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Beschneidungsdebatte: Ein großer Schnitt für den Rechtsstaat
DPA

Kindeswohl und Religionsfreiheit - was hat Vorrang? Der Bundestag will das schwierige Thema Beschneidung gesetzlich regeln. Tatsächlich gibt es gute Gründe, die westliche Liberalität im Umgang mit der Vorhaut genau zu überprüfen. Beschneidungsdebatte: Politische und juristische Komplikationen - SPIEGEL ONLINE

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ja-sowieso 24.07.2012, 11:38
1.

Zitat von sysop
Kindeswohl und Religionsfreiheit - was hat Vorrang? Der Bundestag will das schwierige Thema Beschneidung gesetzlich regeln. Tatsächlich gibt es gute Gründe, die westliche Liberalität im Umgang mit der Vorhaut genau zu überprüfen.
Wer noch nicht bei einer Beschneidung eines Säuglings dabei war, der kann auf Youtube ein Video finden. Das ist allerdings altersbeschränkt.

Hier THE SYSOUT: .. the most sensitive part wird es oben verlinkt.

Brr. Gruselig.

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kobalt55 24.07.2012, 11:41
2.

Diese Frage läst sich immer an der Kernfrage festmachen-RECHT ODER BEZIEHUNG?-.Hier müssen sich alle beteiligten Parteien,ganz ehrlich hinterfragen,um was es ihnen wirklich geht.
Strafen und Verbote werden jedenfalls hier nicht fruchten.Nur eben die Menschen zum lügen erziehen.Kann man das denn wollen???
Wenn ein Konsens unbedingt gewollt wird,so wird sich dieser auch
finden lassen.Eher sollte es uns Sorge machen,das nicht Politik von Religion oder Religion von der Politik für eigene Zwecke mißbraucht wird.Welches in den letzten 2000Jahren viel zu oft geschah.

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Peter_Brehmhaus 24.07.2012, 11:42
3. optional

"Sollen deutsche Juristen deutschen Juden erklären, was es mit ihrer Menschenwürde auf sich hat?"

Vielleicht könnten deutsche Juristen wertfrei erklären, das in Deutschland die Menschenwürde, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, unabhängig von der Religion der Eltern für jeden Säugling gilt. Und höher zu werten ist als die Religionsfreiheit der Eltern. Die können doch für sich selbst entscheiden was immer sie wollen.

Ich darf meine Kinder ja auch nicht körperlich züchtigen, obwohl das laut Bibel ausdrücklich von mir verlangt wird.

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oma_kruse 24.07.2012, 11:44
4. Gutes Fazit

Der Schlusssatz des Artikels bringt die Problematik gut auf den Punkt:

"Menschenwürde der Eltern gegen Menschenwürde des Kindes: Dieser Verfassungskonflikt besteht freilich nur aus nicht-jüdischer Sicht. Den betroffenen Eltern, dem Arzt, dem Rabbi und sehr wahrscheinlich auch dem Kleinen, wenn er mal groß ist, wird es nicht einleuchten, warum die Beschneidung den Kern der kindlichen Persönlichkeit, seine Menschenwürde, verletzt.
Sollen deutsche Juristen deutschen Juden erklären, was es mit ihrer Menschenwürde auf sich hat?"

Für Atheisten und Christen mag die Beschneidung eine Schädigung des Kindeswohls sein, für Juden und Muslime ist die Beschneidung unabdingbar für das Kindeswohl.

Man kann nun den Minderheiten die eigene Sicht gewaltsam per Gesetz aufzwingen oder man akzeptiert, dass es in bestimmten Punkten unterschiedliche, ethische Vorstellungen gibt und respektiert den anderen, so wie er ist.

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Mr. Wolf 24.07.2012, 11:45
5. Wir Tinniten freuen uns schon

Mit freudiger Erwartung blicken wir von der Glaubensgemeinschaft der Tinniten auf die anstehende Beschneidungs-Gesetzgebung im Bundestag.
Dann koennen wir endlich den Kindern in unseren Gemeinden die Ohrlaeppchen abschneiden.
Schliesslich ist die Entlaeppung die Grundvoraussetzung dafuer, dass man nach seinem Tode in die grosse Cochlea einziehen darf, wo man dem goettlichen Gesang vom grossen Tinnitus am naechsten ist, anstatt bis zum juengsten Gericht im dunklen Meatus acusticus Schmalz wischen zu muessen.

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Christian Wernecke 24.07.2012, 11:47
6. Feigheit!

