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Bewegungsunfähiger Student: Sozialstaat gegen Constantin
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Er kann sich kaum bewegen, aber er studiert Jura, will arbeiten, vielleicht heiraten: Constatin Grosch, 20, wäre ein Musterbeispiel für die gelungene Inklusion behinderter Menschen - wenn ihn nicht die Sozialgesetze hindern würden. Constantin Grosch: Student kämpft für Inklusion - SPIEGEL ONLINE

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Tyrion Lannister 18.07.2013, 12:26
40. Nö!

Zitat von Constantin Grosch
Das Pflegepersonal wird vom Paritätischen mit einem Lohn um die 9,30 € bezahlt. Dies entspricht zumindest dem Mindestlohn. Da die meisten Studenten sind und daher 400€ machen, ist das, denke ich, in Ordnung. Für qualifiziertes......
Das geht Ihnen aber nicht nur in Ihrer Lage so... Sozialleistungen erhält man immer nur dann, wenn man diese auch benötigt. Sollten Sie für Ihre Versorgung selbst zahlen können, sind sie dazu auch verpflichtet. Das mag ungerecht erscheinen - auch jeder andere Berufstätige könnte seine Arbeit einfach hinwerfen und von Sozialleistungen leben, zwar auf einem niedrigeren Niveau, aber doch leben - ist aber m. E. nicht anders darstellbar.

Über die Freibeträge (und damit über die Anreize, sich eben nicht nur auf den Staat zu verlassen) kann man ggfs. noch diskutieren, aber nicht über diesen Grundsatz.

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sternfalke77 18.07.2013, 12:26
41. Es gibt noch viel zu lernen !

Zitat von Constantin Grosch
Das einzige, was stört, ist, dass wenn ich später nicht arbeiten würde, der Staat die Leistung komplett übernimmt, sobald ich aber arbeiten gehe, ich es selber zahlen muss.
Zunächst einmal erfüllen Sie sich Ihren Berufswunsch,- oder gar Traum (?)- allein für sich selbst,- und nicht für die Gesellschaft, oder nicht ?

Über die Höhe des Selbstbehaltes kann man ja geteilter Meinung sein, aber man bedenke auch, dass viele der zu erwartenden Aufwendungen steuerlich absetzbar sind/wären.
Und im übrigen erinnert mich das ein wenig an die privaten Gewinne im gegenzug zu den sozialisierten Kosten. Ein wenig " Neolib " ,- oder nicht ?

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kaiserbubu1 18.07.2013, 12:26
42. Ich könnte ein Buch darüber schreiben

Früher war ich "normal", selbständiger Unternehmer und habe gut verdient und vielen Menschen Arbeit geben können. Heute sitze ich im Rolli und bin zu 80 Prozent behindert. Ich erhalte eine kleine Rente und Grundsicherung. Ich habe unter Helmut Kohl nicht immer freudig 56 Prozent Steuern bezahlt und werde heute von diesem Sozialstaat wie ein drittklassiger Bettler behandelt. Die Art und Weise wie auf den Ämtern von Sachbearbeitern mit einem umgegangen wird ist manchmal sehr erniedrigend. Es gibt offensichtlich immer die Vermutung man sei ein Dieb. Fast alles wird abgelehnt. Barrierefreier oder gar behindertengerechter Wohnraum steht überhaupt nicht zur Verfügung und die Kosten der Unterkunft , die gezahlt werden reichen eben nicht um in Seniorenresidenzen Luxus Appartements anmieten zu können. Die sog sozialen Einrichtungen wie Caritas und Diakonie vermieten frei auch nur zu Wucherpreisen. Wenn man nicht geistig behindert ist wird man in unserem Sozialstaat in die Gosse gekippt. Wenn man allerdings die schönen Seiten der Ministerien und Wohlfahrtsverbände liest , glaubt man, man lebt im Paradies. Die Realität sieht aber anders aus. Wer körperbehindert ist hat verloren.

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olle kalle 18.07.2013, 12:27
43. 7-8000 € im Monat???

Welche/r Sonderpädagoge/in hat ein solch fürstliches Salär? Wo kommen die restlichen Kosten her?

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nettoeinzahler! 18.07.2013, 12:28
44. Selbstverwirklichung?

Zitat von Constantin Grosch
Das einzige, was stört, ist, dass wenn ich später nicht arbeiten würde, der Staat die Leistung komplett übernimmt, sobald ich aber arbeiten gehe, ich es selber zahlen muss. Warum soll ich denn dann überhaupt versuchen, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu erbringen?
Weil Sie es könnten. Weil es richtig wäre. Weil es auch Ziele geben sollte, die nicht nur mit Geld, sondern auch mit Selbstverwirklichung zu tun haben.

Eine ähnliche Frage könnten übrigens auch die zig 1000 Aufstocker stellen, die arbeiten gehen. (zugegebenermaßen haben die nicht immer eine Wahl).

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eine-Meinung-unter-Vielen 18.07.2013, 12:28
45. Wie weit sind Nicht-Behinderte von einer Behinderung entfernt ...

