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Das Buch der Bücher: "Zum historischen Kern wurde einfach hinzugedichtet"
Corbis

Der Bibelwissenschaftler Ernst Axel Knauf über die Entstehung der Bibel, die literarische Kunst ihrer Verfasser und das Neue am Neuen Testament.

Seite 12 von 38
James Agee 07.12.2014, 14:40
110. Niedlich

Erst einmal mein Kompliment an die Redaktion. Selten habe ich auf dieser Fast-Food-Seite einen derart durchdachten und komplexen Text gelesen. Der Logos funktioniert also auch im Internet. Geradewegs "niedlich" finde ich indes den Wahrheits-, WIssenschafts- und Gottesbegriff hier im Forum. Während die einen an einem irgendwie infantilem Gottesbegriff aus dem Kindergottesdienst festkleben, hängen die anderen an einem Wissenschafstsbild, das sich seit Descartes und Newton kaum gewandelt zu haben scheint. Wo der Logos zum Mythos wird, ist eh keine Erkenntnis mehr zu erwarten. Interessant nur, dass von Jesus über die mittelalterlichen Mystiker bis zu Wittgenstein oder Hans Peter Dürr noch eine ganz andere Spur gelegt worden ist: Nur im Bild ist sich der Wahrheit anzunähern. Und in dieser Hinsicht ist die Bibel natürlich so wahr wie ein Gedicht von Heine.

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wo_ist_all_das_material? 07.12.2014, 14:41
111.

Zitat von deesdrei
Die Bibel ist die reine Wahrheit, ganz doll wirklich! Wurde ja immerhin schon rund 350 Jahre nach Christus auf dem Konzil von Nizäa zusammengeschustert. Was nicht passte, flog raus - was nichts damit zu tun hatte, aber der Ideologie dienlich war (Ostern!), wurde reingepackt. Und wird noch heute als die angeblich reine Wahrheit verkauft. Und was das Schlimmste daran ist, es gibt noch heute Leute, die sich für intelligent halten, von anderen im täglichen Leben ernst genommen werden wollen und an diesen Quatsch allen Ernstes glauben!! Im Jahre 2014!!!
Na, da gibt es aber noch deutlich jüngere Einsprengsel! Und dann die Zeitrechnung im "Ersten Jahrtausend nach Cristus"!!! Wer weiß, was wann wirklich war?

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io_gbg 07.12.2014, 14:42
112.

Zitat von P.Delalande
Denn Atheisten sind doch auch nichts weiter als Gläubige, die halt nur fest daran glauben müssen, dass Götter nicht existieren. Eigentlich ein ziemlich einfältiger Standpunkt, den ich Wissenschaftlern gar nicht pauschal unterstellen würde.
Nein, so schwarzweiss, wie Sie ihn gerne malen, ist der Atheismus nicht. Er kommt in vielen Formen und mit "festem" Glauben haben die meisten Atheisten wenig im Sinn.
Es geht um die strikt skeptische Einstellung gegenüber dem religiösen Dogma, dass es einen Gott geben müsse.
Die meisten Atheisten liessen sich doch sehr einfach von der Existenz von Göttern überzeugen. Müsste doch einem allmächtigen Wesen leichtfallen. Es liegt offenbar an den Göttern, dass diese ihre Existenz nicht offenlegen wollen. :)

So ist der "ziemlich einfältige" Standpunkt auch bei Wissenschaftlern so gut wie nicht vorhanden:
Ein Strohmann weniger.

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Untertan 2.0 07.12.2014, 14:44
113. Religion ist überholt

Zitat von Oihme
Russel meinte das mit dem Hinweis auf die Untaten der Religion überbrücken zu können, ganz so, als wären Kreuzzüge und Scheiterhaufen ein brauchbarer Beweis dafür, dass die unzähligen Schilderungen von Gotteserlebnissen etc. nicht stimmen können.
Die Verfehlungen der Kirche sind sicherlich kein Beweis für oder gegen die Existenz Gottes aber immerhin ein guter Grund Religion und Religiösität abzulehnen. In früheren Jahrtausenden war der gemeinsame Glaube an imaginäre Gestalten im Himmel oft das Element, dass Gesellschaften zusammengeschmiedet und das Zusammenleben erst möglich gemacht hat. So wie ein kleines Kind klare Regeln braucht, was gut und böse ist, braucht auch eine frühe Zivilisation aus ungebildeten Viehhirten klare Regeln. Inzwischen ist unsere Zivilisation aber am Erwachsenwerden und muss diesen Ballast langsam abwerfen, wenn sie sich geistig weiterentwicklen will.

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wo_ist_all_das_material? 07.12.2014, 14:44
114.

