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Behinderung und Sprache: Inklusion, wie sie sein sollte

Schluss mit der Sprachmaskerade. Aus Respekt vor Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, sollte man diese eingeschränkten Fähigkeiten auch benennen dürfen. Silke Burmester über Behinderten-Witze und Inklusion - SPIEGEL ONLINE

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phillip.fry 08.12.2013, 09:04
1. Super!

Ganz genauso sehe ich das auch! Harald Schmidt sagte schon vor vielen Jahren, dass auch Behinderte ein Recht auf schlechte Witze haben, alles andere sei Ausgrenzung.
Guter Artikel!

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zursachet 08.12.2013, 09:11
2.

Zitat von sysop
Schluss mit der Sprachmaskerade. Aus Respekt vor Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, sollte man diese eingeschränkten Fähigkeiten auch benennen dürfen.
Frau Burmester, ich bin gespannt auf die Reaktionen. Alls jemand ohne ersichtliche körperlichen und sinnlichen Einschränkungen finde ich Ihren Standpunkt gut und logisch schlüssig. Aber Inklusion geht über körperliche Beinträchtigungen hinaus. Was ist mit anderen Minderheiten (auch so ein Wort...)? Dürfen diese auch mit den gleichen schlechten Witzen bedacht werden? Ich weiss nicht.

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süßkartoffel 08.12.2013, 09:27
3. Arroganz statt Witz

Ich denke, die Entschuldigung eines Herrn Ringel (wer auch immer das ist) ist nicht deshalb fällig, weil er versucht hat, einen Witz über einen Blinden zu machen. Was ihn wirklich total disqualifiziert ist der erste Teil seines Statements: "...dafür braucht es doch keine Fernsehreportage. Der Weg des blinden Fußballers lässt sich doch in wenigen Worten nacherzählen." Wie heißt es so schön: Arroganz ist die Fähigkeit, auf die eigene Dummheit stolz zu sein. Herr Ringel scheint keine genaue Vorstellung davon zu haben was es für eine Leistung bedeutet, im Sport etwas zu erreichen. Und dass ein Blinder, der dieses Ziel erreicht hat, darauf nicht nur sehr stolz sein kann, sondern in der Tat einer Fernsehreportage würdig ist, dürfte wenigstens der breiten Mehrheit denkender Menschen klar sein. Es ist wohl diese dümmliche Überheblichkeit eines Mittelklasse-Schreiberlings (ganze 3 Fundstellen bei Google, zwei davon via amazon...), die hier so dermaßen daneben ist. Menschen mit Behinderungen haben meiner Erfahrung nach durchaus die Fähigkeit, auch über sich selbst zu lachen. Aber nicht über Arroganz und Überheblichkeit...

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carita3120 08.12.2013, 09:29
4. unfreiwillige Komik

"vors Scheinbein gehauen hat". War das Bein doch nicht echt? Auch das Komma in der Überschrift ist überflüssig.

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theresarain 08.12.2013, 09:33
5. Sie haben ja recht, aber ...

der Witz war trotzdem extrem geschmacklos. Genauso, als würde man sich über rote Haare, helle/dunkle Hautfarbe, Augenfarbe etc. lustigmachen. Sich über Merkmale eines Menschen lustig zu machen, für die er nichts kann, geht einfach nicht. Das verbietet ganz schlicht der altmodische Anstand. Handlungen kritisieren oder auch mal veräppeln, ja. Merkmale eines Menschen, nein. Dazu kommt natürlich noch, dass Dinge, die als "unnormal" wahrgenommen werden und sich darum darüber lustiggemacht wird, ganz besonders heikel sind. Der berühmte wunde Punkt einer Person. Insofern, nein, der Witz ging wirklich nicht. Stellen Sie sich vor Frau Burmester, jemand geht hier statt auf die Inhalte ihrer Texte nur auf Ihr Äußeres ein und lässt im Zusammenhang ein paar zotige Blondinenwitze fallen. Der würde, ganz zu Recht zensiert. Das ist einfach ein Verhalten, das nicht geht - auch nicht, wenn eine Zeitung selbst (bzw. deren Mitarbeiter) sich so verhält.

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Baron Bauarbeiter 08.12.2013, 09:33
6. Es gibt viel zu tun

Silke Burmester über Behinderten-Witze und Inklusion - SPIEGEL ONLINE[/QUOTE]

[QUOTE=sysop;14403318]Schluss mit der Sprachmaskerade. Aus Respekt vor Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, sollte man diese eingeschränkten Fähigkeiten auch benennen dürfen.

