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Beschneidungen im Judentum: Unter die Haut
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Die Beschneidungsdebatte ist überfrachtet mit Vorurteilen, Unterstellungen - und manchmal himmelschreiender Unwissenheit. Die Gegner bemühen den Kinderschutz, dabei wird der nicht auf dem OP-Tisch bei der Entfernung der Vorhaut missachtet, sondern im deutschen Alltag. Schluss mit der Doppelmoral! Beschneidungen im Judentum: Kinderschutz und Doppelmoral - SPIEGEL ONLINE

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Obi-Wan-Kenobi 27.07.2012, 15:28
10.

Zitat von sysop
Weil die Eltern, beide Demokraten, , ihren Kindern einen Sinn dafür vermitteln wollen, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie gehören. Weil sie wissen, dass Kinder einen Rahmen , ein Wertesystem, eine und Tradition.
mit allem gebotenem Respekt, aber zwischen "offen und liberal" und "Kinder brauchen Religion" seh ich einen gewissen Widerspruch.
Das mag vor ein paar hundert Jahren noch anders gewesen sein, aber wofür braucht man heute eine Religion?

Als mich mein Kleiner das erste mal gefragt hat, woher wir kommen hab ich ihm erklärt, dass er, wie alles auf der Erde, aus Sternenstaub gemacht ist und irgendwann auch wieder dazu wird und dann etwas neues entsteht. Die Erklärung hat ihm sogar besser gefallen als das was ihm sein Religionslehrer vermittelt hat und das ist noch nicht mal gelogen. :-)

Um ihm einen Rahmen und ein Wertesystem zu vermitteln musste ich noch kein einziges Mal eine Religion bemühen.

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Maynemeinung 27.07.2012, 15:29
11. Kaum zu ertragen

Mit fortschreitender Debatte werden alle Niveau-Grenzen nach unten durchschlagen. Bislang folgten Meinungsbeiträge zu Thema noch dem Muster, dass man das, was man behauptete, begründen musste.
Jetzt haben die religösen Eiferer übernommen. Begründungen sind jetzt überflüssig.
Beispiele gefällig?
Zitat von sysop
(...) der Sohn wird kurz nach der Geburt beschnitten. Damit zu warten, würde bedeuten, ihm eine wichtige Orientierung vorzuenthalten. (...)
Und welche Orientierung genau ist es, die ihm am neunten Tage seiner irdischen Existenz vorenthalten worden wäre? Hat man ihm erklärt, warum da, wo gestern noch sein Piephahn war, heute ein schmerzender Verband ist?
Zitat von sysop
Die Hingabe, mit der manche nun erörtern, ob die Beschneidung gesundheitliche Vorteile hat oder nicht, erübrigt sich.
Äh, was, wo, wieso? Und wer bestimmt das? Die religiösen Sittenwächter oder weltliche Gerichte?

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axiom 27.07.2012, 15:29
12. Nun, denkt an die Kinder...

... und diese gibt es wohl in allen Altersklassen bis ins Erwachsenenalter.
Haben diese jemals im nennenswerten Umfang geklagt?

Zur Zukunft: Die Risiken dass die Eltern oder Chirurgen verklagt werden steigen, sobald diese ein kritisches Niveau erreichen, werden die Riten angepasst. Ich denke das die Beschneidung im Erwachsenenalter kein Problem.

Zur Gegenwart: Die erhöhten Risiken müssen heute in die Kosten der Beschneidung einfliessen. Der Gesetzgeber soll Gefängnis-Strafen ausschliessen und Versicherungen den ausführenden Chirurgen und den Eltern einen Versicherungsschutz gegen die eventuell klagenden Kinder bieten.

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Bengurion 27.07.2012, 15:30
13. Ein guter Diskussionsbeitrag

Es IST ein guter Diskussionsbeitrag aus berufener und berechtigter Zunge.

Natürlich werden die Kommentarseiten wieder schnell in die Höhe schießen. Alle Argumente der vergangenen Wochen werden wieder genannt werden, der Link zum Metzgervideo wird wieder genannt werden, obwohl es eben auch andere Videos gibt, welche die Beschneidung unter modernen, medizinischen Bedingungen zeigt, diese 5, 6 Sekunden Schnitt unter örtlicher Betäubung, aber egal, die Diskussion ist soweit - was die Beschneidung betrifft - ausdiskutiert. Zur Ruhe kommen wird sie allerdings wohl erst nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts oder des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte.

ABER, worauf dieser Beitrag den Finger richtig legt, ist die im letzten Absatz genannte Frage: Warum? Was ist genau der Grund für diese Aufregung?
Abseits aller Aufgeregtheit erwarte ich von allen Befürwortern des Kölner Urteil hier mindestens einen Moment des Nachdenkens, vielleicht ja sogar die Einsicht, dass es Bereiche des Lebens geht, wo sich trefflicher um Rechte von Kindern und Wohl von Kindern diskutieren und streiten lässt, als bei der Frage der Beschneidung von Jungen.

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PeterPan95 27.07.2012, 15:31
14. 2 Fehler im Artikel

"Weil sie wissen, dass Kinder einen Rahmen brauchen, ein Wertesystem, eine Religion und Tradition."
Rahmen, Wertesystem und Tradition gibt es auch ohne Religion - auf Religion kann man auch getrost verzichten und trotzdem ein anständiger Mensch sein/werden. Genauso wie man trotz Religion ein Depp sein/werden kann.

