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Die gefährdete Generation: Kleine Machiavellisten

Kinder gehen durch die Hölle, wenn sie von Mitschülern gemobbt werden. Eltern können gegen die Peinigungen oft wenig ausrichten, aber vieles falsch machen. Eingreifen müssten die Lehrer.

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Cookie_Monster 08.11.2011, 13:58
80. ...

Zitat von zorga
Leider geht aus dem Artikel nicht hervor wie man sich denn nun verhalten soll. Wie man sich nicht verhalten soll wurde beschrieben... ...Wahrscheinlich dasselbe wie ich: Schwänzen. :-(
Moin,
als Eltern macht man oft den Fehler, sich exklusiv auf das soziale Umfeld an der Schule ihres Kindes zu verlassen. Diese Exklusivität macht Kinder verwundbar, weil sie von diesem sozialen Gefüge massiv abhängig sind.

In meiner Schulzeit hatte ich neben der Schulgemeinschaft und meiner Familie noch meine Fußballfreunde, war im Karate, hatte noch Freunde, die nach der Grundschule auf die Realschule gingen aber wir immernoch viel zusammen spielten.
Mit 12 Jahren, fing plötzlich mein Sandkastenfreund und Nachbar an, sich auf meine Kosten zu profilieren und sich einen Spaß daraus machte, mir meine Fahrkarte wegzunehmen, hinter meinem Rücken schlecht über mich zu reden und jegliche Freundschaft mit mir abzustreiten. Und diese Taktik schien zu funktionieren, er scharte plötlich Leute um sich die ihn dafür feierten. Ich war natürlich ein perfektes Opfer für ihn, er wusste sehr viel über mich und meine Familie...Mensch, wir waren beste Freunde und genau deswegen wollte auch ich es lang nicht wahrhaben!

Als nach einigen Wochen meine Mutter mich fragte, warum denn mein bester Freund nimmer vorbeikommt usw. erzählte ich ihr von den Veränderungen. Natürlich spielte sie es herunter und meinte, das renkt sich schon wieder ein...Sie zog mich alleine groß und hatte 3 Jobs zu der Zeit, wer kanns ihr übel nehmen. Aber auch meine Kumpels beim Fußball und vor allem unserem Trainer fiel auf, daß ich nicht ganz bei der Sache war. Auch er nahm die Sticheleien meines 'besten Freundes' nicht wirklich ernst aber, wie Jugendfußballtrainer von damals es so machten, nahm mich zur Seite und drückte einige motivierende Sprüche.
Ich leidete sehr unter der Situation in der Schule und versuchte, wo es auch nur ging, mich um den Unterricht zu drücken. Aber ich hatte wenigstens noch meine anderen Gemeinschaften, mit denen mein Nachbar absolut nix zu tun hatte. Hier hatte sich nichts geändert, hier konnte ich weiterhin ich sein, hier konnte ich durchatmen, hier fand ich Kraft weiterhin in die Schule zu gehen.
Diese Kraft konzentrierte sich dann bald in einem Schlag in den Magen und einem gezielten Schubs in die Hecke, nachdem mein 'alter Freund' mal wieder, kurz vor dem einfahrenden Bus meine Fahrkarte an sich nehmen wollte. Alle seine 'Fans' standen da, alle haben nur geguckt. Ich habe ihm noch ein, zwei nette Worte in die Hecke mitgegeben und ihn gewarnt, nie wieder meine Karte zu klauen.

Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Anderen geschlagen, vielleicht mal gerauft oder gekabbelt aber nie geschlagen! Bis heute kann ich meine Schlägereien an 2 Händen abzählen. Vielen Konfrontationen konnte ich in meinem Leben aus dem Weg gehen oder sie friedlichen lösen aber, und das habe ich eben mit 12 gelernt, manche Kämpfe muß man kämpfen, ansonsten bleibt man sein Leben lang Opfer!

