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Die gefährdete Generation: Kleine Machiavellisten

Kinder gehen durch die Hölle, wenn sie von Mitschülern gemobbt werden. Eltern können gegen die Peinigungen oft wenig ausrichten, aber vieles falsch machen. Eingreifen müssten die Lehrer.

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clme 08.11.2011, 11:50
20. Täterkinder

Zitat von GrafZahl
...für das Leben lernen wir. Einige meiner Mitschüler waren Opfer, andere Täter. Die Täter waren auch als Erwachsene rücksichtslos, egoistisch, dreist und ohne jedes Schuldbewußtsein. Sie haben dank des feigen Totalversagens der Lehrer etwas gelernt: Man kommt mit Gewalt, Mobbing, Dreistigkeit und Lügen davon. Und so leben sie dann.
Ich war wirklich erschrocken, als ich Begriffe wie "Täterkind" gelesen habe. Mal abgesehen davon, dass ich dieses Wort äußert unglücklich finde, darf man selbst die schlimmsten nicht so einfach abstempeln.
Im Gegensatz zu Mobbingfällen im Büro handelt es sich bei den beschriebenen Fällen auf beiden Seiten um Kinder. Sie stecken mitten in ihrer persönlichen Entwicklung. Meiner Meinung nach handelt es sich bei Mobbing schlicht um einen gruppendynamischen Prozess, der vor allem über Selbstbestätigung funktioniert. Man muss Kindern beibringen sich über die Folgen ihrer Handlungen bewusst zu sein und auch das "Mitfühlen" müssen Kinder erlernen.
Einfach alle als soziopathische, machtlüsterne Täterkinder mit überforderten Eltern abzustempeln finde ich dramatisch unklug.

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KV491 08.11.2011, 11:55
21. .

Die Experten (die es ja für alles gibt), raten natürlich, die Täter nicht anzugehen. Warum eigentlich? "Dann wird es nur schlimmer". Wo ist das festgeschrieben?
Manche "Aufs-Maul"-Sprüche dazu mögen ein wenig unreflektiert sein - aber generell hat es noch nie geschadet, wenn Täter auch Konsequenzen fürchten müssen.

Ich verstehe auch nicht, warum Täter, die anderen das Leben zur Hölle machen, nicht mitbekommen sollen, dass das Opfer Lehrer und Eltern einschaltet. "Muttersöhnchen" genannt zu werden, soll da noch was ausmachen? Merkwürdig.
Insgesamt halte ich eine harte Konfrontationsstrategie gegenüber Stressmachern, getragen von Lehrern, Schulleitungen, Eltern und Freunden der Opfer für erfolgversprechend.

Allerdings ist auch nicht jede Auseinandersetzung "Mobbing" - genauso wenig wie jede Erschöpfung "Burnout". Das hören bloß die Experten nicht gerne.

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underdog 08.11.2011, 11:56
22. ....

Zitat von kupidon
Darwin lässt grüssen.
Warum muss eigentlich der arme Darwin für allerlei Dinge herhalten, mit denen er überhaupt nichts zu tun hat?

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zorga 08.11.2011, 11:57
23. .

Leider geht aus dem Artikel nicht hervor wie man sich denn nun verhalten soll. Wie man sich nicht verhalten soll wurde beschrieben.
Das Problem in die Schule tragen, weil es dort seinen Ursprung hat und nur dort gelöst werden kann wird empfohlen, aber nicht mit den Lehrern sprechen, da diese sich meist falsch verhalten, nicht mit den Tätern sprechen, nicht mit Tätereltern sprechen...ah ja...und nu? Schule verlassen.
Spitzentipp. Was machen Kinder in Randgebieten, in denen man sich nicht einfach mal eben eine neue Schule aussuchen kann, weil es nur eine gibt??
Wahrscheinlich dasselbe wie ich: Schwänzen. :-(

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fridericus1 08.11.2011, 11:58
24. Ich war ...

