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Debatte um Sprach-Rassismus: Das hässliche "Neger" ist tot, tot, tot

"Was ist denn gegen das Wort Neger zu sagen?" Eine Menge. Nennen wir nur mal die einfachsten Argumente: Der Begriff ist deplatziert, hässlich und tot. Und Deutschland wird freier, schöner und aufgeklärter sein, wenn nicht nur Kinderbücher auf das N-Wort verzichten - sondern wir alle. Georg Diez zur Neger-Debatte um "Die kleine Hexe" - SPIEGEL ONLINE

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turlhofer 18.01.2013, 23:25
200. In dieser Angelegenheit

geht es nicht um Neger, Eskimo, wichsen etc., sondern darum, ob es einer moralisierenden Berufsbetroffenheit gestattet sein soll, in literarische Werke verstorbener Autoren, die sich dagegen nicht mehr verwehren können, retuschierend einzugreifen.

Wann kommen weiters die Gemälde in den Museen dran, bei denen Wedel schwingende Mohren, nackt sich räkelnde Odalisken usw. dann endlich politisch korrekt übermalt werden?

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Champagnerschorle 18.01.2013, 23:27
201. Erkenntnisgewinnung

Zitat von annablume
Ich glaube nicht, dass "Die kleine Hexe" oder die anderen Preussler-Bücher ihre Qualität ausgerechnet dadurch erlangen, dass Preussler den Begriff "Neger" benutzt. Ebenso wenig werden sie an Qualität einbüßen, wenn der Begriff ersetzt wird. Auch den Zeitgeist der Bücher kann man an vielen anderen Stellen im Sprachgebrauch festmachen - auch ohne "Neger". Ich möchte mit meinen 4 und 6 Jahre alten Kindern vorm Schlafengehen nicht über die soziokulturelle Bedeutung diskriminierender Begriffe diskutieren, darum ersetze ich "Neger" beim Vorlesen durch andere Wörter. Es ist ein überflüssiges Wort und als solches müssen sie es gar nicht erst kennenlernen. Sprache ist eine machtvolle Waffe. Sie kann jahrhundertealte Verachtung bis heute transportieren. Dabei möchte ich kein Gehilfe sein.
Unglaublich aber wahr und im Selbstversuch nachgewiesen: Es ist möglich Kindern auch zu anderen Tageszeiten als abends etwas vorzulesen und somit auch Kultur zu transportieren.
Spracharmut - Nein Danke! Hier werde ich kein Gehilfe sein.

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herb. 18.01.2013, 23:29
202. kinners, was haben wir für sorgen...........

Zitat von sysop
"Was ist denn gegen das Wort Neger zu sagen?" Eine Menge. Nennen wir nur mal die einfachsten Argumente: Der Begriff ist deplatziert, hässlich und tot. Und Deutschland wird freier, schöner und aufgeklärter sein, wenn nicht nur Kinderbücher auf das N-Wort verzichten - sondern wir alle.
wenn mann/frau sich über sowas aufregt. wann kommt die "gelbe gefahr" in verruf? was ist mit "rothäuten"? schreiben wir karl may um? wann untersagt die eu den austrias uns "pifkes" zu nennen? lasst die kirche im dorf. ich komme aus einem dorf im odenwald. für die umliegenden gemeinden sind wir die "hoanjer", was sich aus dem begriff handlager oder zur-hand-gehender herleitet. ich empfinde das nicht als eine art von beleidigung, das ist ein qualitätssiegel!!
was ich damit sagen will: eine beleidigung ist es erst dann, wenn ich sie für mich als solche akzeptiere!
wenn jetzt ein afroamerikaner - wie nenne wir die menschen in afrika nun? afroafrikaner? - sich durch das wort "neger" nicht gestört fühlt, sollten wir nicht die lehrmeister der welt spielen.

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comanchedriver 18.01.2013, 23:31
203.

