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Eine Bestatterin erzählt: "Eine Leiche fühlt sich an wie eine kalte Speckschwarte"
DPA

Diese Gerüche! Eine Bestatterin erzählt, wie sie Ekel und Schrecken vor dem Tod verloren hat, worauf es im Umgang mit den Hinterbliebenen ankommt - und welches ihr schlimmstes Erlebnis mit einer Leiche war.

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Shulma Shmoller-Shmopp 08.06.2017, 11:56
40. Dehnbar

Zitat von superbiti
aha. da erzählt jemand von seinem schlimmsten erlebnis im beruf und das ist für sie schon schwatzen? eine merkwürdige vorstellung haben sie da. vielleicht sollten sie nicht alles mit negativen vorzeichen beginnend betrachten, wenn etwas lesen. ihre erwartungshaltung, sich wieder einmal künstlich empören zu können, wird sich dann aber nicht mehr erfüllen.
Hinter dem Begriff der Information, ja eigentlich dem Recht auf Information, nicht wahr, verbirgt sich gerne der Wunsch nach Sensation. Schon im Anleser tauchen daher die Gerüche auf, im Bericht dann das Taktile und das Visuelle. Am Ende dann der Schocker. Das kann man natürlich auch Information nennen. Oder Stimulation. Je nach Obsession. Die Würde ist dehnbar. Sehr dehnbar.

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luwigal 08.06.2017, 12:07
41. Wie unsere Gesellschaft heute mit dem Tod umgeht ...

Die Vorstufe ist ihre Erwartung, ihr Verhalten wie man mit Menschen umgeht, die alt, gar pflegebedürftig sind.
In etwa wie ... "Rein damit und zu mit der Kiste."
Hauptsache, man guckt nichts stets in deren Augen.
Eine Bestatterin ist nur die letzte in der Kette derer, die noch wissen wollen, was Mensch sein bedeutet, die nicht weggucken, nur abschieben.

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lachina 08.06.2017, 12:22
42. Ich fand den Bericht sehr interessant

und dachte, ein toter Mensch ist eben auch ein totes Säugetier und geht den Weg allen Fleisches. Dass BestatterInnen nähen müssen, wusste ich nicht, habe mich immer schon gefragt, wie das gemacht wird..

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sonichmeinfreund 08.06.2017, 12:29
43. zu empfindlich

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Hinter dem Begriff der Information, ja eigentlich dem Recht auf Information, nicht wahr, verbirgt sich gerne der Wunsch nach Sensation. Schon im Anleser tauchen daher die Gerüche auf, im Bericht dann das Taktile und das Visuelle. Am Ende dann der Schocker. Das kann man natürlich auch Information nennen. Oder Stimulation. Je nach Obsession. Die Würde ist dehnbar. Sehr dehnbar.
Gibt es Ihrer Meinung nach eine Möglichkeit das Ganze noch sachlicher zu beschreiben? (Kopfkratz)

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managerbraut 08.06.2017, 12:31
44. Wir werden geboren um, wie alle Lebewesen eines Tages zu sterben.

Der Tod gehört zum Leben und zu den Lebenden, welche mit den Verstorbenen umgehen, würdevoll entsorgen müssen. Wie wir´mit unseren Verstorbenen, mit dem Tod und seinen vielen Gesichtern umgehen ist eine Sache unseres Kulturkreises. Wir wir zum Tod, sterben, wie mit dem Tod umgehen ist einzige eine Frage unserer, wie jeder Kultur einer Geselsschaft und deren Gesetze.
In Indien, asiatischen Ländern geht man mit dem sterben, mit dem Tod, mit Verstorbenen anders um als in unseren europäischen Kulturkreisen oder jüdischen, islamischen Kulturkreisen.
Verstorbene, deren Leichnam am Rande der Stadt an einem Flußufer öffentlich zu verbrennen, wie in Indien gilt in Indien als ein würdevoller Umgang - Entsorgung mit Verstorbenen Menschen.
In unseren europäischen Kulturkreis wären solche Bestattungsrituale undenkbar und entspächen nicht unserem Anspruch an einen würdevollen Umgang - Entsorgung unserer Verstorbenen.

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superbiti 08.06.2017, 12:41
45.

