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Exzesse der Wiedertäufer: Gelüste und Gräuel in der Stadt Gottes
imago/ United Archives

Hunger und Pest wüteten, als die Wiedertäufer im mittelalterlichen Münster ein irres Gottesregime errichteten - sie plünderten, töteten, feierten Orgien und schafften das Geld ab. Das Ende der Welt schien nahe. Von Uwe Klußmann

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jpete 31.08.2016, 18:40
60.

Ein Bild im Artikel zeigt ja auch, wie graumsam die Täufer damals (allein wegen ihres Glaubens) vom Staat (und unterstüzt durch die offziellen Kirchen) umgebracht wurden. Das Bild der Täuferbewegung ist in jedem Fall heterogener als hier gezeigt. Viele Täufer standen für einen strikten Biblizismus, aber damit eben auch für eine Variante christlichen Pazifismus und christlicher Ehthik (Sitchwort Bergpredigt). Sie verweigerten den Kriegsdienst, als die Türken vor Wien standen, sie solidarisierten sich mit Müntzer und den Bauern in den Bauernkriegen, sie stritten sich über die Gewaltfrage (Schwertler und Stäbler) und sicher gab es auch solche spinnerten Gruppen die in Münster..aber eben auch dort war nicht alles so schwarz-weiß.. eine zunächst friedliche Reformation, die erst lutherisch und dann täuferisch geprägt war. Und was mich immer wieder wundert,wie selten die Aushungerung der Stadt durch katholische und protestantische Truppen angeklagt wird.

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oalos 31.08.2016, 18:45
61. Die verdiente Strafe

Zitat von j.bunyan
Man muss auch erwähnen, wie scharf Luther diese kleine, radikale Gruppe der Täufer verurteilte. Auch die anderen Täufergruppen (z.B. die pazifistischen Mennoniten) distanzierten sich von dieser Ansammlung von Spinnern, die letztendlich durch das militärische Eingreifen des Kaisers auch ihre verdiente Strafe erhielten. Ein solches Beispiel allerdings dazu zu verwenden, um das Christentum pauschal zu diskreditieren (und viele rufen ja hierbei laut Hurra), ist lächerlich und billig. Man schüttet auch nicht einen Wagen voll Äpfel aus, nur weil in einem ein Wurm ist.
Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling wurden mit glühenden Zangen die Zungen ausgerissen, ihre Körper zerfetzt und nach vier Stunden erdolcht. Ihre Leichen wurden in eigentlich für den Gefangenentransport bestimmten eisernen Körben am Turm der Lambertikirche aufgehängt zur Schau gestellt, „daß sie allen unruhigen Geistern zur Warnung und zum Schrecken dienten, dass sie nicht etwas Ähnliches in Zukunft versuchten oder wagten“. Die Täuferkörbe hängen noch heute an der Kirche. Die Folterinstrumente befinden sich im Stadtmuseum Münster. (Wikipedia). Da ist der IS ja richtig phantasielos.

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münchen1975 31.08.2016, 19:56
62. Ad Personam zu argumentieren gildet erst recht nicht

Zitat von g_bec
Sie verwechseln hier aber offensichtlich die Französische Revolution mit "der Aufklärung". Um sich von Ihren extremen "Glaubensgeschwistern" abzusetzen? Das gildet nicht, denn: Migegfangen, mitgehangen;-)
Das tue ich offensichtlich nicht! Haben Sie etwa folgenden Satz nicht verstanden?

Zitat von
Das ist genauso fair und objektiv, als wenn man "die" Aufklärung schlechthin für Guillotine und Terrorherrschaft verantwortlich machen würde - und nicht den irregeleiteten Fanatiker Robespierre und seine Spießgesellen.
Und unterlassen Sie bitteschön diese Argumentatio ad personam! Ich bin keineswegs religiös, wie Sie mir unter #58 auch noch unterstellen:

Zitat von
Kein Wunder. Sie gehören ja auch zum Klub dazu. Ich kenne nur und ausschließlich das Gegenteil. Hartnäckig. Und immer wieder.
Für Leute wie Sie hätte ich wohl nochmal extra erwähnen müssen, daß es auch Agnostiker unter meinen Bekannten gibt, die andere mit ihren weltanschaulichen Ansichten ebensowenig belästigen.