So ein Quatsch

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DukeGozer 18.01.2013, 23:34
204. optional

Kinder, Kinder, wozu die ganze idiotische Debatte? Ich werd sicherlich niemand auf der Straße mit "Der Neger" betiteln. Wer unbedingt Menschen nach der Farbtafel einordnen will, der soll doch einfach die HTML Farbcodes nutzen. Da ist dann für jeden die passende Farbe dabei.

Und wenn man schon so drauf ist: Hexen nennen sich auch nicht Hexen. Aktuell bleiben jedoch immer: Rassisten, Vollpfosten, Besserwisser...oh und natürlich FDP-Wähler. Stärker kann man einen Deutschen nun wirklich nicht beleidigen.

Sorgen hat mancher! *sigh*

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Champagnerschorle 18.01.2013, 23:35
205. Verständnishilfe

Zitat von AlexMu
für diesen Beitrag der endlich mal in eine andere Richtung geht! Wenn Neger aus Kinderbüchern gestrichen wird, ändert das nichts am Inhalt, die Aufregung finde ich vollkommen übertrieben...
Für diesen Text der endlich mal in eine andere Richtung geht. Wenn Schwarzer aus Kinderbüchern entfernt wird, ändert dies nichts an der Handlung usw usf.

Ich habe nichts am Inhalt geändert, aber es ist nicht mehr Ihr Text.

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black&proud 18.01.2013, 23:41
206. Wirklich tot?

Sie kennen offensichtlich die falschen Schwarzen!
Ich bin in Südafrika aufgewachsen; "Hotnot" haben die weißen Jungs uns beschimpft, kurz für "Hottentot", ein Schimpfwort für Farbige, das in Deutschland noch üblich ist; es gibt heute noch viele Deutsche, die glauben, ein Stamm in Südafrika hieße so. "Kaffern" nennt man unsere schwarzen Brüder und Väter. Wir sind nicht dünnhäutig, wenn es um "Negerküsse und Mohrenköpfe" geht, aber Sie wollen anscheinend nicht verstehen, dass es um Diskriminierungen geht, die Auswirkungen auf die Lebensrealitäten bestimmter Menschen haben und deren Existenzgrundlagen untergraben: Du machst die Arbeit und der weiße "Azubi" verdient doppelt so viel?! Nennt man mich "Hotnot", so zeugt das von einer tiefen Verachtung meiner Person gegenüber, ohne mich zu kennen und allein auf meiner Hautfarbe und meiner Haarstruktur beruhend. Ich nehme daran nicht nur Anstoß, sondern entwickele eine Wut, die mich dazu bringt, Ihnen am liebsten "in Ihre gebildete Fresse zu haun" (schließlich sind wir ja für unser unberechenbares Temperament bekannt) . Ich bin aber kein unterdrückter "Hotnot" mehr, der sich solche Scheiße stillschweigend gefallen lassen muss, damit er nicht rausgeschmissen wird oder eventuell sogar in ein hastig gegrabenes Loch verschwindet. Wenn Sie keine Ahnung von Diskriminierungen haben und welche Konsequenzen diese Bezeichnungen für das Leben der Betroffenen in der Vergangenheit hatten und heute immer noch haben, dann sollten Sie besser den Mund halten.
Jeder Politiker heutzutage sowie jeder Student wird zu Beginn jedes Studiums darüber aufgeklärt, welche Wichtigkeit die richtige Terminologie hat. Dies wird auch international so verstanden. Daß man "dabei einen merkwürdigen Paternalismus pfleg[t]", sei erst einmal dahin gestellt. Schließlich nennt man auch nicht jeden Deutschen, den man zufällig auf einer Party trifft, "Scheiß-Nazi", um damit ein Lachen zu erzielen.

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Watschn 18.01.2013, 23:45
207. Am besten pragmatisch umgehen...

Meines erachtens sollte man bei erschienenen, älteren Büchern (bis Ende 1970 die Verwendung "Neger" im exiplit nichtdiskriminierenden Zusammenhang oder diskriminierendem Focus beibehalten. (Schriftkultur)

In allen anderen Fällen (später Ante-Datum erschienen, bzw. spätere Auflagen..)
kann man den Begriff "Schwarzer", "Negro" , "Coloured", Dunkel-Farbig/er ua. verwenden...