...während meiner Schulzeit eher Opfer als Täter. Unsportlich, dafür sehr gut in anderen Fächern, eher unmodern gekleidet, bot ich eine gute Angriffsfläche. Ausgrenzung, fiese Hänseleien, nette kleine Briefchen, keine Einladungen, auf dem Schulhof geschnitten werden - ist mir alles nicht unbekannt.

Ich kenne die Bauchschmerzen am Sonntag, noch heute ist die Nacht von Sonntag auf Montag für mich problematisch. Klassentreffen bleibe ich fern, weil ich meinen "Freunden" von früher einfach nicht mehr begegnen möchte und ich nicht bereit bin, über diese beschissene Zeit das Mäntelchen des Schweigens zu decken und Friede-Freude-Eierkuchen vorzutäuschen. Treffe ich ehemalige Mitschüler, gehe ich ihnen aus dem Weg.
Noch heute bin ich ein zutieftst mißtrauischer Mensch und halte mich gerne im Hintergrund. Exponierte Positionen, gleich ob im Beruf oder im Privatleben, sind mir unheimlich. Mein Freundes- und Bekanntenkreis ist eher übersichtlich.

Geändert hat sich anscheinend nicht sehr viel. Die Quälereien finden nur mit anderen Mitteln statt. Wie kann man den Betroffenen helfen? Meine Erfahrung von damals: Intervention der Eltern - gleich ob in der Schule oder bei den Quältgeistern - ist immer kontraproduktiv und verschärft die Situation. Mit hätte es sehr geholfen, wenn meine Eltern mich "moralisch" unterstützt hätten, anstatt auch noch Sprüche wie "Wehr Dich!" oder "So schlimm wird es schon nicht sein!" zu klopfen. Es wäre auch sehr schön gewesen, wenn ich etwas konformer gekleidet gewesen wäre oder einen etwas konformeren Haarschnitt gehabt hätte. Das sind alles Banalitäten, waren aber letztendlich der Auslöser. Nach Ende der Schulzeit und Wechsel in die Berufsausbildung wurde es im neuen Umfeld und mit neuen Leuten deutlich besser. Vielleicht müssen Betroffene einfach nur durchhalten.

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stevie76 08.11.2011, 11:59
25. ..

Zitat von lizard_of_oz
--- Dann empfehle ich Ihnen wärmstens, einfach ein oder zwei Stellen nach oben zu gehen und in einer Mischung aus enttäuschter Vaterlandsliebe, Schock, Wut und Verständnislosigkeit höhere Stellen auf das Versagen der Direktorin hinzuweisen. Das sollte der Direktorin schon einige schlaflose Nächte bereiten, wenn die ersten offiziellen Schreiben eintrudeln. Außerdem würde ich die Direktorin verklagen, auch wenn es aussichtslos ist, aber allein deren Gesicht vor dem Sozial-Richter... Nicht einschüchtern lassen!!! Sie zahlen die Steuern von denen die Frau lebt, das muss man der sagen, das wirkt Wunder. Weiterhin gibt es noch die Dienstaufsichtsbeschwerde. Sicher gibt es auch Vereine. Lassen Sie sich von der Direktorin nicht einschüchtern!!! Das ist nur Pokerei! Sie sitzen am wesentlich längeren Hebel, wenn Sie der Frau Ärger machen wollen. Schade, wenn ich Sie kennen würde, dann würde ich Ihnen das Schreiben verfassen und zwar so, dass die ganze entsprechende Behörde eine Sitzung macht und die Alte min. ein Jahr lang nicht mehr lacht! Sie können die Direktorin zwingen, dass diese sich persönlich entschuldigt für ihr Versagen, bei Ihnen daheim und vor der Klasse (schon erlebt, in einem ähnlichen Zusammenhang)! Nochmal, bloß nicht einschüchtern lassen und nie ohne Zeugen zu der gehen! Zickt sie rum, alles aufnehmen oder mitschreiben und dann Dienstaufsichtsbeschwerde. Dann geht sie durch die Vorhölle für Pädagogen.
vielen dank. sie haben natürlich recht. ich war einfach zu nett. das ergebis: die gemobbte hat die schule gewechselt, die mobberinnen sind noch da. eigentl sollten diese von einer klassenfahrt ausgeschlossen werden, als strafe, durften dann aber doch mit. ich ärgere mich im nachhinein sehr dass ich nicht so vorgegangen bin wie von ihnen beschrieben. nochmal danke.

