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Arzt im Ecstasy-Rausch: Zu high zum Helfen
DER SPIEGEL

Das Landgericht Gießen verurteilt einen Narkosearzt wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen: Seine Freundin starb im gemeinsamen Ecstasy-Rausch. Von Julia Jüttner

Grorm 25.07.2016, 22:07
1.

Eey, das würde ein Arzt jetzt auch machen? Ich dachte der Mann wäre Arzt und sollte gerade als Anästhesist mit Notfällen vertraut sein, jede Klinikanästhesie betreibt eine Intensivstation, viele Anästhesisten haben auch die Zusatzbezeichnung "Notarzt". Wenn er unter Extasy nicht funkioniert, kann er auch nicht damit umgehen, wie er behauptete, oder ist schlichtweg nur ein sehr schlechter Arzt, was ich persönlich eher vermute.

Was ich juristisch nicht begreife, ist der "versuchte Totschlag durch Unterlassen". Wieso "versucht"? Die Frau ist tot, somit ist die Tat vollendet. Bleiben also noch fahrlässige Tötung oder Totschlag, wenn man wie das Gericht - ich nach den zugegeben spärlichen Informationen auch - bedingten Vorsatz annehmen will. Und das durch aktives Tun, nämlich das Verabreichen von überhöhten Amphetamindosen, nicht durch Unterlassen mit der "Krücke" Garantenstellung. Bin mal gespannt, was andere Juristen dazu schreiben! Mir persönlich fehlt im Urteil noch das Verbot, jemals wieder als Arzt arbeiten zu dürfen. Ok, das wird die Ärztekammer übernehmen, hoffe ich zumindest.

Zum Kind in der Wohnung schreibe ich mal nichts, da das nichts zur Sache tut, es zeigt höchstens den höchst zweifelhaften Charakter des Täters auf ...

P.s.: "Schnaufen" ist übrigens kein Verb, das Mediziner verwenden, zumindest nicht in den Häusern in denen ich arbeitete. Ein Pferd oder ein Rind "schnauft", ein Mensch atmet immer noch!

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Denkt mal selber nach 27.07.2016, 22:48
2.

Zitat von Grorm
Eey, das würde ein Arzt jetzt auch machen? Ich dachte der Mann wäre Arzt und sollte gerade als Anästhesist mit Notfällen vertraut sein, jede Klinikanästhesie betreibt eine Intensivstation, viele Anästhesisten haben auch die Zusatzbezeichnung "Notarzt". Wenn er unter Extasy nicht funkioniert, kann er auch nicht damit umgehen, wie er behauptete, oder ist schlichtweg nur ein sehr schlechter Arzt, was ich persönlich eher vermute. [...] Zum Kind in der Wohnung schreibe ich mal nichts, da das nichts zur Sache tut, es zeigt höchstens den höchst zweifelhaften Charakter des Täters auf ... P.s.: "Schnaufen" ist übrigens kein Verb, das Mediziner verwenden, zumindest nicht in den Häusern in denen ich arbeitete. Ein Pferd oder ein Rind "schnauft", ein Mensch atmet immer noch!
Das zeigt wieder einmal auch Ärzte sind nur Menschen, wie es sie in vielen anderen Berufsgruppen gibt. Es gibt verdammt gute, viele durchschnittliche und auch solche mit zweifelhaftem Charakter und Urteilsvermögen.

Genau wie sie, frage ich mich, ob dieser Mensch weiter als Arzt tätig sein darf.

Aus meiner Sicht hat er sich mehrfach disqualifiziert. Regelmäßiger exzessiver BTM-Konsum und mangelndes Urtailsvermögen, dazu einen eigenen großen Vorrat an BTM gestanden, bei dem wohl klar sein dürfte, wie er dazu kam.

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querollo 30.10.2016, 13:08
3. Tod durch Arzt

Ich muss offen gestehen, dass ich die ausgesprochen milde Strafe - und insbesondere die Bewährung - überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Der Mann hat den Zustand, der später zum Tode führte, aktiv hergestellt. Er war es, der die Drogen erworben und verabreicht hat. Ich schließe damit die Selbstverantwortung des Opfers die Drogen abzulehnen nicht aus, möchte aber darauf hinweisen, dass was in der Folge passiert ist, ja kein Ereignis ist, das vollkommen überraschend aus dem Blauen heraus eingetreten ist. Vor allem ist es kein Ereignis, das einen Arzt überfordern sollte.

Als Arzt hatte er die fachliche Kompetenz und eine besondere Verantwortung dem Opfer gegenüber. Weitere Verantwortung erwächst ihm dadurch, dass sie seine Lebensgefährtin war. Er hatte die Möglichkeit und die Gelegenheit Hilfe zu rufen und er war offenkundig auch dazu in der Lage. Ob das dem erklärten Wunsch des Opfers entsprochen hätte oder nicht, ist dafür doch völlig bedeutungslos. Als Arzt und Freund des Opfers hatte er die Verpflichtung, tätig zu werden. Er hat das, vermute ich, nicht getan, weil ihm klar war, dass er der Verursacher dieser Situation ist und die Konsequenzen fürchtete (was der Anruf bei seinem Vater in seiner Funktion als Anwalt vermuten lässt). Und dieses milde Urteil gibt ihm Recht.

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Domainator 07.08.2017, 14:07
4.

Und wieder einmal geht es nur um den Angeklagten und nicht um das Opfer und ihre Familie.
Der Totschlag gilt nur als versucht, trotzdem die Frau tot ist. Muss ich das verstehen?
Ich denke, unsere Justiz hat ein Riesenproblem. Gerade für einen Arzt, der wissen sollte, was passieren kann, ist dieses Urteil vollkommen unangemessen. Hier wäre ein wesentlich härteres Urteil zusammen mit einem Entzug der Approbation wesentlich gerechter.

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