dort gezahlt werden.

Beitrag melden
blogreiter 19.06.2009, 12:07
336. Es muss so kommen

Hier mischen sich verschiedene Einflussfaktoren aus meiner Sicht.
Das Outsourcing von Geschäftsbereichen, das nicht immer vom Preis/Qualität für den der outgesourct hat, wirklich nachhaltig erfolgreich ist.
(Hier aufzurufen, solche Häuser zu meiden, führt dazu, dass man sich ja eigentlich auch in kein Krankenhaus mehr begeben dürfte.)
Die dienstleistenden Firmen bieten den Arbeitswilligen wirklich solche Akkordlöhne an, das kann ich bestätigen.
Die erforderliche Leistung, um dann trotzdem noch vernünftige Stundensätze zu erreichen, könnte nur durch einschlägig qualifiziertes Personal erbracht werden. Eine gute Hausfrau ist nicht zugleich ein erfolgreiches Zimmermädchen. (Das ist das Dilemma in der beruflichen Bildung: was muss denn der/die schon für diese Tätigkeiten wissen/können.)
Qualifiziertes Personal ist aber durch diese Dienstleister nur als Vorarbeiter zu bekommen, weil ihnen sonst zu teuer.
Damit ist die Entwicklung zu einem niederen Qualitätsniveau durch sehr niedrig bezahlte, nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter vorhersehbar.
Die Reduzierung der Dienstleistung Zimmermädchen auf ja Taktzeiten kann sich nur über große Zahlen ausgleichen, wenn die Vorgabewerte überhaupt richtig ermittelt wurden.
Ich habe den Eindruck, dass die Qualität der Zimmerbetreuung in den letzten Jahren in D nachgelassen hat (Bereich ** bis ****). Das kann durchaus mit dem Outsourcen der Leistung zusammenhängen.

Beitrag melden
Heinzel 19.06.2009, 12:22
337. Spargelstechen

Hier mal so ein typischer "Arbeitslose-zu-faul-zum-Spargelstechen-Kommentar", der gut zum thema passt:

"weil der deutsche Arbeitslose sich zu schade war für 4,60€/h zum Spargel stechen zu bücken" wenn die eu die grenzen für billigarbeitskräfte nicht geöffnet hätte, würden die billigarbeitskräfte durch dieses verhalten den lohn bis an die industrielle schmerzgrenze hochtreiben .... soviel zur diskussion mindestlohn

Dabei muss man bedenken, daß 4,60€/h z.B. in Polen viel mehr wert sind bzw. eine grössere Kaufkraft haben als in Deutschland.
Zum Spargelstechen kommen sogar Leute aus Polen, die dort Buchhalter in einer Firma sind. 4,60 pro Stunde lohnt sich für die.
Deshalb ist es ungerecht, diese Spargelstecher aus Polen mit "arbeitsunwilligen" deutschen Arbeitslosen zu vergleichen.

Beitrag melden
chevy57 19.06.2009, 13:14
338. Politik & Wirtschaft...

Zitat von achim68
Wenn wir ehrlich sind haben diese Verbände ja nur die Möglichkeiten genutzt die die Politik ihnen geschaffen hat.
Claro, das ist ja immer so: Wenn man systemseitig der Gier Tür und Tor öffnet, braucht man sich hinterher nicht darüber zu wundern, dass es Leute mit ausreichend krimineller Energie gibt, die solche Gegebenheiten denn auch weidlich ausnutzen...
Zitat von achim68
Im Gegensatz zu vielen Anderen hier glaube ich nicht das Schröder und co. diese Mißstände damals gewollt haben, aber die Gesetzlage hat sie ohne Zweifel gefördert...
Nee, man hat den entsprechenden Interessenverbänden schlicht und ergreifend das handeln überlassen. Dürfte ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein, dass in vielen Ministerien Mitarbeiter von Unternehmen sitzen, welche DIREKT an der Konstruktion von Gesetzen und Verordnungen mitwirken. Da braucht man sich doch über nichts mehr zu wundern...Außerdem fing das alles schon unter Kohl an, Schröder und Konsorten haben dem einstmals gut funktionierenden System namens "Soziale Marktwirtschaft" nur noch den letzten, quasi den Todesstoß versetzt.

Eine ganze Wirtschaftsordnung, den Wölfen zum Fraß vorgeworfen. Und heute wundern sich dieselben Gestalten, warum niemand mehr ihre Partei wählen mag...

Beitrag melden
jdm11000 19.06.2009, 13:56
339. Mindestlohn?

Zitat von PaulNeu
3,56 Euro Stundenlohn ist schlicht und einfach kriminell. Wenn in unserem Lande so etwas möglich ist, hat die Politik versagt. Hier muss schnellstens etwas geschehen, nämlich Einführung von Mindestlöhnen, die allerdings berufsbezogen sein sollten und in Relation zum gesamten Lohnniveau stehen müssen.
Mindestlohn ist, so glaube ich, die falsche Lösung. Es wäre doch viel besser, wenn wir nicht ständig von der Politik durch komische Vorgaben gegängelt werden, die Steuerpresse ohne Ende angezogen wird und somit ein normales wirtschaftliches Leben nicht mehr möglich ist. Es ist doch vollkommen ungerecht, dass diejenigen, die Mitarbeiter einstellen wollen, als "Geldsäcke" oder "Kapitalisten" verschriehen sind - und dann auch auch das tun, was ihnen übrig bleibt: Menschen auszubeuten!

Wenn die Politik nicht versteht, daß man wirtschaften nicht kann, wenn man den Leuten, die das wollen, die Luft abdreht, dann werden wir das erhalten, weshalb die DDR unterging. So einfach ist das Spiel - nur dann sind die verantwortlichen Politiker längst alt und grau und eh für nichts verantwortlich.

Solche Löhne sind leider ein Auswuchs unserer Politik - und nicht der brutale Kapitalismus, den viele hier zu sehen glauben.

Anders gesagt: wenn jemand einen besseren Job angeboten bekäme, müßte er/sie auch nicht für einen Sklavenlohn arbeiten gehen!

:-)

Beitrag melden
Seite 34 von 37
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!