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Das Geschäft mit der Gesundheit: Krankhafte Geldgier

Eine wachsende Zahl von Ärzten will auch bei Kassenpatienten immer mehr privat abrechnen, weil sie angeblich mit ihren Honoraren nicht auskommen.

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rumsfeld 21.07.2009, 07:45
450. Nicht auswendig lernen ...

Zitat von hjg
Naja, ganz so ist es ja nun nicht. Ein Medizistudium ist schon sehr umfangreich. Was auch in diesem kleinen Scherz zum Ausdruck kommt: Ein Medizin- und ein Philosophiestudent werden beauftragt das Telefonbuch von Berlin auswendig zu lernen. Was erwidern die beiden? Der Philosophiestudent fragt: Warum? Und der Medizinstudent antwortet: Bis wann? ;-)
Nette Vorstellung: Weil Mediziner so viel auswendig zu lernen haben (!) haben sie auch einen Anspruch auf besonderes Honorar. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

Es erinnert mich irgendwie an meine Studentenzeit, als wir als angehende Ingenieure so manchem Mediziner bei seiner Doktorarbeit "geholfen" haben, gegen gutes Honorar, Papa bezahlt ja.
Das war nicht besonders schwer, das Niveau der medizinischen Dissertationen war, zumindest damals, nicht sehr hoch.

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stein-berg 21.07.2009, 08:12
451. Den Ärzten geht es nicht schlecht

Zitat von saul7
Absurd wäre es zu glauben, dass sich eine Qualifikation zur Ausübung des Arztberufes quasi im Vorbeigehen erwerben ließe. Der Gesetzgeber hat ja deshalb auch hohe Anforderungen an den Erwerb und die Ausübung des Arztberufes gestellt und dem eine lange und intensive Ausbildung vorgeschaltet. Wenn Sie sich....
So schlimm kann es nicht sein.
Arzt ist weiterhin ein attraktives Berufsziel in D, siehe die Zahl der Medizinstudenten sowie die Zahl der kassenzugelassenen Ärzte, alles steigend.
Das Durchschnittseinkommen, nach Abzug aller Praxis-Betriebskosten, ist höher als bei anderen akademischen Berufen.

Es gibt in manchen Regionen eine Überversorgung, und da scheint mir das Problem zu liegen.
Zu viele Ärzte wollen sich von dem zur Verfügung stehenden Budget bedienen. D hat im internationalen Vergleich eine sehr hohe, man könnte auch sagen zu hohe, Arztdichte.

Die Ärzte können dieses Problem nur unter sich lösen, mit ihren KVs, müssen intern Verteilungsgerechtigkeit herstellen, nicht auf den Rücken ihrer Kunden. Warum gibt fast keiner die Kassenzulassung zurück, wenn alles so schlecht ist?

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hjg 21.07.2009, 08:28
452. gängige Praxis

Zitat von sorry ich bin bloß arzt
...ist so als ob ein Sohn seine Eltern erschießt und bei gericht um mildernde Umstände bittet, weil er Vollwaise sei.
Aber das ist doch gängige Praxis, da kommen die bei Gericht ganz von selbst drauf...

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lfb 21.07.2009, 08:40
453. Ruecken!

Zitat von saul7
Niemand möchte auf dem Rücken der Patienten Honorarforderungen durchsetzen. Worum es geht, ist, zu verhindern, dass bei ständig steigenden Anforderungen an die Arbeitsleistung der Ärzte das Honorar prozentual auch noch gesenkt wird. Mehrarbeit bei gleichbleibenden Einkommen, das kann's nicht sein. Dafür kämpfen die Ärzte und einige von ihnen nutzen die Gelegenheit, um in diesem Thread ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Die unschönen Ausreißer, die im Spiegelartikel genannt werden, sind, wenn sie denn korrekt recherchiert und nicht ein wenig "frisiert" wurden, unakzeptabel. Ich möchte dennoch annehmen, dass es sich um seltene Ausnahmen handelt. FG
Dass der Patientenruecken ausgespart wird, ist leider eine der grossen Schmusegeschichten in Deutschland.

Was glauben Sie, worauf die Entwicklung hinausläuft? Sie werden mittelfristig länger auf Ihre Behandlung warten muessen und sie wird weniger qualifiziert ausfallen.

Dass wir alle älter werden, länger und später und kränker Therapien haben wollen, die auch noch mehr Geld kosten, geht selbstverständlich, weil die Boulevardpresse im Auftrag von Frau Schmidt Ihnen erzählt, dass es nur die böse Ärzteschaft ist, die das Geld verbrät?
Dass es weniger niedergelassene Ärzte gibt und Krankenhäuser Ihre Stellen nicht mehr besetzen können, soll sogar gut sein, weil es sowieso zuviele Ärzte gibt, die Sie eh schon zu lange warten lassen, weil Sie falsch versichert sind und die Ärzte selbst nur schlecht organisiert?

Die Fakten werden zur Zeit geschaffen- Sie werden ein wenig ueber die Betreiber und Ursachen an der Nase herumgefuehrt.

Der grosse Vorteil des deutschen Gesundheitssystems ist, dass es zur Zeit eine Versorgung auf recht hohem Niveau fuer alle vorhält. Und bei der Beurteilung der Qualität nehme ich die Wartezeiten in irgendwelchen Wartezimmern mal ausdruecklich aus.

