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Bildung: Astronomische Forderungen

Lobbyisten schlagen immer neue Schulfächer vor, von Verbraucherschutz bis Volksmusik - kein Hobby und kein Thema erscheint zu abseitig.

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aschu0959 22.12.2009, 11:35
70. Vorschläge zum Fach: Wohnen

Frage von vorsteuerzahler;

" Bei aller Phantasie kann ich mir nicht vorstellen, welche Gegenstände in "Wohnen" bearbeitet werden sollten. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen! "

Habe auch nur eine Vermutung: Wie überlebe ich unter einer Abdeckplane am Güterbahnhof oder unter einer Autobahnbrücke.
Die Billigjobs reichen ja ohnehin nicht, um sich eine Wohnung leisten zu können.

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Niolon 22.12.2009, 11:39
71. ...

Zitat von retmar
...Das Thema ist einfach zu wichtig und zu interessant, um es in viel zu wenigen Stunden in den Physikunterricht zu quetschen. Hier wurde schon die mögliche psychische Mehrbelastung für die Schüler angesprochen. Vielleicht sollte ein stressfreier Unterricht mit Seminarcharakter ohne übertriebene Benotung stattfinden? Einfach eine selbst erarbeitete Jahresabschlussarbeit, welche nach Umfang, Themenvielfalt und Richtigkeit der Angaben bewertet wird? Es gibt genügend andere Fächer, die durch aufgezwungenes stupides Pauken an Attraktivität verloren haben.
Naja für ein neues Schulfach muss ein altes gestrichen werden. Die Zeit in der Schule ist halt begrenzt. Warum diesen Stressfreien Seminarcharakter nicht in einer AG am Nachmittag?

Zitat von retmar
Astronomie ist einfach ein Fundament für ein gutes Allgemeinwissen. Unter anderem für das Verständnis der Entstehung der Elemente des Periodensystems und somit auch eine Basis für das Verständnis von Biologie oder Chemie. Es ist n.m.M schon wichtig zu wissen, dass lebende und nicht lebende Materie nichts weiter als das Resultat explodierender Sterne ist...
Das halte ich, mit Verlaub gesagt, für groben Unsinn. Die Chemie behandelt das Verhalten der Elemente im hier und jetzt. Das die Elemente aus explodierenden Sternen entstanden sind, ist zwar interessant, erklärt aber nichts über das Verhalten von Molekülen. Das also als Basis für die Chemie (und eben darüber dann noch weiter geschlagen auch für die Biologie) anzuführen, ist an den Haaren herbeigezogen. Die Moleküle kümmern sich nicht darum wo sie herkommen. Aus ihrer Entstehungsgeschichte lässt sich (meines Wissens nach) nichts über ihr Verhalten ableiten, erst Recht nicht auf Schulniveau.

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Nikolaus Timmerbeil 22.12.2009, 12:12
72. neue Schulfächer

Es gibt nur eine Lösung: Ab 14 Jahren 2 Jahre schulbegleitete Berufsausbildung! Dies ist ein Vorschlag eines meiner erfahrensten Kollegen (37 Jahre Lehrer am Gymnasium). Hervorragend!

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bernd das brot 22.12.2009, 12:47
73. abseitiges Hobby?

Ich weiß nicht, ob man eine wissenschaftliche Disziplin wie Astronomie als "abseitiges Hobby" bezeichnen sollte, für die schon mehrere Nobelpreise in Physik verliehen wurden.

Bislang gab es allerdings weder für Volksmusik noch für Journalismus einen, für so einen Artikel wie den hier gleich drei Mal nicht. Der wird nämlich nur verliehen, wenn es für die Menscheit größten Nutzen bringt...

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retmar 22.12.2009, 13:04
74. ....

Zitat von Niolon
Naja für ein neues Schulfach muss ein altes gestrichen werden. Die Zeit in der Schule ist halt begrenzt. Warum diesen Stressfreien Seminarcharakter nicht in einer AG am Nachmittag?
Standartantwort: u.a. Religion. Warum diesen Stoff nicht am Nachmittag dort vermitteln, wo er hingehört: in der Kirche, in der Synagoge, in der Moschee? Die Zeit in der Schule ist halt begrenzt.
Zitat von Niolon
Das die Elemente aus explodierenden Sternen entstanden sind, ist zwar interessant, erklärt aber nichts über das Verhalten von Molekülen. Das also als Basis für die Chemie (und eben darüber dann noch weiter geschlagen auch für die Biologie) anzuführen, ist an den Haaren herbeigezogen.
Bitte beachten Sie in meinem, von Ihnen zitierten, Text die Worte: "unter anderem" und "und somit auch".
Zitat von Niolon
Die Moleküle kümmern sich nicht darum wo sie herkommen. Aus ihrer Entstehungsgeschichte lässt sich (meines Wissens nach) nichts über ihr Verhalten ableiten, erst Recht nicht auf Schulniveau.

