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Ein Steuerberater erzählt: "Finanzbeamte zu überzeugen, macht Spaß"
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Wie kommt jemand dazu, sich jeden Tag freiwillig mit Steuererklärungen zu beschäftigen? Ein Steuerberater berichtet von den schönen Seiten seines Jobs - und warum graue Haare von Vorteil sind.

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lupidus 26.01.2018, 09:13
10.

Zitat von maphry
Den Steuerberater zu umgehen, indem man sich selbst einarbeitet macht auch Spass. Klar, dank unserem viel zu komplexen Steuersystem kaum für jedermann zu bewerkstelligen, aber man trifft entscheidungen bewusster. Schliesse ich Riesterrente ab oder ist mir der Ertrag es nicht wert mich Stundenlang in die Rechtslage einzuarbeiten. Doppelbesteuerungsabkommen sind ein besonderer Spass, wenn das Ausland eine Rolle spielt. Es wird Zeit, dass Steuersystem so zu vereinfachen, dass Steuerberater schlichtweg arbeitslos werden.
Da muss ich Ihnen zustimmen. Ich selbst hatte erlebt wie eine Steuerberaterin es nicht hinbekommen hat ausländische Einkünfte mit dem deutschen Gehalt zu kombinieren. Es hätte mich einige tausend Euro Nachzahlung gekostet, aber ich habe mich dann selbst darum gekümmert und mich direkt an das Finanzamt gewandt. Die Leute waren überraschend zugänglich und am Ende hat sich alles in Luft aufgelöst. Seit ich den StB gewechselt habe läuft es auch. Kann da zum Lohnsteuerhilfeverein raten.

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Orthoklas 26.01.2018, 09:18
11. Zahnwurzelbehandlung

Eigentlich sollte es Steuerberater gar nicht geben müssen. Aber der Staat verkompliziert das Steuersystem derart, dass Otto Normalbürger kaum noch durchblickt und Geld liegen lässt oder sich gleich strafbar macht.
Für mich ist die Steuererklärung wie eine Zahnwurzelbehandlung. Wie mache Menschen daran Spaß haben können, ist mir völlig unbegreiflich. Verdienst hin oder her.

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jpphdec 26.01.2018, 09:48
12. @Nr. 9

Sie machen den gleichen Fehler wie viele Laien, indem Sie glauben, daß die Ausnahmen Schlupflöcher darstellen. Das Gegenteil ist der Fall, damit werden die Lücken in den einfachen Regeln gestopft. Beschäftigen Sie sich doch einfach mal intensiv mit bspw. §15b des Einkommensteuergesetzes. Vielleicht ändern Sie danach Ihre Meinung

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Sibylle1969 26.01.2018, 09:52
13. Nie im Leben

Mein Vater war Steuerberater, und daher hatte ich einen guten Einblick in diese Tätigkeit. Er wollte, dass eines seiner Kinder sein Steuerbüro übernimmt, aber ich habe energisch abgewinkt. Juristin und Steuerberaterin wären wirklich die allerletzten Berufe, die ich hätte ergreifen wollen. Jedes Jahr, wenn die Steuererklärung anstand, verspürte ich sogar ein körperliches Unbehagen, mich mit dem Thema beschäftigen zu müssen. Seit 10 Jahren lasse ich das von einer Steuerberaterin machen, jetzt muss ich nur noch ein paar Belege raussuchen. Dieser Job ist wirklich nur was für einen, wenn man sich ehrlich für das Thema interessiert.

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trader_07 26.01.2018, 10:20
14.

Zitat von mirdochwurscht
Andererseits leben diese auch von der Faulheit vieler Bürger . Die Steuererklärung bekommt heute auch eine gute Steuersoftware hin. Gut evtl. verschenkt man mal nen Hunderter, aber immer noch günstiger als der Berater.
Nun ja, und als Laie haben Sie sicher auch die Vollständigkeit der mittlerweile mehr als ein Dutzend Vorläufigkeitsvermerke im Blick, die je nach Fall und Sachlage nachher im Bescheid drin stehen sollten, richtig? :)

Davon mal abgesehen: Gehen Sie bitte nicht davon aus, dass es hier nur Otto Kleinverdiener mit äußerst bescheidenen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit gibt.

