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Essay: Vorreiter der Moderne

Warum sind die Vereinigten Staaten vielen Menschen so suspekt?

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Religionen 02.11.2008, 11:41
1. Freiheit für das Volk

Zitat von sysop
Von da an galt es, die Welt neu zu interpretieren. Um die Mitte des letzten Jahrhunderts diagnostizierte Hannah Arendt in ihrem Buch "Über die Revolution", mit der Gründung der Vereinigten Staaten sei die Geburt der Freiheit erfolgt. Dabei pries sie die Vorzüge der Amerikanischen Revolution - im Unterschied zur nachfolgenden Französischen Revolution. Ersterer sei es gelungen, politische Institutionen auf Dauer zu etablieren. Letztere sei hingegen von der ungelösten sozialen Frage in die Abgründe des Terrors gerissen worden. Warum sind die Vereinigten Staaten vielen Menschen so suspekt?
Die USA erachte auch ich als Gründer von Freiheit und Demokratie. Auch heute hat die Regierung keine Angst vor seinem Volk:

Jeder Mensch hat das Recht auf Waffenbesitz wie bei Hitler.

Das hat Vor- und Nachteile für das Volk. Attentate sind leichter und schneller möglich. Andererseits muß jeder Einbrecher damit rechnen, einer bewaffneten Frau zu begegnen. Das schreckt wirksam ab, Amen.

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EdenIsLost 02.11.2008, 11:48
2. Einfach mal so

Ich fand den Artikel schlecht und finde, dass der Spiegel seit einigen Jahren immer unkritischer proamerikanisch wird. Bekommt ihr irgendwie Kohle von da?

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coolcalmcollected 02.11.2008, 11:55
3. Ein zynisches Verständnis von "Moderne"

Ich findes es eine interessante Auffassung, wenn ein Staat, der beispielsweise

- in absoluten und relativen Zahlen mehr Bürger in Knästen einsperrt, als JEDES andere Land der Welt (derzeit deutlich mehr als 2,4 Millionen Menschen)

- die Bevölkerung von fremden Ländern mit brutalen ("Shock and Awe")-Angriffskriegen überzieht und für den Tod von deutlich mehr als einer Million Menschen während der Amtszeit von nur einem Präsidenten verantwortlich ist

- über den Kongress (siehe NED) Putschversuche gegen demokratische Regierungen der Nachbarländer unternimmt

- Wahlweise Bestechung, Drohungen oder notfalls militärische Gewalt ausübt, um seinen Willen durchzusetzen

- Viel von Demokratisierung und Selbstbestimmung redet, aber gleichzeitig ALLES unternimmt, um genau dies in seinem Einflussbereich zu verhindern (siehe Noam Chomsky: "What Uncle Sam Really Wants" als ein kleiner Einstieg)

jetzt als "Vorreiter der Moderne" tituliert wird.

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Dr. Klopek 02.11.2008, 12:05
4. tttt

Zitat von Religionen
1. Die USA erachte auch ich als Gründer von Freiheit und Demokratie. Auch heute hat die Regierung keine Angst vor seinem Volk: Jeder Mensch hat das Recht auf Waffenbesitz wie bei Hitler. 2. Das hat Vor- und Nachteile für das Volk. Attentate sind leichter und schneller möglich. Andererseits muß jeder Einbrecher damit rechnen, einer bewaffneten Frau zu begegnen. Das schreckt wirksam ab, Amen.
zu 1. Informieren Sie sich doch bitte über das Thema Sklaverei und Rassendiskriminierung in den USA
zu 2. Aus diesem Grund gibt es in den USA ja auch keine Kriminalität, oder?

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Masado 02.11.2008, 12:09
5. zumindest

weist der Artikel sehr schön philosophisch, auf die Entstehungsgeschichte und das Selbstverständnis der USA hin.

Das es sich um ein Volk von Sektierern handelt, das neben der Religion, einzig durch den Yankee-Dollar zusammengehalten wird und gerne missioniert, kommt aber zu kurz.
Es ist ein großes Land, in dem es alles gibt, das die gemeinsame Klammer heute pervertiert ist, kann man an den Kreuzzügen eines G.W.Bush ebenso beobachten, wie an der Finanzkrise, die in den USA begann.
Sie müssen sich wirklich wieder neu erfinden, die Amerikaner, es bleibt ihnen nichts anderes übrig.