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Anay2 18.01.2013, 23:45
208. "Neger" von lat. niger

Muss mal Kontra geben… so ein bisschen. Da wird überall geschrieben, "Neger" kommt doch von lateinisch niger, was "schwarz, dunkel" etc. bedeutet, also eigentlich doch gar kein schlimmes Wort sein kann, weil es de facto ja das gleiche wie "Schwarzer" bedeutet. Nee, leider nicht. Wenn ihr schon etymologisch-historisch abspasten wollt, dann aber richtig:

Wenn die Römer das Wort niger in Bezug auf Menschen benutzten, dann bedeutete es "böse, boshaft, niederträchtig" etc. Äh, nicht so gut, oder? Für Menschen mit dunkler Hautfarbe *aus Afrika* (nicht z.B. für Dunkelhäutige aus Arabien etc.) benutzten sie das Wort aethiops ("Äthiop", nicht "Äthiopier"), von den Griechen übernommen (Αἰθίοψ), wörtlich "von der Sonne verbranntes Gesicht", auch als Adjektiv αἰθιοπικός bekannt ("sonnenverbrannt").

Vorschlag: wenn die verstrahlten Amis uns Weiße schon "Caucasians" nennen, und sich keiner darüber aufregt, was spricht dann dagegen, dass wir die Schwarzen ab jetzt "Äthioper" nennen (ohne "i")? Nee, klar, ich weiß schon, ist'n dummer Vorschlag. Mir ging's aber darum, dieses dumme Argument endlich mal zu widerlegen, "Neger" wäre okay wegen lat. niger ("schwarz").

PS: irgendwo oben schrieb mal einer, dass man – anders als für "Neger" als "Näääscher" – "Schwarzer" nicht süßlich-mundartig verfremden kann. Im Westen klappt das: Da ist's halt der "Schwatte". ;)

PPS: Und wo stehe ich? Keine Ahnung… also noch'n Vorschlag: Da die Industrie Negerküsse nun in "Schokoküsse" umbenannt hat, können wir die Schwarzen ja ab jetzt "Schokos" nennen (Singular: "Schoko"). Hat sich ja im Alltag schon bewährt. :)

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larymarv666 18.01.2013, 23:46
209. Neger ist ein Schimpfwort

Ich bin ein "Schwarzer". Ja, so bezeichne ich mich. Nicht nur ich, sondern die meisten Menschen mit dunkler Hautfarbe bzw. Afrikaner, die ich kenne. Ich kann Ihnen versichern, dass die meisten Schwarzen das Wort "Neger" als beleidigend und rassistisch empfinden. Viele von uns, die hier aufgewachsen sind, können sich noch gut daran erinnern, wie wir früher mit diesem Wort gehänselt worden sind. Und auch heute noch, verwendet man das Wort "Neger", wenn man sich abfällig über Menschen wie uns äußern will. Natürlich kann man sich darüber hinwegsetzen und man darf auch seinen Kindern beibringen, das Wort "Neger" zu Menschen wie mir zu sagen. Schließlich sind die "Weißen" ja gegenüber den Schwarzen in Deutschland in der Mehrheit, da muss man ja keine Rücksicht nehmen. Lieder wie "Zehn kleine Negerlein" finde ich übrigens ebenfalls scheußlich: in diesem Kinderlied geht es darum, wie kleine "Negerlein" sterben. Was ist daran lustig? Ich kann niemandem vorschreiben, was er zu sagen hat. Wenn mich jemand "Neger" nennt und ich den Eindruck habe, das sei ein Versehen und keine bewusste Beleidigung, bitte ich die Person stattdessen das Wort "Schwarzer" zu verwenden. Leuten, die Menschen wie mich absichtlich und kontinuierlich "Neger" nennen, gehe ich aus dem Weg, soweit das möglich ist, und reduziere den Kontakt auf das Allernötigste. Vielleicht interessiert Sie ja die Sichtweise eine Betroffenen in dieser Diskussion.

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