Die Moleküle kümmern sich auch überhaupt kein bisschen darum, ob es Menschen gibt oder nicht ;)


Die Vermittlung dessen, dass Elemente und Moleküle nicht "einfach da" sind oder "aus dem Hut gezaubert" wurden, kann man unschwer auf Schulniveau bringen. Für die Charakterisierung ihres Verhaltens gibt es ja dann auch den anderen, spezielleren Unterricht.

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DanielaMund 22.12.2009, 13:33
75. Ich will aber gar keinen Titel angeben!

Zitat von retmar
Standartantwort: u.a. Religion. Warum diesen Stoff nicht am Nachmittag dort vermitteln, wo er hingehört: in der Kirche, in der Synagoge, in der Moschee? Die Zeit in der Schule ist halt begrenzt.
Weil der Nachmittag ja schon voll ist mit Astronomie (gehört in die Physik), Evolution (Bio), Aktienkunde (Gemeinschaftskunde), Archäologie (Geschichte), Opern (Musik), Geräteturnen (Sport), Kunstgeschichte (Kunst), französicher Literatur (Französisch) ist?

Ich würde ja Religion auch eher in ein allgemeines Fach "Philosophie" unterbringen, weil es mE nach zur Allgemeinbildung gehört, etwas über Philosophie und Religion zu wissen - wie genau ein Kreuz geshlagen wird, können die Kinder ruhig in der jeweiligen Religionsgemeinschaft lernen.
Zitat von retmar
Die Vermittlung dessen, dass Elemente und Moleküle nicht "einfach da" sind oder "aus dem Hut gezaubert" wurden, kann man unschwer auf Schulniveau bringen. Für die Charakterisierung ihres Verhaltens gibt es ja dann auch den anderen, spezielleren Unterricht.

Baryogenese bringen Sie mal eben so einfach auf einen Stand, den 14jährige verstehen? Wenn ja, was spricht denn dagegen, gleich im Physikunterricht starke und schwache Wechselwirkung einzuführen? Weil man gern ein fächerübergreifendes Schulfach hätte, das aber nur in der 9. gelehrt wird, und danach vergessen wird?

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hypermental 22.12.2009, 14:07
76. Astro-Eso

Ein Bekannter glaubt ernsthaft, dass 2012 ein "Planet X" in unser Sonnensystem gerauscht kommen wird und die Erde malträtiert... Dem Mann hätte ich vom Herzen ein wenig Schulastronomie gewünscht! ;-)

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HippoXXL 22.12.2009, 14:27
77. Astronomie = Physik?

Hallo miteinander,
ich lese hier immer und immer wieder, das Thema Astronomie sei in den Physikunterricht einzubinden. Nun, für einen TEILBEREICH der Astronomie, namentlich die Astrophysik, mag das gehen. Für andere Bereiche wären dann aber eher die Fächer Philosophie, Biologie, Mathe, Geschichte, Chemie, Informatik, ganz am Rande vielleicht auch Latein und altgriechisch und -wenn man will- Religion.

Und wie soll das alles im Physikunterricht stattfinden? Wie, vor allem, soll man den Physiklehrern zumuten, diese Masse an zusätzlichem Stoff nicht nur selbst zu lernen, sondern auch Lehrfähig zu beherrschen?
Ich will darauf hinaus, daß die Astronomie das Bindeglied ist zwischen ausnahmslos allen Naturwissenschaften und mehr noch, das Bindeglied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Sie gehört in die Schulen als eine allem zu Grunde liegende Basis für das Verständnis für die Welt.

Im krassen Gegensatz zu irgendwelchen Spezialfächern wie Wirtschaft (oder Volksmusik !?) ist Astronomie eben keine Spezialisierung sondern bietet eine breite Grundlage für andere wissenschaftliche Disziplinen. In ihr kommt alles zusammen.

