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Energiewende: Wo Stromautobahnen Deutschland vernetzen sollen
dapd

Es ist ein gigantisches Vorhaben: Mit 3800 Kilometer zusätzlichen Stromtrassen wollen die Netzbetreiber die Voraussetzungen für die Energiewende schaffen. Die Pläne dafür haben sie nun vorgelegt - bis zum 10. Juli können die Bürger ihre Einwände einreichen. Ausbau der Stromtrassen: Wie Deutschland vernetzt werden soll - SPIEGEL ONLINE

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omen22 30.05.2012, 18:24
10. Dezentralisierung

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
Die Dezentralisierung findet doch statt. Früher wurde der Strom zentral im Kraftwerk in der Nähe erzeugt. Damit der Strom dezentral erzeugt werden kann (z.B. der Strom für München in Norddeutschland) braucht es Stromautobahnen.
Zum Thema: Jedes Haus seinen eigenen Strom: Wie soll das gehen? Jedes Haus ein Blockheizkraftwerk und damit Strom auf Gasbetrieb umstellen? Die Energiewende stelle ich mir anders vor. Der Strom sollte in Zukunft aus Wind und zum Teil Solar erzeugt werden. Gas nur im Notfall. Das kann nicht jedes Haus für sich erzeugen. Außerdem verbrauchen private Konsumenten nur ca. 27% des Stroms in Deutschland. Was ist mit der Industrie, Behörden, Bahn, Straßenbeleuchtung, etc. Es reicht nicht aus, wenn nur jedes Haus seinen Strom selbst erzeugt.
Außerdem: Sie wohnen wahrscheinlich auch in einem freistehende Einfamilienhaus. Schon mal daran gedacht, dass viele Menschen in Mietwohnungen wohnen? Nicht jeder Vermieter kann und möchte ein Blockheizkraftwerk in den Keller stellen.

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Treeman 30.05.2012, 18:25
11.

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
Die wesentliche Säule einer regenerativen Energieerzeugung wird der Wind sein. 20GW Mittags im Sommer sind gut, keine Frage, aber in Deutschland ist es nun einmal zu lange dunkel oder bewölkt, als dass es nur mit der Sonne gehen würde. Gleichzeitig sind Windkraftanlagen in BW und BY nicht wirklich sinnvoll, die müssen an die Küste, besser noch davor. Dort erreichen sie verfügbarkeiten, die mit denen japanischer Kernkraftwerke (VOR Fukushima) durchaus konkurrieren können, was an Land bei weitem nicht der Fall ist.

Wir werden also sehr häufig im Süden zu wenig und im Norden zu viel Strom haben. Und das nicht wegen "Monopolen" oder "Machterhalt" sondern schlicht wegen geografischer Gegebenheiten.

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manta 30.05.2012, 18:25
12.

Zitat von allereber
unterirdische stromtrassen sind auf längere zeit bedeutend billiger als übererdische. sie müssen gewartet,gesäubert,gestrichen und repariert werden. ausserdem stören sie vögel. leider denken politiker nur von zwölf bis mittag.
Das ist Schwachfug...

Für Höchstspannungsnetze gibt es wirklich keine Alternativen. Allein die immense Erdkapazität von unterirdischen Kabeln macht das unmöglich. Wo willst du denn dann die notwendige Blindstromkompensation hinpacken ? Eine Induktivität so groß wie Wohnwagen - auch unterirdisch ? Isolation für 400KV dauerhaft ist ein immenser Aufwand und unbezahlbar für lange Strecken. Was macht man bitte im Fehlerfall ? Die Leitung auf kompletter Länge aufgraben ? Bei der Freileitung sieht man sofort die schadhafte Stelle und kann sie problemlos reparieren - ohne Bagger. Die Ströme in so einer Strippe sind im kA Bereich. Will man also die Vegetation über dem Kabel nicht grillen, so sind enorme Querschnitte nötig. Allein was dafür Aluminium notwendig ist, wäre krank (nein, Kupfer kommt hier wegen seinem Preis seit ewiger Zeit nicht mehr in Frage...)

Genau das ist das lustige, primitive an einer Demokratie. Jeder noch so Inkompetente meint er muss und kann seinen Senf dazu geben. Egal ob es dazu dient wirklich neue Erkentnisse hervorzubringen oder, wie so oft, den persönlichen Frust rauszulassen, etwa über die Regierung, etc.
Ich China würden diese Masten übrigends längst stehen. Klar, irgendein armes Schwein hätte einen im Vorgarten stehen, aber das ist nun mal so. Anders wird sich nie etwas bewegen.
Und da ich weiss dass diese Frage kommen wird: Ja, wenns in meinem Vorgarten passiert, dann ist das eben so. Hat man eben mal Pech gehabt. Hat den Vorteil dass dann endlich mal was voran geht und das Thema Energiewende mal wieder von der Bildfläche verschwunden ist.

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f_baer 30.05.2012, 18:27
13.