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gaislein 21.07.2009, 08:43
454. hoffentlich

Zitat von rumsfeld
Nette Vorstellung: Weil Mediziner so viel auswendig zu lernen haben (!) haben sie auch einen Anspruch auf besonderes Honorar. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Es erinnert mich irgendwie an meine Studentenzeit, als wir als angehende Ingenieure so manchem Mediziner bei seiner Doktorarbeit "geholfen" haben, gegen gutes Honorar, Papa bezahlt ja. Das war nicht besonders schwer, das Niveau der medizinischen Dissertationen war, zumindest damals, nicht sehr hoch.
habe ich nach einem unfall oder einem sonstigen notfall einen so fähigen angehenden ingenieur, der sich meines lebens annimmt.

nur, weil man einen teil der materie versteht, heisst das noch lange nicht, in der lage zu sein, verantwortung für gesundheit und leben übernehmen zu können!
wenn es so einfach wäre, könnten sie ja eine praxis aufmachen und weniger geldgierig den medizinern unter die arme greifen.

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hjg 21.07.2009, 08:52
455. schlimmer geht's immer

Zitat von gaislein
...nur, weil man einen teil der materie versteht, heisst das noch lange nicht, in der lage zu sein, verantwortung für gesundheit und leben übernehmen zu können! wenn es so einfach wäre, könnten sie ja eine praxis aufmachen und weniger geldgierig den medizinern unter die arme greifen.
Klar kann er das! Er geht zum Amtsarzt, weist nach, dass er einen Hauptschulabschluss hat, macht dann eine Pillepalle-Prüfung mit 60 mc-Fragen und beginnt anschließend als sog. Heilpraktiker sein Unwesen zu treiben.

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Schelm-77 21.07.2009, 09:04
456. Geld verdienen

Zitat von sorry ich bin bloß arzt
Zum Nullkostentarif? Bloß weil ich Arzt bin, darf ich kein Geld verdienen? Soll ich mir das Geld für mein Personal und die Geräte von meiner Oma borgen, damit ich Sie behandeln kann? Was sagt bloß mein Vermieter, der jeden Monat 1200 Euro haben will? Soll ich dem mit dem Eid kommen, schließlich vermietet er ja für einen guten Zweck?
Niemand verlangt, dass Sie kein Geld verdienen dürfen.

Alle gesetzlich Versicherten zahlen für dafür ihre Beiträge und haben dementsprechend Anspruch auf eine vernünftige Behandlung durch den Arzt, auch mehrfach im Quartal.
Zusätzliche Leistungen kann der Arzt anbieten, wenn der Patient diese nicht möchte darf diese Tatsache nicht zu Lasten der normalen Behandlungsqualität gehen.

Nach welchem Verteilungsschlüssel die Gelder von der Krankenkasse an die Ärzte verteilt werden hat der Patient nicht zu verantworten.

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Demokrator2007 21.07.2009, 09:08
457. Spiegelbild der Gesellschaft

Zitat von _Phatox_
Ich habe gestern 12 Stunden bezahlt in einer völlig überfüllten Notaufnahme im Krankenhaus gearbeitet. > Anschließend habe ich noch fast zwei Stunden unbezahlt meiner Kollegin geholfen den Patientenstau zu lindern. Unter anderem wegen Panikmache der Printmedien (Bild: Schweinegrippe tötet Deutsche auf Mallorca) waren viele braungebrannte und .....
Sie beschreiben ein grundsätzliches Problem eines völlig "entarteten" Kapitalismus. Statt Kapital sinnvoll z.B. für vernünftige Gehälter, neue Mitarbeiter, Forschung, etc. einzusetzen und damit Geld einem wirklichen Sinn zuzuführen wird es weltweit zum Zocken und zum Verwalten seinerselbst mißbraucht.
Sie müssen deshalb 12 Stunden und mehr arbeiten, weil ihr Krankenhaus kein zusätzliches Personal einstellt aber vermutlich eine Verwaltung hat, die abgebaut, locker mehrere Vollzeitärzte ermöglichen würde.

Unter Kostendruck leidet auch die Presse und "dank" neuer Medien wie dem Internet ist es einfach bequemer und billiger, Informationen zu googeln statt teuer zu recherchieren.

Alles zusammen Spiegelbild der Gesellschaft. Wer sind die Schuldigen?

Ciao
DerDemokrator

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Demokrator2007 21.07.2009, 09:13
458. Druckmittel für die KV?

Zitat von stein-berg
Und für wen das System der KVs nicht passt, der ist doch nicht gezwungen, Kassenpatienten zu behandeln. Jeder Arzt kann seine kassenärztliche Zulassung zurückgeben und nur noch Privatpatienten behandeln. Warum macht das nur keiner?
Haben dort wo ich wohne einig Ärzte gemacht. Würd mich auch interessieren wie deren Erfahrungen sind. Vielleicht könnte man das als Druckmittel für die KV verwenden.

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stein-berg 21.07.2009, 09:16
459. .

Zitat von Schelm-77
Niemand verlangt, dass Sie kein Geld verdienen dürfen. Alle gesetzlich Versicherten zahlen für dafür ihre Beiträge und haben dementsprechend Anspruch auf eine vernünftige Behandlung durch den Arzt, auch mehrfach im Quartal. Zusätzliche Leistungen kann .....
Das Honorar der Ärzte richtet sich nach Angebot und Nachfrage, eben Marktwirtschaft.

Wir haben in D sehr viele Ärzte, manche sagen zu viele, und gleichzeitig ein in der Höhe begrenztes Budget für medizinische Dienstleistungen. Ich halte es nicht für realistisch zu erwarten, daß der Anteil des Einkommens für Gesundheitsvorsorge und Kranksein weiter erhöht werden kann und sollte.
Da läßt es sich nicht vermeiden, daß manch ein besonders engagierter Arzt sich unterbezahlt vorkommt, während ein anderer zu viel erhält, gemessen an der von ihm erbrachten Leistung.

Das ist ungerecht und läßt sich nur von den Ärzten selbst lösen.

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