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PML 02.11.2008, 12:16
6. Das Ambivalenz-Konstrukt

Hm, das Thema USA ist freilich ein verlockendes, wenn es darum geht, Volutenschwünge der (spannungsreichen) Ambivalenz zwischen "Freiheit" und "Gottgefälligkeit" zu drechseln.

Allein - ich bin mir sicher: Diese Analyse der USA ist falsch.

Hier wird schlichterdings zusammengerührt, was nicht zusammengehört.

Der Autor ignoriert die Unvereinbarkeit der Anschauungen zwischen unterschiedlichen Auswandererwellen Europas.

Wie setzte sich das Ganze denn zusammen:

1. Religiöse Bilderstürmer, die noch fanatischer, noch verstiegener waren als die religiös sich begründenden Machthaber, von denen sie in Europa verfolgt wurden.

2. Wirtschaftsflüchtlinge

3. Kriminalfälle / flüchtige Mörder

4. Fahnenflüchtige Soldaten

Erst an fünfter und letzter Stelle kommen europäische Aufklärer, die - gemeinsam mit säkularen "Juden" - zu einer Relativierung US-amerikanischer Bigotterie beitragen.

So ein wenig erinnert die US-Gesellschaft bis heute, vor allem freilich im Süden, an die Gesellschaft der Spartaner: eine intellektuell dumme, aber machtinnehabende Kriegerkaste - und ein Heer von zur Feldarbeit verpflichteten "Heloten".



"Missionarische Nationen" - und christliche gehören an vorderer Front dazu - kennen keine Demokratie. jedem Dogmatismus ist das Prinzip Demokratie fremd.

Atheisten seien nicht eidesfähig - .... äußerst interessante Formulierung ...

Am mit Abstand sympathischsten die zitierte Äußerung Heinrich Heines. (Ich hätte ihn hinsichtlich der USA für erheblich naiver gehalten, den alten Ironiker).

Historisch verständlich zwar, aber erheblich naiv erscheint mir die Einschätzung Alexander von Humboldts. Interessant wäre es gewesen, über die Einschätzung seines älteren Bruders Wilhelm lesen zu können.

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falconer 02.11.2008, 12:17
7. Waffenrecht Drittes Reich

"Jeder Mensch hat das Recht auf Waffenbesitz wie bei Hitler"

Diese Aussage ist falsch, da im Dritten Recht dem Grunde nach ein verschärftes Waffenrecht galt, um die Feinde und Opfer der neuen Ordnung zu entwaffnen. Nur eigenen Leuten, insbesonderen den Mitgliedern der vielen gleichgeschaltete (Partei-)Organisationen wurde ein liberales Waffenrecht zugestanden.
In den USA ist das Waffenrecht für alle gleich, ohne Ansehung der Ethnie oder der Weltanschauung.

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Sapere aude 02.11.2008, 12:25
8. Oh je

In Deutschland ist eine Frau Bundeskanzlerin und ein Sorbe Ministerpräsident eines Bundeslandes. Angesichts dessen kann ich nicht erkennen was Herrn Obama Laufbahn nun so beispielhaft für die Außergewöhnlichkeit der USA machen soll.

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Mustermann 02.11.2008, 12:28
9. Mal wieder die falsche Frage

Zitat von sysop
Warum sind die Vereinigten Staaten vielen Menschen so suspekt?
Warum sind die Vereinigten Staaten vielen Menschen so suspekt?

Nicht die die Vereinigten Staaten sind den Menschen suspekt sondern die herrschende Klasse der USA ist vielen Menschen suspekt. Ich z.B. bin bekennender Pro-Amerikaner seit meinem 16-Lebensjahr, wie viele meiner Altersgenossen. Micky Mouse, Lucky Strike, Chuck Berry, Hemmingway, Bob Dylan, Martin Luther King und und und.

Aber muss ich deswegen den Vietnam-Krieg gut finden oder den 'Der Gewinner kriegt alles' Kapitalismus?

Ich bin oft in Amerika und habe viele Freunde dort und gerade deswegen macht es mich stinksauer zu sehen wie die wirtschaftlich und politisch Mächtigen das Land an die Wand gefahren haben.

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