Kurt Krömer verteilt seine Boshaftigkeiten gerecht im Publikum, da werden auch Menschen mit Behinderung nicht geschont, und das ist - gut so - finde ich! Und Krömer Fans mit Behinderung finden das wohl auch gut.

In welchem Maße Menschen behindert werden, liegt wohl in erster Linie an der Umgebung, in der sie Leben, weniger daran, was sie von der Mehrheit - der vermeintlichen "Norm" - unterscheidet. Wird die Umgebung, die Umwelt so geplant und gebaut, dass alle Menschen, die sich in ihr Bewegen gedacht wird, liegen für nahezu keinen Menschen Behinderungen vor. Werden die gesellschaftlichen Resourcen dazu so verteilt, das jeder die Hilfe in Form von menschlicher und technischer Unterstützung erfährt, die nötig ist, wird der Kreis derer, die wirklich stark eingeschränkt sind, bedeutend kleiner als er es bisher war.

Menschen mit besonderen Fähigkeiten klingt fast zynisch für mich. Die hat im Grunde jeder, und wenn sie gefördert werden, ob bei Menschen mit oder ohne Behinderung, stehen die Chancen gut, dass jeder seine Talente entfalten kann.

Ich muss aufpassen, nicht zu weit auszuholen. Zu viel sehe ich in unserem Land, unserer europäischen Gesellschaft, dass aus meienr Sicht dringend und grundlegend überarbeitet gehört. Das fängt bei der Bildung an. Wenn Kinder aus armen Familienen daran gehindert werden -behindert werden - ihre Talente zu entfalten, dann wird deren Teilhabe an der Gesellschaft auch eingeschränkt.

Sei noch der Frontalunterricht erwähnt. Ein Lehrer, 25-30 Schüler. Projekte, in denen zumindest zweitweise 2 Lehrer sich um die Schüler kümmern, kommen kaum vor. Und das, obwohl da gezielt gefördert werden kann. Armut und Behinderung, Menschen mit diesen Merkmalen werden behindert, daran gehindert, sich zu entfalten und voll einzubringen in Leben.

Und das es nach wie vor Erniedrigungen gibt durch Lehrer, ist leider auch immer noch aktuell. Es gibt viel zu tun, umzubauen und aufzubauen.

Steuerverschwendung eindämmen. Steuern rauf für Einkommen aus Vermögen! Denn Geld kostet das auf jeden Fall. Und das fällt nicht vom Himmel. Aber ist vorhanden in unserem Land, in der EU.

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mazzeltov 08.12.2013, 09:45
7.

Die Ansichten zur Unsitte der Political Correctness teile ich durchaus. Aber das ist keine Legitimation für schlechte Witze auf Kosten anderer.

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uksubs 08.12.2013, 09:51
8. .....nein....

es geht nicht.
im gegensatz zu schotten oder blondinen geht es ja hier nicht um vorurteile, sondern um tatsachen.
ich denke, es ist immer ein einzelfall. man kann sich über behinderte ruhig mal lustig machen - dann sollten aber nicht unbedingt kinder und auch behinderte nicht dabei sein. beispiel aus meiner jugend ist dieser witz, der endet mit "klatsch mal -keine arme, keine plätzchen". ich wüßte nicht, wie der vor anderen kindern oder eben behinderten zu rechtfertigen ist. als witz, kleine gemeinheit kann dies sicher in einer bestimmten situation gehen. aber nicht in jeder. einer zeitung sollte man dies in einer kolumne mal durchgehen lassen......

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Rickie 08.12.2013, 10:00
9. Sie haben Recht, aber...

Dinge, die sind, benennen dürfen, ist wichtig. Schon allein für eine vernünftige Kommunikation. Aber das mit den Witzen auf Kosten Behinderter ist wohl etwas schwieirg. Ein Ostfriese wird sich kaum minderwertig fühlen, weil er Ostfriese ist. Eine Blondine wird sich auch nicht minderwertig fühlen, weil sie Blondine ist. Sich als Behinderter wegen der Behinderung nicht minderwertig zu fühlen, ist wahrscheinlich eine Leistung, die permanent Anstrengung erfordert. Und solche Witze sind etwas, was einen da wahrscheinlich ziemlich zurückwerfen kann. So stelle ich mir das zumindest vor.

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