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Deutscher Humor nach Hildebrandt: Endstation Priol
DPA

Schon vor dem Tod von Dieter Hildebrandt war das deutsche Kabarett in beklagenswertem Zustand. Nach ihm wird es Zeit zur endgültigen Abwicklung eines Genres, das mit Veranstaltungen wie dem "Satire-Gipfel" künstlich am Leben gehalten wird. Fleischhauer-Kolumne: Zum Tod von Dieter Hildebrandt - SPIEGEL ONLINE

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ratio_legis 21.11.2013, 17:54
220. Variante des Klassenkampfes

Zitat von Das Groschengrab
Ein weiterer, wunderbarer Artikel von Herrn Fleischhauer. Linke haben keinen Humor. Sie können nur lachen, wenn der politische Gegner lächerlich gemacht wird. Arme Menschen. Sie können einfach nicht aus ihrer Haut. Hildebrandt hat es wenigstens noch halbwegs so verpackt, daß man auch als liberaler oder konservativer Mensch zumindest schmunzeln konnte. Leute wie Schmickler oder Priol sind unsäglich. Da lacht die linke Minderheit in Deutschland. Der Rest schaltet um.
So ist es. Dem Publikum mit oberlehrerhafter Attitüde und penetranter Selbstgewissheit die einzig richtig Denkart anzudienen, habe ich stets als das Gegenteil von Humor empfunden.

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Erda 21.11.2013, 17:55
221.

Zitat von thedoctor46
- da sehe ich auch rabenschwarz. Vor allem wenn Kolumnisten so etwas hier schreiben: Anstatt hier seinen schwa(r)tzhaften Geifer in die Tastatur zu tröpfeln, hätten er sich gestern eine der Nachruf-Sendungen genau, aber ganz genau ansehen und vor allem - anhören sollen: Dort wurde Hildebrandt nämlich zu seiner angeblichen Liebe zur SPD angesprochen. "Quatsch. Ich habe mit dieser Partei nie sympathisiert, allenfalls vielleicht einmal zu Brandt's Zeiten. Mitglied war ich ebenfalls nie, was mir ständig von irgendwelchen Journalisten der Boulevard-Presse unterstellt wurde. Mein Hang zum politischen Kabarett resultierte daraus, daß sich die Bundesrepublik mit Adenauer und später Kohl in eine Richtung entwickelte, die eben nicht die unsere/meine war. Mit Parteipolitik hatte das nichts zu tun..." Aber wer - wie er nur in schwarz-weiß-Kategorien denkt, der wird das nie begreifen. Wann gehen er denn endlich zur FAZ? Aber um Hugo Müller-Vogg zu beerben, müssen er sich noch gewaltig anstrengen. Mickrige Kolümnchen reichen da nicht.
Es steht außer Frage, dass Hildebrandt ein klasischer Linker war und das hat mit schwarz-weiß-Kategorien absolut nichts zu tun:
Linker Kabarettist: Dieter Hildebrandt ist tot - taz.de

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lebenslang 21.11.2013, 17:55
222. anstrengungen

Zitat von bürger07
ist halt angestrengt anti-links... so wie Herr Matussek angestrengt katholisch ist. Das muss man tolerieren und man kann es auch tolerieren.
wenn das so ist kann man herrn augstein als angestrengt links begreifen.

der reißt verbal mit grossen entwürfen die lebenswelten von millionen menschen in diesem lande nieder in dem treu-naiven glauben alles werde dann besser.

herr fleischhauer agiert da kleinteiliger, ist spezialisiert mit einem ironischen lächeln den finger in wunden zu stecken und dort herumzurühren.

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Erda 21.11.2013, 17:58
223.