Zitat von allereber
unterirdische stromtrassen sind auf längere zeit bedeutend billiger als übererdische. sie müssen gewartet,gesäubert,gestrichen und repariert werden.
Unterirdische Leitungen müssen nicht repariert werden? Schäden durch Blitzeinschlag, Wurzelwachstum, Fraßschäden an der Isolierung etc. lassen Sie hier völlig außen vor. Dass zusätzlich die Gefährdung viel höher ist, weil eine defekte Leitung nicht optisch zu erkennen ist, unterschlagen Sie ebenfalls.
Aber es gibt sogar einen viel besseren Grund, auf unterirdische Leitungen im großen Stil zu verzichten:
Die Verluste einer unterirdischen Leitung sind exorbitant höher! Zusätzlich erwärmt die Leitung das umgebende Erdreich, d.h. Schädlinge, die im Winter erfrieren würden, können sich gemütlich in lauwarmes Erdreich zurückziehen.
Aber auch Sie werden das jetzt sicher nicht glauben, und erst einsehen, dass Ihre Vorschläge noch umweltschädlicher und ineffektiver sind als Oberleitungen, wenn im Winter im Thüringer Wald und dem Harz ein regelrechte Trasse sichtbar ist, weil der Schnee oberhalb der Erdleitung schmilzt.

Zitat von
ausserdem stören sie vögel. leider denken politiker nur von zwölf bis mittag.
Na ein Glück, dass die Politiker damit nicht allein sind.
Bitte informieren Sie sich!
Betrachten Sie auch die technische Seite. Besuchen Sie Vorlesungen zur Hochspannungstechnik sowie zur Elektroenergieversorgung ihrer nächstgelegenen Fakultät für Elektrotechnik.

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ole-ivar 30.05.2012, 18:28
14. Genug Gründe

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
1. Dezentrale Netze sind wesentlich schwieriger stabil zu regeln. Viele Gruppen internationaler Forscher im Bereich der Regelungstechnik und Systemdynamik befassen sich mit diesem Problem. Bisher weitgehend erfolglos.

2. Der Wirkungsgrad von dezentraler Stromerzeugung ist lausig.

3. Damit verbunden, verkommt es zu ökologischem Schwachfug, wenn eine Solarzelle ca. 2/3 ihrer Stromerzeugung über die Lebensdauer bei Produktion, Wartung und Entsorgung verbraucht.

Sie besitzen gefährliches Halbwissen und haben sich offensichtlich nicht mit der Thematik auseinander gesetzt.

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olomow 30.05.2012, 18:28
15. Taktik

Das ist die Taktik: Aufrechterhaltung der Monopolstellung der Energieversorger durch die Schaffung von Infrastruktur unter gleichzeitiger Zurückdrängung lokaler autonomer Energiegewinnungsmassnahmen wie der Soloarenergie.

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47/11 30.05.2012, 18:28
16. Ganz klar :NEIN ...

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
... Dezentralisierung ist der Garant für autarke, sichere und kostengünstige Stromversorgung . Leider lässt sich am selbsterzeugten Strom nichts von anderen verdienen und auch das Land kann nicht erpresst werden .Das soll aber mit allen Mitteln verhindert werden . Dazu wirft man lieber Milliarden sinnlos zum Fenster hinaus und liefert D den Stromerzeugern aus !!!

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manta 30.05.2012, 18:29
17.

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
Findest du vielleicht nett für dein Häuschen, der Industriepark mit Aluminiumwerk findet die Idee aber nicht ganz so knorke.....

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sebus 30.05.2012, 18:32
18. Stichwort: Trassenbündelung

Im Zusammenhang mit dieser Diskussion fällt leider nie das Wort TRASSENBÜNDELUNG. In der Verkehrswegeplanung ist dieses Wort bekannt (-Wikipedia).

In einem so dicht besiedelten Land, wie es das unsere ist, sollten die "unberührten Naturlandschaften" so schonend wie möglich, also im Zweifel bei Alternativen, gar nicht betroffen werden.

Es ist für die neuen Stromtrassen daher doch nur wünschenswert, wenn diese entlang bestehender Autobahnen oder Eisenbahntrassen geplant werden. Bei den Verkehrswegetrassen hat man doch recht gute Erfahrung gemacht, siehe A3 zwischen Bonn und Frankfurt.

Zudem gibt es doch ein recht engmaschiges Autobahnnetz.

Und: ganz nebenbei sind Autobahnen zumeist schon so gelegt, dass sie die Bevölkerung möglichst wengig stören.

Mit anderen Worten: Bei einer Trassenbündelung, ist zu erwarten, dass der Widerstand der Bevölkerung wohl am Geringsten ist. Einziger Nachteil: Man kann nicht direkt bauen und muss daher ggf. ein paar Kilometer Umwege in Kauf nehmen. Dafür erhält man aber vermutlich doch eine Gegenleistung: Akzeptanz!

Sebastian Hahn, Hamburg

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goldi-rt 30.05.2012, 18:34
19.

Zitat von Boone
Gibt es ausser Monopol- und somit Machterhaltung noch einen Grund, warum Stromerzeugung nicht dezentralisiert wird und zwar so weit, bis nahezu jedes Haus seinen eigenen Strom erzeugt?
Ja, nämlich den Preis, den keiner dafür zahlen will. Im übrigen ist es meines Wissens keinem untersagt, seinen Storm selbst zu erzeugen und somit selbst zu Dezentralisierung beizutragen. Fragen wir uns doch mal, woran es liegt, dass es so wenige Menschen tun?...und jetzt bitte nicht wieder nach dem Staat rufen, wie man es ja immer so gerne macht, wenns für den einzelnen unbequem wird...Da müssten die Bürger nämlich selbst mal ein bissl Geld in die Hand nehmen. Und das ist der Punkt, wo hierzulande die Egeninitiative bei den meisten Bürgern bedauerlicherweise ganz schnell endet.

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