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Deutschlands Rolle in der Welt: Das Gerede vom Krieg
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Gauck, Steinmeier, von der Leyen reden vom Krieg. Seit 20 Jahren kämpfen - und sterben - deutsche Soldaten rund um den Globus. Reicht das immer noch nicht? Jakob Augstein über den Einsatz von Soldaten der Bundeswehr im Ausland - SPIEGEL ONLINE

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kdshp 03.02.2014, 14:23
90.

Zitat von Atheist_Crusader
Typisch naiv-verweichlichtes deutsches Nachkriegsgeschwurbel. Herr Augstein, das da draußen ist eine harte, gnadenlose Welt die es nicht im Mindesten schert ob sich Jemand Pazifist nennt oder innerhalb seiner Grenzen bleibt. Wenn man etwas hat was Jemand will oder man etwas ist was er nicht mag, dann kann man zum Opfer werden. Und wir leben nunmal gemeinsam auf diesem Planeten, was bedeutet, alles was irgendwo auf der Welt passiert kann uns am Ende betreffen. Dinge wie das Lampedusa-Unglück werden von solchen Konflikten ausgelöst, die hier mit "da müssen wir uns nicht einmischen" abgetan werden. Und das idiotischste daran ist: im gleichen Atmezug werden dann noch die Länder kritisiert, sich einmischen, etwas tun, nicht bloß zusehen. Klar, viele davon handeln kurzsichtig und egoistisch... aber genau das wirft dann die Frage auf, warum wir sie dann als Einzige handeln lassen? Die USA wurde nicht zur Weltpolizei gewählt, sie wurde dazu, weil es sonst Niemand gemacht hat. Dass sie dabei so viel Schaden anrichten konnte... ja was passiert denn in der Wirtschaft, wenn Jemand ein Monopol auf irgendetwas hat? Wir haben die Chance, unseren eigenen Pfad zu gehen. Nicht das Schoßhund der USA, sondern auf unserer eigenen Politik basierend - die eben NICHT das Flächenbombardement als ersten Schritt jeder Konfliktlösung sieht. Statt immer nur die Anderen zu kritisieren (oft zu Recht), haben wir tatsächlich die Chance, es besser zu machen. Zu zeigen, dass es anders geht. Dass es friedlicher, intelligenter, nachhaltiger und vor allem mit weniger egoistischen Motiven geht. Der Welt zu zeigen, dass es echte Alternativen zu Washingtons paranoidem Gefasel gibt. Wir haben diese Chance... aber statt auch nur mal fünf Minuten nachzudenken sagen wir lieber gleich "Nein, Krieg ist bäh!". Wir sind ein Haufen kurzsichtiger, verwöhnter Kinder, die ihre Feigheit als moralische Lektionen aus Opas Kriegsgeschichten tarnen und lieber jahrzehntelang den Mist der Amis fressen, aus Angst selbst mal in die Küche zu gehen und dann gleich das Gebäude niederzubrennen. Wir haben nicht aus der Vergangenheit gelernt - wir benutzen sie als Entschuldigung. Jemand der tatsächlich aus der Vergangenheit gelernt hätte, würde seine einzigartige Sichtweise in den Dialog einbringen wollen und zu einer Änderung der Denk- und Handlungsweise globaler Interventionspolitik führen. Tun wir aber nicht. Wir setzen uns lieber still in die Ecke, mosern an allem herum und überlassen das Handeln den Anderen. Und dann wundern wir uns, wenn die Welt in Flammen steht. Wir waren es ja nicht.
Tuen sie es denn selber? Nach ihren mßstäben müßten wir (sie) in die halbe welt ein maschieren. Sie kaufen doch sicherlich auch dinge die aus ländern kommen wo menschen unterdrückt werden. NEIN das ganze ist verlogen und die welt ist wie sie ist UND darum sollten wir (gutmenschen) aus dingen raushalten die uns nichts angehen.

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medicus22 03.02.2014, 14:23
91.

Zitat von chiefseattle
Die deutschen Waffenexporte wachsen. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sagen, dass Waffen Gewalt und Krieg bedeuten. Wenn die deutsche Elite jetzt Waffen nach Saudi-Arabien und Soldaten nach Afrika schickt, ist die Vorbereitung eines Krieges bereits im Gange.
Als würde das Wohl der Welt von deutschen Waffen abhängen. Ohne Waffen töten wir uns eben mit Stöcken und Steinen. Dauert bloss länger. Das Märchen des Friedens in einer Welt ohne Waffen zieht eigentlich nur bei Kindern. Es ist immer noch der Mensch der tötet, nicht die Waffe. Damit es Frieden gibt, muß es Krieg geben. Wie arm und reich. Das eine bedingt das andere.

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Spiegeluniversum 03.02.2014, 14:23
92.

