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Erziehung: Kleine Einsteins

Psychologen vermelden einen Ansturm von Eltern, die ihre Kinder für hochbegabt halten. Selbst schlechtes Benehmen wird dabei gern in überdurchschnittliche Intelligenz umgedeutet.

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eikfier 08.04.2009, 14:36
1. Lob wird oft vernachlässigt und deswegen...

Zitat von sysop
Psychologen vermelden einen Ansturm von Eltern, die ihre Kinder für hochbegabt halten. Selbst schlechtes Benehmen wird dabei gern in überdurchschnittliche Intelligenz umgedeutet.
...von mir einmal an dieser Stelle ein aufrichtiges Wort der Anerkennung an "sysop" für seine schier unerschöpfliche Kreativität bei der Themensuche und auch griffig-plakativer Benennung immer wieder neuer Titel; z.B. jüngst wieder gezeigt: "Erziehung: kleine Einsteins". Ich genieße sowas jedenfalls immer wieder auf`s Neue.
Zum Thema selber:
Wir Menschen - vor allem stolze Eltern - setzen immer gerne hohe Intelligenz mit hohem intellektuellem "Output" und sogar mit fast zwangsläufigem Erfolg im Beruf oder Leben gleich, was leider (oder gottlob?) eben nicht gekoppelt verläuft. So manches Genie ist bekanntlich ganz schön daneben geraten, man denke beispielsweise nur an das Kabarett-Genie ("Mann mit der Pauke") Wolfgang Neuß oder an den selbstkritischen Ausspruch von Max Liebermann als ihm jemand ein Maler-Genie nannt:"Ich weiß nicht so recht, mein Erfolg basiert wohl mehr auf Fleiß,Fleiß und nochmals Fleiß!" Auch der verdienten Erfolg von Wikipedia läßt sich gut in diese Richtung einordnen.
Und das Intelligenz-Quiz im Spiegel habe ich mir kurz angesehen und behaupte kühn, daß Einstein wohl dran gescheitert wäre...

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frubi 08.04.2009, 14:43
2.

Das viele Eltern ihre Kinder nicht verstehen ist für mich schon seit langem klar.

Da brauch der Bub nur mal wie ein wildes Huhn über ne Wiese zu flitzen und schon bekommt er Ritalin gegen ADS.

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fintenklecks 08.04.2009, 14:57
3. Stolze Eltern und Angeber

Ich kenne auch Eltern, die das etwas auffällige Verhalten ihres Kindes mit der Hochbegabtheit erklärten, die schlechten Schulnoten ebenfalls mit Hochbegabtheit erklärten, weil das Kind sich langweile.....
Aber das sind die Ausnahmen.
Alle Eltern sind stolz auf ihre Kinder und stellen es in der Gesellschaft manchmal als das beste aller Kinder dar. Ja, da muss man halt durch, auch wenn´s nervt.
Gott sei Dank kann man seine Gesprächspartner selbst wählen oder diskutieren.
Für mich ist das Thema nicht so heiß gekocht, wie es gegessen wird.
Alles im grünen Bereich.

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Fackus 08.04.2009, 14:58
4. endlich ...

wird das Phänomen mal so beschrieben, wie man es beobachten kann. Von den Kindern in meinem Bekanntenkreis ist mindestens ein Drittel 'extrem begabt'. So jedenfalls die Mütter. Und was die alles schon können.

Aber das Phänomen ist ja nicht neu. Ein alter Spruch der da lautet: 'Es glaubt jede Frau, ihr Kind wär ein Pfau'.
Gönnen wir den Mamis halt ihre Freude; am besten ist man still dazu und denkt sich sein Teil.

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fx33 08.04.2009, 15:10
5. Nicht nur belächeln

Hochbegabung ist keine Auszeichnung, sondern kann, wenn sie unerkannt bleibt, ein großes Problem werden.

Ich habe meine Tochter auch testen lassen, und ich bin froh, daß keine Hochbegabung bei ihr festgestellt wurde.

Allerdings war der Anlaß nicht felscher Ehrgeiz für's Kind, sondern ich bin ein gebranntes Kind, und ich hatte erste Alarmzeichen bei meiner Tochter festgestellt.

Es müßten nach meiner Meinung die Lehrer auf das Erkennen von besonderen Begabungen geschult sein. Grundsätzlich bin ich dafür, Kinder in altersgemischten Klassen zu unterrichten, wo jedes Kind die Inhalte vermittelt bekommt, die es erfassen kann. Dann würde jedes Kind seiner Begabung entsprechend gefördert.

Gleichzeitig wäre dieser unsäglichen IQ-Ralley der Boden entzogen.

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Saggse 08.04.2009, 15:13
6. eine neue species????

Eigentlich müsste die wissenschaftliche Betrachtung im Artikel noch weiter gehen:
Da Intelligenz bis zum einem gewissen Grad auch vererbt wird ist, hat der sprunghafte Anstieg der "hochbegabten" Kinder einen weiteren interessanten Aspekt:
Durchschnittlich begabte Eltern produzieren massenhaft hochbegabten Nachwuchs (ich sage das jetzt ganz bewusst so provokant). Logischerweise müsste doch die Vererbungslehre in einigen Teilen neu erforscht und entsprechend abgeändert werden...:-).
Ein weiterer Aspekt: Hochbegabung differenziert doch die wirklich intelligenten von uns breiter Masse, begründet sich also auch statistisch. Wenn aber alle hochbegabt sind, stechen sie doch gar nicht mehr aus der breiten Masse heraus, taugen somit auch nicht zum Statussymbol.