Zitat von Dr_EBIL
Das ist echt ehrlich von Jan Fleischhauer, dass er jetzt über den Hildebrandt herzieht. Da stimme ich überein. Wenn man einen Toten nicht gemocht hat, sollte man nicht so tun als wäre das nach seinem Tod anders. Zumindest in dem Punkt ist Fleischhauer ehrlich und ich teile diese Ansicht. Was mir natürlich nicht gefällt, ist diese Weinerlichkeit. Gut, die Eltern waren links, etwas naiv und es war anstrengend - welche deutsche Eltern sind nicht anstrengend? Die Meisten sind sehr anstrengend. Aber am Nervigsten ist die Tatsache, dass er als Kind ein totales Weichei war und jetzt sogar in seinem Job ständig am Überkompensieren ist und wegen einflussreicher Freunde bei SPON als Kolumnist sein Unwesen treiben darf. Get over it! Ich weiß eines: Wenn der Fleischhauer stirbt, werden niemals soviele Leute wie beim Hildebrandt am Grab stehen und auch nicht soviele Menschen trauern, dass es ihn nicht mehr gibt. Im Gegenteil. Viele werden sich freuen einen Ätzbrocken weniger auf dieser Welt. Es wäre wünschenswert, wenn er diese Erkenntnis als Hilfe zur Selbsthilfe annimmt und sein gesamtes Auftreten mal etwas positiver gestalten würde. Man kann das natürlich in zweierlei Richtungen deuten: So mancher Mafiaboss oder Diktatur hatte posthum viele Verehrer. Dazu sage ich als Faustregel: Es ist sehr einfach in dieser Welt ein böser Bube zu sein, oder eben in Kleinformat ein Schreiberling bei dem falschen Blatt, der sogenannte Gutmenschen jagt und als böse Buben verkauft. Eines Tages werden wir auch erfahren, wer noch so alles den Fleischhauer bezahlt hat. Denn meistens werden böse Gutmenschen im Auftrag eines Bösmenschen gejagt. Beispielsweise die Koch-Brüder mit ihren Dark money groups tun dies. Diese Herren wissen genau, wenn Koch draufsteht, wüsste sofort jeder Bescheid. Also wird eben versteckt und vertuscht. Es soll eben nicht jeder sehen, wer hier den Gutmenschenjäger bezahlt. So bastelt sich eben jeder seine Welt, wie er sie gerne hätte, nicht nur der böse Gutmensch Hildebrandt. RIP
Genau unhd deshalb setzte das ZDF auch sämtliche Wiederholungen von geplanten Derrick-Folgen ab. Sie wissen warum?
Über Tote nur Gutes, das war einmal in unserer guten Adenauerzeit! Demnächst kommt eine Doku zu Brandt in der ARD auch seine Vorleibe für den Alkohol und die Damen wird zur Sprache kommen: Üner Tote nur Gutes, wo leben Sie denn? In den 50er und 60er Jahren?

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dinkelpinkel 21.11.2013, 17:59
224. Dieter Hildebrandt - ein Kabarettist ohne Fehl und Tadel

Dieter Hildebrandt war genial. Dieser außergewöhnliche Künstler ist nur schwer zu ersetzen.
Aber ich vertrau voll auf Priol, Pispers, Schramm, Schmickler, Uthoff, Becker und all die sehenswerten Kabarettisten, die unser Fleischhacker am liebsten in den Orkus verbannen würde. Mutti "beleidigen"? Ab ins Erziehungsheim.

Und speziell für den Fleischhacky noch eines von "Helmuth Kohls" Meisterwerke:

"Der Mond,
meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen,
ist aufgegangen!
Und niemand von Ihnen, liebe Freunde, meine Damen und Herren, wird mich daran hindern, hier in aller Entschlossenheit festzustellen:
Die goldnen Sternlein prangen
und wenn Sie mich fragen, meine Freunde, wo, dann sage ich es Ihnen:
am Himmel!
Und zwar, und das sei hier in aller Eindeutigkeit gesagt, so, wie meine Freunde und ich uns immer zu allen Problemen geäußert haben:
hell und klar.
Und ich scheue mich auch nicht, hier an dieser Stelle ganz konkret zu behaupten:
Der Wald steht schwarz und ...
lassen sie mich das hinzufügen
und schweiget.
Und hier sind wir doch alle aufgerufen - gemeinsam -, die uns alle tiefbewegende Frage an uns gemeinsam zu richten: Wie geht es denn weiter? Und ich habe den Mut und die tiefe Bereitschaft und die Entschlossenheit, hier in allem Freimut und aller Entschiedenheit zu bekennen, dass ich es weiss!
Nämlich:
Und aus den Wiesen steiget
das, was meine Reden immer ausgezeichnet hat:
der weiße Nebel wunderbar."

Weißer Nebel - wie die Kolumnen des Herrn Fleischhacker!