... gute Frage, nicht?

eine Antwort z.B.: "einen Verkehrsunfall" ... das kann schneller geschehen als gedacht ...

Solidarität ist eine gesellschaftliche Stärke, die der Gesamtheit nutzt und ich möchte sogar die Behauptung aufstellen, dass unter dem berühmten "Kohl'schen Strich" sogar mehr für alle herausspringt, als ohne Solidarität und zwar auch ökonomisch betrachtet ;)

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spon-facebook-10000109880 18.07.2013, 12:28
46. (A)sozialstaat

Was soll man dazu sagen. Wenn ich sehe wie viel Geld wir in Banken, Staaten usw stecken und dann nicht mal die paar "Pfennige" übrighaben, Leute wie Herrn Grosch zu unterstützen ... es ist echt erbärmlich und man muss sich einfach nur für diese schlechte Politik schämen. Genau so wie andere Menschen mit Behinderungen in Werkstätten arbeiten (ganz tags, natürlich auch nur so gut sie "können") und nicht mal auf das kommen v. Hartz 4 kommen und nicht mehr als ~ 1000 € sparen dürfen / können, weil der Landschaftsverband sonst den "Überschuß < 1000 €" einbehält. In der Pfelge und in der Unterstützung alter und behinderter Menschen, steckt ganz viel Potential Arbeitsplätze zu schaffen, aber die Politik hat da den Schuss nicht gehört ... und leider werden Sie nie, wie ein "normaler" Arbeiter in einem Altenheim landen, wo Menschen oft nur noch wie Ware behandelt werden. Sie werden nie zu spüren bekommen, was Ihre eigene Politik angerichtet hat. ... eig. schade wäre die gerechte Strafe

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bigteddy 18.07.2013, 12:29
47.

Zitat von catomaior
[...] Die Idee Gesetze nicht anzuwenden, sondern nach eigenem Belieben über die Anwendung zu entscheiden sollte für Bürger eines Rechtsstaats zumindest abenteuerlich erscheinen. [...]
Auch auf die Gefahr, dass es lächerlich klingt: Nur weil es im Gesetz steht, macht es nicht richtig. Gesetze sorgen für einen rechtlichen Rahmen, sie müssen nicht richtig sein. Und es sollte die Aufgabe einer Demokratie sein, daran zu arbeiten, Gesetze richtig hin zu bekommen. Sonst wird sie irgendwann von sich selbst gefressen, weil nur immer weniger Menschen recht haben, während immer mehr Menschen bemerken, dass dies nicht richtig ist...

Zitat von catomaior
[...] Sozialleistungen sichern ein Grundbedürfnis und nicht mehr. [...] Bei der Bemessung der Sozialleistungen gibt es keinen Anspruch auf vollständige Teilhabe an sämtlichen möglichen gesellschaftlichen Vorgängen. [...]
Sehen Sie, das ist eine Meinung, die dadurch verifiziert wird, weil es im Gesetz steht. Tatsächlich argumentieren Sie im Kreis, aber das ist Ihnen wahrscheinlich egal, denn Sie haben ja recht. Und das ist es, worauf es ankommt. Wie die Lämmer ins Schlachthaus...

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bigteddy 18.07.2013, 12:34
48.

Zitat von franko_potente
[...] Er ist zu selbständigem (über)Leben nicht in der Lage. [...]
Willkommen im 21ten Jahrhundert. Wissen Sie, Sie wären zu selbständigem Überleben auch nicht in der Lage, auch Sie benötigen dafür eine Gesellschaft, die dafür sorgt, dass Wasser, Nahrung und Obdach in dem von Ihnen bevorzugten Maße des Komforts zur Verfügung stehen. Hurra. Was für eine Erkenntnis.

Aber jetzt kommt's: Sie sind nicht das Maß der Dinge. Hart, ich weiß, aber so ist es nun mal. Der Grad an Komfort, den Sie für sich in Anspruch nehmen, ist eben nicht der Graf an Komfort, den Kollege Grosch benötigt.

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Tyrion Lannister 18.07.2013, 12:37
49. Nachtrag..

Zitat von Constantin Grosch
Das Pflegepersonal wird vom Paritätischen mit einem Lohn um die 9,30 € bezahlt. Dies entspricht zumindest dem Mindestlohn. Da die meisten Studenten sind und daher 400€ machen, ist das, denke ich, in Ordnung. Für qualifiziertes Personal aber definitiv zu wenig. Übrigens beschwere ich mich nicht darüber. Qualifiziertes Personal ist besser zu bezahlen - ohne Frage. Das einzige, was stört, ist, dass wenn ich später nicht arbeiten würde, der Staat die Leistung komplett übernimmt, sobald ich aber arbeiten gehe, ich es selber zahlen muss. Warum soll ich denn dann überhaupt versuchen, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu erbringen?
Ich finde es übrigens bemerkenswert (könnte auch "toll" sagen), dass Sie sich hier persönlich einbringen... über die sachlichen Differenzen hinweg meine Hochachtung für Ihren bisherigen Lebenslauf!

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