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Die ersten Anhänger: "Das Christentum war subversiv und gefährlich"
Paolo e Federico Manusardi/ Electa/ Mondadori Portfolio/ Getty Images

Der christliche Glaube gilt meist als westliches Phänomen. Doch anfangs breitete sich die Lehre Jesu vor allem im Osten aus, sagt der Oxforder Historiker Peter Frankopan. Sogar im heutigen Afghanistan gab es Bischöfe.

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svizzero 22.04.2019, 13:42
10. Die Geschichte des Christentums ist viel facettenreicher

Lese gerade das Buch "Religion fällt nicht vom Himmel" von Andreas Goetze. Im Gegensatz zu Frankopan versucht Goetze "historisch-kritisch" die Entwicklung der Religionen im nahen Osten aufzuarbeiten. Aufgrund seiner Erläuterungen wird klar, dass viele der gängigen Ansichten einer tieferen historischen Überprüfung nicht standhalten. Viel des heute verbreiteten "Wissens" basiert auf mündlichen Überlieferungen. Viele (schriftlich) dokumentierte Ereignisse wurden erst Jahrzehnte später protokolliert. Es sind also keine Aufzeichnung von Zeitzeugen. Zudem entstanden durch Übersetzungen aus unterschiedlichsten Sprachen Ungenauigkeiten, ja gar offensichtliche Fehler, bei der Wiedergabe der geschichtlichen Überlieferungen. Das Buch ist sperrig und nicht einfach zu lesen. Aber wohl eines der besten Werke über die Religionsgeschichte im nahen Osten, das heute auf dem Markt ist.

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st.peterording 22.04.2019, 13:47
11. Glaubenswahrheiten sind keine Wahrheiten

Zitat von helmut.alt
Jesus hat mit Gleichnissen Botschaften überbracht, die sich in zwei Jahrtausenden immer wieder bewahrheitet haben. Gewalt hat er stets abgelehnt und immer zu Liebe und Barmherzigkeit aufgerufen. Was Sie mit dem finalen Massaker der Bibel meinen, erschließt sich mir nicht, aber vermutlich meinen Sie das Jüngste Gericht. Die heutige moderne Interpretation dürfte etwa so lauten: Wer sich im irdischen Leben den Mitmenschen gegenüber schlimm verhalten hat, der hat sich eine "soft ware" zugelegt, die mit der "master soft ware" (= Gott) nicht kompatibel ist und abstürzen wird (gemeinhin als Hölle bekannt). Ich sehe das als wichtigen Hinweis für ein ewiges Leben, in dem es keine Materiegesetze mehr gibt, und nicht als finales Massaker.
Bewahrheitet hat sich soweit ich weiß so gut wie nichts, außer allgemeinen Annahmen.
Die Offenbarung meine ich übrigens, den Schluss des heiligen Buches, mit widerlichsten Drohungen gegen alle Ungläubigen. Was soll denn „Hinweis für ein ewiges Leben“ bedeuten? Nach dem Hirntod endet unsere Existenz.

Hier noch ein paar Originalzitate der Romanfigur Jesus, die vor Liebe und Barmherzigkeit nur so strotzen:
Mt 10,3Mt 13,47-50 (Jesus sagt): Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Fischernetz, womit man man allerlei Fische fängt. Wenn es voll ist, ziehen sie es an das Ufer und sortieren den Fang. Die guten Fische landen in Körben, und die schlechten werfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt geschehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten (die die Vorschriften Gottes befolgt haben), trennen und in den Feuerofenofen werfen. Da wird Heulen und Zähneklappern sein.

Mt, 4-39 (Jesus sagt): Viele glauben, dass ich als Friedensbringer gekommen bin. Ich bringe aber nicht Frieden sondern das Schwert. Ich werde die Kinder gegen ihre Eltern aufwiegeln (und die Familien spalten), so dass die eigenen Hausgenossen zu Feinden werden. Wer seine Eltern oder seine Kinder mehr liebt als mich, kann nicht zu mir gehören. Wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir zu folgen, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben wegen mir verliert, der wird es finden.

Mt 18,6 (Jesus spricht): Wer einen einfachen Gläubigen ärgert, sollte mit einem Mühlstein am Hals im tiefsten Meer ersäuft werden.