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Werwölfin 08.11.2011, 12:02
26. .

Zitat von KV491
Die Experten (die es ja für alles gibt), raten natürlich, die Täter nicht anzugehen. Warum eigentlich? "Dann wird es nur schlimmer". Wo ist das festgeschrieben? ... Ich verstehe auch nicht, warum Täter, die anderen das Leben zur Hölle machen, nicht mitbekommen sollen, dass das Opfer Lehrer und Eltern einschaltet. "Muttersöhnchen" genannt zu werden, soll da noch was ausmachen? Merkwürdig.
Glauben Sie mir, es kann IMMER noch schlimmer werden. Für die Opfer ist jeder Tag in der Schule ein reiner Überlebenskampf, und man hat ja keine Wahl, als jeden Tag wieder hinzugehen. Das Prinzip "hab ja eh nichts zu verlieren" ist Kindern schwer zu vermitteln.

Als ich einmal in einer Mobbing-Situation "explodiert" bin (nicht körperlich, aber habe die Täter lautstark angebrüllt), änderte sich mein Ruf von "die ist ein bisschen komisch" zu "totale Psychopathin". Damit war mein Schicksal für den rest der Schulzeit besiegelt. So einen Stempel wird man nie wieder los.

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Senfkorn 08.11.2011, 12:03
27. ...

Zitat von Edelweiß
Wenn man sich konkrete Mobbing-Fälle anschaut, ist es eigentlich immer so, dass es zwar einen "Mob" gibt, der dem Opfer das Leben zur Hölle macht, dass es in diesem Mob aber eine klare Hierarchie gibt: einen oder wenige Anführer und die Gruppe der Mitläufer mit unterschiedlichen Motiven. Wenn man gegen Mobbing etwas erreichen will, muss man sich mit den Anführen, den eigentlichen Tätern, befassen.
Volle Zustimmung zu ihren Ausführungen. Es gilt die Anführer und Meinungsmacher zu identifizieren und zu sanktionieren. Was mir während der Schulzeit meiner Kinder aufgefallen ist, meist wissen die Lehrer gar nicht wer die Anführer in einer Klasse sind, denn diese Kinder geben sich gegenüber Erwachsenen äusserst charmant. Die Kinder wissen das aber alle und einige reden auch darüber, man sollte als Erwachsener öfter mal zuhören.

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B.Lebowski 08.11.2011, 12:05
28. Die Eltern, nicht die Kinder

In einem mir bekannten Fall fing das Mobbing an einem Schüler damit an, dass die Eltern nach einem Elternabend ihrem geliebten Terroristen die Einzelheiten gebeichtet haben, die dort beredet wurden und dieser nichts Besseres zu tun hat, als auf der ganzen Schule zu verbreiten, was auf dem Elternabend beredet wurde. Da wird jetzt gemobbt, bedroht geschnitten, beleidigt, geschlagen. Und wenn das Opfer Gefühle zeigt, hat es erst recht verloren.

Sicher gab es früher sowas auch, aber früher konnten man dem Mobber eins auf die Fresse hauen, dann wars vorbei. Heute fängt damit das Theater erst an, weil der Täter sich sofort als Opfer deklariert und auch Recht bekommen würde, so wie die Lehrer heutzutage keine Möglichkeit mehr haben, auf die Terroristen einzuwirken, da die Schüler mehr Rechte haben als der Lehrer.

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Atheist_Crusader 08.11.2011, 12:05
29. ...

