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Digitalisierung: Wie Bauen in Deutschland längst billiger, schneller und nervenschone
DPA

Wer in Deutschland ein Haus baut, hat gute Chancen, wahnsinnig zu werden: Oft dauert es länger und ist teurer als vorgesehen, denn viele Handwerker arbeiten wie vor 50 Jahren. Geht es besser? Ja!

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zerr-spiegel 31.05.2017, 07:52
1. Geht doch auch so.

Warum denn was ändern, es gibt doch keine Konkurenz.

Wenn ich ein Auto bauen möchte, brauche ich keinerlei Qualifikation.

Wenn ich ein Haus bauen möchte, muss ich Architekt und Maurer sein.

Ok, ganz ohne geht es beim Auto natürlich auch nicht. Ein Auto darf ich immerhin komplett bauen und auf einem abgeschlossenen Grundstück auch benutzen!
Aber beim Haus darf ich ohne die Mindestqualifikation, nämlich Architekt, nicht mal anfangen (nur Architekten dürfen Baupläne erstellen und einreichen und zum Bauen muss man Maurer sein, als Architekt darf man die Bauleitung selbst machen).

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gerollheimer 31.05.2017, 08:15
2. Nur ein Problem...

Aus sehr praktischer Erfahrung besteht heutzutage das Problem, dass Pläne nicht gelesen werden oder gelesen werden können, praktische Improvisationsfähigkeiten verloren gegangen sind, gesetzgeberisch auch der Bereich des Bauens völlig überfrachtet ist und Unternehmen einfach zuviele Aufträge annehmen, so dass just in time eh aus organisatorischen Gründen nicht mehr stattfinden kann, wenngleich ich den Ansatz natürlich für richtig halte.

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iona.heinz 31.05.2017, 08:27
3. Das Hauptproblem dürfte sein...

Das Hauptproblem dürfte sein, dass die "Maurer" heute nicht mehr mitdenken und es aufgrund der Auftragslage auch nicht mehr müssen. Leider durfte ich ausreichend viele Erfahrungen mit dem Gewerbe sammeln.

Wenn der Fahrer des Betonmischers mehr Ahnung vom Gießen einer Bodenplatte hat als der Maurer, dann stimmt was nicht. Oder die Baustelle, die zwei Wochen still steht, weil das nächste Gewerk nicht weiterkommt, weil die Maurer vor ihrem Feierabend es nicht schafften, eine letzte Reihe Steine zu mauern. Ich gönne ihnen den Feierabend, aber für eine Reihe Steine nochmal 150km fahren zu müssen, ist sinnfrei.

Ich könnte die ganze Seite mit Hirnrissigkeiten vollschreiben...

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norbert_blüm 31.05.2017, 08:28
4.

Zitat von zerr-spiegel
Aber beim Haus darf ich ohne die Mindestqualifikation, nämlich Architekt, nicht mal anfangen (nur Architekten dürfen Baupläne erstellen und einreichen und zum Bauen muss man Maurer sein, als Architekt darf man die Bauleitung selbst machen).
Es ist halt ganz vorteilhaft wenn Menschen nicht mehr von zusammenbrechenden Gebäuden erschlagen werden.
Dass jemand der kein Bauingenieur- oder Architekturstudium abgeschlossen hat ein Gebäude errichten kann dass die gesetzlichen Vorschriften erfüllt ist annähernd ausgeschlossen. (Standsicherheit, Energieeinsparung, Wärmeschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit etc.)

Dann ist da natürlich noch das leidige Thema mit der Versicherung, jeder Architekt ist ja versichert für den Fall dass er Mist baut, ich glaube ja nicht dass irgendeine Versicherung das bei jemanden ohne Ausbildung übernehmen würde; und wenn ja wäre die Versicherung teurer als einen ausgebildeten Planer einzuschalten.

Planvorlageberechtigt sind auch nicht nur Architekten, es gibt durchaus noch andere Ausbildungen bei denen man eine Vorlageberechtigung erlangen kann.

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hohnspiegel 31.05.2017, 08:32
5. Das grosse Abenteuer bauen

BeitragBauen ist eins der letzten grossen Abenteuer in der westlichen Welt
Fernsehformate wie Schnäppchen Häuser oder Bauretter zeigen was so alles schief gehen kann.
Wichtig ist die Planung wir hatten uns da Zeit gelassen bis alles so wsr wie wir das wollten.
Das Haus wurde dann als individuelles Holzständerhaus vorgefertigt und dann aufgebaut.

Das war recht stressfrei und das Ergebnis so wie wir uns es vorstellten.