"Im letzten Jahr mussten im Durchschnitt jede Woche fast drei Kinder in Deutschland sterben, weil sich niemand um sie gekümmert hat oder sie direkter Gewalt ausgesetzt waren. Der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen hat um fast fünf Prozent zugenommen. Als diese Zahlen im Mai herauskamen, haben sich nur wenige Kommentatoren für das Wohl dieser Kinder interessiert."

Das ist ziemlich perfide: Eine Aktion dadurch rechtfertigen zu wollen, dass etwas anderes ja viel "schlimmer" sei. Damit instrumentalisieren Sie die Opfer.
Ich finde irgendwie beide Seiten ziemlich bescheuert: Diejenigen, die es als Tradition empfinden an Kindern rumzuschnippeln - Soll doch derjenige selber entscheiden, wenn er alt genug ist! Ebenso bei Taufen, Firmungen und wie der Kram so heißt. Eltern sollten nicht die Seele ihres Kindes verkaufen dürfen. Ist es in 200 Jahren dann auch Tradition, sich unters Messer zu legen wenn man zu dick ist, und wendet das dann bei Kindern an?

Sich jetzt öffentlich zu empören, nur weil das Thema grade hochgekocht wird. Bisher wurde es geduldet, scheinbar ohne dass es beanstandet wurde. Nun gibt es einen Richterspruch, und damit ist doch die Diskussion beendet? Da muss man doch nicht mehr groß und breit darlegen wie grausam man das findet?

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Izmi 27.07.2012, 15:31
15. Grundgesetz lesen!

Zitat von sysop
Die Beschneidungsdebatte ist überfrachtet mit Vorurteilen, Unterstellungen - und manchmal himmelschreiender Unwissenheit. Die Gegner bemühen den Kinderschutz, dabei wird der nicht auf dem OP-Tisch bei der Entfernung der Vorhaut missachtet, sondern im deutschen Alltag. Schluss mit der Doppelmoral!
Zitat: "Die Beschneidung ist nicht nur das Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Juden, sondern auch das körperliche Zeichen, dass diese Verbindung von Generation zu Generation weitergegeben wird."
Es wird dem lieben Goot wohl schwer werden, hier zwischen Juden und Moslem zu unterscheiden. Vor allem, da beide Religionen an den Einen Gott glauben.
Und dass gerade diese Glaubensgemeinschaften sich so sehr spinnefeind sind, trotz aller Ähnlichkeiten in Grundsatzfragen, macht es dem Herrn bestimmt nicht leichter.
Der als rückständig vielgescholtene Islam ist in der Frage der Bescheidung schon etwas (etwas!) weiter: die männlichen Kinder werden nicht im zartesten Babyalter verstümmelt.

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sensenstiel 27.07.2012, 15:32
16. Meinungsmache?

also neutral kann man den Artikel wahrlich nicht nennen.
Dass oft schwerwiegende psychische Folgen beobachtet wurden - durch qualifizierte Mediziner - ist unbestritten, auch wenn es die Befürworter nicht wahr haben wollen.

Man sollte mal überlegen, ob die zum Teil grausame und gefühlskalte Einstellung von diversen Fundis nicht auf eine post-traumatische Belastungsstörung durch die Beschneidung zurückzuführen ist.

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emefer 27.07.2012, 15:32
17. Es ist und bleibt ...

... eine Körperverletzung, die, wenn im Kindesalter vorgenommen, der Zustimmung des Verletzten entbehrt, abgesehen davon, dass er eines Teils seiner sexuellen Sensibilität beraubt wird.

Was *ich* nicht nachvollziehen kann, ist, was die Ablehnung der Beschneidung bei Unmündigen mit einer im letzten Absatz angedeuteten Tolerierung von Gewalt und sexuellem Missbrauch gegen Kinder zu tun haben soll. Dieser Bezug ist rein polemisch.

http://www.circumstitions.com/Utis.html
http://www.jewsagainstcircumcision.org/

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dr_mo 27.07.2012, 15:33
18. Weder Kinder...

... noch irgendwer braucht eine Religion.
Mit Erreichen der Religionsmündigkeit kann ein jeder sich das selber aussuchen.

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eilaender 27.07.2012, 15:36
19. Christ und Jude

... bin ich Beides nicht - aber natürlich in der deutschen Gesellschaft groß geworden. Irgendwann wurde mir klar dass ALLE Glaubenssyteme auf unkritisch und blind übernommenen Konzepten beruhen.
Moses und Jesus können nichts dafür dass ihnen die Massen hinterherlaufen um doch nur auf ihre Priester hereinzufallen die gleich nach dem Ableben des Vorbildes das Ruder übernommen und die Lehre gründlich verfälscht haben.
Eine traurige Tatsache den Glauben über die eigene noch ungebrauchte Intelligenz zu stellen und jede Kritik über Bord zu werfen. Aufgeklärtere Menschen irren auch, aber sie kuscheln nicht gerne in Traditionen und Konformität um in Gemeinschaft Gleichgläubiger akzeptiert zu werden - sie üben sich jedoch in wachsender eigener Kompetenz.
Beschneidung kann nur eine medizinische Empfehlung sein, aber doch kein Glaubens-Konzept. Wer das nicht kapieren will, der heult lieber mit der Meute und glaubt dabei er wäre besonders tolerant.

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