Schade finde ich, daß in dem Artikel unterschwellig die Meinung vertreten wird, daß unsere Lehrpläne perfekt und vollständig sind und offenbar nach Meinung der Autoren niemals geändert werden müßten. Davon sind sie aber Lichtjahre entfernt.

Beste Grüße,
Marcus-T. Maier, Sternwarte Lübeck

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retmar 22.12.2009, 14:30
78. ....

Zitat von DanielaMund
Ich würde ja Religion auch eher in ein allgemeines Fach "Philosophie" unterbringen, weil es mE nach zur Allgemeinbildung gehört, etwas über Philosophie und Religion zu wissen
Ich auch.
Zitat von DanielaMund
Baryogenese bringen Sie mal eben so einfach auf einen Stand, den 14jährige verstehen? Wenn ja, was spricht denn dagegen, gleich im Physikunterricht starke und schwache Wechselwirkung einzuführen? Weil man gern ein fächerübergreifendes Schulfach hätte, das aber nur in der 9. gelehrt wird, und danach vergessen wird?
Reicht es denn nicht erst einmal, 14jährige Schüler „populärwissenschaftlich" über die Baryogenese in Kenntnis zu setzen? Vielleicht werden so Interessierte „angefüttert", die dafür sorgen, dass sich eventuell in xx Jahren 14jährige Schüler Gedanken über die Paritätsverletzung bei der schwachen Wechselwirkung machen?


Ich verstehe Ihre Skepsis, ja geradezu Ihre Abneigung, gegen ein Schulfach „Astronomie“ nicht. Verdienen Sie sich nebenbei Geld mit Horoskopen? (Wirklich nur als Scherz gemeint!!)

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DanielaMund 22.12.2009, 14:58
79. Ich will aber gar keinen Titel angeben!

Zitat von retmar
Reicht es denn nicht erst einmal, 14jährige Schüler „populärwissenschaftlich" über die Baryogenese in Kenntnis zu setzen? Vielleicht werden so Interessierte „angefüttert", die dafür sorgen, dass sich eventuell in xx Jahren 14jährige Schüler Gedanken über die Paritätsverletzung bei der schwachen Wechselwirkung machen?
Zumindest wie es zur Zeit gehandhabt wird, müssen Sie innerhalb der 9. bzw. 10. Klasse durch Optik, Gravitation, Atommodelle, Baryogenese, Relativität und auch noch Sternbestimmung hudeln - da bleibt doch nur falsches hängen. Wenn, dann richtig, aber dafür haben wir weder Lehrer noch Platz an deutschen Schulen.

Zitat von retmar
Ich verstehe Ihre Skepsis, ja geradezu Ihre Abneigung, gegen ein Schulfach „Astronomie“ nicht. Verdienen Sie sich nebenbei Geld mit Horoskopen? (Wirklich nur als Scherz gemeint!!)
Ich bin skeptisch, ob dieses Fach halten kann, was es verspricht, zumal es sowieso schon an Physiklehrern mangelt.

Wenn ich die Sterne (und meine Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem) richtig deute wird folgendes passieren, wenn ein Fach Astronomie eingeführt wird:

- Physik und Chemie bekommen weniger Stunden in der Stundentafel, weil es ja in Astro enthalten wäre

- Physiklehrerstunden werden somit von Physik nach Astro umgewuppt, weil es zu wenig Lehrer gibt

- gelichzeitig werden einige andere Fachlehrer, die auch nur ansatzweise etwas mit Naturwissenschaften zu tun haben, in Parforce-Lehrgänge gesteckt, weil dann ja immer noch Lehrer fehlen, und wenn dann einer mal nachfragt, was eigentlich in einem Neutronenstern passiert, wird's peinlich

- am Ende stehen dann weniger Physikstudenten, die über die ersten 2 Semester kommen, weil die Schulgrundlagen mangels Stunden nicht gelegt worden sind, bzw. es sitzen noch dazu Studenten in der Vorlesung, die Astronomie studieren wollen, weil man da ja andauernd Sterne beobachtet, und die gehen wieder, wenn sie festgestellt haben, dass Astronomen heute keine Sterne mehr sehen

- und ich kann erst mit 80 in Rente gehen (falls ich zu dem Zeitpunkt nicht frühabgelebt werde), weil es keine Nachwuchsphysiker mehr gibt

;-)

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