Bei vielen Besserverdienenden kommen schnell noch Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung und Kapitalvermögen dazu und ggf. noch ein kleines Gewerbe (z. B. Photovoltaik).

Bei drei oder vier Einkunftsarten wird's für den Laien dann halt doch schon unübersichtlich ;)

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StefanXX 26.01.2018, 10:54
15. Einmal einen Berater hinzuziehen nicht verkehrt

Zitat von steppenwolff
Das Steuersystem wird niemals so sehr vereinfacht werden, dass es die Berater nicht braucht. Viele vergessen: Ein einfaches Steuersystem macht auch die Steuervermeidung sehr einfach. Viele Regelungen existieren ja nur, um Steuervermeidung auszubremsen. Und für die Erklärung eines einfachen Arbeitnehmers braucht niemand mit einer durchschnittlichen Intelligenz einen Steuerberater. Anders sieht das aber bei Unternehmern und Selbstständigen aus. Für die ist es einfach eine Frage des Outsourcings. Die Erklärung selbst zu erledigen, dauert einfach zu lange und ist dadurch am Ende teurer.
Das stimmt so nicht. Zum einen macht ein einfaches Steuersystem die Steuervermeidung bestimmt nicht einfacher als ein (zu) kompliziertes. Es mag die Steuerabgaben vielleicht ungerechter machen wenn es zu einfach ist. Und zur Steuererklärung des einfachen Mannes: Das kommt drauf an wie viel Zeit man bereit ist zu investieren und ob man bereit ist die letzten 100 Euro, die man mit professioneller Hilfe vielleicht noch ausreizen könnte, halt nicht auszureizen. Teilweise ist es auch für den Normalbürger schon nicht so einfach noch durchzublicken was man nun absetzen kann und was nicht, zumal sich diese Regeln ja auch jährlich ändern. Ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mir einmal eine Steuererklärung mit professioneller Hilfe anfertigen zu lassen, und basierend auf dieser "Vorlage" und mit entsprechenden Steuerprogrammen als Unterstützung kann ich dies dann zumindest für die nächsten Jahre alleine machen ohne dass ich viel verschenke.

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lupo62 26.01.2018, 11:15
16.

"Wenn ich unterschreibe, dann gehört mir das Haus nicht mehr, oder?", fragte sie. "Das stimmt", antwortete ich."
Oh je. Die Zweifel und Unsicherheit der Frau sind diesem Prämium-Steuerberater vorher nicht aufgefallen? Er hat nicht verstanden, dass der Begriff "gehört" umganssprachlich ein ganz anderer ist als ihn Juristen verwenden? Und gibt jetzt eine Antwort, die in ihrer Kürze zwar juristisch völlig korrekt ist, vom Gegenüber jedoch völlig falsch verstanden wird, nämlich als "ich mache hier was ganz seltsames, was meinen Status gefährdet. Und das will ich nicht"
Wer sich als Berater so wenig in die Vorstellungswelt seines Klienten einfühlen kann, ist ein Anfänger (hier wohl nicht) oder ganz einfach sein sechsstelliges Gehalt nicht wert.

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paddyman 26.01.2018, 11:23
17. Flurecke

Spätestens bei einer Betriebsprüfung wird aus der Flurecke als Arbeitszimmerersatz eine Rückzahlungsforderung des Finanzamtes. Lieber gleich ehrlich sein und bleiben!

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leopold_bloom_uk 26.01.2018, 11:26
18.