Zitat von medicus22
Würde jeder von uns machen.
Das sagt mehr über Dich, als über "jeden von uns" aus.
Zitat von medicus22
Aber lieber Herr Augstein, wollen wir Wohlstand, brauchen wir Armeen.
Er hat nichts gegen "Armeen" geschrieben, sondern gegen Angriffskriege.
Zitat von medicus22
Was wollen wir? Würden die Umfrage lautet: Auslandseinsätze oder Sozialkürzungen, würde das Ergebnis eindeutig sein.
Leider würde so eine Umfrage nichts mit der Realität zu tun haben, da Auslandseinsätze Geld kosten und nicht einbringen.
Zitat von medicus22
Wenn Deutschland mitreden will, dann trägt es auch militärische Verantwortung.
Mitreden ist nicht das gleiche, wie einer Supermacht zu gehorchen.

Zitat von medicus22
Warum haben Russland, USA, China mittlerweile Frankreich, nur so ein Gewicht?klingelt es?
Interassenterweise haben alle dieser Länder, bis auf die USA ein geringeres pro-Kopf-Einkommen und einen geringeren Menschlichen Entwicklungsindex als Deutschland. Die USA haben auch ein geringeren an Ungleicheit angepassten MEI als Deutschland:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_o...y-adjusted_HDI
Was bringt Dir, daß dein Land "Gewicht" hat, wenn Du selber arm bist?

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Bürger Null 03.02.2014, 14:23
93. Krieg wieder Mittel deutscher Politik

Jahrgang 1951, geprägt von „Im Westen nichts Neues“, „Draußen vor der Tür“, den körperlichen und seelischen Kriegstraumatisierungen der Generationen meiner Eltern und Großeltern sowie vieler Patienten, -innen, die ich als Arzt betreut habe, den bis 1990 mitten in Deutschland sicht- und spürbaren Kriegsauswirkungen sowie den umfangreichen Berichten zur Zeitgeschichte war ich als junger Erwachsener ganz ernsthaft der Überzeugung, die Deutschen hätten in besonderer Weise gelernt, Krieg als Möglichkeit der Politik auszuschließen, außer zur Verteidigung in echter Notwehr, wären an ihrer Geschichte gereift. Und ich war sicher, dass man in Deutschland mit dem Thema Krieg offen und ehrlich umgehen würde.
Diese Überzeugung hat sich in Luft aufgelöst, als Deutschland ohne erkennbaren Grund in den Afghanistankrieg eintrat und die Öffentlichkeit von der damaligen Regierung in der Form hinters Licht geführt wurde, dass man den Eindruck vermittelte, es handele sich gar nicht um einen Kriegseinsatz sondern eigentlich um Aufbauhilfe, die auch vom Technischen Hilfswerk hätte geleistet werden können. Und wider alle Erfahrungen, ohne dass es irgendwelche Belege dafür gibt, dass die angeblich angestrebten Ziele durch Krieg erreicht werden könnten, knüpft das nach der Vereinigung von DDR und Primär-BRD entstandene vierte deutsche Reich jetzt noch intensiver an die Kriegspolitik an, die erstes und drittes so grauenhaft betrieben haben. Es ist unfassbar. Ich sage dies als Oberleutnant der Reserve, für den es vor über vierzig Jahren selbstverständlich war, die offensichtlich bedrohte Freiheit seines Landes zur Not militärisch zu verteidigen, zum großen Glück für uns all war dies nicht aktiv nötig.

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ewspapst 03.02.2014, 14:24
94.

Zitat von Walther Kempinski
Pazifismus ist manchmal im Prinzip nur unterlassene Hilfeleistung. Manche Linke wollen das Grauen in der Welt vor allem in Afrika nicht weiter bekämpfen und lieber daheim am Fernseher mit ner Tüte Chips und Popcorn begleiten (man könnte ja was falsch machen und ....
Aber manchmal muss man eben eingreifen und das Schlimmste verhindern und ja, manchmal tötet man Unschuldige, aber das ist immernoch besser als 100 mal mehr Unschuldige den Mordkommandos von Warlords zu überlassen, meinten Sie.

Ein offenes Wort dazu:
Meinten Sie "man" und dachten dabei an einen anderen jungen deutschen Bürger, der sich in Ihrem Namen von einer Granate ruhig zerfetzen lassen darf, oder meinten Sie sich selber, der nun im Namen des deutschen Volkes sein Leben opfern würde, um andere Unschuldige zu retten. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn wir von Ihnen darüber aufgeklärt werden und hätten unter Umständen eine ganz falsche Vorstellung von Heldentum.
Eine kleine Ergänzung: Kritik muss nicht zugelassen werden, sondern kann in der BRD immer von jedem geäussert werden, wenn er denn ein Demokrat ist.