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Ben Major 31.05.2017, 08:38
6. Scheinwelt

Mein Büro war eines der ersten, das komplett auf Cad umgestellt hat, bis heute ist allerdings der Austausch von digitalen Zeichnungen von einem Programm zum Anderen ein Problem. Meistens müssen wir Pläne, obwohl vom Architekten als dwg erhalten, nochmal neu zeichnen, die dwg - Datei macht das nur leichter. Beim BIM ist die komplexität des Informationsaustausches um ein Mehrfaches höher, es wird nichts daraus werden, wenn nicht alle Projektbeteiligten mit demselben Programm arbeiten, was nicht in Sicht ist, wir halten uns daher noch zurück, bis ein halbwegs brauchbarer Standard vorhanden ist.

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syldron 31.05.2017, 08:47
7. Das kommt davon...

Zitat von iona.heinz
Das Hauptproblem dürfte sein, dass die "Maurer" heute nicht mehr mitdenken und es aufgrund der Auftragslage auch nicht mehr müssen. Leider durfte ich ausreichend viele Erfahrungen mit dem Gewerbe sammeln. Wenn der Fahrer des Betonmischers mehr .......
... dass die im Baugewerbe Beschäftgten so schlecht angesehen sind und so mies bezahlt werden. Im Ergebnis machen viele gute Leute die Lehre nur noch als Sprungbrett für das anschliessende Architektur- oder Ingenieursstudium. Die Gesellen, die dann für die praktische Arbeit übrig bleiben, sind heute oftmals nur noch als Hilfsarbeiter zu gebrauchen, dabei sollten sie die Baustelle leiten können.

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kalter_adler 31.05.2017, 08:52
8. IT-Business-Opportunity

Auf diese Weise würden alle Handwerksbetriebe schon mal aussortiert, die von einem über 60-jährigen Inhaber geführt werden, der das nur noch macht, weil er keinen Nachfolger mehr findet, denn die Tools (Programme) gibt's - rate ich mal - nicht umsonst. Dann gibt es zwei denkbare Szenarien: Der Bauherr/-Unternehmer schreibt Tools vor, die zu verwenden sind, wenn man überhaupt an der Ausschreibung und natürlich später an der Umsetzung teilnehmen will. Der Auftragnehmer, Handwerker schafft zähneknirschend die Tools an, die der Auftraggeber ihm vorschreibt. Dann kommt der Nächste, der andere Tools/Schnittstellen fordert. Schafft der Handwerker die wieder an und arbeitet seine Leute in das nächste Programm ein? Er ... eher nein. Oder: Die Bundesregierung oder, noch schlimmer, die EU beschließt 2020 eine Rahmenrichtlinie, in der sie ISO-Standards für Ausschreibungsschnittstellen (na, das geht noch, weil es da schon was gibt) und für die Schnittstellen bei Konstruktion und Bau festlegt. Als nächstes müssen Programme natürlich zertifiziert werden, damit sie als konform mit diesen Schnittstellen gelten. na, Zertifizierung, das hört man ja schon Scheine rascheln, auf dem Tisch und unterm Tisch. Eine solche Software zu zertifizieren wird ein teurer Spaß. Aber die Kosten schultert der IT-Unternehmer ja gerne, denn jeden Eurocent davon knöpft er seinem späteren Kunden ab.
Und das alles führt dazu, dass Bauen schneller und billiger wird?

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iona.heinz 31.05.2017, 09:09
9.

Zitat von syldron
... dass die im Baugewerbe Beschäftgten so schlecht angesehen sind und so mies bezahlt werden. Im Ergebnis machen viele gute Leute die Lehre nur noch als Sprungbrett für das anschliessende Architektur- oder Ingenieursstudium. Die Gesellen, die dann für die praktische Arbeit übrig bleiben, sind heute oftmals nur noch als Hilfsarbeiter zu gebrauchen, dabei sollten sie die Baustelle leiten können.
Ich weiß, dass man immer auf die Kleinen rumhakt. Wir haben versucht, die Leute bei der Arbeit wenigstens ein bisschen bei Laune zu halten (z.B. Getränke, Essen). An der Bezahlung kann ich nichts ändern, ich kenne sie ja nichtmal. Wobei ich es schon grenzwertig finde, dass man sowas bei den Handwerkern macht, aber der Erfolg spricht meist dafür. Ich kenne diesen "Motivationsanschub" bei keinem anderen Beruf.

Wobei ich der Meinung bin, dass die miese Bezahlung meist nicht von ungefähr kommt. Wenn der Maurer dasitzt und die Steine um Millimeter kürzt, weil das so auf dem Plan steht (und das auch nur, weil der hochbezahlte Architekt zu doof war, Maße mit Plansteinen zu rechnen), dann ist seine Arbeitsleistung wohl nicht mehr wert. Auf die Idee, mal zu fragen, ob es nicht egal ist, dass die Terassentür nun 2,25m oder 2,30m von der Ecke ist, kommt keiner. Da quält man sich lieber einen Tag lang mit dem Abschneiden von Millimeter...

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