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Franz von Assisi: Eiswasser statt Leibeslust

Während die Amtskirche in Protz und Prunk versank, formierte sich im Hochmittelalter eine mächtige religiöse Gegenströmung: Bettelmönche wie Franz von Assisi predigten Verzicht und Demut.

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machorka-muff 29.08.2010, 10:02
1. vom mittelalter rein ins hier und jetzt

wir machen die revolution nicht, um arm zu bleiben!

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stanis laus 29.08.2010, 10:08
2. Konvertit

""Plötzlich wurde er vom Herrn heimgesucht, und sein Herz wurde von solcher Freudigkeit erfüllt, dass er weder sprechen noch sich rühren konnte", notierte ein Chronist später."

Nee, nur lallen. Und wen er sich etwas bewegt hätte, wäre er übergelaufen wie ein Korpsstudent.

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GinaBe 29.08.2010, 10:12
3. Von Franz von Anissi zur Gegenwart

Vielen Dank für den Artikel!
Das Geschehen liegt zwar ca. 800 Jahre zurück, beschreibt den Umbruch- heute sagen wir Krise- von Romanik zur Gotik, historisch gesehen, der dann die Renaissance zwischen dem 14.- und 16. Jahrhundert einleitete.
Industrielle und technische Entwicklungen haben die Erde inzwischen anders verädert, ....globalisiert,heißt das neue Zauberwort, doch die menschliche Gesellschaft hat sich, genau besehen, nicht sehr viel verändert...

Franz von Assisi erlebte durch seine "Gottesheimsuchung" eine ähnliche Umkehr wie Saulus, der zum Paulus wurde.
Momentan wird unsere gesamte westliche Welt von eben diesem Umkehrprozess berührt..., doch bewegt dieser auch etwas, was die Zukunft unseres Planeten in absehbarer Zeit weniger in apokalyptischen Visionen als denn zu einer neu- befriedeten, demokratisch ergänzten und berichtigten Basis finden lassen kann.
Wo ein Wille ist....

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Marbot 29.08.2010, 10:39
4. .

>>Hienieden war ihnen nur Jammertal. Fortpflanzung, ob von Mensch oder Tier, galt als Teufelswerk. Fleisch, Fett oder Milchprodukte verzehrten sie nicht. Einzig die Seele galt es zu retten, um sie zu Gott in den guten Himmel zu leiten. << Zitat Ende

Erinnert mich irgendwie an einige Beiträge im thread nebenan über das Für und Wider fleischloser Ernährung.
>duck-und-wech<

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aktivx 29.08.2010, 11:37
5. Akute Psychose?

Heute würde man das Erlebnis eher mit der Diagnose akute vielleicht schizoaffektive Psychose belegen.

Der Mann würde zunächst mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden, würde er seine Auffassungen wiederholen - wär er weg von der Bildfläche - dauerhafte verwahrt in der Psychiatrie.

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schna´sel 29.08.2010, 11:50
6. hiphop

Zitat von sysop
Während die Amtskirche in Protz und Prunk versank, formierte sich im Hochmittelalter eine mächtige religiöse Gegenströmung: Bettelmönche wie Franz von Assisi predigten Verzicht und Demut.
Franz war sicher ein Naturtalent. Die Radikalität seines Sinnes- und Bewusstseinswandels ist eine Reaktion auf die Radikalität der vorgefundenen Zustände. Auf der einen Seite säkulares Elend, Macht und Habenichtse, die sich, ähnlich wie heute, um möglichst viel Anteile an der Spaßgesellschaft balgen. Auf der anderen Seite Rom, mit seinem Herrschaftsanspruch und dem katholischen Dogma. Auch wie heute, auch völlig korrupt und in sich bigott.
Die Radikalität dieser Bewegungen verhindert auch heute deren Integration in eine der Zeit angemessene spirituelle Reformbewegung. In deren spirituellem Weltbild gibt es nur top oder hop. Entweder totale Entsagung oder Untergang im Sumpf der Welt und anschließend das Höllenfeuer. Keine Zwischentöne. Und insofern auch kein Unterschied zu den dogmatischen Ansätzen Roms. Auch wenn sich die Bettelmönche von den Exzessen und der Bigotterie des etablierten Klerus frei gemacht haben.

Da lobe ich mir doch den mittleren Weg, den der Buddha seinen Anhängern zur Befreiung vom Leid empfiehlt:

"Zwei Extreme sind, ihr Mönche, von Hauslosen nicht zu pflegen. Welche zwei?

* Bei den Sinnendingen sich dem Anhaften am Sinnenwohl hingeben, dem niederen, gemeinen, gewöhnlichen, unedlen, heillosen; und
* sich der Selbstqual hingeben, der schmerzlichen, unedlen, heillosen.

Diese beiden Extreme vermeidend, ist der Vollendete zum mittleren Vorgehen erwacht, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt.“
(in der Predigt von Benares, der ersten Lehrrede nach seiner Erleuchtung)

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werner thurner 29.08.2010, 12:48
7. Anfänge des Antijudaismus

Aus dem SPON Beitrag:

"Als Papst Innozenz III. im Jahr 1215 mit mehr als 1200 Teilnehmern, darunter zahlreiche Bischöfe und Äbte, in Rom zum Vierten Laterankonzil zusammenkam, verdammten die Geistlichen überaus deutlich herrschende Missstände unter führenden Klerikern: "Sie verbringen fast die halbe Nacht mit überflüssigen Schmausereien und ungeziemendem Geschwätz, von anderen Dingen ganz zu schweigen."

