Forum: Blogs
Die ersten Anhänger: "Das Christentum war subversiv und gefährlich"
Paolo e Federico Manusardi/ Electa/ Mondadori Portfolio/ Getty Images

Der christliche Glaube gilt meist als westliches Phänomen. Doch anfangs breitete sich die Lehre Jesu vor allem im Osten aus, sagt der Oxforder Historiker Peter Frankopan. Sogar im heutigen Afghanistan gab es Bischöfe.

Seite 9 von 9
Fossibaerin 29.04.2019, 17:57
80. Ich denke die Idee war

dass jede Gruppe auf ihrer Insel bleiben muss, und dann sehen wir mal. Nicht, dass der reiche buddhist eine Gelegenheit kriegt, zur armen Muslima zu kommen.

Ich denke trotzdem, dass das Ergebnis des Experimentes ziemlich schnell ziemlich eindeutig ausfallen würde. Kurzfristige Antwort: Es ist nirgends besser oder schlechter als auf einer der anderen Insel. es geht überall aus wie auf der insel in William Goldings "Herr der Fliegen". Menschen sind alle gleich, überall, das ist weder religions- noch volks- noch kulturabhängig. Schon Schimpansen kämpfen um die Hackordnung, und zwar gelegentlich bis auf's Blut. Ich gehe nur davon aus, dass auf der rein weiblich besetzten Insel lange Zeit mehr psychische als physische Gewalt zur Anwendung kommt. Wir sind da sozial etwas anders geprägt als die Männer, wenn auch nicht positiver.

Ansonsten wird die Bevölkerung der eingeschlechtlich besetzten Inseln aussterben. Auf den zweigeschlechtlich besetzten Inseln wird sich, nach einigen "Verlusten", eine soziale Organisation ausbilden, inkl. einer wie auch immer Hackordnung. Jede Hierarchie wird unter den Bedingungen der jeweiligen Insel ihre Vor- und ihre Nachteile haben, und von der ursprünglichen religiösen/ideologischen Prägung nur noch Rudimente aufweisen. Keine Gesellschaft wird viel besser sein, oder schlechter, als die andere. In jeder wird es Nutznießer der jeweiligen Ordnung geben und Verlierer. Alle werden aber bereit sein, ihre jeweiligen "Werte" gegen "Außenseiter" zu verteidigen, jedenfalls so lange, bis eine ausreichende Menge von ihnen glaubt, sie könnte von einer Veränderung irgendwie profitieren.

Mit anderen Worten: Das Experiment würde beweisen, was jeder eigentlich sowieso schon wissen könnte: Religionen sind nicht die Rettung dieser Welt, Religionen sind nicht das Verderben dieser Welt, das Christentum ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als irgendeine der anderen großen Weltreligionen dieser Erde. Es hat Herausragendes geschaffen, geistig, kulturell, politisch, gesellschaftlich. Von den Kathedralen Frankreichs über die Kunst Italiens, die Philosophie Deutschlands, die Gesellschaftsordnung Skandinaviens, die Idee von Gerechtigkeit und Menschlichkeit und Frieden, die Geschichte Irlands, bis hin zur Idee der universalen Menschenrechte. Es hat auch viel Böses verursacht, zu viel Bösem die Hand gereicht und ist für viel Böses missbraucht worden. Anders ausgedrückt: Das Christentum hat genau so viel oder wenig für und gegen die Menschheit getan wie die Ideen des Judentums, des Islam, des Buddhismus und jeder anderen Religion bis zurück ins Alte Ägypten auch. Es hat nicht mehr und nicht weniger zum Menschenglück und Menschenelend beigetragen als die großen säkularen Ideen von Aufklärung, Revolution, Sozialismus, Freiheit, Kapitalismus, Nationalismus und Liberalismus auch. Man kann das alles in den Himmel heben, man kann das alles verteufeln. Man kann aber auch einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass, ob Religion oder Ideologie, jede dieser Ideen uns mit zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Und ich persönlich kann nicht finden, dass Europa hinter den anderen großen Kulturen dieser Erde irgendwie zurückstehen müsste.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
scoopx 29.04.2019, 23:00
81. Es stimmt schon,

Zitat von juttakristina
scoopx, na ja, das mit der Verbreitung durch Frauen, das war, bevor das Christentum und Heinis wie ein Tertullian Fuß fassen konnten. Spätestens mit den (zugelassenen) Evangelien und der Anbiederung der sich herauskristallisierenden Kirche an die Römer und römische Hierarchien, hatte das ein Ende... Das führte ja auch teils zur Geschlechtsumwandlung in der Bibel.
Tertullian war Römer durch und durch (wenn er auch in Nordafrika lebte). Aber ich will hier doch einen Auszug aus "De cultu feminarum" ("Über den Schmuck der Frauen") posten. Da werden Ihnen die Augen übergehen. Es heißt darin:

Jede Frau, die ihren "Zustand" erkannt hat, "würde lieber in Trauer leben, ja sogar ihr Äußeres vernachlässigen, da jede in sich selbst eine trauernde und büßende Eva herumträgt. Sie würde dann durch Bußkleidung jeder Art umso vollständiger sühnen helfen, was Eva verschuldet hat, ich meine den schmählichen Sündenfall und den trostlosen Untergang der Menschen. In Schmerzen und Ängsten mußt du gebären, oh Weib, zum Manne mußt du dich halten, und er ist dein Herr. Und du wolltest nicht wissen, daß du eine Eva bist? Noch lebt die Strafsentenz Gottes über dein Geschlecht in dieser Welt fort; dann muß also auch deine Schuld noch fortleben. Du bist es, die dem Teufel Eingang verschafft hat, du hast das Siegel jenes Baumes gebrochen, du hast zuerst das göttliche Gesetz im Stich gelassen, du bist es auch, die denjenigen betört hat, dem der Teufel nicht zu nahen vermochte. So leicht hast du den Mann, das Ebenbild Gottes, zu Boden geworfen. Wegen deiner Schuld, das heißt um des Todes willen, mußte auch der Sohn Gottes sterben, und da kommt es dir noch in den Sinn, über deinen Rock von Fellen Schmucksachen anzulegen? [...] Das alles ist nichts als ein Ballast für das verurteilte und geistig tote Weib und dient ihr gleichsam als Leichenpomp."

Tertullians Wort hat in der katholischen Kirche noch immer Gültigkeit, im evangelischen Christentum hatte es nie Bedeutung, denn es gehörte ja nicht zur "scriptura".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 9 von 9