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Feier der Thatcher-Gegner: "Ding Dong! Die Hexe ist tot"
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Im Londoner Stadtteil Brixton hat sich nach dem Tod der ehemaligen Premierministerin Thatcher ein unwürdiges Spektakel zugetragen. Rund 200 Menschen feierten das Ableben der umstrittenen Politikerin. Auf Plakaten wurde die Verstorbene als Hexe und Schlampe geschmäht. Straßenparty in London: 200 Menschen feiern Thatchers Tod - SPIEGEL ONLINE

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leo1172 09.04.2013, 12:25
200. Verständnis des Krieges

Zitat von O.Kenobi
Schon interessant, die Berichterstattung! Da erregt man sich über eine geschmacklose Veranstaltung, versäumt es aber in der Berichterstattung zu erwähnen, dass Frau Thatcher im Falklandkrieg die General Belgrano versenken lies, die sich nicht im Kriegsgebiet befand und sogar davon entfernte, bloß, um zuhause einen spektakulären Erfolg feiern zu können. 400 tote argentinische Seeleute, weil Frau Thatcher eine Schlagzeile brauchte. Diese Frau ist nicht weniger als eine Massenmörderin gewesen! Für Politiker gelten offensichtlich andere Maßstäbe. Die Familien der 400 sind mit Sicherheit nicht so vergesslich, wie der eine oder andere Journalist.
Ihre Aussage lässt jedes militärisches Verständnis vermissen. Krieg ist niemals schön und GB hat im Falklandkrieg auf eine militärische Agression seitens Argentinien reagiert. Darüber hinaus hat GB Argentinien bereits deutlich vor dem Angriff gewarnt, dass es Kriegschiffe und Militärflugzeuge Argentiniens auch außerhalb der Ausschlusszone (TEZ) angreifen würde.
Als Kriegspartei muss man nun mal mit gegnerischen Angriffen rechnen und eine totale Ausschlusszone (TEZ) ist keine Kampfarene, welche Kriegshandlungen begrenzen kann. Das geht schon deshalb nicht, da die TEZ einseitig von GB festgelegt wurde. Mir wäre neu, dass sich die Konfliktparteien vor Ausbruch der Feindseligkeiten auf ein exklusives Kampfgebiet geeinigt hätten. Und nur in diesem Fall würde Ihre Kritik tatsächlich Sinn ergeben.

Das selbst Argentinien es so wie von mir geschildert, kann man auch daran erkennen, dass es auch nach dem Krieg keinen Protest der argentinischen Regierung wegen der Versenkung gab. Selbst der Kapitän der Belgrano hält die Torpedierung für legitim.
Der hohen Verluste an Menschenleben bei der Versenkung sind bedauerlich, die vordringliche Aufgabe der britischen Streitkräfte war aber nicht der Schutz der argentinischen Matrosen, sondern der eigenen Kräfte. Und auch das Argument der Westfahrt des Kreuzers lässt keine andere Schlussfolgerung zu. Der Kreuzer war schnell und konnte jederzeit wenden. Insofern war er unverändert eine Bedrohung der britschen Kräfte auf den Inseln und als solche zu behandeln.

Krieg ist niemals schön, deshalb sollte man derartige Dinge auch nicht anfangen.

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gog-magog 09.04.2013, 12:26
201.

Zitat von Sequester
Als Chavez gestorben ist war das kein Tag für mich, an dem ich in tiefe Traurigkeit versunken bin.
Was vermutlich daran lag, dass Sie kein Venezoelaner sind, stimmts?

Zitat von Sequester
Aber was hier zu lesen ist widert mich an. Geht's noch? Man kann von ihr denken was man will, aber sie war demokratisch legitimiert und hat verkrustete Strukturen aufgebrochen. Wo ist denn hier die vielgerühmte Toleranz andersdenkender?
Was wollen Sie denn, es sind die Engländer, die von ihr geschädigt wurden und sich nun freuen. Die konnten das ja auch nicht vorher wissen. Die Thatcher hatte nie auch nur einen Hauch Verständnis für Andersdenkende, oder gar für Kritik. Das schlägt halt jetzt doch zurück.

Zitat von Sequester
Man kann hier im Forum viel über die Einstellung des linken Spektrums lernen und das macht sie nicht unbedingt sympathischer.
Die Thatcher wurde von ihren eigenen Parteigenossen damals geschasst. Aber woher sollen Sie das denn wissen? Ich behaupte auch, dass es sich bei denjenigen, die sich jetzt auf der Straße freuen, keineswegs um irgendwelche bösen Linken handelt, sondern um ganz normale Menschen, denen Thatcher und Genossen die Existenz geraubt haben. Da haben wir uns nicht einzumischen, sondern allenfalls Verständnis aufzubringen.

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nichzufassen 09.04.2013, 12:27
202. beides in eins

Zitat von schlau-meier
...Es macht schon einen Unterschied, ob man ein Massenmörder oder ein Politiker ist. Ich habe Bin Laden keine Träne nachgeweint und Amerika hatte das Recht dazu.
Manchmal gibt s halt auch beides in einer Person. Oder wie würden Sie einen Politiker bezeichnen, der mit bewussten Lügen einen Krieg provoziert hat, bei dem sicher mehr Menschen umgekommen sind als durch die Befehle eines Osama bin Laden. Name George W. Bush (und sein Anhang), der mit diesem Krieg sicher auch Interessen des Neo-Liberalismus bedient hat

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fitzgerraldo 09.04.2013, 12:27
203. unwürdig?

ach ja? diese scheussliche person hatte damals nelson mandela als terroristen beschimpft und sich gegen sanktionen gegen südafrika starkgemacht. was ist mit dem falklandkrieg? was mit(zusammen mit ronald reagan) der entfesselung der kapitalmärkte, an der wir heute und die ganze welt leiden? unwürdig ist jedes gute wort, das man über diese person verliert!