Allerdings wurde von Innozenz III damals auch der äußere Grundstein für Judenverfolgung und Judenhaß in Europa gelegt, durch die Einführung von Judenhut und Judenfleck auf dem III Laterankonzil.
http://www.bfg-muenchen.de/cms/home/...ory=0&35page=1

"in ihm habe die Kirche nicht nur triumphiert, insbesondere durch die genozidale Ausmordung der Katharer, sondern sie habe den Judenhass zum offiziellen Kirchenprogramm erhoben. Schon im 3. Laterankonzil von 1179, einem sog. ökumenischen Konzil, hatten 300 Bischöfe antijüdische Vorschriften bestätigt, sollten doch die Juden nur leben, damit ihr leidvolles Dasein die Herrlichkeit Christi umso mehr leuchten lasse. Nach langer Vorbereitung, begleitet vom Rat der gelehrtesten Theologen, fand 1215 das 4. - ökumenische - Laterankonzil statt, mit ca. 1300 Teilnehmern selbst aus dem Osten das größte Konzil der Christenheit vor dem 2. Vatikanum. Angesichts verheerender innerkirchlicher Missstände und existentieller Bedrohung der Kirche insbesondere durch die friedliebenden Katharer geißelte der mächtige Papst Innozenz III. schon in seiner Begrüßungsansprache die verderbte Geistlichkeit. Neben der Kirchenreform waren aber auch Kreuzzugsfanatismus und Ketzerausrottung mit Feuer und Schwert angesagt, und der Juden nahm man sich sehr eingehend an. Scharf bekämpft wurden die so genannten jüdischen Wucherzinsen, obwohl die Juden selbst mit unanständig hohen Sondersteuern belegt waren. Zur Diskriminierung und gesellschaftlichen Ächtung schrieb man für die Juden Sondertracht bzw. Kleiderzeichen vor. Das Konzil schloss die Judenschaft von allen handwerklichen Berufen und praktisch aus der Gesellschaft aus, wobei sich die Abdrängung in die Geldberufe verheerend auswirkte."

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kalumeth 29.08.2010, 12:51
8. Gegenimpuls zur Kreuzfahrermentalität der "religiösen Rechten" des Mittelalters

Zitat von GinaBe
Vielen Dank für den Artikel! ... doch die menschliche Gesellschaft hat sich, genau besehen, nicht sehr viel verändert... Franz von Assisi erlebte durch seine "Gottesheimsuchung" eine ähnliche Umkehr wie Saulus, der zum Paulus wurde. Momentan wird unsere gesamte westliche Welt von eben diesem Umkehrprozess berührt..., doch bewegt dieser auch etwas, was die Zukunft unseres Planeten in absehbarer Zeit weniger in apokalyptischen Visionen als denn zu einer neu- befriedeten, demokratisch ergänzten und berichtigten Basis finden lassen kann. Wo ein Wille ist....
Franz von Assisi hatte sich (laut ZDF-Bericht vom 26.12.2007) mit einer ganzheitlicheren Sehweise von Kreuzzügen und anderen Auswüchsen seiner Zeit deutlich abgesetzt. Ihm wird auch die Einführung des Weihnachts-Krippenensembles zugeschrieben: Ochs symbolisierte das Judentum, Schafe die Christenheit und Esel den Islam - die er gern vereint und nicht gegeneinander gesehen hätte. Sein Gottesbild wurde am Ende viel eher natur-mystisch*) als monotheistisch-katholisch. Das dokumentiert nicht zuletzt sein Lied für die Sonne.

*) ähnlich dem spirituellen Weltbild einer Hildegard von Bingen, da Vincis, Melanchtons oder Keplers:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskuss...ung.2C_Quellen

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kalumeth 29.08.2010, 13:20
9. kenntnisfrei

Zitat von aktivx
Heute würde man das Erlebnis eher mit der Diagnose akute vielleicht schizoaffektive Psychose belegen. Der Mann würde zunächst mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt werden, würde er seine Auffassungen wiederholen - wär er weg von der Bildfläche - dauerhafte verwahrt in der Psychiatrie.
Wo haben Sie denn ihre kenntnisfreie Verachtung her? Wollten Sie hier wen beleidigen? Es gibt genug vorübergehend Psychosekranke und später genauso gut wieder Gesunde, die in Alltag und Beruf ihren Mann/ihre Frau stehen bzw. gestanden haben! Ohne ihre Bilder, Kunst, Musik oder Mystik (vgl. auch den bibl. Apostel Johannes) wäre auch abendländische Kultur um vieles ärmer!

Übrigens: seit über 30 Jahren wird in Mitteleuropa niemand mehr wegen 'Wiederholung solcher Auffassung' dauerhaft verwahrt. Möglicherweise noch in China oder manch anderen totalitären Ländern. Wünschen Sie sich dorthin? Es steht Ihnen frei...

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