Mt 15,4 (Jesus bekräftigt die Gebote des alten Testamentes): Gott hat geboten: Ehre deine Eltern. Wer über seine Eltern flucht, soll sterben!

usw.usw.usw...-

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st.peterording 22.04.2019, 13:55
12. Menschenrechte

Zitat von licht_und_schatten
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind zwei Begriffe, die zu der Zeit kaum im Fokus eines Menschen stehen konnten. Universelle Menschenrechte gibt es nicht. Der Begriff Menschenrecht ist ein künstlicher, von uns erfundener Begriff und hat mit der Natur, mit dem Universum oder mit einer kreationistischen Existenzform nichts zu tun. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge im Universum.
Richtig, von Demokratie und Rechtsstaat wussten die Menschen damals nichts. Sie wussten so gut wie nichts von der Welt. Deshalb ist es doch so unverständlich, dass dieser Kult heute noch so eine Rolle spielt.

Die universellen Menschenrechte sind z.B. in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN formuliert. Eine große Errungenschaft im 20. Jahrhundert. Es sind sinnvolle Regeln für das Zusammenleben der Menschen und werden zwischen den Menschen ausgehandelt.
Und natürlich ist der Mensch nicht Maß aller Dinge. Wir sind eine affenähnliche Spezies auf einem unbedeutenden Staubkorn am Rande einer unbedeutenden Galaxie. Machen wir das Beste daraus.

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Newspeak 22.04.2019, 14:38
13. ....

"Immer aber gab es lautstarke Minderheiten, die ihre Botschaften verkündeten und unablässig in Streit lagen."

Und genau deshalb ist die Religionsfreiheit ein Fehler. Religionen verursachen immer nur Streit. Bei keinem anderen Thema sind Menschen so dogmatisch und glauben sich im Besitz der absoluten Wahrheit.

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syracusa 22.04.2019, 14:55
14.

Zitat von curiosus_
In fundamentalem Gegensatz dazu der Islam: Er kennt diese Trennung nicht. Er kennt keine institutionalisierte Kirche (wie das Christentum mit dem Papsttum, den orthodoxen Kirchen etc.), er kennt nur den Sultan, den Herrscher, wie er im Koran definiert ist. Der hält die weltliche und religiöse Macht in einer Hand, da macht eine Kirche keinen Sinn.
Sie irrren hier massiv! Der Islam kennt absolut keine institutionalisierte religiöse Macht, und die Rolle des Kalifen st in keiner Weise im Koran definiert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kalif
Der Sultan wird im Koran als ausschließlich weltlicher Herrscher definiert, der keine Befugnis hat, über religiöse Belange zu urteilen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sultan

Der Islam kennt keine religiöse Institution, die vorgeben könnte, was islamisch und was nicht, und insbesondere haben weder Kalifen noch Sultane solch eine Rolle inne. Der Koran überlässt dies explizit jedem einzelnen Gläubigen selbst. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Rechtsschulen entwickelt, so dass z.B. für das Sunnitentum die Al Azhar Schule als relativ maßgeblich bzgl religiöser Urteile gilt.

Unter Christen wird immer übersehen, dass der Islam schon 500 Jahre vor dem Christentum seine eigene Variante der Aufklärung entwicklete. Daraus haben sich bis heute überlebende Zweige des Islam entwickelt wie z.B. das Alevitentum, das es in Sachen Kompatibilität zur westlichen Aufklärung locker mit den liberalsten christlichen Kirchen aufnehmen kann.

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syracusa 22.04.2019, 15:01
15.

Zitat von curiosus_
Sicher nicht, eine krasse Fehlinterpretation. Denn das Christentum musste sich zuerst mal gegen "sozioökonomischen und machtpolitische Erwägungen" durchsetzen, denn es war ja das Neue das das Alte in Frage stellte und mit Absolutheitsanspruch (aber ohne Gewalt, dazu war es ja gar nicht in der Lage. Sondern durch persönliche Überzeugung) vertrat. Und da bestand das Wachstum an Kopfzahl nur und ausschließlich in freien "Entscheidungen einzelner Individuen", wie denn sonst?
Die Kopfzahl war aber eben nicht das Entscheidende, sondern die Brauchbarkeit der Religion als Herrschaftsinstrument. Konstantin hat das Christentum nicht deshalb als Staatsreligion eingeführt, weil es eine nennenswerte Zahl Christen im Reich gegeben hat (die waren damals noch eine arge Minderheit), sondern weil das Christentum besser als die anderen Religionen seiner Zeit geeignet war, soziale Bindungskräfte im Reich zu schaffen.