Ich muß noch hinzufügen, daß ich die heutige Entwicklung der Gewalt extrem beängstigend finde und man heute noch viel mehr aufpassen muß, wen man da als Gegner hat. Aber sein ganzes Leben nur wegrennen? - Zumindest für mich keine Alternative...

Just my 2 Cent

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graubereich 08.11.2011, 14:00
81. grins, ja genau,

Zitat von Heinzel
Tja, das ist leider strafbar, zu viele Zeugen. Aber wer etwas Zeit hat, kann ja ein bisschen Dtektiv spielen, das Leben des Feindes auskunfschaften. Und dann, in einem unbeobeachtetne Moment den kleinen Machiavelli so richtig durchnehmen. Der wird das sein Lebtag nciht mehr vergessen.
Richtig, ist echt lustig anzusehen wie so ein "Machiavelli" auf einmal nur noch Schiss hat und rumeiert. Man muss ja nicht immer gleich aufs Maul hauen, aber man sollte davor nicht zurückschrecken. Nur so kapieren das diese Sorte Menschen, ob Eltern oder deren Kinder.

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Tarja13 08.11.2011, 14:00
82. ...

Zitat von clme
Ich war wirklich erschrocken, als ich Begriffe wie "Täterkind" gelesen habe. Mal abgesehen davon, dass ich dieses Wort äußert unglücklich finde, darf man selbst die schlimmsten nicht so einfach abstempeln.
Oh doch, man darf und sollte die Dinge sehr wohl beim Namen nennen! Mit Ihrer verbalen Verharmlosung leisten Sie nur dem Mobbing Vorschub, weil die Täterkinder dann erst recht den Eindruck bekommen: "Ist doch alles nur ein ganz kleines bisschen verboten - eigentlich gar nicht schlimm." Gerade weil man es mit Kindern zu tun hat, ist es wichtig, nicht um den heißen Brei herumzureden.

Zitat von clme
Im Gegensatz zu Mobbingfällen im Büro handelt es sich bei den beschriebenen Fällen auf beiden Seiten um Kinder.
Was wollen Sie? Diesem Umstand trägt doch der Begriff "Täterkind" bereits Rechnung. Genau deshalb hat der Forist ja auch nicht nur von "Tätern" gesprochen.

Zitat von clme
Sie stecken mitten in ihrer persönlichen Entwicklung.
Genau deshalb ist es ja auch so wichtig, ihnen klar und deutlich zu sagen, wenn diese Entwicklung in die falsche Richtung geht. Kinder verstehen meistens noch keine subtilen Signale sondern nur Klartext.

Zitat von clme
Meiner Meinung nach handelt es sich bei Mobbing schlicht um einen gruppendynamischen Prozess, der vor allem über Selbstbestätigung funktioniert. Man muss Kindern beibringen sich über die Folgen ihrer Handlungen bewusst zu sein und auch das "Mitfühlen" müssen Kinder erlernen. Einfach alle als soziopathische, machtlüsterne Täterkinder mit überforderten Eltern abzustempeln finde ich dramatisch unklug.
Sie machen den gleichen Fehler wie viele Jugendrichter: Kindheit/Jugend entschuldigt vieles, aber längst nicht alles! Es gibt Dinge, von denen auch ein Kind schon sehr genau weiß, dass es das eigentlich nicht darf. Andere Kinder zu quälen gehört dazu, weshalb Mobbing ja auch fast immer heimlich passiert, wenn kein Erwachsener es mitbekommt. Natürlich muss man den Täterkindern die Konsequenzen ihres Handelns klar machen - aber das ist vor allem Aufgabe von deren Eltern, auf gar keinen Fall aber die des Opfers oder seiner Eltern. Da erfahrungsgemäß die Eltern der Täterkinder selten in aller Öffentlichkeit eingestehen, dass ihr Kind ein anderes gemobbt hat, kann man nur darauf hoffen, dass sie ihm dann wenigstens unter 4 Augen klar machen, was das für das Opfer bedeuten kann - aber verlassen würde ich mich darauf nicht.