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verhetzungsschutz 21.11.2013, 17:59
225. Der deutsche Humor wird madig gemacht

Zitat von sysop
Schon vor dem Tod von Dieter Hildebrandt war das deutsche Kabarett in beklagenswertem Zustand. Nach ihm wird es Zeit zur endgültigen Abwicklung eines Genres, das mit Veranstaltungen wie dem "Satire-Gipfel" künstlich am Leben gehalten wird.
Das Beste an Dieter Hildebrandt war, daß er nicht den Eindruck vermittelte, es hätte das rechtstaatliche wie demokratische Umfeld für ihn gegeben, um eine Berufsalternative als Unterhaltungsjournalist, Quizmaster oder Dschungelbauchredner zu finden. Dazu war nicht nur sein technisches Können zu wenig mit einem Doktortitel gesegnet, sondern vor allem sein Gewissen ließ ihn niemals zum Weisungsgebundenen der deutschen Berufshumoristik werden. Aber der Sprachkünstler kommt auch aus einer anderen Zeit. Früher war die Satire einfach realer und man wurde vielleicht mal aus Bayern ausgeblendet, während heutzutage schon ein finanziell ungenügender, schwarzer Humor ausreicht, um in der Anstalt zu landen. Wer also so viel Humor hat, um festzustellen. daß er im herrschenden System viel mehr Rendite erzielt als durch Abschaffung desselben, der wird eben nicht raabiater Komiker, sondern Fleischhauer...

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gruenbonz 21.11.2013, 18:02
226. Schramm und Richling, dann kommt nur Schwachsinn!

Zitat von sysop
Schon vor dem Tod von Dieter Hildebrandt war das deutsche Kabarett in beklagenswertem Zustand. Nach ihm wird es Zeit zur endgültigen Abwicklung eines Genres, das mit Veranstaltungen wie dem "Satire-Gipfel" künstlich am Leben gehalten wird.
ob Priol oder Nuhr, das sind Witzbolde, bei denen man nicht lachen kann. Aber beide sind voll eingebunden in die ÖR-Political Correctness, das schafft natürlich Auftritte auch bei SPD-Ortsvereinen und sonstigen Mitklatschsendungen. Bleiben lediglich Richling und Schramm, beide mit Format, wenn auch politisch diametral.

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wachner 21.11.2013, 18:04
227. Humor ist, wenn man nicht über die Klimakonferenzen witzelt

Herr Fleischhauer, sie haben offenbar in ein Nest aus roten Ameisen gestochen. Was ein Gewühle, was eine Aufregung! Erstaunlich, wie ernst Ihre Kolumne unter fortwährendem 'Sich versichern, dass man Sie nicht ernst nehmen muss', genommen wird.

Ich halte kurz den Tenor fest: In demokratischen Staaten ist Kritik essentiell. Gerade die Form des politischen Kabaretts genießt in pluralistischen Gesellschaften größtmöglichen Status. Es gibt nur eine Einschränkung: Sie muss gegen die Politik von Konservativen und Pragmatikern allgemein gerichtet sein. Alles andere ist verdammenswert rechts.

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gerd.lt 21.11.2013, 18:10
228. Fleischhauers Not

Ich fragte mich die ganze Zeit: Nachruf auf Hildebrandt von Fleischhauer? - Im vorletzten Absatz kam dann die Antwort: Priol war das Ziel dieses Nachrufs, endlich mal eine Gelegenheit nach Links auszukeilen, auf Priol, den Lieb"links"feind von Fleischhauers Kanzlerin. Wenn nach Fleischhauer das Kabarett durch den Tod von Hildebrandt gleich mitbeerdigt werden sollte, so entsteht die Frage, was macht Fleischhauer wenn er sein Ziel, das Ende alles Linken, erreicht hat?

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Erda 21.11.2013, 18:16
229.

Zitat von gerd.lt
Ich fragte mich die ganze Zeit: Nachruf auf Hildebrandt von Fleischhauer? - Im vorletzten Absatz kam dann die Antwort: Priol war das Ziel dieses Nachrufs, endlich mal eine Gelegenheit nach Links auszukeilen, auf Priol, den Lieb"links"feind von Fleischhauers Kanzlerin. Wenn nach Fleischhauer das Kabarett durch den Tod von Hildebrandt gleich mitbeerdigt werden sollte, so entsteht die Frage, was macht Fleischhauer wenn er sein Ziel, das Ende alles Linken, erreicht hat?
Wenn Priol nur links wäre, der Mann ist einfach nur ein ganz schlechter Komiker, die Bezeichnung Kabarettist hieße für ihn Perle.... sie wissen schon.

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