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Eine Bestatterin erzählt: "Eine Leiche fühlt sich an wie eine kalte Speckschwarte"
DPA

Diese Gerüche! Eine Bestatterin erzählt, wie sie Ekel und Schrecken vor dem Tod verloren hat, worauf es im Umgang mit den Hinterbliebenen ankommt - und welches ihr schlimmstes Erlebnis mit einer Leiche war.

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Koda 08.06.2017, 13:04
50. Vor zehn Jahren starb mein Frau und einige Zeit davor eine Großtante

Zitat von fridericus1
... ist meine Mutter verstorben. Die Familie war beim Tod dabei, wir haben dann den Bestatter gerufen und gemeinsam gewartet. Meine tote Mutter wurde dann vor unseren Augen in einem schwarzen Plastiksack (!!!) abtransportiert. So viel zum Thema Pietät.
meine Frau war 38, meine Großtante um die 90.
Als meine Frau beerdigt wurde, ging die Trauergemeinde NACH der MESSE am offenen Grab entlang und warf noch eine kleine Schaufel Erde hinein und ging zur Gaststätte zum "Leichenschmaus". Den eigentlichen Beerdigungsvorgang hat also niemand mitbekommen.

Als meine Tante beerdigt wurde, war es so, dass das Grab bereits während der Messe mit Erde gefüllt wurde und zwar mit einem Bagger. Während der Messe also, als sich alle mit dem Abschied von der Tante befassten, übertönte also ein Bagger mit seinen Motorengeräuschen den Pastor, die Predigt etc.
Als wir die Kirche verliessen, war der Bagger gerade eben fertig geworden und haute nboch mal so richtig mit der Schaufel auf den Grsbhügel drauf. Man hätte fast glauben wollen, dass der Baggerfahrer deutlich machen wollte, dassa "die Alte hier nun erst nicht wieder raus kommt".
DAS hatte nichts mit Pietät zu tun, und als ich meine Frau beerdigen musste, war meine erste Bitte an den Bestatter, meine Frau gerade so NICHT unter die Erde zu bringen.

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martyr 08.06.2017, 13:09
51.

Die Überschrift ist unter aller Sau, reißerisch. Was die Dame schreibt ist realistisch und mit großer Empathie für Verstorbene und Angehörige.
Und ein Dank insgesamt an Menschen, die diesen Beruf so verstehen. Eine gute Freundin ist mit Anfang zwanzig elend verreckt. Nachdem sie starb konnte auch ich ihr nicht mehr dabei helfen, eine wunderbare Frau hat dann dafür gesorgt ihren Wunsch zu erfüllen bis zum Ende hübsch zu sein.

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sonichmeinfreund 08.06.2017, 13:15
52. Kommt drauf an

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Kalte Speckschwarte mag anschaulich sein, ist aber wohl kaum sachlich. Diese Art von Sachlichkeit ist zutiefst unsachlich, da sie ganz gezielt Assoziationsräume des Ekels oder der Diffamierung abruft. So viel zur Würde. Es wird hier stimuliert, keineswegs informiert. Und schon gar nicht sachlich. Clickzwang.
Für mich ist diese Assoziation wichtig um ein Gefühl für die Textur zu bekommen. Ganz gut als kalt und irgendwie halbfest, nicht schwabbelig zu verstehen. Finde ich nicht stimulierend und anfassen möchte ich das auch lieber nicht.
Habe von einer Weile mal eine Doku über die Aufbahrungstechniken in den USA gesehen. Mit der Schminkerei und dem Tausch von Blut gegen Chemie. Das empfand ich dann auch als sehr grenzwertig.

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Shulma Shmoller-Shmopp 08.06.2017, 13:49
53. Hypnos und Thanatos

Zitat von sonichmeinfreund
Für mich ist diese Assoziation wichtig um ein Gefühl für die Textur zu bekommen. Ganz gut als kalt und irgendwie halbfest, nicht schwabbelig zu verstehen. Finde ich nicht stimulierend und anfassen möchte ich das auch lieber nicht. Habe von einer Weile mal eine Doku über die Aufbahrungstechniken in den USA gesehen. Mit der Schminkerei und dem Tausch von Blut gegen Chemie. Das empfand ich dann auch als sehr grenzwertig.
Die Thanatopraxie in den Staaten ist Kosmetik in Vollendung. Unter Nutzung der jeweils neuesten Techniken. Das hat seinen Preis. Ich empfinde das auch nicht als grenzwertig, sondern als kunstvoll. Wenn der Tote gezeigt werden soll, dann in aller Eitelkeit. In schlafender Schönheit. Hypnos und Thanatos.

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sonichmeinfreund 08.06.2017, 14:16
54. am Ende gut

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Die Thanatopraxie in den Staaten ist Kosmetik in Vollendung. Unter Nutzung der jeweils neuesten Techniken. Das hat seinen Preis. Ich empfinde das auch nicht als grenzwertig, sondern als kunstvoll. Wenn der Tote gezeigt werden soll, dann in aller Eitelkeit. In schlafender Schönheit. Hypnos und Thanatos.
Ich meine grenzwertig in Bezug auf die recht aufwendige Prozedur. Also was mit dem verstorbenen angestellt wird und was man als Zuschauer dabei empfindet. Das bekommen die Angehörigen ja nicht mit. Keine Frage - das Endergebnis war beeindruckend. Die Menschen sahen ungeheuer natürlich und friedlich aus. Es gab dann auch kritische Stimmen. Einer meinte es käme in die Nähe des Ausstopfens. So schlimm fand ich es dann doch nicht.

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Newspeak 08.06.2017, 14:50
55. ...

