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Der Aufstieg des Kapitals: "Wir brauchen neue Banken"

Der Harvard-Historiker Niall Ferguson über die wechselvolle Geschichte des Geldes, die Unausweichlichkeit von Finanzkrisen und den fatalen Einfluss der Mathematiker auf das monetäre System

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drexl 06.08.2009, 07:44
1. Da fehlt was

Wie lautet SPIEGELs Bemerkung, die von Ferguson auf Seite 3 als "töricht" bezeichnet wird?

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flowpower22 06.08.2009, 07:45
2. Hier irrte Ferguson

Zitat von
Ferguson: Das war eine törichte Bemerkung. Man könnte ebenso behaupten, die Demokratie sei ein Monster. Die Finanzmärkte sind doch nur der Spiegel unseres ökonomischen Handelns, und es ist nicht der Fehler des Spiegels, wenn er unsere Makel widergibt. Wir sollten die Finanzmärkte nicht dämonisieren. Wir erleben doch gerade, wie sich die Märkte bereinigen, wie das "Unangepasste und Lebensunfähige" verschwindet, so hat es der Ökonom Joseph Schumpeter einmal beschrieben.
Lieber Prof. Ferguson, dies ist reichlich naiv. Von Spiegel keine Spur, aber viel Monster, das es endlich zu erledigen gilt. HaLaLi!!

Warum spricht man heute so häufig von der Realwirtschaft in Abgrenzung zu den virtuellen Transaktionen auf den Finanzmärkten, auf denen die Maserati Yuppies es krachen lassen?

Realwirtschaft: Du gibst mir Deins und kriegst dafür Meins. Lass es uns mit Bareld, oder besser einer Bankanweisung handeln. Ein einfaches, gerechtes und befriedigendes Konzept.

Finanzmärkte: Die Politik und Systembanken bestimmen über die Geldmengen und den Geldwert (zum Beispiel durch Wechselkurse). Das grosse Monopoly (Stichwort George Soros) geht nie an der politik vorbei.

Dieses Investmentbanking ist in zweifacher Hinsicht fatal für die Wirtschaft.

1) Damit einige wenige richtig reich werden können, wird so lange herumjongliert bis es dann mal kracht und die Realwirtschaft mit badengeht.

2) Da dies für alle so wunderschön ist (ohne Risiko und Arbeit so richtig Asche machen) interessiert man sich natürlich nicht mehr für so dumme Geschäfte wie die Vergabe von Krediten an kleine Mittelständler - das sind Peanuts und auch einer Bank für Wiederaufbau oder einer Landesbank heute nicht mehr würdig.

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Interessierter0815 06.08.2009, 07:57
3. Neue Banken?

Zitat von sysop
Der Harvard-Historiker Niall Ferguson über die wechselvolle Geschichte des Geldes, die Unausweichlichkeit von Finanzkrisen und den fatalen Einfluss der Mathematiker auf das monetäre System
Neue Banken? Neues Finanzsystem - schluss mit leistungslosem Einkommen, ächtung des Zins! Gerade die Nutznießer dieses Kriegs- und Chaosbringenden Finanzsystem fasseln doch immer von "Chancengleichheit" - wenn Sie er ernst meinen, sollten Sie helfen dieses asoziale und korrumpierende Finanzsystem einzustampfen!

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Deluminatus 06.08.2009, 07:59
4. Das kann ja gar nicht gut gehen

Man sehe sich beliebige historische Charts an - man erkennt ein sehr langfristiges exponentielles Wachstum. Das Zinseszinssystem generiert ebenfalls exponentiellen Geldzuwachs. Als Naturwissenschaftler sind mir exponentiell wachsende Systeme zuwider, da sie unweigerlich zu einem Kollaps führen müssen. Nichts könnte also weniger überraschend sein als die Tatsache, dass ein monetäres System, das nicht an reale Werte (die ja niemals exponentiell wachsen können) gekoppelt ist, in einer Krise enden muss.