Zitat von udo46
Was mich immer wieder stutzig macht, ist Folgendes: Zur Zeit der Entstehung des neuen Testamentes gab es nur ganz wenige ausserbiblische Quellen, die - allerdings nur in wenigen Sätzen - auf einen Wanderprediger Bezug nahmen, der Jesus gewesen sein könnte. Wenn man aber die biblischen Erzählungen über Jesus betrachtet, die ja so vermittelt werden, als wären sie historisch so abgelaufen, mit ihren ungeuerlichen und weltbewegenden Geschehnissen, dann fragt man sich doch unwillkürlich, warum nahmen die ausserbiblischen Schriftsteller und Historiker seiner Zeit davon keine Kenntnis. Wenn jemand Tote zum Leben erweckt, Blinde sehend macht, Lahme gehen lässt, 5000 Menschen mit drei Broten und sieben Fischen satt macht, über Wasser läuft, selbst stirbt und nach drei Tagen wieder aufersteht, in den Himmel fährt etc., dann ist das keine Zeile - ausser in der Bibel - wert? Da werden ja viel unwichtigere Ereignisse dokumentiert als diese "Wunder". Aber diese "Wunder" bleiben unerwähnt? Warum? Weil sie reine Erfindung sind. Aber was ist dann Jesus ohne diese "Wunder"? Ein gewöhnlicher Wanderprediger wie hunderte andere auch - vielleicht mit etwas mehr Charsima, Eloquenz und Narzissmus gesegnet als manch anderer Prediger, aber eben auch nur ein ganz gewöhnlicher, sterblicher Mensch.
Es gibt keine außerbiblische Erwähnung Chrsti.
Die entsprechenden Stellen bei Leuten wie dem angeblichen Tacitus oder Flavius Josephus sind nicht original.

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io_gbg 07.12.2014, 14:45
115.

Zitat von Oihme
Kann sein, dass es so ist, kann aber auch nicht sein. Sie sprechen ja selbst nur von "einiger Sicherheit" und "nicht unwahrscheinlich". Warum nennen Sie das also nicht bereits jetzt ganz ehrlich und offen ihren persönlichen "Glauben"?
Ich schrieb:

"Auch ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine Krankheit oder Situation, die zum Tode führt, erhebliche seelische Belastungen mit sich führt."

Weil man seelische Belastungen in Extremsituationen vermuten kann/muss. Und Vermutung ist nun einmal nicht gleich religiösem Glauben.

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Gela2006 07.12.2014, 14:46
116.

...und alle anderen, die hier darauf verweisen, dass Bibelkritiker meist wohl nicht einmal die 10 Gebote kennen: Ein jämmerlicher Mensch ist, wer erst in einem von Menschen erschaffenen Werk nachschlagen muss, um zu wissen, ob man töten darf oder nicht, stehlen darf oder nicht... Es ist so schwach, sich auf deart arme Fragen zu berufen. Aber das wundert mich bei Sektierern auch nicht wirklich.

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GerlindeInsterberger 07.12.2014, 14:49
117. Schwafelei

"Knauf: Vorsicht, Geschichte ist immer hypothetisch. Das ist die geltende Theorie, die ich jetzt vorgetragen habe - wer weiß, was die Schüler meiner Schüler mal sagen werden?"

Theorie, nichts als Theorie. Vor ihm gab es viele und nach ihm werden auch viele Theoretiker kommen. Die Bibel aber bleibt die heilige Schrift, egal was Knauf oder die Gotteshasser schwafeln.

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deus-Lo-vult 07.12.2014, 14:52
118.

Ui, da hat der Herr Knauf aber Glück, dass er das über die Bibel sagt, und nicht über den Koran!

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io_gbg 07.12.2014, 14:54
119.

Zitat von syracusa
Nein. nicht wirklich. Die griechischen Philosophen wurden im Abendland erst durch die Konfrontation mit dem sich ausbreitenden Islam bekannt und haben sich erst in der Renaissance bei einer kleinen intellektuellen Elite verbreitet. Der Islam hat diese Werke in die Neuzeit gerettet. Wenn, dann sind unsere Moralvorstellungen der griechischen Antike nur indirekt über die Übernahme des römischen Rechtssystems zu uns gelangt. Das römische Rechtssystem war aber trotz der Christianisierung des späten römischen Reichs so gut wie gar nicht durch christliche Werte geprägt. Ziel des römischen Rechts war nicht Verzeihung, sondern Vergeltung. Aus dem Grund gelten in unserem Rechtssystem bis heute kaum echte christliche Werte wie Friedfertigkeit und Verzeihen.
Die griechische Philosophie wurde bis in das sechste Jahrhundert im Römischen Reich rezipiert und tradiert.
Für das "dunkle Zeitalter" haben Sie recht.
Aber ab dem Mittelalter wurde die griechische Philosophie über den arabisch-islamischen Raum auch in Europa zunehmend rezipiert.

Unsere heutige Ethik hat ihre Wurzeln wesentlich in den Werten der Aufklärung. Dies sind nicht primär "christliche Werte".


Und bei den christlichen "Werten" sollte man nicht Rosinenpicken:
Zu denen gehören laut Bibel auch massenweiser Mord und Totschlag. Allein deswegen ist die Bibel als ethische Richtschnur nicht zu gebrauchen.

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