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Mundräuberin 09.04.2013, 12:27
204. Moment mal!

Als Frau Merkel sich über den Tod von Osama Bin Laden öffentlich freute, wo war da der Spiegel Artikel? Das hat weit größere Auswirkungen auf die Gesellschaft, wenn ein Politiker hochamtlich den Tod eines Menschen begrüßt. Damit schürt sie ein Klima, daß jetzt heuchlerisch angeprangert wird. Ich freue mich mich über niemandes Tod, aber ich würde mich über Gerechtigkeit und ein Ende der Heuchelei freuen. Speziell auf Seiten der Journaille, die eigentlich für diese Werte einstehen müsste und nicht das Sprachrohr der Meinungsdiktatur ist. Ich bitte um Gegenmeinungen!

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shenshen_ie 09.04.2013, 12:29
205.

Man kann ueber sie denken, was man will.
Aber wie viele Politiker fallen Ihnen denn so ein, die noch 30 Jahre (!) nachdem sie aus dem Amt vertrieben wurden, von der eigenen Bevoelkerung dermassen gehasst werden?

Nicht viele, moechte ich meinen.

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jens.kramer 09.04.2013, 12:30
206. Nie verstanden

Was ich ja nie verstanden habe seinerzeit, ist, wie sich die Gewerkschaften haben unterbuttern lassen.

Warum haben die Gewerkschaften nicht bis zum bitteren Ende durchgehalten, koste was es wolle? Dann wäre ein für alle Mal klar gewesen, wer denn überhaupt Wert schafften kann Alleine die Arbeit.

Jetzt saugen Schmarotzer und Abzocker die Arbeit aus, Arbeit wird immer weniger honoriert und wenn die Abzockerei die Arbeitslosigkeit vergrößert, werden die Abgezockten vom Geld-Mob als Asoziale beschimpft.

Margret Thatcher war die Totengräberin für Englands arbeitende Mittelschicht. Ich schätze, diese Mittelschicht wird weiter verarmen und trotzdem nicht merken, wieso.

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gog-magog 09.04.2013, 12:30
207.

Zitat von unter_linken
Die haben ihr Halbwissen dann aus abenteuerlichen Geschichten am Lagerfeuer, von Maggie, die Opi den Job wegnahm in dem sie Elektrozüge einführte und der Heizer überflüssig war. Böse Privatisierung, wo doch die Dampflok so kuschelig war.
Dass die Thatcher die Dampfloks abgeschafft hat, ist ein Mythos aber nicht die Realität. In der Realität hat sie gleich die ganze Bahn abgeschafft. Gerade im öffentlichen Verkehr hat sie ein totales Chaos hinterlassen, genau wie in der Kranken- und Altenversorgung.

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Ylex 09.04.2013, 12:30
208. Thatcher markierte eine politische Zeitenwende

Zitat von vargtimmar
Wer hier im Süden miterlebt, dass 55 Prozent der jungen Leute unter fünfunddreißig arbeitslos yu Hause bei Eltern sitzen, dass Krankenhäuser privatisiert werden und das staatliche Gesundheitswesen gezielt zugrundegerichtet wird, dass Hunderttausende von Menschen.....
Die Wahrheit klar beschrieben – Margret Thatcher symbolisiert im Grunde den Beginn einer politischen Zeitenwende, die im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts einsetzte: Die Zeitenwende war die zunehmend vom Kapital gesteuerte Instrumentalisierung der Politik. Die englische Premierministerin praktizierte als erste unverhohlen und rücksichtlos diese neue Hierarchie, an deren Spitze die Macht des Geldes steht und in der eine funktionierende Demokratie ganz unten steht. Thatcher zeigte sich als erste Politikerin bereit, offen die Drecksarbeit für das Geld zu machen, sie prägte damit eine ganze Generation von Helfershelfern, so ähnlich wie sie im zitierten Beitrag aufgezählt sind, bis hin zu Angela Merkel, die den Kapitalinteressen schon fast hündisch ergeben ist - ein derartig kümmerlicher Anblick, dass man sie schon bemitleiden könnte, ich denke nur an diesen peinlichen Krampf mit Putin auf der Hannovermesse, den die barbusigen Demonstrantinnen noch augenfälliger machten.

Vielleicht aber wird die deutsche Bundeskanzlerin später einmal auch so symbolträchtig wie Margret Thatcher – warum? Weil Angela Merkel den Niedergang dieser Generation der Gefälligkeitspolitiker einläutet. Die Zeichen stehen eindeutig auf Sturm, der atmosphärische Druck lässt das Politik-Barometer gefährlich absinken, überall in Europa. Angela Merkel steht bereits jetzt für das große Scheitern, das bevorsteht, sie könnte zur tragischen Figur eines Europa werden, das sich unter einer finanzökonomischen Anarchie im Nichts aufzulösen droht – das würde Angela Merkel allerdings eine sehr zweifelhafte geschichtliche Bedeutung bescheren.

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gundi 09.04.2013, 12:31
209. Missverständnis

Zitat von schlachtross
GB hatte kaum wettbewerbsfähige Produkte oder Industrien. Maggie hat mit eisernen Faust frischen Wind in den Laden gebracht, notwendig gewordenen, frischen Wind!.
... und hatte danach noch weniger wettbewerbsfähige Produkte oder Industrien, dafür jedoch einen nahezu unregulierten und brandgefährlichen Finanzsektor.

Es steht außer Frage, dass die wirtschaftliche Ausgangslage in GB hochproblematisch war ... ebenso steht außer Frage, dass diese Probleme unter Thatcher nicht gelöst wurden.

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