Der Wert bedruckter Papierscheine ist virtuell. Finanzdienstleistungen (die man sich in Form von Zinsen bezahlen lässt) sind ebenfalls virtuelle Leistungen - an dieser Stelle findet eine totale Abkopplung von realen Werten statt, denn der Zinszahlung steht bestenfalls ein realer Wert gegenüber, der vielleicht in der Zukunft erzeugt wird - bis dahin sind aber schon wieder Zinseszinsen fällig. Ein derartiges System ist in seinen Grundfesten nicht auf Stabilität angelegt, sondern auf "kurzfristige" (das mögen Dekaden sein) Gewinne, die man möglicherweise zwischen zwei Krisen erreichen kann. Langfristiges Vertrauen in ein solches Finanzsystem ist pure Naivität.

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normanstresskopf 06.08.2009, 08:37
5. der fatale Einfluss der Mathematiker auf das monetäre System

Schöne Überschrift: die Mathematiker (und -innen?) haben also die Finanzkrise verursacht.

Auch Tacitus wußte bereits: "Mathematicis [...] genus hominum potentibus infidum, sperantibus fallax, quod in civitate nostra et vetabitur semper et retinebitur"

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kahpunkt 06.08.2009, 08:56
6. Wachstum, Wachstum, Wachstum

"Ferguson: Dieses System hat sich als überaus unflexibel erwiesen. Wenn die Geldmenge an den Bestand von Edelmetallen gekoppelt ist, lässt sie sich nicht so einfach erweitern, die Wirtschaft kann wegen der Knappheit von Gold oder Silber nicht recht wachsen"

Leute wie Ferguson machen immer wieder denselben Denkfehler: Sie glauben, unsere Wirtschaft muss immer wachsen. Muss sie aber nicht. Sie muss sich nur erneuern und die richtigen Werte schaffen. Permanenter Wachstum ist schädlich, Nachhaltigkeit und Erneuerung dagegen sind die richtigen Schlagworte.

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Michael0181 06.08.2009, 08:58
7. Unverständnis der Mathematiker?

Nette Idee, die Schuld bei den Mathematikern zu suchen. Es gibt da nur einige kleine Problem:

1) Es sind sehr wenige von diesem Ausbildungsstand in verantwortlicher Position bei Banken. Scheinbar ist es nur Juristen oder in Ausnahmen von Wirtschaftswissenschaftlern möglich Entscheidungen zu treffen.

2) Die meisten mir bekannten Mathematiker (insbesondere in der Finanzbranche) würden gerne mit komplexeren Modellen arbeiten. Aber versuchen sie doch mal die Auswirkungen einer nichtlinear modellierten Dynamik einem Vorgesetzten zu vermitteln, der Mathenoten zwischen 4 und 5 hatte und anschliesend Jura studiert hat. Auf mehr Verständnis dürfen Sie hoffen, wenn der Vorgestzte schon ganz alleine quadratische Gleichungen lösen kann und es damit bis zum Dipl. Kfm gebracht hat.

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Parzival v. d. Dräuen 06.08.2009, 09:25
8. Vor dem Spiel bleibt coram publico. Afterwords sowieso.

Zitat von normanstresskopf
Schöne Überschrift: die Mathematiker (und -innen?) haben also die Finanzkrise verursacht. Auch Tacitus wußte bereits: "Mathematicis [...] genus hominum potentibus infidum, sperantibus fallax, quod in civitate nostra et vetabitur semper et retinebitur"
Ja, gut, ich sachma, aramäisch hilft den Papageien auch nicht aus dem Petshop.

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Strichnid 06.08.2009, 10:35
9. ...

Zitat von Michael0181
Aber versuchen sie doch mal die Auswirkungen einer nichtlinear modellierten Dynamik einem Vorgesetzten zu vermitteln, der Mathenoten zwischen 4 und 5 hatte und anschliesend Jura studiert hat. Auf mehr Verständnis dürfen Sie hoffen, wenn der Vorgestzte schon ganz alleine quadratische Gleichungen lösen kann und es damit bis zum Dipl. Kfm gebracht hat.
Eben. Was hilft ein Finanzhistoriker, der fähig ist weiter als 3 Jahre zu denken, dem Chef dann aber nur eine viel kleinere Rendite zum Quartalsende bieten kann, als die Konkurrenz das vermag?

Es wird sich nichts ändern, solange solche Schönfärber wie Ferguson unterwegs sind. Er sagt, dass die Menschen trotz Hyperinf und Währungsschnitt nachher höheren Wohlstand hatten. Na super - die 60 Millionen Toten des WK2 unterschlägt er dabei. Hatten die nachher auch höheren Wohlstand?

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