Jetzt mal ernsthaft:
Mir tun alle diese leidlich begabten und in absolut allen Aspekten des Lernens zu förderungswürdigen Kinder unendlich leid, da sie mit den immensen Erwartungen und dem damit verbundenen psychischen Druck irgendwie umgehen müssen (von den Eltern kommt ja mit Sicherheit keine Hilfe, die glauben dem Nachwuchs auch noch was gutes zu tun): Und all das nur weil ihre Eltern - mit Verlaub - einen riesigen Sockenschuss haben.
Das letzte was ein halbwegs intelligenter Mensch aus kindlichen Trotzreaktionen und sonstigem Blödsinn, den Kinder nun mal anstellen, herauslesen sollte, ist Hochbegabung oder ADHS. Aber vielleicht entwickelt die Pharmaindustrie ja demnächst ein Mittel gegen elterlichen Schwachsinn (wie das zweifelsfreie Erkennen der Hochbegabung des eigenen Nachwuchses entgegen sämtlicher einschlägiger Testresultate). Das müssen sie dann nur noch teuerer verkaufen als Ritalin (damit dürfte die Diagnose von ADHS auf die wirklich Betroffenen zurückgehen) und gleichzeitig müssten die schon vorhandenen Einrichtungen für wirklich Hochbegabte (die gibt es und die sind auch wichtig) Kinder nur noch dann akzeptieren, wenn diese von entsprechenden Experten, basierend auf schon existierenden, in Expertenkreisen anerkannten Tests, empfohlen werden. Diese Empfehlung dürfen die Eltern aber erst dann sehen, wenn sie schon fertig sind.

Na ja man wird ja mal träumen dürfen.....

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mariahellwig 08.04.2009, 15:25
7. ein bischen übertrieben

Die Darstellung, daß sich ein großer Teil der deutschen Eltern einbilden, ihre Kinder wären hochbegabt, halte ich für etwas übertrieben. Wenn man an den Elternabenden der DGHK teilnimmt, hat man nicht den Eindruck, daß dort die meisten Eltern von Wunschdenken befallen sind. Sie haben reale Probleme. Den meisten Eltern ist es übrigens peinlich, darüber zu reden und die meisten Eltern hochbegabter Kindern tun gut daran die Fähigkeiten ihren Kindes nicht an die große Glocke zu hängen. Das Wort "hochbegabt" ist Tabu!

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VorwaertsImmer 08.04.2009, 15:27
8. Die Mamis hochintelligenter Kinder sind meist auch noch Künstler...

Zitat von Fackus
wird das Phänomen mal so beschrieben, wie man es beobachten kann. Von den Kindern in meinem Bekanntenkreis ist mindestens ein Drittel 'extrem begabt'. So jedenfalls die Mütter. Und die alles schon können. Aber das Phänomen ist ja nicht neu. Ein alter Spruch der da lautet: 'Es glaubt jede Frau, ihr Kind wär ein Pfau'. Gönnen wir den Mamis halt ihre Freude; am besten ist man still dazu und denkt sich sein Teil.
...neulich war ich auf einer Vernissage einer Bekannten. Sie hat ihr Talent zum Malen entdeckt. Natülich hat sie ihren Beruf an den Nagel gehängt ums sich jetzt nur noch der Kunst zu widmen. Nebenher kümmert sie sich um ihr hochbegabtes Kind. Ist schon was tolles so ein Talent.

Blöd ist nur wenn man dann auch noch unter Druck gesetzt wird das man so ein Kunstwerk kauft. Ich musste es leider tun - sie ist die Frau eines Geschäftspartners....und jetzt hängt das Ding bei mir zu Hause!
Sagen tuts ihr keiner - aber es braucht ja auch keiner was zu sagen, ich weis was man denkt...

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blue_plasma 08.04.2009, 15:28
9. Sozialauffällige

Zitat von Fackus
wird das Phänomen mal so beschrieben, wie man es beobachten kann. Von den Kindern in meinem Bekanntenkreis ist mindestens ein Drittel 'extrem begabt'. So jedenfalls die Mütter. Und die alles schon können. Aber das Phänomen ist ja nicht neu. Ein alter Spruch der da lautet: 'Es glaubt jede Frau, ihr Kind wär ein Pfau'. Gönnen wir den Mamis halt ihre Freude; am besten ist man still dazu und denkt sich sein Teil.
Hallo,

den Spruch mit dem Pfau kannte ich noch nicht... Aber gut isser!
Aber mal ganz ehrlich, sollten wir den Mamis wirklich diesen Glauben lassen? Solche Kinder tun mir echt leid. Zuhause bekommen sie eingetrichtert, dass sie "ganz besonders schlau" sind und in der Schule bekommen sie nix gebacken. Aus dieser Diskrepanz zwischen Wahrheit und Wunschdenken werden kleine "Sozialauffällige" geboren. Zudem haben sie immer die gute Entschuldigung "ich darf das, ich bin nämlich hochintelligent". Meiner Meinung nach gehört zu echter Intelligenz auch ein großes Maß an Sozialverhalten und nicht nur die akademischen Fähigkeiten.

Oder?

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