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Kalte Speckschwarte mag anschaulich sein, ist aber wohl kaum sachlich. Diese Art von Sachlichkeit ist zutiefst unsachlich, da sie ganz gezielt Assoziationsräume des Ekels oder der Diffamierung abruft. So viel zur Würde. Es wird hier stimuliert, keineswegs informiert. Und schon gar nicht sachlich. Clickzwang.
Wenn Sie unter Klickzwang leiden, dann müssen Sie sich eine Therapie suchen, aber nicht anderen in verschwurbelter Sprache ihre dogmatischen Ansichten zur Welt mitteilen.

Was wäre denn auch sachlich für "Kalte Speckschwarte"? Hypotherme porcine Dermis? Wäre das besser?

Die Spiegel Kolumne ist exakt dafür da, jenseits der alltäglichen Verlogenheit, Berufe so zu zeigen, wie sie in der Realität sind. Nicht so, wie sie ein Berufsberater empfiehlt, wie sie im Fernsehen dargestellt werden, wie sich naive Laien das einbilden oder gerne hätten. So, wie sie sind. Sachlicher kann man es gar nicht beschreiben.

Und ein abgetrennter Kopf ist kein Splatter. Tatsächlich ist der würdelos, der das so bezeichnet. Es ging um einen Selbstmörder, der sich verzweifelt vor den Zug geworfen hat, nicht um inszenierten Grusel.

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Shulma Shmoller-Shmopp 08.06.2017, 15:17
56. Voyeur

Zitat von Newspeak
Wenn Sie unter Klickzwang leiden, dann müssen Sie sich eine Therapie suchen, aber nicht anderen in verschwurbelter Sprache ihre dogmatischen Ansichten zur Welt mitteilen. Was wäre denn auch sachlich für "Kalte Speckschwarte"? Hypotherme porcine Dermis? Wäre das besser? Die Spiegel Kolumne ist exakt dafür da, jenseits der alltäglichen Verlogenheit, Berufe so zu zeigen, wie sie in der Realität sind. Nicht so, wie sie ein Berufsberater empfiehlt, wie sie im Fernsehen dargestellt werden, wie sich naive Laien das einbilden oder gerne hätten. So, wie sie sind. Sachlicher kann man es gar nicht beschreiben. Und ein abgetrennter Kopf ist kein Splatter. Tatsächlich ist der würdelos, der das so bezeichnet. Es ging um einen Selbstmörder, der sich verzweifelt vor den Zug geworfen hat, nicht um inszenierten Grusel.
Es ging um das Herstellen von Öffentlichkeit. In diesem Falle einer zutiefst voyeuristischen Öffentlichkeit bar jeglicher Diskretion. Wenn Sie das nicht wahrhaben wollen, dürfen Sie getrost in Ihrer Welt bleiben. Wer wäre ich, Sie daraus zu befreien? Dogmatisch scheinen allein Sie in Ihrer Bevormundung anderer.

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brehn 08.06.2017, 15:23
57. ahja

Zitat von Shulma Shmoller-Shmopp
Es ging um das Herstellen von Öffentlichkeit. In diesem Falle einer zutiefst voyeuristischen Öffentlichkeit bar jeglicher Diskretion. Wenn Sie das nicht wahrhaben wollen, dürfen Sie getrost in Ihrer Welt bleiben. Wer wäre ich, Sie daraus zu befreien? Dogmatisch scheinen allein Sie in Ihrer Bevormundung anderer.
Soso, sie sind also gegen Bevormundung. Warum dann die Beschwerde über etwas, was offensichtlich eine nicht geringe Zahl anderer Leser für interessant halten und nicht im geringsten als voyeuristisch bezeichnen würden?

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mystyhax 08.06.2017, 15:55
58.

Zitat von HaPee
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und die von Leichen? Natürlich auch. Die Schwätzerin hat ihren Beruf verfehlt, SPON eine Grenze zur pietätlosen Berichterstattung wie ein Trampeltier überschritten. Respektlos und überflüssig. Aber was tut man nicht alles für Klicks und Auflage. Antwort: Alles!
Ich kann ihre Reaktion sicherlich verstehen. Es ist schwierig mit dem Tod und der Gewissheit das man irgendwann diesem selbst gegenübersteht konfrontiert zu werden. Natürlich ist es verstörend zu akzeptieren das man als leblose kalte und übel riechende Speckschwarte endet. Aber so ist das Leben und der unausweichliche Tod gehört nun mal dazu. Warum sollte der Umgang mit dem Tod und die Arbeit die dazugehört tabuisiert werden. Es ist wichtig das man zu Lebzeiten sich mit diesen Dingen auseinandersetzt und akzeptiert. Von daher finde ich es absolut sinnvoll das man über die gänzlich normalen Dinge wie den Tod oder auch die Geburt berichtet. Das macht vieles einfacher und man ist einfach lebensbejahender und weniger griesgrämig und ängstlich. Von daher wünsche ich allen ein zufriedenes und langes Leben. In diesem Sinne.

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Shulma Shmoller-Shmopp 08.06.2017, 16:06
59. Mehr oder weniger

Zitat von brehn
Soso, sie sind also gegen Bevormundung. Warum dann die Beschwerde über etwas, was offensichtlich eine nicht geringe Zahl anderer Leser für interessant halten und nicht im geringsten als voyeuristisch bezeichnen würden?
Einer nicht geringe Anzahl von Lesern hat es wohl auch goutiert, von Anus und Vagina zu lesen, anstatt von Tamponaden für Körperöffnungen, um Ausscheidungen aufzufangen. Das Interesse wurde mit banalsten Stimuli provoziert. Ein jeder delektiere sich nach seinem Vermögen.

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