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GrafZahl 08.11.2011, 14:02
83. Lösungen

Ich habe es noch nicht gelesen, aber offenbar gibt es noch andere Methoden neben meiner etwas rustikalen Methode:

http://www.schulsozialarbeit.li/uplo...bing-Fibel.pdf
Beim Überfliegen las ich den entscheidenden Satz:
Mobbing wird möglich durch Möglichmacher.

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tusche22 08.11.2011, 14:03
84. Wenn Sie...

Wenn Sie Mobber wären, hätten Sie Mädchen angespuckt, ohne, dass diese das mitbekommen, z.B. von hinten. Sie hätten es so gemacht, dass Ihre Freunde das vielleicht noch mitbekommen. Oder sie hätten die Mädchen bespuckt, die nicht zum Lehrer gegangen wären und die vielleicht auch keinen Rückhalt in der Klasse hatten. Das neudeutsche Wort 'Opfer' ist nicht ohne Bedeutung. Und wahrscheinlich wurde es auch nicht ohne Grund so häufig benutzt, bevor es 'out' wurde.

Aber trösten Sie sich: Sie haben nicht das persönliche Verlangen gehabt, Menschen dauerhaft zu demütigen, sie zu verfolgen. Sie waren kein Mobber in dem Fall.

Zitat von PdBOF
Man kann ihre Schulzeit vor 50 Jahren nicht mit der heutigen vergleichen, auch nicht das Mobbing. Ich zum Beispiel hatte in der vierten Klasse die fixe Idee, einige Klassenkameradinnen anspucken zu müssen, und deren Eltern beschwerten sich natürlich bei dem Lehrer, der dann wiederum meine Eltern anrief. Mein Vater sagte: "Sohnemann, mach das noch einmal, und ich wasche dir den Mund mit Kernseife aus", was ich ihn natürlich nicht glaubte, er dann aber tatsächlich durchzog. Das hatte mich davon kuriert, beim Hänseln über die Stränge zu schlagen.... Hätte mir eins der Mädchen kräftig zwischen die Beine getreten, hätte das sicher den gleichen Effekt gehabt...

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Carla 08.11.2011, 14:06
85. ***

Das schlimmste Mobbing, an das ich mich erinnern kann, ging von einem Lehrer aus. Er wurde selbstverständlich von Schülern unterstützt, die nicht in die selbe Position geraten wollten wie der betroffene Schüler und weil sie offenbar ihr Selbtwertgefühl auf Kosten eines anderen aufpolieren wollten.

Einziges Verschulden des Jungen war, dass er eine in einem wirklich harmlosen Punkt eine andere als die dem damaligen Zeitgeist vorgeschriebene Meinung vertrat. Ich habe täglich damit gerechnet, dass man ihn tot auf dem Dachboden vorfinden würde. Er hat oft geweint, ist aber nie von seiner Meinung abgewichen und hat seinen Standpunkt tapfer verteidigt.

Erst später habe ich verstanden, was der durchgemacht hat, aber auch wie unglaublich standhaft er war und was das für eine Leistung war.

Heute weiß ich selbst, wie sich sowas anfühlt, da Mobben ja keine Spezialität unter Jugendlichen ist. Die charakteristischen Merkmale sind: es wird immer im Rudel gemobbt, weil es sonst keinen Spaß macht. Es wird sich ein Opfer gesucht, dass gerade "schwächelt" (gesundheitlich, Schicksalsschlag oder ähnliches) und man daher mit wenig Contra rechnen muss. Und das Zielobjekt wird gezielt isoliert (Mehrheiten gehen ihn gesucht, von wichtigen Informationen ausgeschlossen, Gerüchte in die Welt gesetzt). Das ist auch unter Akademikern ein beliebter Volkssport von Leuten, die in ihrer Kindheit offenbar wenig Wertschätzung erhalten haben und solche Gelegenheiten suchen, um sich auf Kosten anderer zu erhöhen. Natürlich dürfen das keine starken Gegner sein, sonst klappt das ja eventuell nicht.