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woeschelterjong 03.02.2014, 14:24
95. Das Gerede vom "Wir"

Zitat von sysop
Gauck, Steinmeier, von der Leyen reden vom Krieg. Seit 20 Jahren kämpfen - und sterben - deutsche Soldaten rund um den Globus. Reicht das immer noch nicht?
Ich habe 2011 alle Fraktionen im Bundestag angeschrieben und gefragt, wen die Damen und Herren denn meinen, wenn sie sagen "wir müssen...verteidigen" oder "wir müssen die Afghanen ausbilden" und noch weitere Aussagen mehr. Weiter wollte ich wissen, wer von den Damen und Herren Bundestagsabgeordneten denn nahe Verwandte im Kriegseinsatz hat.
Nur von einer einzigen Fraktion habe ich ein Schreiben (keine Antwort) bekommen und das war ganz allgemein gehaltenes BlaBlaBla!
Ich schäme mich, dass auch hochrangige Vertreter meiner Partei (SPD) Kriegseinsätzen das Wort reden!!
Überhaupt: welcher Krieg hat den erhofften Erfolg gebracht?
Vietnam? Die Irak-Kriege? Sowjetunion in Afghanistan? Nato in Afghanistan? Kriegseinsätze in Afrika?
Behauptet wirklich Jemand allen Ernstes, dass die Sicherheit Deutschland durch diesen Irrsinn besser wurde?
Deutsche Kriegsbefürworter aller Coleur: schämt euch in Grund und Boden!!!

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südwest3 03.02.2014, 14:24
96. Widerspruch, Herr Augstein

Es ist einfach eine pazifistische Weltanschuung zu vertreten. Auch ich wünsche mir, ohne Militär und Gewalt auszukommen und wer, außer der Rüstungslobby soll denn auch anderes darüber denken.
Wenn jedoch irgendwelche Irre der Weltgeschichte damit beginnen, unliebsame Mitbürger abzuschlachten (Libyen, Ruanda, Syrien u.a.) endet mein persönlicher Pazifismus, insbesondere dann, wenn jeder verstichene Tag diplomatischer Bemühungen zu neuen Toten führt.
Kurz gesagt, es gibt Irre, die nicht anders als mit Gewalt zu stoppen sind.

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mattotaupa 03.02.2014, 14:24
97. Zeigenhirten

Zitat von Walther Kempinski
"Auf einmal wird klar, was dieses Land an seinem Außenminister Guido Westerwelle hatte, der für eine "Kultur der militärischen Zurückhaltung" stand und der dafür nun von den Zeitungen gescholten wird." --> Tja liebe Linke und Co. zuerst auf die FDP spucken und nun doch einsehen, dass diese doch keine Monstren sind, wie manchmal medial gehetzt wurde. Nur zur Erinnerung: Die FDP saß nach dem 2. Weltkrieg zu 80% immer mit am Regierungstisch und hat den Sozialstaat mitaufgebaut, mitbewilligt oder angestoßen. Würde dies nicht stimmen, hätten wir heute eben keinen Sozialstaat (Hartz4 wurde ja eingeführt von rot-grün).
Sie sind einer der befürworter des Afghanistaneinsatzes, werter Her Kempinski.
Erklären Sie uns doch bitte mal, warum die Streitmacht der USA gegen die Ziegenhirten aus dem 19.Jahrhundert völlig chancenlos sind und die Russen es ebenso waren ?

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Widerstandsgewächs 03.02.2014, 14:25
98. und???

Zitat von sfb
Die Deutschen sind mit großer Mehrheit auch dagegen, in einem Agrarstaat auf Drittweltniveau zu leben. Und genau das wird die Zukunft bringen, wenn man nicht bereit ist, seine Interessen in der Welt angemessen zu vertreten.
wollen Sie zum Befriedigen unserer überzogenen Ansprüche hinsichtlich Konsums, den Zweitwagen gegen den Schützenpanzer tauschen? Konfliktlösung jetzt erstens vorraus, dass man Konflikte und deren Ursachen versteht und dann eine friedliche Lösung sucht, die Ursachen beseitigt. Dabei ist die größte Konfliktursache immer die ungerechte Verteilung irgendwelcher Dinge. Dabei ist nicht nur der Eroberungskrieg ungerecht, ungerecht sind auch Kriege zur Verteidigung von durch Ungerechtigkeit erlangten Reichtum! Von der Grausamkeit gar nicht zu reden...

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adal_ 03.02.2014, 14:26
99. Faule Ausrede

Zitat von prologo1
Deutschland muss sich für nur humanitäre Hilfe verpflichten, und das versteht auch jedes land, wenn wir auf unsere Vergangenheit hinweisen.
Das Verständnis bröckelt. Und zwar mit Fug und Recht. Den Hinweis auf die deutsche Vergangenheit verstehen Franzosen und Briten, die regelmäßig für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, immer öfter als das, was es ist: Eine faule Ausrede.

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