Zitat von sysop
Kindeswohl und Religionsfreiheit - was hat Vorrang? Der Bundestag will das schwierige Thema Beschneidung gesetzlich regeln. Tatsächlich gibt es gute Gründe, die westliche Liberalität im Umgang mit der Vorhaut genau zu überprüfen.
Ein Artikel mit vielen Fragen und wenig Mut zum Standpunkt. Die Beschneidung von Kindern ist falsch, auch wenn dies religiös getrieben ist. Wäre dies anders, dürfte man sich über die Beschneidung von Mädchen in Afrika nicht aufregen. Hier besteht ja Konsens, dass dies nicht korrekt ist. Ist das Problem aber im eigenen Land und hat man es auch noch mit Fragen des Judentums oder des Islam zu tun, scheut man sich vor einer klaren Ansage und übt sich in Selbstzweifel, wie es hier in diesem Artikel zum Ausdruck kommt. Ich nenne das Feigheit.

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mathematicus 24.07.2012, 11:48
7. Wieso?

"Die Religionsfreiheit der jüdischen Eltern, ihre Kinder beschneiden zu lassen, kann auch nach den Regelungen des Grundgesetzes das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit beschränken."

Das verstehe ich nicht, wie kann man das begründen? Für mich hört Religionsfreiheit eben da auf, wo sie das Leben (oder in diesem Fall sogar die körperliche Unversehrtheit) anderer berührt.

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Gebetsmühle 24.07.2012, 11:52
8. die wissen nicht, was sie regeln sollen???

Zitat von sysop
Kindeswohl und Religionsfreiheit - was hat Vorrang? Der Bundestag will das schwierige Thema Beschneidung gesetzlich regeln. Tatsächlich gibt es gute Gründe, die westliche Liberalität im Umgang mit der Vorhaut genau zu überprüfen.
ist doch ganz einfach: geregelt werden soll, dass religiöse riten jedweder art durch religionsfreiheit gedeckt sind, völlig egal ob sie andere menschenrechte verletzen, oder nicht. es geht einzig und allein dadrum, die religionsfreiheit von eltern als das alleroberste menschenrecht einzumsetzen, weit über allen andren. geregelt werden soll weiterhin, was eltern alles ihren kindern antun dürfen, um ihre religion frei auszumüben. das muss doch relativ einfach sein. schreibt einfach ein neues grundgesetz mit einem vorwort, in dem steht, dass religionsfreiheit das oberste aller menschenrechte ist und eltern mit ihren kindern nach belieben verfahren dürfen. und dann paßt das schon.

übrigends: das grundgesetz gilt für jungen und mädchen, aber das neue grundgesetz soll ja dann nur für jungen gelten. das muss unbedingt berücksichtigt werden. für mädchen gelten weiterhin die alten menschenrechte, weil denen dürfen ja auf keinen fall im babyalter aus religiösen gründen körperteile amputiert werden.

ich bin sicher, unsere parlamentszecken bekommen das neue grundgesetz dann schon ganz gut hin. vorher müßten sie aber noch das verfassungsgericht entmachten, dann wird das total easy.

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reinhardkoehler 24.07.2012, 11:52
9. zu kurz gedacht

Die Problematik Christentum/Islam/Judentum also Religion und Beschneidung von Jungs ist schon sehr umfänglich beschrieben und diskutiert worden. Dennoch ist es zu kurz gedacht. Wie wollt Ihr hier noch die sicherlich von allen nicht wünschenswerte Beschneidung kleiner Mädchen verhindern? Denn wie auch immer die Begründung und gefundene Lösung aussehen mag, so schwierig sie zu finden auch sei, kann sie (wenn's in Deutschland auch hofentlich nur theorisch wäre) für die Eltern, die aus irgendeinem alteingessenen afrikanischen Stamm kommen für die Beschneidung ihrer Tochter herangezogen werden. Art. 3 GG "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich") gilt dann auch hier. Darauf zu vertrauen, dass sich kein Arzt dazu bereit erklären würde, halte ich für naiv. M.E. läßt sich das nicht auseinanderhalten und deswegen wäre es auch unter dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht ggü. dem kleinen Kind zu verbieten. Zu verbieten zumindest so lange, bis sich der kleine Junge von Alter und Reife ähnlich einer Zeremonie der Firmung/Konfirmation selbst dazu entschließen kann. Das würde zumindest das Mädchenthema ausschließen, weil man darauf vertrauen darf, dass sich kein Mädchen für diese Prozedur entscheiden würde. Wem das zu lange dauert,schwierig, aber der sollte vielleicht seinem Sohn zu seiner erster Flugreise verhelfen. Keine gute Lösung, ich wüßte aber keine bessere. Da ist mir das Gebot der Unversehrtheit wichtiger.

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