Zitat von #dc93
Dieses Beispiel des StB zeigt, dass es in vielen Fällen gar nicht fachlich zur Sache geht, sondern die StB einfach irgendeinen Mist erzählen. In diesem Fall sogar eindeutig entgegen der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs. Dass zB Finanzämter der Arbeit nicht mehr Herr werden, da sie sich mit solchen StB auseinandersetzen müssen und für Unmut bei denen sorgen, die ein sachlich begründetes Anliegen haben, verwundert nicht...
Die Vorstellung, dass jemand, der seine Arbeit in einer Arbeitsecke verrichtet, dort den gesellschaftlichen Mehrwert erzielt und mit den daraus gezahlten Steuern das Gehalt des Finanzbeamten bezahlt, Mist erzählt, wenn er seinen Aufwand für den heimischen Arbeitsbereich von seinem Ertrag aus der Arbeit abzieht, das aber dürfte, wenn er in den Flur eine Tür einbaut, hat etwas -- in Ermangelung eines besseren Ausdrucks -- unmenschliches. Wie man so etwas als "sachlich unbegründet" begreifen kann, ist mir schleierhaft, ungeachtet der Rechtsprechung des BFH. Ein in der Bevölkerung oftmals übersehenes Problem ist die erhebliche Steuerüberziehung, also dass der Staat viel mehr Steuern einzieht als es ihm zustünde. Die Steuerüberziehung dürfte die Steuerhinterziehung einiger weniger um ein Vielfaches übersteigen. Ein Blick auf die Statistik der Einspruchs- und Abhilfeentscheidungen des BMF zeigt, dass die Finanzämter in weit mehr als der Hälfte aller Einsprüche zur Abhilfe gezwungen sind (im Jahr 2016 waren es etwa zwei Drittel aller Fälle). Man stelle sich mal vor, ich müsste zwei Drittel meiner Rechnungen nach Beanstandung korrigieren, weil ich mich zuungunsten meiner Klienten "vertan" habe. Man stelle sich mal vor, the-bad-guy Amazon "verrechne" sich in zwei Drittel aller Fälle bei den Kreditkartenabrechnungen. Wie so oft kann die Abhilfe nur in einer Malus-Regelung bestehen: Verrechnet sich der Staat zu Ungunsten des Bürgers im Steuerbescheid ist, muss eine Regelung greifen, dass von dem tatsächlich geschuldeten Betrag ein prozentualer Abzug im Sinne eines Bonusses für den Bürger vorgenommen wird. Der Bürger müsste dann nicht mehr, sondern weniger zahlen, als eigentlich geschuldet. Jedenfalls in Fällen eindeutiger Willkür des Beamten. Nur wenn der Steuerbeamte weiß, dass der mit dem Geld des Staates Roulett spielt, wenn er es bei den Abzügen übertreibt, wird er diszipliniert, sich an Recht und Gesetz zu halten, so die es fast alle Bürger und Unternehmen auch tun.

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demuellers 26.01.2018, 12:40
19. mal Nachdenken

Ich bin selber Steuerberaterin und der ganze Mist, Steuerberater arbeitslos, Angestellte Steuerfachangestellte haben keine Verantwortung, auf welcher Welt leben sie den? Egal ob einfaches Steuersystem oder so kompliziert wie heute, Unternehmen benötigen immer einen Steuerberater. denn nicht nur Steuern, sondern auch betriebswirtschaftliche Beratung, machen einen großen Teil unserer Arbeit aus. Und glauben Sie mir, mancher von Ihnen wäre arbeitslos wenn der Steuerberater nicht mitdenken würde und zum Beispiel bei anstehenden Bankgesprächen mehr als nur ein Teilnehmer ist.
Also mal Kopf einschalten.
Und Steuersoftware ist nur so gut, wie der Mensch, der damit umgeht. Einfache Einkommensteuererklärungen kann man selber machen, nur davon leben wir nicht. Und wie oft kommen dann Steuerpflichtige doch zu uns, wenn der Bescheid ins Haus flattert und er anders aussieht, wie beantragt.
Also, ich operiere mich auch nicht selber, verbinde aber meine Wunden.
Und Neiddiskussionen haben noch nie zu was geführt.

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