Es waren eben nicht die Entscheidungen einzelner Individuen, die den Durchbruch brachten, sondern die sozioökonomischen und politischen Zwänge und Rahmenbedingungen. Das wird schon dadurch deutlich, dass in Kriegen unterlegene Völker sich nur selten schwer damit taten, die Religionen der Sieger zu übernehmen.

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syracusa 22.04.2019, 15:04
16.

Zitat von licht_und_schatten
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind zwei Begriffe, die zu der Zeit kaum im Fokus eines Menschen stehen konnten. Universelle Menschenrechte gibt es nicht. Der Begriff Menschenrecht ist ein künstlicher, von uns erfundener Begriff und hat mit der Natur, mit dem Universum oder mit einer kreationistischen Existenzform nichts zu tun. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge im Universum.
Das sicher nicht, aber er ist das Maß aller Dinge für alle Menschen.

Und natürlich gibt es universelle Menschenrechte. Es gibt - von pathologischen Einzelfällen abgesehen - keinen Menschen, der gerne gefoltert wird. Also ist es schon mal ein universelles Menschenrecht, nicht gefoltert zu werden. Und das Gleiche gilt für die anderen Menschenrechte ganz analog.

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fritzberg1 22.04.2019, 15:22
17.

Zitat von helmut.alt
Die Galionsfigur Jesus war ein perfekter Mensch, der nur Gutes vollbrachte und mit dem "mörderischen" Alten Testament wenig gemein hatte. Seine Auferstehung verheißt auch uns ewiges Leben. .....
Das mag so sein. Allerdings ist m.M. nach Jesus angetreten um die Auswüchse der bestehenden jüdischen Religion anzuprangern.
Da ist er gescheitert.
Da kam Paulus und trug die Ideen aus dem Jüdischen Bereich hinaus.
Die Juden, damals wie heute interessieren sich nicht für die Religionen der Nichtjuden und demzufolge missionieren sie auch nicht,
Aber Paulus und seine Mitstreiter kreierten aus den Lehren von Jesus eine Religion mit Absolutheitsanspruch die keine weiteren Religionen neben sich duldete. Auch das war ein Novum. Religiöse Intoleranz gab es bis dato nirgends.
Kurz gesagt: Ohne Paulus würde heute niemand mehr was über Jesus wissen.
Zitat von
.....Seine Auferstehung verheißt auch uns ewiges Leben. ....
Nun da kommen wir aber sehr stark in den Bereich des Glaubens. Denn außer diesbezügliche Behauptungen gibt es dazu keinerlei nachvollziehbare Fakten und widerspricht auch den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über das Leben im Allgemeinen.

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JackGerald 22.04.2019, 15:27
18. Richtig - das Christentum WAR "subversiv und gefährlich"

Aber wir leben nunmal im Hier und Jetzt - und welche Religion noch heute "subversiv und gefährlich" ist, das zeigt z. B. die aktuelle Berichterstattung über Sri Lanka. Dieses ganze wissenschaftliche Gequatsche ist doch völlig irrelevant.

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helmut.alt 22.04.2019, 16:09
19.

Es war nicht nur Paulus, der über das Leben, Wirken, Sterben und Auferstehen von Jesus berichtete und missionierte, sondern alle Apostel. Petrus, der nach der Gefangennahme von Jesus noch leugnete diesen Menschen überhaupt zu kennen, missionierte so lange bis man ihn Rom kreuzigte (mit dem Kopf nach unten). Thomas missionierte in Indien, die Thomas-Christen sind in Südindien, insbesondere in Kerala, auch heute noch ein großer Block. Warum haben die Apostel und die ersten Christen bis zum eigenen Tod ihren Glauben verkündet? Jesus hat sie über seinen irdischen Tod hinaus, aber insbesondere durch seine Auferstehung, überzeugt, dass er die wahre Botschaft von seinem Vater überbringt.

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