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loeweneule 08.11.2011, 14:07
86. nee

Zitat von rheinischerfrohsinn
Die meisten Unsitten existieren seit es Leben auf der Erde gibt, auch in der Mythologie findet man strafwürdige Verhaltensweisen. Trotzdem sollte man nicht darüber hinweg oder daran vorbei oder was auch immer sehen - egal, ob Mobbing, Missbrauch oder sonst was.
War auch nicht der Sinn meiner Sätze. Sorry, wenn ich mißverstanden wurde. Ich habe nur einem Post entgegnet, in dem mal wieder die Schuld diversen derzeitig herrschenden Verhältnissen zugeschoben wurde. Und nix von wegen drüber hinweg usw. Diese Mobbing-Erfahrung von vor 50 Jahren betraf mich selbst und hat mein Leben auf nicht gerade angenehmste Art und Weise beeinflußt.

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old_spice 08.11.2011, 14:14
87. Erbrecht

Es gibt doch so etwas wie Erbrecht auf Mobbing.
Wenn die Putzfrau-Mutter auf dem Elternabend sagt,
die Klassenfahrt sei zu teuer, bekommen das die Edel-Mutter Töchter brühwarm serviert.
Aschenputtelkind wird dann dafür bestraft, daß die Klassenfahrt so billig war und wird gemobbt.
Mutter geht jetzt zum Lehrer und klagt ihr Leid,
der Lehrer gibt das an die anderen Mütter weiter.
Tags darauf fährt ein dicker Benz auf den Lehrerparkplatz und der Direktor kommt 20 Minuten zu spät in seinen Sozialkundeunterricht.
Der Schuldirektor erklärt dann der engagierten Lehrerin, wie man mit kleinen Unruhestiftern zu verfahren hat.
Zumal Kinder aus solchen Kreisen eigentlich nicht wirklich auf eine angesehene Schule gehen sollten.

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loeweneule 08.11.2011, 14:19
88. nee

Zitat von PdBOF
Man kann ihre Schulzeit vor 50 Jahren nicht mit der heutigen vergleichen, auch nicht das Mobbing.
Na danke. Mit hat's gereicht. So, daß ich, wenn ich heute diesen Thread verfolge, noch das gleiche Übelkeitsgefühl im Magen bekomme wie um 1960.

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Anthrophilus 08.11.2011, 14:23
89. Was Sie hier schreiben ist natürlich ausgemachter ...

Zitat von Phoenix2006
Vorbemerkung : Die technische Inovation (Mobilfunk, Internet) sind die technischen Voraussetzungen für "Mobbing Taten"
... Blödsinn: "Mobbing Taten" beginnen meist, ganz ohne technische Hilfsmittel, im Klassenzimmer. Daß später
technische Hilfsmittel zur Fortsetzung dienen, ist unwesentlich.
Mobbing gibt es "seit der Steinzeit", aber erst heute beginnt das allgemeine Bewußtsein über die Verhältnisse der Menschen untereinander sich so weit zu entwickeln, daß auch diese Form der Agression immer mehr geächtet wird.

Nicht die Technik ist das Problem, sondern einerseits der mobbende Empathiekrüppel, andererseits die Feigheit des "Publikums" als Nicht-Betroffene. Begreifen die Nicht-Betroffenen erst, daß sie die Noch-Nicht-Betroffenen sind, werden sie dem Mobbenden mit Ablehnung gegenübertreten.
Ich hatte das Glück, in meiner Klasse (1966) die Solidarität der Mitschüler gegen einen mobbenden, neu in die Klasse kommenden Schüler zu erleben. Der wurde heftig angegangen und darauf hingewiesen, daß alle anderen seine Mobbingversuche nur doof und falsch fanden - damit hatte sich der Fall erledigt.

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