Was dagegen meine angeblichen "Glaubensgeschwister" angeht: In meinem Bekanntenkreis sind Katholiken, Protestanten, Angehörige von Freikirchen - ein bunt gemischter Haufen, der sich vermutlich in die Haare kriegen würde, wenn die ihren Glauben völlig ernst nähmen und nicht als Privatsache behandeln würden.

Das tun sie übrigens, ohne daß irgendein Atheist ihnen das jemals gepredigt hätte! Soviel Weisheit haben die meisten Religiösen tatsächlich von selbst, daß man weltanschauliche Fragen besser vermeidet, wenn man mit anderen eine schöne Zeit auf Erden verbringen will.

Womit wir wieder bei Ihnen wären. Wenn Sie im Gegensatz zu mir Pech mit Ihren religiösen Bekannten haben, dann ist das bedauerlich und ich kann es Ihnen nachfühlen. Ich mag auch keine Missionare, weder religiöse noch atheistische.

Das ist aber kein Grund, bei mir "Glückspilz" gleich persönlich zu werden. Es ist unsachlich, ad hominem zu argumentieren. Spekulationen à la "Alles klar, Sie gehören auch zum Klub dazu, Sie brauche ich nicht ernst zu nehmen" gehen überhaupt nicht! Unterlassen Sie das also bitte.

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io_gbg 31.08.2016, 20:07
63.

Zitat von granathos
Tja, Unser Liebes kleines Sünderlein
Herablassender Ton macht Ihre Argumentation nicht stärker.


"Natürlich ist es Zynismus festzustellen, dass die Klerikalen eine weit "humanere" Folter anwandten, als ihre Zeitgenossen, aber trotzdem ist es so gewesen."

Humaner? Dazu muss man die Augen wirklich mit Klebstoff zu halten.

" Naturwissenschaften und die Aufklärung, allesamt aus dem Schoß der Kirche entsprungen."

Nein, keineswegs. Trotz und gegen des Schoßes aus dem Furchtbares kroch.


"Der Vatikan hatte die erste Himmelswarte und das erste Projekt zur Vermessung des Kosmos."

Und ein gewisser Jemand baute sogar Autobahnen.
Macht die Gewalt nichts besser.


"Erst im 20. Jahrhundert konnte die RKK die Bürde weltlicher Macht ablegen."

Nur in Westeuropa.

"Wenn sie das mit dem Verlust an Einfluss interpretieren, so ist dies aber falsch."

Habe ich nicht. Der Einfluss ist allerdings in Westeuropa auf relativ humanes Maß geschrumpft.

"Es war schon Jesus bekannt, dass weltliche Macht eigentlich nicht der Religiösen Sache sein sollte."

über Jesus wissen wir nichts Genaues. Was er gesagt hat, ist unbekannt.

"SIe werden noch froh sein, dass es die RKK gibt, wenn die Zeiten erst wieder düster sind."

Im Sinne von Pest und Cholera vielleicht. Als "froh" kann man das aber nicht bezeichnen.

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io_gbg 31.08.2016, 20:28
64.

Zitat von münchen1975
Stimmt genau. So wie einer, der als Christ so denkt, ebenso den Grundgedanken seines Glaubens, nämlich die Nächstenliebe, verlassen hat.
In den zentralen Texten der Aufklärung werden Sie niemals finden, dass den Anhängern ähnlich grausame, ewige Strafen für den "Abfall vom Glauben" angedroht, wie dies die "heiligen" Schriften der großen Religionen ihren Anhängern androhen.

Von der Nächstenliebe ist in den "heiligen" Schriften nur dann die Rede, wenn es um die eigene Schar geht.


"Wenn es in jeder Religion (und jeder anderen Weltanschauung auch) ungefähr 5% Fanatiker gibt - mit welchem Recht wirft man dann als angeblich aufgeklärter Mensch auch noch die friedlichen 95% zusammen mit den Spinnern in einen Topf? Und macht dann "die" Religion für die Untaten der Minderheit verantwortlich?"

Weil die Untaten gegen Ungläubige regelmäßig in den "heiligen" Schriften verlangt werden.
Lesen Sei einfach, was Jesus (angeblich, man weiß es ja tatsächlich nicht) Ungläubigen androht.

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sojetztja 31.08.2016, 20:35
65.

> am 31. August 1534
> im mittelalterlichen Münster

Wer findet den Fehler, wenn ihn schon die Redaktion nicht gefunden hat?

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