Zitat von sukowsky
Boxt euch gnadenlos durch wie im Arbeitsleben.
Das hat doch nichts mit Durchboxen zu tun! Mobbingopfer sind in den allerseltensten Fällen Konkurrenten um irgendwas. Es sind von vorneherein schon Außenseiter oder zumindest potentielle Solche.
Zitat von FMK
Das Decken der mobbenden Kinder durch ihre Eltern erkläre ich damit, dass große Machiavellisten kleine Machiavellisten decken.
Das ist ausgesprochener Unfug. Die Eltern decken ihr Kind nicht, weil sie es geil finden dass es sich so benimmt. Nein, die meisten Eltern decken ihre Kinder aus purem Selbstbetrug. Sie halten sich für so clever, dass sie glauben ihr Kind könnte ihnen niemals etwas vormachen. Ihre Erziehung war so gut dass ihr Kind sowas nie tun würde. Und ihr Kind würde sie so schätzen, dass es ihnen nie was vorlügen würde, nicht einmal aus Angst vor Strafe.
DAS ist das Problem. Eltern die nichts merken, weil sie nichts merken wollen. Weil sie nichts schlechtes über ihr eigenes Kind hören wollen.


Zitat von Heinzel
Und dann, in einem unbeobeachtetne Moment den kleinen Machiavelli so richtig durchnehmen. Der wird das sein Lebtag nciht mehr vergessen.
Das erinnert mich an "Mitten in die Fresse rein" von den Ärzten. Speziell die Textzeile "Auch wenn ich morgen besser umzieh' - irgendwo in eine andere Stadt."

Ein Kampf bringt gar nichts. Sie kämpfen gegen eine Legion. Einen verprügeln bringt gar nichts. Er wird sich rächen. Und er weiß, wo Sie sein werden. Sie müssen zur Schule. Sie haben einen Hin- und einen Rückweg, der noch dazu einem festen Zeitplan unterworfen ist. Da kann er sich so intensiv rächen, wie es ihm Spaß macht.
Wenn Sie wirklich kämpfen wollen, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten:
1. Sie suchen sich Unterstützung mit Einschüchterungspotential. Große Brüder zum Beispiel. Hat aber nicht jeder. Und sind nicht immer präsent. Und haben vielleicht auch keine Lust, Strafanzeigen für das Verprügeln von Schulkindern zu bekommen. Und wenn die Abschreckung nicht wirkt, dann bekommen Sie nur umso mehr ab, wenn Ihr Bruder mal wieder aus der Stadt ist.
2. Sie verinnerlichen ein paar Dinge zum Thema Guerillakampf. Wenn Ihnen eigene Schmerzen egal sind, haben Sie schon gewonnen. Sorgen Sie nur dafür, dass die Anderen noch mehr bluten. Praktizieren Sie Abschreckung - schnappen Sie sich einen allein und tun Sie ihm richtig weh... und hoffen Sie, dass Sie das Echo am nächsten Tag überstehen. Irgendwann werden die Anderen vielleicht zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, Sie in Ruhe zu lassen. Bis dahin haben Sie selbst nur schon ein paar Krankenhausbesuche, Einträge ins Klassenbuch und garantiert eine Wagenladung Schmerzen kassiert.



Ich habe selbst anderthalb Jahre Mobbing ertragen dürfen, bis ich die Schule verließ. Hat mir auch die nächsten paar Jahre so ziemlich jede Form von sozialer Beziehung vergräzt. Später, an anderer Stelle, hab ich gelernt, mit sowas umzugehen. Da gab es einmal ein Donnerwetter (Klassenkonferenz) und danach ging es dann auch. Aber man muss erstmal lernen, damit umzugehen. Als ich das erste Mal gemobbt wurde, konnte ich damit überhaupt nicht umgehen. Und die Lehrer waren alles Andere als eine Hilfe. Ganz ehrlich: hätte ich damals die Dinge gewusst die ich heute weiß, wäre ich wahrscheinlich auch noch blöd und verzweifelt genug gewesen, den Guerilla-Ansatz auszuprobieren. Und ich bin verdammt froh, dass wir niemals eine Schusswaffe im Haus hatten...

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