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Hinter dem Begriff der Information, ja eigentlich dem Recht auf Information, nicht wahr, verbirgt sich gerne der Wunsch nach Sensation. Schon im Anleser tauchen daher die Gerüche auf, im Bericht dann das Taktile und das Visuelle. Am Ende dann der Schocker. Das kann man natürlich auch Information nennen. Oder Stimulation. Je nach Obsession. Die Würde ist dehnbar. Sehr dehnbar.
soweit, so richtig. aber lassen sie mal die würde beiseite, um die geht es gar nicht, wie sie bemerkt haben sollten. in ihrem kommentar verunglimpften, ja beleidigten sie fast die bestatterin. warum? weil sie die information nicht als solche hinnehmen, sondern sie despektierlich mit dem verlauf eines schlechten romans oder kinofilms gleichsetzen.

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Cugel 08.06.2017, 12:43
46. Whatabout

Zitat von CancunMM
Was hat das mit tabuisieren zu tun ? Ich finde schon, dass es was mit Würde zu tun hat. Ich kann mich noch an meine Präp-Kurs bei Prof. Köpf-Maier erinnern. 1. Ansprache war, dass man würdevoll mit den Leichen umgehen soll bis zum letzten Tag des Kurses und auch außerhalb des Kurses. Ich kann auch Kollegen wie Herrn Tzokos nicht vertsehen, der durch die Talkshows tingelt um schauerliche Geschichten zu erzählen. Und kaum ein Tatort kommt heute ohne damit aus wenigsten ein paar Minuten im Leichenschauhaus mit der mehr oder weniger entsellten Leiche zu drehen. Völlig überflüssig und reines aufgeilen ! Ich habe genug Tote in meinem Leben gesehen. Ich brauche so was nicht !
Mein Kommentar bezog sich einzig und allein auf den ersten Beitrag dieses Threads, dessen Verfasser/in offensichtlich ein großes Problem hat mit der sachlichen und selbstreflektierten Darstellung der Arbeit einer Bestatterin. Eine typische Reaktion, wenn ein Bericht an Verdrängungen und Tabus rührt.
In dem Text wird nirgends die Würde der Toten verletzt. Warum Sie plötzlich den Bogen schlagen zu Talkshows und Fernsehkrimis verstehe ich nicht.

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upalatus 08.06.2017, 12:49
47.

Die Dame arbeitet im real life (wenn auch mehr an derem Ende), und hat alles Recht und Kompetenz, die Dinge so zu beschreiben. Wie sie nun mal sind, und das mit angemessenen Worten.

Dass dieses Leichendasein mit den speziellen Eigenschaften unabdingbar mal eintreten wird, stimmt auch mich nicht gutelaunt. Aber zu wissen, dass dann noch jemand die letzte Vorstellung meiner Würde managt, machts wieder etwas leichter.

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Shulma Shmoller-Shmopp 08.06.2017, 12:51
48. Clickzwang

Zitat von sonichmeinfreund
Gibt es Ihrer Meinung nach eine Möglichkeit das Ganze noch sachlicher zu beschreiben? (Kopfkratz)
Kalte Speckschwarte mag anschaulich sein, ist aber wohl kaum sachlich. Diese Art von Sachlichkeit ist zutiefst unsachlich, da sie ganz gezielt Assoziationsräume des Ekels oder der Diffamierung abruft. So viel zur Würde. Es wird hier stimuliert, keineswegs informiert. Und schon gar nicht sachlich. Clickzwang.

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brehn 08.06.2017, 13:00
49. naja

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Kalte Speckschwarte mag anschaulich sein, ist aber wohl kaum sachlich. Diese Art von Sachlichkeit ist zutiefst unsachlich, da sie ganz gezielt Assoziationsräume des Ekels oder der Diffamierung abruft. So viel zur Würde. Es wird hier stimuliert, keineswegs informiert. Und schon gar nicht sachlich. Clickzwang.
Soso, dann hängt man sich eben an einem Wort auf. Was bitteschön ist an "kalter Speckschwarte" diffamierend?! Mal ganz zu schweigen vom Ekel, welcher höchst subjektiv ist. Wenn man einen Vergleich ziehen will, nimmt man halt das naheliegendste, und das ist anscheinend eine kalte Speckschwarte.
Wenn Sie sich dadurch "stimuliert" fühlen, ist das wohl eher ihr Problem, ich kann mir jetzt zumindest besser als vorher vorstellen, was der Beruf des Bestatters mit sich bringt.
Und am Schluss darf noch ein wenig Schmunzeln über die von Ihnen benannte "unsachliche Sachlichkeit" erlaubt sein ...

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